Altlast S17: Chemische Reinigung Mirabell-Counde

Auf dem Altstandort „Chemische Reinigung Mirabell-Counde“, der eine Fläche von etwa 2.500 m² umfasst, wurden über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten eine chemische Reinigung und eine Färberei betrieben. Als Reinigungsmittel kamen Tetrachlorethen und untergeordnet auch Trichlorethen zum Einsatz. Auf dem Standort werden seit 2007 Sanierungsmaßnahmen zur Entfernung einer CKW-Verunreinigung durchgeführt. 

Vor allem in der gesättigten Zone sind noch erhebliche Verunreinigungen durch CKW vorhanden, die im Bereich des Schadensherdes zu anhaltend hohen Belastungen des Grundwassers führen. Durch den Betrieb von Sanierungsbrunnen am Standort zeichnet sich in den Messstellen im direkten und weiteren Abstrom ein Rückgang der CKW-Belastung bzw. der Schadstofffahne ab. Die erheblichen Verunreinigungen des Untergrundes mit CKW stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Salzburg (Stadt),
Salzburg,
Liefering II,
173/2
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 350 m²
Volumen Altlast (m³): 2.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.07.2018
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.07.2018
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen,
Räumung

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort „Chemische Reinigung Mirabell-Counde“ befindet sich im nordwestlichen Teil des Salzburger Stadtgebietes und umfasst eine Fläche von etwa 2.500 m².

Vermutlich bereits in der Zeit vor 1950 wurde auf dem Standort eine Wäscherei und Textilfärberei betrieben. Im Zeitraum von 1953 bis 2009 wurde auf dem Standort eine chemische Reinigung betrieben. Als Reinigungsmittel kamen Tetrachlorethen und anfänglich auch Trichlorethen zum Einsatz. Am Standort wurde Kleidung von zahlreichen Annahmestellen zentral gereinigt. Es wurden mehrere (bis zu 4) Reinigungsmaschinen mit einem Gesamtladegewicht von bis zu 150 kg parallel betrieben. Die Reinigungsmaschinen wurden bis etwa 1990 im sog. offenen System betrieben. Die Lagerung von Reinigungsmitteln erfolgte zumindest ab den 1980er Jahren in einem Raum im nördlichen Teil des Gebäudekomplexes. Die Abluft wurde zumindest ab den 1980er Jahren mittels Aktivkohlefilter gereinigt und über Dach ausgeblasen. Die CKW-haltigen Abfälle wurden zumindest zeitweise im Freien gelagert. Im Jahre 1987 wurde eine Kontaktwasseraufbereitungsanlage installiert.

Die Betriebsgebäude wurden im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut und in nördlicher Richtung erweitert. Die Textilfärberei wurde vermutlich nur bis Ende der 1970er Jahre betrieben. Nähere Informationen zum Färbereiprozess am Standort liegen nicht vor. Die Einrichtungen zum Reinigen und Färben waren im zentralen und nördlichen Teil des Gebäudekomplexes untergebracht. Im nordöstlichen Gebäudeteil (bis ca. 1953 ein Holzschuppen, in dem ursprünglich die Färberei untergebracht war) befanden sich Garagen, ein Tankraum, nach 1992 Anlieferungs- und Sortierräumlichkeiten bzw. Textilpressen und Bügeleinrichtungen, sowie Sozialräume und Büros. Die südlichen und südöstlichen Gebäudeteile wurden für Bügelarbeiten, den Wäschereibetrieb, als Auslieferungslager sowie Verkaufs- und Büroraum verwendet. Der südwestliche Gebäudeteil wurde von Anfang an als Wohnhaus genutzt.

Die betrieblichen Abwässer (Kühlwasser, Waschwässer, möglicherweise auch Kontaktwasser) wurden vermutlich bis 1989 im nordöstlichen Standortbereich in einer 3-Kammer-Kläranlage (18 m³) mit Sand- oder Schlackenfilter gesammelt und anschließend versickert. Die Versickerung fand einerseits unmittelbar neben der Kläranlage in einer Sickergrube sowie in Sickerschächten im nordwestlichen Standortbereich statt (siehe Abbildung 3). Die betriebliche Abwassermenge lag vermutlich im Bereich von 5-12 m³/d. Im Jahr 1984 wurde mehrmals eine CKW-Belastung des Abwassers von bis zu 5.800 µg/l gemessen.

Im östlichen Bereich des Standorts wurde bis etwa 1984 Heizöl zur Dampferzeugung verwendet, danach Flüssiggas. Für die Zentralheizung wurde ab Ende der 1970er Jahre ebenfalls Heizöl eingesetzt. Die genaue Lage des/der Heizöltanks ist nicht bekannt, es ist jedoch zu vermuten, dass die Aufstellung des/der Tanks oberirdisch erfolgte (Tankraum und/oder Nahbereich Kesselhaus).

Die betrieblich genutzten Gebäudeteile waren nicht unterkellert. Der Gebäudebestand wurde im Jahre 2011 abgerissen.

Untergrundverhältnisse

Das Gelände des Altstandortes befindet sich auf ca. 415 m ü. A. und ist weitgehend eben. Unter einer Ablagerungsschicht und/oder Deckschicht aus Auesanden, die bis max. 1,5 m unter GOK reichen, folgen bis ca. 4,5 m Tiefe sandige Mittel- bis Grobkiese, in die Feinsand- und Schluff-Linsen mit Mächtigkeit im Zentimeter- bis Dezimeterbereich sowie lokal Torflinsen eingeschaltet sind. Darunter erfolgt der Übergang zu feinsandig-schluffigen Sedimenten („Salzburger Seeton“). Der Flurabstand zum Grundwasser beträgt etwa 2 m, die Grundwassermächtigkeit somit etwa 2,5 m. Die generelle Grundwasserströmungsrichtung erfolgt nach Nordnordost. Kleinräumig sind aufgrund von ehemaligen Bachläufen und einer Terrassenkante östlich des Standorts Verschwenkungen in nordwestlicher Richtung möglich. Der Durchlässigkeitsbeiwert kf des Grundwasserleiters wird im Bereich von 5×10-4 m/s abgeschätzt. Das Grundwassergefälle beträgt schätzungsweise 0,6 %. Die spezifische hydraulische Fracht kann daher mit rund 0,6 m³/d pro Querschnittsmeter abgeschätzt werden.

Der Altstandort ist weitgehend unversiegelt und nur in den Randbereichen mit Bäumen und Buschwerk bewachsen. Lediglich im südlichen Bereich befinden sich noch asphaltierte Flächen. Im westlichen Bereich befinden sich zwei Haufen von Abbruchmaterialen und im zentralen Bereich eine Baugrube mit offener Wasserfläche. Die Sickerwassermenge im Bereich des Altstandortes kann mit etwa 5 m³/d abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort liegt derzeit brach bzw. werden aktuell Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Zukünftig ist eine Bebauung mit Wohnhäusern geplant. Die umliegenden Flächen werden überwiegend zu Wohn- und Gewerbezwecken genutzt, im Norden schließen auch landwirtschaftlich genutzte Flächen an. Die Nutzung des Standorts und der Umgebung zum Zeitpunkt Mai 2014 geht aus dem Luftbild in Abbildung 4 hervor. Auf der nördlich an den Standort angrenzenden Fläche wurde zwischenzeitlich ein Bürogebäude errichtet.

Der Standort liegt im Grundwasserkörper „Unteres Salzachtal“ (GK 100006) und befindet sich in keinem Grundwasserschutz- oder Grundwasserschongebiet.

Im südwestlichen Standortbereich befindet sich ein ehemaliger Nutzwasserbrunnen, der im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen zur Grundwasserversickerung genutzt wurde. Im Umfeld des Standortes in Entfernungen von 300-500 m befinden sich mehrere Nutzwasserbrunnen (meist zum Betrieb von Wärmepumpen). Trinkwassernutzungen befinden sich etwa 400 m östlich des Standortes sowie 400-500 m südwestlich des Standortes.

Etwa 250 Meter nordwestlich des Altstandortes fließt die Saalach in nordöstlicher Richtung.

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf dem Altstandort „Chemische Reinigung Mirabell-Counde“ wurde über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren eine chemische Reinigung betrieben. Als Reinigungsmittel kamen Tetrachlorethen und untergeordnet auch Trichlorethen zum Einsatz. Über den ebenfalls mehrere Jahrzehnte währenden Färbereibetrieb liegen keine Informationen vor. Der vom Altstandort betroffene Bereich umfasst etwa 2.500 m² und ist derzeit unbebaut und größtenteils unversiegelt.

In der Vergangenheit kam es vermutlich durch Handhabungsverluste im Betrieb der chemischen Reinigung sowie durch die Versickerung von CKW-haltigen Abwässern zu einer Verunreinigung des Untergrunds mit Tetrachlorethen. Trichlorethen und cis-Dichlorethen liegen untergeordnet vor und sind vermutlich im Wesentlichen mikrobielle Abbauprodukte des Tetrachlorethen. Die CKW-Verunreinigungen liegen gemäß den Untersuchungen von Bodenluft- und Feststoffproben sowohl in der ungesättigten als auch in der gesättigten Zone vor und reichen lokal bis in Tiefen von zumindest 5-6 m. Der Bereich erheblicher CKW-Verunreinigungen (Schadensherd, siehe Abbildung 13) mit Bodenluftkonzentrationen deutlich über dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 und/oder CKW-Gesamtgehalten von >1 mg/kg liegt im zentralen und nordöstlichen Teil des Standortes, in dem sich die Chemisch-Reinigungsanlagen und die Kläranlage befanden, und umfasst eine Fläche von etwa 350 m². Die CKW-Belastungen in den übrigen Standortbereichen sind insgesamt gering.

Ausgehend von Schadensherd hatte sich in der Vergangenheit im Grundwasser eine Schadstofffahne ausgebildet, deren Länge vermutlich >100 m betrug.

Im Bereich des Schadensherdes wurden im Zeitraum von 2007 bis 2016 auf einer Fläche von rd. 250 m² Aushubmaßnahmen im Umfang von insgesamt rd. 1.100 Tonnen bis maximal 4 m Tiefe durchgeführt. Der Aushubbereich umfasste somit – in lateraler und vertikaler Hinsicht – nur einen Teil des erheblich CKW-belasteten Bereiches. Entsprechend den Ergebnissen von Kontrolluntersuchungen an Feststoffproben liegen an der Grubensohle weiterhin erhebliche CKW-Verunreinigungen vor. Aufgrund der teilweise stark erhöhten CKW-Gesamtgehalte (>30 mg/kg TS) ist davon auszugehen, dass zumindest lokal CKW-Phasenkörper vorliegen. Eine systematische und detaillierte Abgrenzung der CKW-Verunreinigung bzw. des Schadensherdes ist insbesondere in vertikaler Richtung bisher nicht erfolgt. Aufgrund des Schadensbildes, der stofflichen Eigenschaften der CKW und der Untergrundverhältnisse ist anzunehmen, dass die CKW als Phasenkörper bis zum Stauer, der bereits ab ca. 4,5 m Tiefe als feinkörniger Boden bzw. „Salzburger Seeton“ ansteht, abgesunken sind, sich lateral entlang des Stauerreliefs ausgebreitet haben und zumindest lokal in den Stauer eingedrungen sind.  

Seit dem Jahr 2013 werden auf dem Standort mehrere Sanierungsbrunnen betrieben. Die mittlere CKW-Fracht im abgepumpten Grundwasser lag zwischen Mai 2015 und September 2016 bei 190 g/d und ist als sehr groß einzustufen. Die trotz der vergleichsweise großen Grundwasser-Entnahmemengen anhaltend große CKW-Fracht im Förderstrom weist ebenfalls auf einen weiterhin vorhandenen Schadensherd mit hoher Quellstärke in der gesättigten Zone bzw. im Stauer hin.

Die mit dem Grundwasser ausgetragene CKW-Menge wird mit 100-150 kg geschätzt. Über die CKW-Belastung des ausgehobenen und entsorgten Bodenaushubs liegen keine Unterlagen vor.

Das generelle Redox-Milieu des Aquifers ist gemäß den langjährigen Untersuchungen an einem Nutzwasserbrunnen vermutlich indifferent bis schwach oxidierend. Das Auftreten von Trichlor-ethen und cis-Dichlorethen in Boden und Grundwasser im Bereich des Altstandortes weist auf mikrobiellen CKW-Abbau unter lokal reduzierenden Milieubedingungen, z.B. in den feinkörnigen Sedimenten des Grundwasserstauers, hin. Die Vorbelastung des Grundwassers durch CKW ist mit Konzentrationen deutlich unter dem Prüfwert der ÖNORM S 2088-1 gering.

Durch den Betrieb der Sanierungsbrunnen am Standort zeichnet sich in den Messstellen im direkten und weiteren Abstrom ein Rückgang der CKW-Belastung bzw. der Schadstofffahne ab. Die mittlere CKW-Konzentration der letzten 12 Monate (Okt. 2015 bis Sept. 2016) liegt in den Abstrommessstellen meist unter dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 bzw. bei wenigen Messstellen knapp darüber. Die Konzentrationen liegen bei einzelnen Messstellen (insbesondere P10 und P11 im direkten Abstrom) jedoch noch im Bereich der langjährigen Messwertschwankungen, sodass zeitweise auch deutlich höhere Konzentrationen auftreten können.

Bezüglich der kleinräumigen Mineralöl-Belastung ist von einer weitgehend vollständigen Entfernung durch die Aushubmaßnahmen auszugehen. Die Ergebnisse der Kontrollproben weisen auf lediglich geringe Restbelastungen durch Mineralölkohlenwasserstoffe hin. Mögliche Kontaminationen durch den Färbereibetrieb wurden bisher nicht untersucht. Aufgrund der laufenden Grundwassersanierung ist ein Abströmen erheblicher Frachten an färbereitypischen Schadstoffen nicht anzunehmen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass auf dem Altstandort vor allem in der gesättigten Zone noch erhebliche Verunreinigungen durch CKW vorhanden sind, die im Bereich des Schadensherdes zu anhaltend hohen Belastungen des Grundwassers führen. Aufgrund der Untergrundverunreinigung durch CKW stellt der Altstandort „Chemische Reinigung Mirabell-Counde“ eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: sehr groß

Auf einer Fläche von rd. 350 m² ist der Untergrund mit CKW bzw. vorwiegend Tetrachlorethen verunreinigt. Das Volumen des erheblich verunreinigten Untergrundbereiches (Schadensherd) kann mit <2.000 m³ abgeschätzt werden und ist als klein einzustufen. CKW zeigen eine hohe Mobilität und das im Untergrund vorhandene Tetrachlorethen ist als sehr schädlich einzustufen. Unter Berücksichtigung der Art der Schadstoffe und der im Untergrund vorhandenen Schadstoffmenge sowie der hohen Quellstärke ergibt sich insgesamt ein sehr großes Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: lokal

Die CKW-Fracht im abströmenden Grundwasser wird durch den Betrieb von Sanierungsbrunnen reduziert und ist aktuell als gering einzustufen. In den Messstellen im direkten und weiteren Abstrom zeichnet sich durch die Sanierungsmaßnahmen ein Rückgang der CKW-Belastung bzw. der Schadstofffahne ab. Die Schadstofffahne ausgehend vom erheblich verunreinigten Untergrundbereich ist derzeit als kurz einzustufen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als lokal zu beurteilen.

Schutzgut: gut nutzbar

Der Altstandort befindet sich in keinem wasserwirtschaftlich besonders geschützten Gebiet. Auf dem Standort befindet sich ein ehemaliger Nutzwasserbrunnen. Im Umfeld befinden sich mehrere Brunnen zur Nutzwasserversorgung (Nutzwasser mit geringen qualitativen Anforderungen, z.B. Wärmepumpen), jedoch auch einzelne Brunnen zur Trinkwasserversorgung. Von einer Gefährdung bestehender Nutzungen zu Wasserversorgungszwecken ist derzeit nicht auszugehen. Das Grundwasserdargebot im Einflussbereich des Altstandortes ist als gering zu beurteilen. Die anthropogene Vorbelastung des Grundwassers ist gering. Das Grundwasservorkommen ist insgesamt als gut nutzbar zu beurteilen.

Prioritätenklasse - Vorschlag: 2

Entsprechend der Beurteilung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes "Chemische Reinigung Mirabell-Counde" in die Prioritätenklasse 2 vor.

Datum der Texterstellung: Januar 2017