Altlast O82: Gaswerk Steyr

Im Bereich des Altstandortes Gaswerk Steyr wurde von 1867 bis 1973 ein Gaswerk betrieben. Im zentralen Teil des Standorts wurden erhebliche Untergrundbelastungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und untergeordnet Mineralöl (MKW), aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX), heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und phenolischen Verbindungen festgestellt.

Im Grundwasser wurden vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und untergeordnet Cyanid nachgewiesen. Die Schadstofffrachten sind im erheblich verunreinigten Bereich sehr groß, das Grundwasser exfiltriert unmittelbar an der Standortgrenze in die Steyr. Kurz- bis mittelfristig ist keine signifikante Änderung der Grundwasserbelastungen zu erwarten. Die Auswirkungen auf die Steyr sind gering.

Die Verunreinigungen des Untergrundes im Bereich des ehemaligen Gaswerks verursachen eine erhebliche Gefährdung des Grundwassers. Der Altstandort „Gaswerk Steyr“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Steyr (Stadt),
Steyr,
Steyr,
491/2, 500/1, 500/2, 1398/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gaswerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 2.100 m²
Volumen Altlast (m³): 8.000 m³
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.09.2019
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.09.2019
Priorität: 3

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort befindet sich etwas südlich des Stadtzentrums von Steyr unmittelbar nördlich der Steyr. Die Fläche des Standortes beträgt rund 8.500 m².

Im Zeitraum von etwa 1867 bis 1973 wurde auf dem Standort ein Gaswerk betrieben. Bis 1962 diente Kohle als Rohstoff zur Gaserzeugung, danach wurde Butan in einer Flüssiggasspaltanlage verarbeitet.

Die Kohlevergasung fand in Vertikalfilterkammeröfen statt, über die erzeugten Gasmengen sowie sonstige Nebenprodukte liegen keine Aufzeichnungen vor. Insgesamt bestanden drei Gasbehälter, die vermutlich flüssigkeitsgedichtet ausgeführt waren. Es gab vermutlich keine Naphthalinwäsche und Benzolabscheidung, flüssige Rückstände wurden vermutlich in den Vorfluter entsorgt. Lage und Größe des Teerabscheiders und der Destillationsanlage sind nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehbar.

Der anfallende Teer sowie wurde zur Verwertung vom Standort verbracht, verbrauchte Gasreinigermasse wurde an die chemische Industrie abgegeben.

Im Jahr 1956 wurde der Süden des Geländes zur Steyr hin angeschüttet, über die verwendeten Schüttmaterialien liegen keine Angaben vor.

 

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Bereich einer quartären Niederterrasse. Die Oberfläche des Standortes ist nahezu eben, rund 150 m nördlich des Standortes steigt das Gelände an. Der Untergrund setzt sich aus sandigen Kiesen zusammen, die generell im Bereich des Altstandortes durch anthropogene Anschüttungen bis zu etwa 4,5 m Mächtigkeit überlagert sind. Im Liegenden befindet sich in rund 5 bis 6 m unter GOK der Stauer in Form von Schluff. Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird im Wesentlichen wie folgt aufgebaut:

  • Anschüttungen bestehend aus Kiesen und Sanden mit teilweise Beimengungen an Bauschutt (v.a. Ziegel) und Kohlen, stellenweise auch und Aschen und andere Beimengungen (zwischen 0,8 bis 4,5 m unter GOK, im Mittel rund 2,5 m unter GOK)
  • Teilweise sandige Deckschicht mit Mächtigkeiten zwischen 0,2 bis 2,9 m
  • quartäre sandige Kiese (ca. 1,2 bis 4,1 m mächtig, im Mittel rund 2,6 m)
  • tertiärer Ton, teilweise schluffig oder sandig, ab 4,8 bis 6,5 m unter GOK (im Mittel rund 5,7 m unter GOK)
    Die quartären Sedimente bilden den Grundwasserleiter. Die Durchlässigkeit (kf-Wert) des Grundwasserleiters beträgt ca. 2 bis 7 x 10-3 m/s, der Flurabstand des Grundwassers liegt bei rund 2,5 bis 3 m unter Gelände. Die Grundwasserströmung ist generell etwa Richtung Süd zur Steyr hin gerichtet, im östlichen Standortbereich verschwenkt die Grundwasserströmung Richtung Südost bis Ost. Die südlich angrenzende Steyr ist die Vorflut für das Grundwasser, bei hohen Wasserständen kann es zu veränderten Strömungsrichtungen bis hin zu einer Strömungsumkehr kommen.

Das Grundwasserspiegelgefälle im Bereich des Altstandortes beträgt ca. 1,5 %. Der Grundwasserdurchfluss über den gesamten Querschnitt des Altstandorts (rund 280 m) beträgt etwa 2.500 m³/d, der spezifische Grundwasserdurchfluss liegt im Bereich von rund 9 m³/m,d. Die Sickerwassermenge im Bereich des Altstandortes kann unter 10 m³/d abgeschätzt werden. Im Vergleich von Grundwasserneubildung und hydraulischer Fracht ergibt sich ein sehr hoher Verdünnungsfaktor.

 

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort „Gaswerk Steyr“ wird aktuell bebaut (Erweiterungsbau der Fachhochschule Steyr), im westlichen Teil befinden sich Wohnhäuser und ein Bürogebäude. Die Umgebung des Altstandortes ist Stadtgebiet.

Im Bereich des Altstandortes sowie im unmittelbaren Abstrom wird das Grundwasser nicht genutzt. Südlich angrenzend fließt die Steyr, die nach rund 500 m stromab in die Enns mündet. Etwa 100 m nördlich des Standorts befindet sich eine Wasserkraftanlage die ein altes Nebengerinne der Steyr, das so genannte „Über Wasser“, nutzt. Unmittelbar nördlich des Altstandortes fließt das Restwasser ab und mündet an der östlichen Altstandortgrenze in die Steyr.

Aufgrund kürzlich fertiggestellter Hochwasserschutzmaßnahmen liegt der Großteil des Altstandortes außerhalb des HQ30-Bereichs.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Zeitraum von etwa 1867 bis 1973 wurde auf dem Standort ein Gaswerk betrieben. Bis 1962 diente Kohle als Rohstoff zur Gaserzeugung, danach wurde Butan in einer Flüssiggasspaltanlage verarbeitet. Die Kohlevergasung fand in Vertikalfilterkammeröfen statt, über die erzeugten Gasmengen sowie sonstige Nebenprodukte liegen keine Aufzeichnungen vor. Insgesamt bestanden drei Gasbehälter, die vermutlich flüssigkeitsgedichtet ausgeführt waren. Es gab vermutlich keine Naphthalinwäsche und Benzolabscheidung, flüssige Rückstände wurden vermutlich in den Vorfluter entsorgt. Lage und Größe des Teerabscheiders und der Destillationsanlage sind nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehbar. Der anfallende Teer wurde zur Verwertung vom Standort verbracht, verbrauchte Gasreinigermasse wurde an die chemische Industrie abgegeben.

Im Bereich des ehemaligen Gaswerks sind oberflächlich Anschüttungen aus Kies und Sand mit teilweise Beimengungen von Bauschutt und Kohlen, vereinzelt auch Aschen und anderen Beimengungen. Die Mächtigkeit der Anschüttungen liegt zwischen 0,8 bis 4,5 m unter GOK, im Mittel bei rund 2,5 m. Bei zahlreichen Aufschlüssen wurden in den Anschüttungen erhöhte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und mit diesen vergesellschaftet Mineralölkohlenwasserstoffen (KW-Index) nachgewiesen. Der Untergrund ist vor allem im zentralen Bereich des Untergrundes verunreinigt, in dem sich auch die meisten Anlagen der Gasproduktion befanden. Die Anschüttungen sind lokal auch außerhalb des zentralen Bereiches stark verunreinigt.

Die Verunreinigungen haben sich in einem Teilbereich bis in den gesättigten Bereich, stellenweise bis zum Stauer ausgebreitet. In den verunreinigten Bereichen wurden zum Teil auch erhöhte Gehalte an heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX), Phenol und Alkylphenolen nachgewiesen. Im zentralen Schadensbereichen kann anhand der Analysenergebnisse und der augenscheinlichen Ansprache abgeleitet werden, dass die Teerölverunreinigungen stellenweise residual gesättigt vorliegen. Teerölphase oder auf dem Grundwasser aufschwimmende Phase wurde nicht festgestellt.

Insgesamt sind im ungesättigten Untergrund auf einer Fläche von rund 1.300 m² und im gesättigten Untergrund auf einer Fläche von rund 1.900 m² Verunreinigungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) vorhanden.

Im Grundwasser wurden an der südlichen Standortgrenze teils deutlich erhöhte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und untergeordnet auch andere gaswerkstypische Schadstoffe wie Cyanid (CN), heterozyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (NSO-HET), aromatische Kohlenwasserstoffe, Phenol und Methylphenole nachgewiesen. Die höchsten Belastungen wurden in der Messstelle GWM 5 festgestellt, sowie untergeordnet in den beiden Messstellen GWM 4 und GWM 6. Alle drei Messstellen liegen im Randbereich des erheblich kontaminierten Bereiches.

Die gelösten PAK-Belastungen bestehen größtenteils aus 4-Ring PAK, in etwas niedrigeren Anteilen aus 3- Ring und auch 5-Ring PAK. Hauptanteile waren Fluoranthen und Pyren sowie teilweise Naphthalin, untergeordnet Phenanthren, Acenaphthen und Fluoren. Auch Benzo(a)pyren und Benzo(g,h,i)perylen wurden zum Teil in relevanten Anteilen nachgewiesen. Naphthalin wurde vor allem in der Messstellen GWM 4, GWM 5 und GWM 2 in höheren Anteilen festgestellt.

Die Messstelle GWM 5 liegt sowohl entsprechend der Ergebnisse der Feststoffuntersuchungen als auch der Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen sehr nahe des Hauptschadensbereiches. Auch die massive Mobilisierung von Naphthalin im Zuge des durchgeführten Pumpversuches ist ein Indiz dafür, dass diese Messstelle sehr nahe von massiven Kontaminationen liegt. Die Messstelle GWM 6 dürfte im Randbereich der Kontaminationen liegen, beim Pumpversuch kam es zu keiner signifikanten Veränderung der Schadstoffgehalte.

Im Bereich der erheblichen Verunreinigungen sind die gelösten Schadstofffrachten an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen sehr groß. Der Hauptanteil strömt im Hauptschadensbereich im Bereich der Messstelle GWM 5 und in geringeren Anteilen in GWM 4 und GWM 6 ab. Unter Berücksichtigung der bei den Pumpversuchen festgestellten Mobilisierung ergeben sich noch höhere Schadstofffrachten. Auch für aromatische Kohlenwasserstoffe ergeben sich unter Berücksichtigung der Mobilisierung beim Pumpversuch hohe Schadstofffrachten für Benzol. Die Cyanidfrachten waren bei allen Untersuchungsdurchgängen erheblich.

In den belasteten Messstellen GWM 4 und GWM 6 sind im Vergleich zum Anstrom geringfügig reduzierte Verhältnisse erkennbar, in der Messstelle GWM 5 wurden deutlich reduzierte Verhältnisse bis teilweise weitgehender Nitratzehrung festgestellt. Auf Basis der Änderung des Grundwasserchemismus kann davon ausgegangen werden, dass ein Schadstoffabbau stattfindet und die gelösten PAK unter nitratreduzierenden Bedingungen abgebaut werden.

Das Grundwasser exfiltriert unmittelbar an der südlichen Standortgrenze in die Steyr. Trotz der sehr großen Schadstoffrachten im Grundwasser sind die Auswirkungen auf die Steyr aufgrund der Verdünnung selbst unter ungünstigsten Annahmen vernachlässigbar gering.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass der Untergrund am Altstandort „Gaswerk Steyr“ auf einer Fläche von rund 2.200 m² erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt ist. Die Untergrundverunreinigungen verursachen eine Grundwasserverunreinigung, die gelösten Schadstofffrachten sind im Bereich der erheblichen Verunreinigungen sehr groß. Die Schadstoffausbreitung im Grundwasser ist aufgrund der unmittelbar südlich fließenden Steyr als Vorfluter gering. Entsprechend der großen Verdünnung sind die Auswirkungen auf die Steyr selbst bei Niedrigwasser gering. Es ist davon auszugehen, dass sich kurz- bis mittelfristig weder die Schadstoffkonzentrationen noch die Schadstofffrachten im Grundwasser signifikant verändern werden. Der erheblich kontaminierte Bereich des Altstandortes stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

Im Bereich des Altstandortes wurde von 1867 bis 1962 ein Gaswerk mit Kohle als Rohstoff betrieben. Der Untergrund ist sowohl im ungesättigten als auch gesättigten Untergrund erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe weisen aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften eine hohe Stoffgefährlichkeit auf. Der mit PAK erheblich verunreinigte Untergrund im Bereich des Altstandortes kann mit ca. 8.000 m³ abgeschätzt werden, davon rund 60 % im gesättigten Untergrund. Insgesamt ergibt sich ausgehend vom maßgeblichen Parameter PAK ein großes Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: begrenzt

Im Bereich der erheblichen Verunreinigungen ist das Grundwasser deutlich mit PAK belastet. Die Schadstofffracht im Grundwasser innerhalb der Altlastkann mit rund 15 g/d für PAK-15 und 20 g/d für Naphthalin abgeschätzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Schadstofffracht außerhalb der erheblich verunreinigten Bereiche (= unmittelbarer Grundwasserabstrom) geringeringer ist und als groß abgeschätzt werden kann Die Länge der Schadstofffahne ist aufgrund der Lage am Ufer der Steyr max. 10 m. Aufgrund Art und Alter der Kontamination ist mittel- bis langfristig keine signifikante Änderung der Schadstofffrachten zu erwarten. Der großen Schadstofffracht und der sehr kurzen Schadstofffahne entsprechend ist die Schadstoffausbreitung insgesamt als begrenzt zu beurteilen.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Das Grundwasser ist grundsätzlich quantitativ gut nutzbar und weist im Anstrom trotz des städtischen Umfeldes keine relevanten Vorbelastungen auf. Im Nahbereich des Altstandortes sind keine wasserrechtlich bewilligten Grundwassernutzungen vorhanden. Das Grundwasser im Abstrom ist nicht nutzbar, da das Grundwasser unmittelbar abstromig in die Steyr exfiltriert. Aufgrund des städtischen Umfeldes sind auch zukünftig keine Trinkwassernutzungen im direkten Umfeld des Altstandortes zu erwarten.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

 

Datum der Texterstellung:    November 2018