Sanierte Altlast S8: Esse Mitterberghütten

Im Jahr 1994 wurde bei regionalen Untersuchungen zur Bodenqualität nahe des Standortes einer 1931 aufgelassenen Kupferhütte eine massive Bodenkontamination bekannt. Die Esse der Kupferhütte war räumlich getrennt auf einer Anhöhe über dem Salzachtal situiert gewesen.

In diesem Bereich zeigten sich vor allem für Arsen, aber auch für Quecksilber und andere Schwermetalle sowie organische Schadstoffe (PAK, PCDD/F) zum Teil extrem hohe Gehalte im Oberboden. Die höchsten Gehalte zeigten sich dabei auf einer Halde mit Rückständen aus der Rauchgasableitung, auf der auch über Jahrzehnte keine Vegetation aufgekommen war.

Als Sofortmaßnahme wurde die Halde unmittelbar nach bekannt werden der Untersuchungsergebnisse abgedeckt und mit einem Zaum gegen Zutritt abgesichert. In weiterer Folge wurden in zwei Bauphasen in den Jahren 1999 und 2000 sowohl die Halde als auch noch existente Überreste der früheren Esse und hochkontaminierte Böden geräumt und das Gelände rekultiviert. Da der tiefere Boden weiterhin Restbelastungen zeigt, bleiben Nutzungseinschränkungen in Hinblick auf allfällige Bebauungen aufrecht.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Johann im Pongau,
Bischofshofen,
Haidberg,
142/1, 142/2, 142/4, 143/1, 143/3, .383
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Metallschaffende Industrie
Ergebnis Beurteilung: erhebliches Risiko Schadstoffaufnahme
Fläche Altlast (m²): 1.500 m²
Volumen Altlast (m³): 540 m³
Schadstoff(e) Metalle (Arsen)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 23.02.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 16.08.1995
Priorität: 2
Datum Ausweisung dekontaminiert: 03.07.2001
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.09.2001

Beschreibung der Altlast

Im Bereich eines Berghanges oberhalb der ehemaligen Kupferhütte in Mitterberghütten waren der Austritt eines ehemaligen Rauchgasschachtes sowie in Form einer Halde abgelagerte Rückstände aus der Rauchgasableitung und teilweise der Schutt des früheren Rauchgasschlotes situiert. Die Kupferhütte bestand bis 1931. Der Schlot wurde am Beginn des 2. Weltkrieges gesprengt. Der Altstandort nimmt eine Fläche von rund 2.000 m² ein und befindet sich auf einem Felsplateau westlich der ehemaligen Kupferhütte etwa 80 m über dem Talboden des Salzachtales.

Bei den in Form einer Halde abgelagerten Abfällen handelte es sich um Feinmaterial, das durch die Sublimation der Rauchgase an der Innenseite der Schlote angefallen war, Flugstäube sowie Stollenausbruch und Schutt der abgetragenen Schlote. Die Halde umfasste eine Fläche von etwa 400 m². Die Kubatur war ca. 540 m³. Auf der Halde konnte keine Vegetation aufkommen. Die Austrittsöffnung des Rauchgasschachtes mit Resten des aufgesetzten Schlotes befand sich etwa 40 m nördlich der Halde. Die Fläche im Bereich des Rauchgasschachtes war mit Gras und zum Teil mit Sträuchern bewachsen. An der Oberfläche waren Reste von lose herumliegendem Bauschutt vorhanden.

Der Altstandort befindet sich im Bereich eines Felsplateaus oberhalb der Ortschaft Mitterberghütten. Der Untergrundaufbau wird von phyllitischem Festgestein (sog. Wildschönauer Schiefer) geprägt. Die Phyllite werden von einer geringmächtigen Grundmoräne (ca. 2 - 3 m) überlagert. Die Moräne ist an ihrer Oberfläche bis in eine Tiefe von ca. 1 m verwittert. Anfallende Niederschläge fließen vor allem oberflächlich ab. Die anstehenden Phyllite und die unverwitterte Grundmoräne sind gering durchlässig. Wasserwegigkeiten im phyllitischem Festgestein können nur in sehr geringem Umfang entlang feinster Kluftflächen des Felses auftreten. Im Einflussbereich des Altstandortes befinden sich keine genutzten Quellen. Aus hydrogeologischer Sicht handelt es sich um einen trockenen Standort.

Nördlich und östlich des Altstandortes fällt das Gelände zu bewaldeten Flächen ab. In diesem Bereich befindet sich auch eine Straßenkehre der Zufahrtsstraße zu einer nahegelegenen Siedlung. Unmittelbar südlich an die Halde angrenzend befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen. Rund 50 m westlich besteht eine Siedlung von zehn Einfamilienhäusern. Die Halde war bis in das Jahr 1994 frei zugänglich.

Gefährdungsabschätzung

Der Rauchgasschlot der Kupferhütte Mitterberghütten bestand nach Auflassung der Hütte (1931) weiter und wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges gesprengt. Teile des Schuttes und Feinmaterialien, die während des Betriebes der Kupferhütte durch die Sublimation der Rauchgase an der Innenseite der Esse angefallen war, sowie vermutlich Flugstäube wurden im Nahbereich des Schlotes abgelagert. Die abgelagerten Abfälle lagen bis 1995 offen zu Tage und wurden dann im Zuge von Sofortmaßnahmen abgedeckt. Auf den Flächen um den Rauchgasschlot bzw. zwischen Esse und Halde konnte es während des Betriebes der Kupferhütte und im Zuge der Abtragung der Schlote zu Verunreinigungen des Bodens im Zuge der jeweiligen Manipulationen kommen. Die Fläche des Altstandortes kann mit rund 2.000 m² angegeben werden, wobei die Halde rund 400 m² groß ist und die abgelagerten Abfälle eine Kubatur von rund 540 m³ haben.

Das im Bereich der Halde an der Oberfläche anstehende Feinmaterial (Sublimat) weist extrem hohe Schwermetallgehalte auf. Auf Grund der Gesamtgehalte der Schwermetalle Arsen, Blei und Quecksilber wäre eine Deponierung des Materials ohne Vorbehandlung bzw. eine obertägigen Deponierung auszuschließen. Analysenergebnisse des wässrigen Eluates zeigen außerdem erhöhte wasserlösliche Anteile vor allem für Arsen und Blei. Als Sofortmaßnahme wurde die Halde daher im Frühjahr 1995 abgedeckt und abgezäunt.

Die Ergebnisse der Analysen des abgelagerten Felsausbruchs und des an der Sohle der Altablagerung anstehenden Gesteines zeigen sehr hohe Gehalte an Arsen. Diese Ergebnisse stellen in Zusammenhang mit dem Ergebnis der Eluatanalyse des Feinmaterials, das vor allem für Arsen erhöhte wasserlösliche Anteile anzeigte, einen Hinweis auf eine Auswaschung und Verlagerung des Arsens durch versickernde Niederschlagswässer dar.

Die schwermetallhaltigen Feinmaterialien lagen im Bereich der Halde bis 1995 offen zu Tage. Die Halde war seit Bestehen frei zugänglich und befindet sich etwa 50 m von einer Siedlung mit zehn Einfamilienhäusern entfernt. Aufgrund dieser Nähe zu Wohngebäuden wurde die Halde zu Freizeitzwecken genutzt. Im Vergleich der Analysenergebnisse der Bodenmischprobe mit international üblichen Bodenprüfwerten für Wohngebiete und Freizeitnutzungen sind vor allem bei Arsen, Blei und Quecksilber zum Teil mehr als 100-fache Überschreitungen der Prüfwerte feststellbar. Darüber hinaus zeigten die Analysenergebnisse einer Probe der abgelagerten Feinmaterialien auch für PAK und PCDD/F erhöhte bzw. stark erhöhte Gehalte. Im Frühjahr 1995 wurde die Halde im Zuge von Sofortmaßnahmen abgedeckt und eingezäunt.

Als Vergleichsgrundlage für die Beurteilung der Analyseergebnisse von Bodenproben am Altstandort und in der näheren Umgebung können Ergebnisse von Bodenproben aus der weiteren Umgebung als Hintergrundwerte herangezogen werden. In der weiteren Umgebung konnten insbesondere bei Arsen (bis 114 mg/kg TS) erhöhte Messwerte beobachtet werden. Diese Arsengehalte stellen einen Hinweis dar, dass es durch die Emissionen der ehemaligen Kupferhütte in Mitterberghütten (bis 1931) zu großräumigen Belastungen des Bodens gekommen ist.

Die Analysenergebnisse von Bodenproben am Altstandort und in der Umgebung nahe der Halde zeigen Schwermetallgehalte, die deutlich über den Hintergrundwerten aus der nahen Umgebung (Wiese unterhalb der Halde) bzw. der weiteren Umgebung, die wahrscheinlich ausschließlich über luftgetragene Immissionen verursacht wurden, liegen. In Bezug auf die stark erhöhten Gehalte an Arsen (bis max. 11.000 mg/kg TS), Blei, Cadmium, Kupfer und Quecksilber im Bereich des Altstandortes, d.h. im Bereich um die ehemalige Esse und im Zwischenbereich zur Halde, ist daher davon auszugehen, dass die Verunreinigungen des Oberbodens vor allem durch Manipulationen mit schadstoffbelasteten Materialien verursacht wurden. Entsprechende Hinweise ergeben sich auch aus der Zusammensetzung und Verteilung der Metallbelastungen des Oberbodens, da in den Randbereichen des Altstandortes die Arsenbelastung, als Indikator für luftgetragene Immissionen, in der Relation zu den anderen Metallen stärker in den Vordergrund tritt. Maßgebliche Manipulationen können sowohl während des Betriebes der Kupferhütte als auch im Zuge der Abtragung der Schlote erfolgt sein.

Im Bereich von Erosionsgräben am Haldenfuß beobachtete stark erhöhte Gehalte bei Arsen (bis 7.600 mg/kg TS), Blei, Cadmium und Quecksilber sind wahrscheinlich auf den Abtrag schadstoffbelasteter Materialien bei Niederschlagsereignissen zurückzuführen. Im Bereich der Wiese unterhalb der Halde wurden bei Arsen (1.495 mg/kg TS) stark erhöhte Gehalte sowie bei Blei und Quecksilber deutlich erhöhte Gehalte festgestellt. Auf Grund der Zusammensetzung und Verteilung der Metallbelastungen und da sich in unmittelbarer Nähe der Wiese sowohl der Standort der ehemalige Esse der Kupferhütte als auch die Halde befinden, können diese Bodenbelastungen sowohl durch die Rauchgasemissionen der ehemaligen Kupferhütte als auch durch Staubverfrachtungen aus dem Bereich der Essenhalde verursacht worden sein. Bei den Metallen Arsen, Blei und Quecksilber sind deutliche Überschreitungen international üblicher Prüfwerte für landwirtschaftlich genutzte Böden gegeben. Die landwirtschaftliche Nutzung der Wiese wurde im Frühjahr 1995 eingestellt. Die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen zeigten, dass der Boden am Altstandort und in der nahen Umgebung der Halde beeinträchtigt ist. Die Belastung am Altstandort ist überwiegend auf Manipulationen zurückzuführen, Belastungen in der nahen Umgebung waren wahrscheinlich vor allem auf Schadstoffverfrachtungen aus dem Bereich der Halde mittels Erosion (Wasser und Wind) zurückzuführen.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigten, dass massive Verunreinigungen des Schutzgutes Boden gegeben waren. Da der Altstandort frei zugänglich ist, kann auch eine erhöhte direkte Aufnahme von Schadstoffen durch Menschen nicht ausgeschlossen werden.

Sanierungsmaßnahmen

Das Ziel der Sanierungsmaßnahmen war, einen Zustand herzustellen, bei dem:

  • die derzeit gegebenen Nutzungen am Standort und in der Umgebung möglich sind und
  • eine weitere Ausbreitung und von Schadstoffen dauerhaft ausgeschlossen bzw. minimiert ist.

Unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten bzw. der lokalen Hintergrundwerte und der geplanten Nutzung am Standort wurden für die Abgrenzung hochbelasteter Böden bzw. Materialien die Leitparameter Arsen und Quecksilber herangezogen und folgende Sanierungszielwerte festgelegt:

Sanierung Altstandort "Esse Mitterberghütten" - Sanierungszielwerte

Parameter Gesamtgehalt – Königswasserauszug
[mg/kg TS]
Gehalt im Eluat nach S 2115
[mg/l]
Arsen 2500 0,1
Quecksilber 20 0,005


Eine erhöhten Exposition von Pflanzen, Tieren oder Menschen durch direkte Aufnahme von Schadstoffen wurde für die Ableitung von Sanierungszielwerten nicht als relevant betrachtet, da:

  • einerseits das Gelände im Bereich der Altlast mit entsprechend einwandfreiem Material wiederhergestellt werden sollte, so dass jegliche Kontaktmöglichkeit zu tieferliegenden belasteten Materialien ausgeschlossen ist, und
  • sich andererseits bei entsprechenden Untersuchungen an Pflanzen und Tieren in der Umgebung des Standortes sowie bei Anrainern keine Hinweise auf einen erhöhte Schadstoffaufnahme bzw. –exposition ergeben hatten.

Als relevante Vergleichsgrößen für die Festlegung der Sanierungszielwerte wurden generell die Maßnahmenschwellenwerte der ÖNORM S 2088-1 herangezogen (Gesamtgehalte: As 100 mg/kg TM, Hg 20 mg/kg TM; Eluatgehalte: As 0,1 mg/l; Hg 0,005 mg/l). Die beiden Leitparameter waren in der Regel bei allen Untersuchungen maßgeblich für die Beurteilung der Kontaminationen des Bodens. Bei Unterschreitung der angegebenen Sanierungszielwerte lagen die Belastungen für Cadmium, Kupfer und Blei deutlich unterhalb der Maßnahmenschwellenwerte der ÖNORM S 2088-1.

Bei einem Vergleich der zitierten Vergleichsgrößen mit den Untersuchungsergebnissen im Bereich der Altlast ergab sich jedoch, dass hinsichtlich der Gesamtgehalte beim Parameter Arsen auch in der Umgebung des Altstandortes zum Teil massive Überschreitungen des Maßnahmenschwellenwertes gegeben sind. Diesbezüglich ist von folgenden Hintergrundwerten auszugehen:

  • durch Abtrag aus dem Bereich der Altlast belastete Böden: As 1.500 mg/kg TS
  • Kleinräumige Hintergrundbelastung: As 150 mg/kg TS
  • Großräumige Hintergrundbelastung: As 100 mg/kg TS

Eine Dekontamination des Standortes die über lokale Hintergrundbelastungen hinausgeht war nicht als zweckmäßig anzusehen. Allgemein können Messwerte, die um mehr als 50 % über den lokalen Belastungen, liegen als signifikant bezeichnet werden. Dementsprechend wurde der Sanierungszielwert für den Arsen-Gesamtgehalt mit 2.500 mg/kg TS festgelegt.

Die durchgeführten Maßnahmen können in folgender Weise zusammengefasst werden:

  • Entfernen der hochbelasteten Materialien im Bereich der Halde
  • Entfernen der bestehende Überreste der betrieblichen Anlage bzw. der Esse (Fundamente, unterirdische Kammern etc.)
  • Entfernen hochbelasteter Böden im gesamten Bereich der Altlast
  • Entfernen von sonstigen Abfällen im Bereich der Altlast (Schrott, hausmüllähnliche Ablagerungen etc.)
  • Wiederherstellung der Geländeoberfläche im Bereich der Altlast

Die Maßnahmen wurden in zwei Sanierungsphasen im Herbst 1999 sowie im Sommer des Jahres 2000 durchgeführt. Eine Mengenbilanz der entfernten Abfälle ist in Tabelle 2 enthalten.

Übersicht zu den entfernten Abfallmengen (Angaben in Tonnen)

Art der Abfälle Phase I Phase II
Hochkontaminierte Abfälle und Böden 3.198 1.606
belasteter Bauschutt und Boden 264,6 891,5
Hausmüllähnliche Abfälle 4,1 ---


In der ersten Sanierungsphase wurden die Halde und zum Teil Überreste betrieblicher Anlagen entfernt. Vor Beginn der zweiten Sanierungsphase wurde der Sanierungsbereich durch Untersuchungen abgegrenzt. In der zweiten Sanierungsphase wurde die Entfernung der Anlagenreste abgeschlossen sowie der hochbelastete Oberboden im Bereich des Altstandortes entfernt. Vor Abschluss der zweiten Sanierungsphase wurden im Bereich der geräumten Flächen die anstehenden Boden- bzw. Felshorizonte beprobt. Da die Untersuchung der 8 Proben bei 2 Proben Überschreitungen der standortspezifischen Sanierungszielwerte ergab, wurden die Räumungsarbeiten in zwei Bereichen fortgesetzt.

Nach Abschluss der Räumung wurde in einigen Bereichen Schotter zur Herstellung einer gleichmäßigen Oberfläche aufgebracht. Danach wurde zur Trennung zwischen verbliebenen belasteten Bodenhorizonten und dem neu aufzubringenden unbelasteten Oberboden auf einer Fläche von ca. 1.460 m² ein Geotextil verlegt sowie eine zumindest 0,3 m mächtige Humusschicht aufgebracht.

Insgesamt ergibt sich anhand der vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse nachvollziehbar, dass die Bodenkontaminationen am Standort "Esse Mitterberghütten" weitgehend beseitigt wurden und die standortspezifischen Sanierungszielwerte eingehalten wurden. Daher ist der Altstandort als saniert zu bewerten. Es ist jedoch zu beachten, dass Nutzungseinschränkungen bestehen bleiben und bei allfälligen zukünftigen Nutzungsänderungen entsprechende Auflagen, die den verbleibenden Restkontaminationen Rechnung tragen, notwendig sein werden.

Datum der letzten Textüberarbeitung:    Juni 2001