Sanierte Altlast S13: Gaswerk Roseggerstraße

Die Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ umfasst eine Fläche von etwa 38.000 m² und liegt im Stadtgebiet von Salzburg. Im Zeitraum von 1859 bis 1959 wurde hier aus Kohle Stadtgas erzeugt. Auf dem Standort war zum Teil eine massive Verunreinigung des Untergrundes, vor allem mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), aber auch mit anderen gaswerkspezifischen Schadstoffen (Cyanide, aromatische Kohlenwasserstoffe, Ammonium, Arsen, Phenole, Sulfat), vorhanden.

Ausgehend von den Untergrundverunreinigungen konnte eine Grundwasserbeeinträchtigung festgestellt werden. Im Zuge der Sanierung wurden die kontaminierten Bereiche der Altlast großteils geräumt. Die Grundwasserbeweissicherung ergab, dass dadurch die Belastungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe, Ammonium, Arsen, Phenole und Sulfat beseitigt und jene durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe deutlich reduziert werden konnten. Die Cyanid-Belastung konnte bis jetzt nur geringfügig reduziert werden. Es ist aber mittelfristig von einer weiteren Reduktion sowohl der PAK- als auch der Cyanid-Belastung auszugehen. Zudem unterschreiten die in das Grundwasser eingetragenen Schadstofffrachten die standortspezifisch definierten Sanierungszielwerte, sodass von der Altlast keine erhebliche Gefährdung für die Umwelt mehr ausgeht. Die Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ kann daher als saniert bewertet werden.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Salzburg (Stadt),
Salzburg,
Salzburg,
3352/4, 3352/5, 3352/7, 3352/8, 3352/9, 3352/10, 3352/11, 3352/12, 3352/13, 3352/14, 3352/15, 3352/16, 3352/17, 3352/18, 3352/19, 3533, 3959
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gaswerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 43.000 m²
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Cyanide, Phenole)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 27.01.2003
Datum der Prioritätenfestlegung: 05.09.2003
Priorität: 2
Datum Ausweisung dekontaminiert: 15.10.2008
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.07.2020

Beschreibung der Altlast

Die Altlast „Gaswerk Roseggerstraße“ liegt in der Stadt Salzburg unmittelbar westlich der Gaswerkgasse, nördlich der Strubergasse und östlich der Roseggerstraße. Die Altlast umfasst eine Fläche von ca. 38.000 m².

Das "Gaswerk Roseggerstraße" wurde 1858 in Betrieb genommen. Der Betrieb bzw. die Produktionsanlagen wurden dem Bedarf nach kontinuierlich erweitert. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Chronologie des Altstandortes "Gaswerk Roseggerstraße".

Chronologie des Altstandortes "Gaswerk Roseggerstraße"
Jahr Anlagen Produktionsdaten
1858 Errichtung des Gaswerkes, Erzeugung von Gas aus Torf ca. 570.000 m³/Jahr
1859 Erzeugung von Gas aus Braunkohle  
1875 Ausbau zu Steinkohle-Gaswerk. Errichtung eines dritten Gasometers (1.200 m³), Verwendung von 4 Zweier-/Dreier-Röstöfen ca. 1 Mio m³/Jahr
1900 Betriebsanlagen: Ofenhaus, Kohlendepot, Reinigung, Werkstätten, 3 Gasometer  
1905 Betriebsanlagen: 4 Retortenöfen, 1 Rostofen, 1 Dampfkessel, Apparate, 3 Gasbehälter ca. 1,14 Mio m³/Jahr
1907 neues Retorten-Ofenhaus, Reiniger-Apparatehaus, Regenerierraum, Teer- und Ammoniakgruben (Abbruch des 800 m³ Gasometers) mögliche Gasabgabe: ca. 3 Mio m³/Jahr
1918 Inbetriebnahme der Wassergasanlage  
1925 Inbetriebnahme des Vertikal-Kammerofens mit täglichem Durchsatz von 2 x 10 t Steinkohle ca. 1,88 Mio m³/Jahr
1938 Abtrag alter Retortenofenanlagen mit Rostöfen 2,6 Mio m³/Jahr
1942 Fertigstellung des 2. Vertikal-Kammerofens tägl. Gasabgabe 16.500 m³
1944 Errichtung neuer Anlagen ca. 6 Mio m³/Jahr Kohleverbrauch ca. 9.000 t/Jahr
1946 Errichtung der Gasreinigungsanlage, Fertigstellung des Gebläsehauses  
1948 Inbetriebnahme des 10.000 m³ Gasbehälters  
1949 Inbetriebnahme des 3. Vertikal-Kammerofens und der Mitteldruckanlage  
1952 Inbetriebnahme des 4. Vertikal-Kammerofens und Erneuerung des 1. Vertikal-Kammerofens  
1954   Kohleverbrauch: ca. 11.000 t Gaserzeugung: ca. 8 Mio. m³ Koksausbeute: 712 kg /t Teerausbeute: 50,5 kg/t
1959 Verwendung von Flüssiggas zur Gasgewinnung

Bei der Stadtgasproduktion fallen als umweltgefährdende Nebenprodukte oder Rückstände u.a. Teer, Gasreinigermasse, Ammoniakwasser, Kondensate, Waschflüssigkeit, Koks und Schlacke an. Die Produktionsrückstände wurden zum Teil verkauft oder sind als Rückstände und Anschüttungen auf dem Gelände des Altstandortes "Gaswerk Roseggerstraße" verblieben. Für das Jahr 1936 ist bekannt, dass das Gasrohwasser in der Landwirtschaft Verwendung fand. Koks wurde zum Heizen verwendet. 1948 wurde der anfallende Teer als Straßenbelag verwendet. Der Bereich der ehemaligen Teergrube wurde 1960 entleert und wiederverfüllt. In Abbildung 1 wird die Lage der Betriebsanlagen für das Jahr 1910 und in Abbildung 2 für das Jahr 1955 dargestellt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Die Altlast liegt auf etwa 418 m ü. A bis 419 m ü. A. Im Bereich der Altlast konnten teilweise bis in eine Tiefe von 6 m Anschüttungen angetroffen werden. Generell wird der Untergrund im Bereich der Altlast bis in eine Tiefe von etwa 4,5 m aus schluffigen Sanden aufgebaut. Darunter folgen bis in eine Tiefe von maximal 8 m sandige Kiese, die den Grundwasserleiter darstellen. Die sandigen Kiese werden von schluffig-tonigen Feinsanden („Salzburger Seeton“) als Stauer unterlagert. Der Seeton zeigt im Bereich der Altlast ein ausgeprägtes Relief, bestehend einerseits aus kleinräumigen Rinnen und Rücken mit Längserstreckungen bis zu 10 m und relativen Niveauunterschieden von bis zu 4 m und andererseits aus Hochflächen. Eine dieser Hochflächen erstreckt sich nördlich der Verbindungslinie Hochhaus-Kantine  unterhalb des zentralen Teils der Altlast. Von dieser Hochfläche fällt die Seetonoberkante in alle Richtungen ab – somit auch entgegen der Hauptgrundwasserströmungsrichtung.

Der Grundwasserflurabstand beträgt im Bereich der Altlast etwa 4 m bis 5 m. Die Grundwasserströmung ist nach Nordosten bis Nordnordosten gerichtet. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters schwankt zwischen 10-3 m/s und 10-6 m/s. Aufgrund des lokalen Grundwasserstauerreliefs schwankt auch die Mächtigkeit des Grundwassers im Bereich der Altlast, sie beträgt maximal 1,5 m. Es wurden Grundwasserspiegelschwankungen von etwa 1 m festgestellt. Weiters bilden sich je nach Grundwasserstand mehr oder weniger großflächige Bereiche, die grundwasserfrei sind (z. B. die oben erwähnte Hochfläche im zentralen Teil der Altlast). In den Bereichen, in denen die Grundwasserbewegung in die Hauptströmungsrichtung stattfindet, beträgt das hydraulische Gefälle etwa 0,01. Abhängig von der hydraulischen Durchlässigkeit kann die spezifische hydraulische Fracht im Bereich der Altlast zwischen 0,013 m³ und 1,3 m³ pro Tag und Querschnittsmeter abgeschätzt werden.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Im Bereich der Altlast erfolgte die Aufbereitung des Gases zur Weiterleitung an industrielle Abnehmer und private Haushalte durch die Salzburger Stadtwerke AG. Das Gelände war zum Teil verbaut bzw. befestigt. Im Abstrom der Altlast sind keine wasserrechtlich bewilligten Grundwassernutzungen bekannt. Unmittelbar nördlich der Altlast befindet sich eine Wohnanlage.

Gefährdungsabschätzung

Der Standort des ehemaligen „Gaswerk Roseggerstraße“ umfasste eine Fläche von etwa 38.000 m² und liegt im Stadtgebiet von Salzburg. Die Gaserzeugung aus Kohle erfolgte im Zeitraum von 1859 bis 1959. Bei der Erzeugung von Gas fielen als Nebenprodukte Teer, Gasreinigermasse, Ammoniakwasser, Kondensate, Waschflüssigkeit, Koks und Schlacke an. Typische Schadstoffe dieser Nebenprodukte sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole und aromatische Kohlenwasserstoffe für Gaswerksteer sowie Cyanide, Schwefel und Sulfide für die Gasreinigermasse.

Abb. 3: Belastung der Anschüttungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen

Zur Ermittlung kontaminierter Bereiche wurden in den Jahren 1997, 1998 und 2003  Rammkernbohrungen und Schürfe durchgeführt. Auf dem Großteil der Altlast wurden Anschüttungen in Form von Aushubmaterial, Ziegel- und Holzresten sowie im zentralen und nördlichen Teil der Altlast in Form von Produktionsrückständen festgestellt. Die in den Untergrundaufschlüssen angetroffenen Anschüttungen, aber auch der gewachsene Untergrund unter den Anschüttungen waren vor allem auf dem Standort der ehemaligen Produktionsanlagen augenscheinlich kontaminiert. Im Bereich der ehemaligen Teer- und Ammoniakgruben wurde Teeröl angetroffen.

Die aus diesem Bereich entnommene Probe ergab einen Gesamtgehalt für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), der mit 29.000 mg/kg TM ein Vielfaches über dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 von 100 mg/kg TM lag.

Die Untersuchung von Proben aus den Anschüttungen und aus dem gewachsenen Untergrund unter den Anschüttungen zeigte, dass die geschütteten Materialien und der natürliche Untergrund vor allem im nördlichen und zentralen Bereich der Altlast zum Teil massiv durch gaswerkspezifische Parameter belastet waren. In den Anschüttungen wurden hauptsächlich Verunreinigungen durch teerartige Substanzen festgestellt. Teilweise wurden auch erhöhte Gehalte für den Parameter Summe Kohlenwasserstoffe sowie Cyanide, Phenole und Metalle nachgewiesen. Im gewachsenen Untergrund wurden vor allem Kontaminationen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe festgestellt.

Die höchsten Belastungen wurden neben dem ehemaligen Standort der Teer- und Ammoniakgrube, im Bereich der Gasometer, nahe dem ehemaligen Retortenhaus und im Bereich der Tischlerei angetroffen. Einen Überblick zu den festgestellten Belastungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in den Anschüttungen und dem gewachsenen Boden geben Abbildung 3 und Abbildung 4.

Lokal wurden in Übereinstimmung mit der organoleptischen Beurteilung auch Belastungen des gewachsenen Untergrundes mit dem Parameter Summe Kohlenwasserstoffe festgestellt. Vereinzelt konnten Verunreinigungen durch Phenole und Cyanide nachgewiesen werden. Die erhöhten Gehalte für Cyanide stellten einen Hinweis dar, dass auch Gasreinigermasse abgelagert wurde.

Ausgehend von der zum Teil massiven Verunreinigung des Untergrundes wurde auch eine Beeinträchtigung des Grundwassers durch gaswerkspezifische Parameter festgestellt. Im zentralen Bereich der Altlast, im Abstrom der Tischlerei bzw. der Wassergasanlage war eine Belastung des Grundwassers durch Ammonium und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gegeben. Weiters wurde im Bereich eines ehemaligen Gasometers sowie im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes ebenfalls eine massive Grundwasserverunreinigung durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Kohlenwasserstoffe, den Parameter Summe Kohlenwasserstoffe sowie Cyanide, Phenole und Ammonium festgestellt. Zusätzlich wurden deutlich erhöhte Sulfatkonzentrationen nachgewiesen. Auch im seitlichen Abstrom des Altstandortes war noch eine signifikante Veränderung der Grundwasserqualität zu beobachten.

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass im Bereich der Altlast auf dem Großteil der Betriebsfläche anthropogene Anschüttungen, unter anderem auch mit Nebenprodukten der Gasproduktion vorhanden waren. Der am stärksten belastete Bereich des Untergrundes rund um die ehemalige Teergrube umfasste eine Fläche von ca. 500 m². Aufgrund der durchgeführten Untergrundaufschlüsse konnte grob abgeschätzt werden, dass im Bereich der Altlast die Anschüttungen auf einer Fläche von rund 2.200 m² und der gewachsene Boden einschließlich der ehemaligen Teergruben auf einer Fläche von etwa 2.700 m² nachweislich massiv kontaminiert waren. Die Kontaminationen der Anschüttungen und des gewachsenen Untergrundes unter den Anschüttungen verursachten eine Beeinträchtigung des Grundwassers. Die festgestellten Untergrund- und Grundwasserverunreinigungen stellten eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar. Die Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ wurde in die Prioritätenklasse 2 eingestuft.

Sanierungsmaßnahmen

Im Bereich der Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ wurden im Zeitraum von Juni 2004 bis Februar 2007 folgende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Rodung, Gebäudeabbrucharbeiten und Voruntersuchungen
  • Räumung des kontaminierten Untergrundes
  • Untersuchung von nicht räumbaren Kontaminationen
  • Wiederverfüllung
  • Wasserhaltung
  • Betrieb einer Absauganlage
  • Grundwasserbeweissicherung

Rodung, Gebäudeabbrucharbeiten und Voruntersuchungen

Vor Beginn der Räumung wurden Rodungsarbeiten durchgeführt. Weiters erfolgten im Zeitraum von September bis Oktober 2004 Abbrucharbeiten (Heizkraftwerk West inkl. Nebengebäude, Kamin, Garagen, etc.).

Zur Festlegung eines Räumungskonzeptes wurde die Altlast in Rasterflächen zu 10 m x 10 m unterteilt und je Rasterfläche ein Schurf hergestellt. Aus jedem Schurf wurden meterweise Proben entnommen und untersucht.

Räumung des kontaminierten Untergrundes

Aufbauend auf die Voruntersuchungen erfolgte die Räumung der Altlast im Zeitraum von Juli 2004 bis Jänner 2005. Analog den Voruntersuchungen wurde die Altlast dabei in Rasterflächen von 10 m x 10 m und in 7 Räumungsbereiche unterteilt. Die Räumung erfolgte in Schichten von jeweils einem Meter.

Für die Materialien, die für die Wiederverfüllung verwendet werden sollten, wurden Zwischenlager angelegt. Weiters wurden Manipulationsbereiche eingerichtet, die der Verladung ausgehobener Materialien zur weiteren Entsorgung per LKW zu den Deponien dienten.

Im Bereich der Altlast wurden auf einer Fläche von etwa 30.000 m² rund 144.000 m³ Material ausgehoben, wobei davon etwa 12.000 m³ auf Kellerwände, Fundamente und Humus entfielen. Insgesamt wurden etwa 100.000 m³ (220.000 t) entsorgt. Davon wurden etwa 25.000 m³ thermisch behandelt oder einer Bodenwäsche unterzogen, das restliche ausgehobene Material wurde auf Deponien verbracht. Auf einer Fläche von etwa 15.000 m² bis 20.000 m² erfolgte die Räumung bis zum Grundwasserstauer (Salzburger Seeton; Abbildung 5).

Untersuchung von nicht räumbaren Kontaminationen

Im Bereich der Nordböschung, an der Westböschung (Richtung Roseggerstraße), nördlich des Hochhauses sowie im Bereich der Kantine und Frey-Villa (Abbildung 5) konnten nicht alle Verunreinigungen entfernt werden. In diesen Bereichen hätte der Aushub zu steilen, unmittelbar an bestehende Bauwerke heranreichenden Böschungen geführt bzw. wäre teilweise ein Abbruch von Gebäuden notwendig gewesen.

Die verbliebenen Kontaminationen werden im Folgenden beschrieben:

An der Nordböschung wurde in ca. 6 m Tiefe eine rund 10 cm bis 20 cm mächtige verunreinigte Schichte festgestellt. Es wurden Schürfe durchgeführt und Feststoffproben entnommen. Die Proben wurden hinsichtlich des Parameters polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersucht. Es wurden Konzentrationen zwischen 2 mg/kg TM und ca. 750 mg/kg TM gemessen. Zur Abgrenzung der Verunreinigung wurden insgesamt 11 Bohrungen bis zum Grundwasserstauer abgeteuft. Im Großteil der Bohrungen wurde in Tiefen zwischen 6,3 m und 7,7 m eine 0,3 m bis 0,7 m mächtige grau bis schwarze Schichte mit Teergeruch angetroffen. Aus 7 Bohrungen wurden Proben entnommen und hinsichtlich polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe untersucht. Es wurden Konzentrationen zwischen < 0,5 mg/kg und 1,1 mg/kg gemessen. Die belastete Schichte im Bereich der Nordböschung kann mit etwa 20 m Länge, rund 5 m Breite und etwa 15 cm Höhe angegeben werden. Daraus ergibt sich eine Kontamination von etwa 15 m³ bzw. ca. 30 Tonnen. Bei Annahme eines mittleren PAK‑Gehaltes von 180 mg/kg ergibt sich in diesem Bereich eine im Untergrund verbliebene Masse von etwa 6 kg PAK).

An der Westböschung wurde in einer Tiefe von 6 m, auf einer Breite von rund 10 m eine etwa 15 cm mächtige kontaminierte Schichte festgestellt. Es wurden 3 Feststoffproben entnommen und hinsichtlich polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe untersucht. Die Analysenergebnisse zeigten Konzentrationen zwischen etwa 1 mg/kg und etwa 170 mg/kg. Das genaue Ausmaß der Erstreckung der Verunreinigung an der Westböschung konnte aufgrund von Einbauten (in Betrieb befindliche Gasleitung) nicht durch weitere Erkundungen verifiziert werden. Für die verunreinigte Schichte an der Westböschung wird eine Ausdehnung von 10 m x 10 m mit einer Stärke von bis zu 25 cm abgeschätzt. Das Volumen der Kontamination kann daher mit etwa 25 m³ bzw. ca. 50 Tonnen abgeschätzt werden. Bei Annahme eines mittleren PAK‑Gehaltes von 100 mg/kg ergibt sich in diesem Bereich eine im Untergrund verbliebene Masse von etwa 5 kg PAK).

Im Bereich des Hochhauses wurde bei Erkundungsschürfen abschnittsweise verunreinigtes Material im Grundwasserschwankungsbereich festgestellt. Daher wurden an der Nordseite des Hochhauses, auf einer Länge von etwa 20 m insgesamt 3 Bohrungen und an der Ostseite eine weitere Bohrung bis zum Grundwasserstauer abgeteuft. In der östlich gelegenen Bohrung konnten keine Verunreinigungen festgestellt werden. In einer Bohrung an der Nordseite (Bohrung 14) wurde eine rund 15 cm mächtige teerige, stark riechende Schicht festgestellt. Es wurden Feststoffproben entnommen und hinsichtlich des Parameters polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersucht. Es wurden Konzentrationen zwischen etwa 1 mg/kg und etwa 1.100 mg/kg gemessen. Unter der Annahme einer Fläche von etwa 15 m x 15 m und einer Schichtmächtigkeit von etwa 25 cm kann das Volumen der Kontamination mit rund 55 m³ bzw. 110 Tonnen angegeben werden. Bei Annahme eines mittleren PAK‑Gehaltes von 450 mg/kg ergibt sich in diesem Bereich eine im Untergrund verbliebene Masse von etwa 50 kg PAK.

Nördlich der Kantine wurden bei Erkundungsschürfen in 4 m bis 6 m Tiefe Teerölverunreinigungen angetroffen. Weiters wurden im Zuge der Räumung im Bereich zwischen Frey-Villa und Kantine in einer Tiefe von ca. 6 m auf einer Breite von etwa 3 m eine rund 0,6 m mächtige, nicht räumbare Kontamination entdeckt. In 5 Kernbohrungen nördlich und östlich der Kantine konnten keine Verunreinigungen festgestellt werden. In einem Schurf östlich der Kantine war die verunreinigte Schicht noch 15 cm mächtig. Die Gesamtkubatur der Verunreinigung kann bei einer Länge von etwa 12 m, einer Breite von etwa 3 m und einer Durchschnittsmächtigkeit von etwa 40 cm mit rund 15 m³ bzw. 30 Tonnen abgeschätzt werden. Bei Annahme eines mittleren PAK‑Gehaltes von 100 mg/kg ergibt sich in diesem Bereich eine im Untergrund verbliebene Masse von etwa 3 kg PAK).

Insgesamt kann daher die Fläche der nicht geräumten Kontaminationen mit etwa 460 m², das Volumen mit etwa 110 m³ und die Restmenge an PAK mit etwa 65 kg abgeschätzt werden.

Wiederverfüllung

Nach Beendigung des Aushubs wurde die Aushubsohle mit einem Vlies abgedeckt und anschließend mit einer 70 cm starken Tragschicht eingeschüttet. Wiedereingebaut wurden rund 26.000 m³ an davor ausgehobenem und zwischengelagertem Material sowie rund 12.000 m³ zugeführtes Material; letzteres als Tragschicht auf dem Seeton.

Wasserhaltung

Während der Räumung waren Wasserhaltungsmaßnahmen mittels Drainagegräben, Brunnen und Einzelpumpen notwendig. Die anfallenden Wässer wurden in Pufferbecken zwischengespeichert und über eine Vorreinigungsanlage in die Salzach eingeleitet. Die Wasserhaltung wurde mit Beendigung der Räumung Ende Jänner 2005 eingestellt.

Betrieb einer Absauganlage

Um von der Baustelle ausgehende Geruchsemissionen so gering wie möglich zu halten und um Staubemissionen zu minimieren, wurden insgesamt drei Absauganlagen mit integrierter Filteranlage eingesetzt. Die Absaugtrichter wurden direkt an der Räumfront eingesetzt und die abgesaugten Gase und Stäube über einen Aktivkohlefilter geführt. Die drei Absauganlagen waren ca. 6.500 Stunden in Betrieb. Die Wirksamkeit der Absauganlagen wurde etwa 14-tägig überprüft.

Grundwasserbeweissicherung

Die im Abstrom des Altstandortes vorhandenen Grundwassermessstellen GW 1/97 und A52/98 sowie die innerhalb des Altstandortes situierte Grundwassermessstelle KB23/03 wurden im Zuge der Räumung entfernt. Anstelle der Messstelle A52/98 wurde die Messstelle P11/05b errichtet. Die Messstelle P638 im Abstrom des Altstandortes wurde einige Zeit nach Abschluss der Räumung defekt und wurde im Mai 2006 durch eine 5-Zoll-Messstelle mit der Bezeichnung P5/06 einige Meter südlich ersetzt. Diese neu errichtete Messstelle lieferte in den Jahren 2006 und 2007 ausreichend Wasser für Probenahmen, wenngleich das Wasserdargebot quantitativ deutlich unter dem der Pegel P11/05 b und KB3/03 (weiter östlich im direkten Abstrom der Altlast) lag. Die Förderleistung für die Probenahmedauer musste daher fallweise entsprechend verringert werden.

Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen:

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen an der Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ wurde der kontaminierte Bereich in der wasserungesättigten Zone bis auf kleine Restbereiche entfernt. Damit wurde die Quelle für die massive Grundwasserverunreinigung entfernt und es konnten die Belastungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe, Ammonium, Arsen, Phenole und Sulfat beseitigt und jene durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe deutlich reduziert werden. Die Cyanid-Belastung konnte bis jetzt nur geringfügig reduziert werden. Es ist aber mittelfristig von einer weiteren Reduktion sowohl der PAK- als auch der Cyanid-Belastung auszugehen. Zudem unterschreiten die in das Grundwasser eingetragenen Schadstofffrachten die standortspezifisch definierten Sanierungszielwerte, sodass von der Altlast keine erhebliche Gefährdung für die Umwelt mehr ausgeht.

Die Altlast S 13 „Gaswerk Roseggerstraße“ kann daher als saniert bewertet werden.

Datum der Texterstellung: Februar 2008