Altlast O84: Maurerschottergrube

Auf einer Fläche von ca. 4,6 ha wurde in den 60-iger und 70-iger Jahren eine ehemalige Schottergrube mit Bauschutt, Aushubmaterial, Hausmüll und gewerblichen Abfällen verfüllt, die Kubatur kann auf rund 450.000 m³ abgeschätzt werden.

 Im südlichen Teil der Altablagerung sind vor allem Aushubmaterial und Bauschutt abgelagert worden, das Deponiegasbildungspotenzial und die Schadstoffmenge ist in diesem Bereich gering. Im nördlichen Bereich der Altablagerung wurde überwiegend Hausmüll und gewerbliche Abfälle abgelagert.

Auf einer Fläche von rund 2,2 ha weisen die Ablagerungen ein hohes Deponiegasbildungspotenzial und eine erhebliche Schadstoffmenge auf, bereichsweise wurden Verunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt. Das Volumen des erheblich kontaminierten Bereiches kann auf rund 150.000 m³ geschätzt werden. Im Grundwasser ist eine geringe Beeinflussung durch Eintrag von Ammonium sowie Erhöhung der Leitfähigkeit gegeben, die Auswirkungen auf das Grundwasser sind insgesamt gering. Entsprechend den Kriterien für die Prioritätenklassifizierung ergibt sich für den erheblich kontaminierten Bereich der Altablagerung die Priorität 3.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Wels (Stadt),
Wels,
Obereisenfeld,
359/28, 359/29, 359/30, 359/35, 359/43, 359/53
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll,
Bauschutt,
Aushubmaterial/Abraum
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 22.000 m²
Volumen Altlast (m³): 150.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas
Mineralölkohlenwasserstoffe
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.12.2020
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.12.2020
Priorität: 3

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altablagerung befindet sich im nordwestlichen Stadtbereich von Wels unmittelbar westlich der Bahnlinie Wels ‑ Passau. Bei der Altablagerung handelt es sich um eine ehemalige Schottergrube, die in den 60-iger und 70-iger Jahren mit Bauschutt, Aushub, Hausmüll und gewerblichen Abfällen verfüllt wurde. Die Ablagerungstiefe beträgt im Mittel rund 9,5 bis 10,5 m, die Fläche der Altablagerung ca. 4,6 ha. Das Gesamtvolumen kann mit rund 450.000 m³ abgeschätzt werden. Die Ablagerungen erfolgten ohne technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers. Nach Abschluss wurde die ehemalige Deponie abgedeckt und rekultiviert.

Untergrundverhältnisse

Das Gelände im Bereich der Altablagerung befindet sich etwa auf 327 m ü.A. im Bereich einer ebenen, quartären Niederterrasse. Der Untergrundaufbau wird von sandigen Kiesen geprägt. Im Liegenden der Schotter befinden sich tertiäre Sedimente (Schlier), die als Grundwasserstauer wirken. Die Mächtigkeit der anstehenden sandigen Kiese beträgt zwischen 11 und 15 m.

Die Durchlässigkeit (kf-Wert) des ersten Grundwasserleiters beträgt ca. 5x10-3 bis 5x10-2 m/s, der Flurabstand des Grundwassers liegt bei rund 12 m unter Gelände. Die Grundwasserströmung ist etwa Richtung Südsüdost gerichtet, das Grundwasserspiegelgefälle beträgt ca. 4 ‰. Das Grundwasser ist gering mächtig, der spezifische Grundwasserdurchfluss im Bereich der Altablagerung liegt bei rund 5 m³/m,d.

Schutzgüter und Nutzungen

Der nördliche Teil der Altablagerung wird zurzeit nicht genutzt, im südlichen Teil befindet sich eine Schule. Unmittelbar angrenzend befinden sich größtenteils bewohnte Gebiete, im Osten grenzt die Bahnlinie Wels-Passau an die Altablagerung, dahinter liegen Sportplätze.

Das Grundwasser im Umfeld wird zu Brauchwasserzwecken genutzt, Trinkwassernutzungen sind keine bekannt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Bei der Altablagerung handelt es sich um eine ehemalige Schottergrube, die in den 60-iger und 70-iger Jahren mit Bauschutt, Aushub, Hausmüll und gewerblichen Abfällen verfüllt wurde. Im südlichen Teil der Altablagerung sind vor allem Aushubmaterial und Bauschutt abgelagert worden, der Anteil an Abfällen mit erhöhtem Schadstoffpotenzial ist in diesem Bereich gering. Im nördlichen Teil bestehen die Ablagerungen aus hohe Anteilen an Hausmüll und gewerblichen Abfällen. Die Ablagerungstiefe beträgt im Mittel rund 9,5 bis 10,5 m, die Fläche der Altablagerung beträgt ca. 4,6 ha. Das Gesamtvolumen kann mit rund 450.000 m³ abgeschätzt werden. Die Sohle der Altablagerung liegt zum Teil im Grundwasserschwankungsbereich, technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers sind keine vorhanden. Nach Abschluss wurde die ehemalige Deponie mit einer geringmächtigen Schicht abgedeckt und rekultiviert.

Die Ergebnisse der Deponiegasuntersuchungen zeigen, dass im nördlichen Teil der Altablagerung über weite Bereiche erhöhte Deponiegasgehalte (Methan > 5 Vol-% und Kohlendioxid > 15 Vol-%), lokal auch noch sehr hohe, gegeben sind. Die Deponiegasgehalte sind meist mit der Tiefe zunehmend. Im Vergleich mit älteren Ergebnissen ist die Deponiegasproduktion rückläufig, in tieferen Schichten ist von einer nach wie vor anhaltenden Deponiegasproduktion auszugehen. Entsprechend der Zusammensetzung des Deponiegases befindet sich die Altablagerung im nördlichen Bereich in der Kohlendioxidphase. Im südlichen Teil der Altablagerung wurde vor allem Bauschutt und Aushubmaterial mit nur geringen Anteilen an Hausmüll oder gewerblichen Abfällen abgelagert, in diesem Bereich sind die Deponiegasgehalte sehr gering.

Im nördlichen Bereich der Altablagerung sind auf einer Fläche von ca. 22.000 m² Ablagerungen mit hohem Deponiegasbildungspotenzial und anhaltender Deponiegasproduktion vorhanden, das Volumen dieser Ablagerungen kann mit rund 150.000 m³ abgeschätzt werden. Am nördlichen und nordwestlichen Rand wurde eine geringfügige Ausbreitung von Deponiegas in die Umgebung festgestellt, in Schächten außerhalb der Ablagerungen wurden zum Teil erhöhte Kohlendioxidkonzentrationen nachgewiesen.

Im Deponiegas wurden im nördlichen Bereich der Ablagerungen großteils erhöhte Gehalte an aliphatischen Kohlenwasserstoffen festgestellt, die Konzentrationen waren meist mit der Tiefe zunehmend. Sonstige Verunreinigungen mit leichtflüchtigen Schadstoffe sind nur punktuell aufgetreten und als untergeordnet zu bewerten.

Vor allem im nördlichen Bereich der Altablagerung sind lokal auch deutliche Verunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und untergeordnet mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen im Gesamtgehalt vorhanden. Größere zusammenhängende stark verunreinigte Bereiche wurden nicht nachgewiesen. Die Mineralölverunreinigungen sind größtenteils auf mittel- bis höhersiedende Fraktionen (z. B. Heizöl und Schmieröle) zurückzuführen, die Mobilität ist als gering zu bewerten. Teilweise wurden auch Chromatogramme mit signifikanten Spitzen vorgefunden, was auf Kunststoffanteile möglicherweise auf andere organische Chemikalien zurückzuführen ist. Der Anteil an höhersiedenden und wenig mobilen Kohlenwasserstoffverbindungen (> C22) lag im Mittel bei rund 72 %.

Langjährige Untersuchungen des Grundwassers zeigen, dass die Auswirkungen der Ablagerungen auf das Grundwasser gering sind. Schadstoffe (Metalle, organische Kohlenwasserstoffverbindungen) wurden im Grundwasserabstrom nur vereinzelt in geringen Gehalten nachgewiesen, vereinzelt wurden Prüfwertüberschreitungen für Nickel und Blei festgestellt. Das Grundwasser weist im Abstrom im Vergleich zum Anstrom eine geringfügig erhöhte Leitfähigkeit sowie reduzierende Verhältnisse auf. Im Abstrom des nördlichen Ablagerungsbereiches ist der Einfluss der Hausmüllablagerungen durch erhöhte Ammoniumgehalte feststellbar. Insgesamt ist der Einfluss auf das Grundwasser gering.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im nördlichen Bereich der Altablagerung auf einer Fläche von ca. 22.000 m² rund 150.000 m³ Abfälle mit einem hohen Anteil an Haus- und Gewerbemüll abgelagert wurden. Das Deponiegasbildungspotenzial dieser Ablagerungen ist erhöht und die Schadstoffmenge ist als erheblich zu beurteilen. Die Auswirkung auf das Grundwasser ist gering. Im südlichen Bereich der Altablagerung wurden überwiegend Aushubmaterial und Bauschutt abgelagert, die Schadstoffmenge ist in diesem Bereich gering, die Deponiegasgehalte sind sehr gering.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

Rund 150.000 m³ Hausmüll und gewerbliche Abfälle weisen ein hohes Deponiegasbildungspotenzial sowie eine erhebliche Schadstoffmenge (vorwiegend mittel- bis höhersiedendes Mineralöl) auf.

Schadstoffausbreitung: lokal

Im unmittelbaren Abstrom der Ablagerungen wurde kein erheblicher Eintrag von Schadstoffen festgestellt, es ist keine dauerhafte Schadstofffahne ausgebildet. Das Grundwasser im Abstrom weist reduzierende Verhältnisse mit erhöhten Ammoniumgehalten und eine geringfügige Erhöhung der Leitfähigkeit auf. Die im Grundwasser transportiere Ammoniumfracht im unmittelbaren Abstrom ist gering. Aufgrund Alter und Art der Ablagerungen sowie der hydrogeologischen Randbedingungen ist kurz bis mittelfristig keine signifikante Änderung der Ausbreitung zu erwarten.

Schutzgut: gut nutzbar

Die Altablagerung befindet sich in keinem wasserwirtschaftlich besonders geschützten Gebiet. Das Grundwasser ist grundsätzlich quantitativ gut nutzbar. Im Nahbereich der Altablagerung sind keine wasserrechtlich bewilligten Grundwassernutzungen vorhanden. Das Grundwasser ist im Bereich der Altablagerung nicht genutzt, im Umfeld befinden sich Hausbrunnen zu Brauchwasserzwecken, Trinkwassernutzungen sind keine bekannt. Aufgrund des städtischen Umfeldes sind auch zukünftig keine Trinkwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten.

Prioritätenklasse – Vorschlag: 3

Entsprechend der Beurteilung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien ergibt sich für den erheblich kontaminierten Teil der Altablagerung die Prioritätenklasse 3.

 

Datum der Texterstellung:    Mai 2020