Sanierte Altlast S6: Renova

Die Altlast "Renova" befindet sich im Saalachtal am südwestlichen Rand des Ortsgebietes von Saalfelden. Es bestanden die Betriebsanlagen der Chemischen Reinigung und Wäscherei Renova. Es wurden 2 Waschmaschinen (Wäscheleistung 90 bzw. 15 kg) und 2 chemische Reinigungsanlagen (Fassungsvermögen 30 bzw. 10 kg) betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen (Perchlorethylen) verwendet.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Zell am See,
Saalfelden am Steinernen Meer,
Lichtenberg,
698/2, 698/3, 698/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 620 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 18.06.1991
Datum der Prioritätenfestlegung: 20.04.1992
Priorität: 1
Datum Ausweisung dekontaminiert: 27.10.1999
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Hydraulische Maßnahmen,
Pneumatische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.01.2000

Den Reinigungsanlagen waren Aktivkohleanlagen nachgeschaltet. Die Abluft wurde bei der größeren Reinigungsmaschine in Bodennähe an der westlichen Wand des Betriebsgebäudes ausgeblasen, bei der kleineren Reinigungsmaschine wurde sie wieder der Anlage zugeführt.

Im Zuge behördlicher Überprüfungen wurde wiederholt beobachtet, dass die Betriebsanlagen nicht konsensgemäß betrieben wurden. Im Betriebsbereich erfolgten die Lagerung und die Manipulation mit Reinigungsmitteln und Mineralölen zum Teil auf nicht befestigten Flächen.

Aufgrund von Undichtheiten im Kühlsystem der Reinigungsmaschinen konnten chlorierte Kohlenwasserstoffe über das Kühlwasser, das bei Bedarf zur Befüllung der Waschmaschinen verwendet wurde, in das Abwasser gelangen. Die bestehende Abwasseranlage (betonierte Kanalschächte und eine betriebseigene Klärgrube) war gegenüber Tetrachlorethen nicht beständig.

Die Regeneration der Aktivkohleanlagen erfolgte nicht im notwendigen Umfang, so dass mit Tetrachlorethen gesättigte Abluft an die Umgebung abgegeben wurde. Durch die beschriebene unsachgemäße Betriebsführung kam es zu Verunreinigungen des Untergrundes und des Grundwassers.

Der Standort liegt im Talniveau des Saalfeldener Beckens auf einer Seehöhe von etwa 725 m.ü.A. Die Talfüllung mit Sedimenten nacheiszeitlicher Stauseeablagerungen (Feinsande, Schluffe, Tone) und alluvialer Anlandungen der Saalach weist eine Mächtigkeit von mindestens 48 m auf. Es sind häufig organogene Bildungen (Torf) eingeschaltet. Das Liegende des Saalfeldener Beckens bildet eine wasserundurchlässige Grundmoräne aus.

Der Bodenaufbau ist sehr inhomogen. Die obersten 12 m der Beckenfüllung sind durch eine Abfolge feinkörniger Sedimente und die Einlagerung von Kiesschichten und organogenen Bildungen geprägt, die auf Einlagerungen ehemaliger Bachläufe in Stauseebildungen hinweisen. In größeren Tiefen herrschen sandig-kiesige Sedimente, die nur durch untergeordnete schluffige Lagen gegliedert sind, vor.

Die oberflächennahen Kiesschichten führen gespanntes Grundwasser. Es treten bis zu 2 untergeordnete grundwasserführende Horizonte auf. Den Hauptgrundwasserleiter stellen tiefergelegene etwa 30 m mächtige kiesig-sandige Sedimente dar. Über Zusammenhänge der einzelnen Grundwasserhorizonte können aufgrund der vorhandenen Unterlagen keine Aussagen gemacht werden. Die großräumige Grundwasserströmungsrichtung ist gegen Norden gerichtet.

Im weiteren Abstrom der Altlast befinden sich Nutzwasserbrunnen sowie etwa in 2,5 km Entfernung das Widmungsgebiet der geplanten wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung "Pinzgauer Saalachtal". Etwa 20 m entfernt im Osten fließt die Saalach.

Gefährdungsabschätzung

Im Bereich des Betriebes der Firma Renova kam es infolge unzureichender Schutzvorkehrungen bei der Verwendung von wassergefährdenden Substanzen im Betriebsgang zu Boden- und Grundwasserverunreinigungen. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen verwendet. Im Zuge behördlicher Überprüfungen konnte festgestellt werden, dass wassergefährdende Substanzen auf unbefestigten Flächen gelagert wurden und durch eine unsachgemäße Betriebsführung Schadstoffe im Abwasser und in der Abluft des Betriebes in die Umgebung gelangen konnten.

Die durchgeführten Bodenluftuntersuchungen zeigen, dass es durch das Ausblasen der mit Tetrachlorethen gesättigten Luft in Bodennähe an der Nordseite des Betriebsgebäudes der Firma Renova zu einer Verunreinigung des Bodens kam. Bei den durchgeführten Grundwasseruntersuchungen konnte ebenfalls eine Beeinträchtigung der Grundwasserqualität durch das Reinigungsmittel Tetrachlorethen festgestellt werden.

Die Ausdehnung der Grundwasserverunreinigung hat zumindest 200 m betragen. Aufgrund der hohen Mobilität von Tetrachlorethen im Grundwasser war davon auszugehen, dass die tatsächliche Ausbreitung größer war. Eine Beeinträchtigung von Grundwassernutzungen im weiteren Abstrom war nicht nachweisbar.

Durch die Kontamination des Untergrundes am Altstandort kam es zu einer Verunreinigung des Grundwassers und einer weiterreichenden Ausbreitung von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW) im Zustrom zu einem wasserwirtschaftlich bedeutenden Grundwasservorkommen.

Sanierungsmaßnahmen

Im Zeitraum von Mai 1990 bis November 1997 wurde der Altstandort mittels physikalischer Verfahren (Bodenluftabsaugung und Betrieb eines Grundwassersperrbrunnens) dekontaminiert ("In-Situ-Sanierung"). In weiterer Folge wurden in den Monaten Dezember 1997 und Jänner 1998 kontaminierte Untergrundbereiche ausgehoben und zur Dekontamination zu einer Bodenbehandlungsanlage verbracht ("Ex-Situ-Sanierung").

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Herstellung eines Zustandes, bei dem durch Entfernung des Schadensherdes Gefahren so weit beseitigt sind, dass bestehende und geplante Nutzungen des Grundwassers möglich sind und keine weitere Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser stattfinden kann. Als Sanierungszielwert für CKW bzw. Tetrachlorethen im Grundwasser wurden 25 µg/l angesehen.

Ab Mai 1990 wurde die wasserungesättigte Bodenzone mittels einer Bodenluftabsaugung dekontaminiert. Die Absaugung der Bodenluft erfolgte bis Herbst 1994 durch 2 Absauganlagen an die insgesamt 8 Bodenluftpegel angeschlossen waren. Ab Mai 1994 wurde die Anlage auf intermittierenden Betrieb (anfangs 14-tägiger Intervallbetrieb) umgestellt. Die abgesaugte Bodenluft wird über Aktivkohlefilter gereinigt. Im Sommer 1994 und im Herbst 1995 wurden insgesamt 6 weitere Bodenluftpegel errichtet, an denen in weiterer Folge ebenfalls die Bodenluft abgesaugt wurde. Mit Fortdauer des Betriebes der Bodenluftabsaugung war in den Randbereichen des Schadensherdes eine weitgehende Dekontamination zu beobachten.

Zur Sanierung des Grundwassers wurde ab Juli 1990 eine Grundwassersonde als Sperrbrunnen genutzt, an dem ständig ca. 4,5 l/s entnommen wurden. Der Grundwasserspiegel wurde um ca. 0,7 bis 1,0 m abgesenkt. Die Reinigung des Grundwasser erfolgte als Strippung in 2 hintereinander geschalteten Gegenstrom-Füllkörper-Kolonnen. Das gereinigte Grundwasser wird in die Saalach abgeleitet. Ab Februar 1994 wurde die abgepumpte Wassermenge auf rund 1 l/s reduziert, so dass in weiterer Folge auch nur mehr eine Kolonne der Strippungsanlage beschickt werden musste. Die Belastung des Grundwassers durch CKW hatte sich bis von anfänglichen Messwerten im Jahr 1990 über 9.000 µg/l auf rund 90 bis 160 µg/l im Jahr 1993 reduziert. Als Einleitgrenzwert für das gereinigte Wasser in die Saalach mussten 100 µg/l eingehalten werden. Im Dezember 1994 konnte die Reinigung des abgepumpten Grundwassers eingestellt werden. Der Betrieb des Sperrbrunnens wurde bis zur Durchführung der "Ex-Situ-Sanierung" aufrecht erhalten.

Begleitend zu den beschriebenen Maßnahmen wurde an mehreren Grundwassersonden im Abstrom der Altlast regelmäßig Wasserproben zur Beweissicherung der Qualität des Grundwassers gezogen. Die Ergebnisse der Analyse dieser Proben dokumentieren, dass ab Sommer 1990 keine weitere Emission bzw. Ausbreitung von CKW im Grundwasser gegeben war.

Als Voraussetzung für den Aushub des kontaminierten Untergrundes im zentralen Schadensbereich erfolgte Anfang Dezember 1997 eine Einhausung des Aushubbereiches. Die Innenluft des aufgebauten Zeltes wurde während des Aushubes abgesaugt und über Aktivkohle gereinigt. Die Untergrenze des Aushubs lag im Schadenszentrum bei rund 4,5 m unter Gelände. In diesem Bereich war zum Teil eine flüssige CKW-Phase im Untergrund zu beobachten. Die Bestimmung und Abgrenzung des kontaminierten Bereiches erfolgte organoleptisch und durch entsprechende Kontrollbeprobungen.

Im Zuge der Aushubarbeiten wurde am südlichen Rand der Altlast im Grundwasserschwankungsbereich des ersten Grundwasserhorizontes eine Mineralölkontamination entdeckt. Zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Entfernung der am Grundwasser aufschwimmenden Ölphase wurden zwei Brunnen eingerichtet und betrieben. In weiterer Folge wurde der Aushub in diesem Bereich erweitert. Nach Beendigung des Aushubs wurde die Baugrube mit inertem Material wiederverfüllt. Die Maßnahmen wurden im Jänner 1998 beendet, so dass auch der Betrieb des seit 1990 betriebenen Sperrbrunnens eingestellt werden konnte. Insgesamt waren bei den Aushubarbeiten rund 801 t CKW-kontaminiertes Material und ca. 750 t ölkontaminiertes Materials ausgehoben worden.

In der nachfolgenden Tabelle sind Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zusammenfassend dargestellt.

Überblick zu den Ergebnissen der Grundwasserbeweissicherung

TCE Summe CKW (1) TCE (2) Summe CKW (1) TCE (2)
1990 (3. Quartal) 3.360 - 8.150 3.700 - 8.750    
(4. Quartal) 645 – 3.100 840 – 3.977    
1991 149 – 1.408 254 - 1.740    
1992 53 - 300 105 – 507    
1993 26 - 83 56 – 121    
1994 14 - 69 36 – 119 10 - 437 14 – 527
1995 11 - 29 32 – 60 3,7 – 497 4,8 - 568
1996 7 - 45 18 – 98 0,1 - 119 0,1 – 153
1997 8 - 63 26 – 94 0,1 - 390 0,1 – 493
1998 (1.Quartal) 17 - 52 28 – 66 0,1 – 0,9 0,2 – 0,9
(2. Quartal) 0,2 – 2,6 1,8 – 7,8 n.n. - 14 0,7 – 19
(3. Quartal) n.n. 1,6 14,5 - 69 20 – 95

(1) Sonde REN 1/90
(2) Sonde REN 7/93
TCE ... Tetrachlorethen
CKW ... leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe
n.n. ... nicht nachweisbar

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung bestätigen die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen (Bodenluftabsaugung ab Sommer 1990 bzw. Ex-Situ-Sanierung bzw. Aushub kontaminierter Bereiche im Winter 97/98). Nach Abschluß der Maßnahmen konnte ein deutlicher Rückgang der Belastungen im Grundwasser beobachtet werden. Die Meßwerte zeigten generell Tetrachlorethen- bzw. CKW-Gehalte, die deutlich unter dem Sanierungszielwert von 25 µg/l lagen. Lediglich an einer Grundwasserprobe aus einer Sonde wurde eine Überschreitung beobachtet. Auf Grund des erhöhten Meßwertes wurde die Sonde im Rahmen eines abschließenden Probenahmetermines mehrfach beprobt (tiefengestaffelte Beprobung und Beprobung im Rahmen eines Pumpversuches). Die Analysenergebnisse des abschließenden Probenahmetermines konnten keine Überschreitungen des Sanierungszielwertes festgestellt werden.

Zusammenfassend kann auf Grund der Ergebnisse der beschriebenen Grundwasserbeweissicherung festgestellt werden, daß die Restbelastungen des Grundwassers generell den Sanierungszielwert nicht überschreiten. Auf Grund des örtlichen Untergrundaufbaues bestehen am Standort sehr komplexe hydrogeologische Verhältnisse, so daß in Zusammenhang mit den jahreszeitlich wechselnden hydrologischen Situationen temporär weiterhin erhöhte Restbelastungen auftreten können, wobei jedoch keine wesentliche Ausbreitung im Grundwasser zu erwarten ist. Dementsprechend kann von einem Erfolg der Sanierungsmaßnahmen ausgegangen werden.

Datum der letzten Textüberarbeitung:    September 1999