Altlast O68: Textilreinigung Britta

Am Standort der „Textilreinigung Britta“ besteht eine Belastung des Untergrundes durch Tetrachlorethen. Der kontaminierte Bereich kann mit mehr als 500 m² abgeschätzt werden. Belastungen des Grundwassers mit Tetrachlorethen bleiben lokal relativ eng beschränkt. Der Altstandort befindet sich im Grundwasserschongebiet Urfahr. Es wird vorgeschlagen, die „Textilreinigung Britta“ in Prioritätenklasse 3 einzustufen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Urfahr,
.155/19
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Fläche Altlast (m²): 330 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.06.2005
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.06.2005
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Die „Textilreinigung Britta“ befindet sich im Innenstadtgebiet von Linz-Urfahr ungefähr 200 m westlich des Linzer Rathauses an der Rudolfstraße. Die chemische Reinigung wird seit dem Jahr 1969 betrieben.

Tetrachlorethen (Perchlorethylen) wurde zumindest in den ersten Jahren als Reinigungsmittel eingesetzt. Die Reinigungsmaschine war ursprünglich im Geschäftslokal an der Rudolfstraße aufgestellt und wurde später in einen südöstlich gelegenen und unterkellerten Betriebsraum verlegt. Die Grundfläche des Betriebes ist etwa 140 m² groß, wobei etwa die Hälfte der Betriebsfläche unterkellert ist.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird von gut durchlässigen quartären Schottern der Donau geprägt. Die Geländeoberfläche ist eben und befindet sich etwa auf 263 m ü.A. Die Geländeoberfläche wurde durch eine 1 bis 2 m mächtige künstliche Anschüttung hergestellt und wird in manchen Bereichen von einer geringmächtigen Schicht feinkörniger Sedimente (Ausande bzw. Aulehme) unter­lagert. Ab Tiefen von 2,0 m bis etwa 21,5 m stehen sehr gut durchlässige sandige Kiese an. Es ist mit  Durchlässigkeitsbeiwerten zwischen 10-2 und 10-3 m/s zu rechnen. An der Basis der Kiese befinden sich gering durchlässige tertiäre Sedimente (Schlier).

Die Strömungsrichtung des Grundwassers ist lokal im Bereich des Altstandortes nach Nordnordosten gerichtet. Das Gefälle des Grundwasserspiegels kann mit rund 0,8 ‰ angegeben werden. Der Grundwasserspiegel befindet sich bei mittleren Grundwasserständen etwa 11 bis 12 m unter Gelände bei etwa 251,5 m ü.A. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt rund 10 m.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort befindet sich in einem innenstädtischen Wohngebiet. Die Donau ist etwa 250 m entfernt. Das Grundwasser im Bereich Urfahr ist als Grundwasserschongebiet wasserrechtlich besonders geschützt. Darüber hinaus befindet sich im Grundwasserabstrom, etwa 2,1 km nordnordöstlich des Alt­stand­ortes, das Wasserwerk Heilham. Es handelt sich um eine Trinkwasser­versorgungsanlage mit einem wasserrechtlichen Konsens zur Entnahme von 120 l/s.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Textilreinigung Britta“ wurde in den ersten Betriebsjahren Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Durch Manipulationsverluste und unzureichende Schutzvorkehrungen beim Betrieb der Reinigungsmaschine konnte Tetrachlorethen in den Untergrund gelangen.

Die Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen im Oktober 2002 zeigen eine Verunreinigung der wasserungesättigten Bodenzone durch Tetrachlorethen. Das Schadenszentrum befindet sich im Bereich des ersten Aufstellungsortes der Reinigungsmaschine. Eine Bodenluftprobe aus 5 m Tiefe zeigte einen Tetrachlor­ethen­gehalt von 425 mg/m³. Der Maßnahmenschwellenwert beträgt 10 mg/m³. In sehr geringerem Ausmaß konnten auch Trichlorethen und cis-1,2-Dichlorethen nachgewiesen werden. Die Ergebnisse der Probenahmen an den beiden stationären Bodenluftmessstellen (CKW max. 97,7 mg/m³) zeigten bei allen drei Probe­nahmeterminen für alle Messstellen jeweils Belastungen in ähnlicher Größenordnung, so dass auf eine relativ einheitliche Verunreinigung der wasser­ungesättigten Bodenzone bis zur Grundwasseroberfläche geschlossen werden kann.

Der Bodenluftabsaugversuch wurde an einer Bodenluftmessstelle durchgeführt, die sich rund 7 m nördlich des Schadensherdes befindet. Die Ergebnisse des Absaugversuches (BL01/5) bestätigen, dass eine Verunreinigung des Untergrundes durch Tetrachlorethen gegeben ist. Die im Zuge des Bodenluftabsaugversuches über die abgesaugte Bodenluft erfasste CKW-Fracht von mehr als 0,1 kg/d ist als erheblich einzustufen. Auf Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse, kann die Ausdehnung des kontaminierten Bereiches mit einer Größenordnung von mehr als 500 m² abgeschätzt werden.

Auf Grund der Lage des Altstandortes im innerstädtischen Gebiet waren die Möglich­keiten zur Errichtung von Grundwasserprobenahmestellen stark eingeschränkt, so dass sich auch in Bezug auf die Repräsentativität der Ergebnisse der Grundwasser­beweissicherung Einschränkungen ergeben. Die Ergebnisse von Grundwasser­unter­suchungen ergaben Hinweise, dass es durch den Altstandort zu einem Eintrag von CKW bzw. insbesondere Tetrachlorethen ins Grundwasser kommt. Im Bereich des Grund­wasserschongebietes Urfahr ist für Tetrachlorethen ein Prüfwert von 6 µg/l sowie ein Maßnahmenschwellenwert von 10 µg/l maßgeblich. Die Untersuchungen zur Grundwasserbeweissicherung im Jahr 2003 zeigen, dass im Grundwasserabstrom keine deutlich erhöhten CKW- bzw. Tetrachlorethenbelastungen (CKW max. 2,2 µg/l) gegeben sind. Auf Grund der Ergebnisse der Grundwasser-beweissicherung und der Bodenluftuntersuchungen erscheint jedoch plausibel, dass nur eine lokale CKW-Belastung des Grundwassers gegeben ist und der Schadstoffeintrag bei Tetrachlorethen in einer Größenordnung von weniger als 1 g/d liegt.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Untersuchungsergebnisse für den Altstandort „Textilreinigung Britta“, dass eine erhebliche Verunreinigung des Untergrundes mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) gegeben ist und ein Eintrag von Tetrachlorethen ins Grundwasser erfolgt. Der Altstandort liegt im Bereich des Grundwasserschongebietes Urfahr und stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: erheblich

Auf einer Fläche von mehr als 500 m² sind Ver­un­rei­nigungen des Untergrundes durch CKW (Tetrachlorethen) gegeben. CKW‘s ist auf Grund der stofflichen Eigenschaften grund­sätzlich ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für das Grundwasser zuzuordnen. Auf Grund der Größe und der relativ geringen Intensität ist nur mit einem sehr begrenzten Schadstoffeintrag zu rechnen. Dementsprechend ist das Schadstoffpotenzial ins­gesamt als erheblich zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: lokal

Die im Bereich des Altstandortes auftretende erhöhte Schadstoffbelastung im Grundwasser bleibt eng begrenzt (< 20 m). Auf Grund der festgestellten CKW-Belastungen und der Ergiebig­keit des Grundwassers ist auch die Schadstoff­fracht im Abstrom des Alt­stand­ortes als gering einzustufen. Ein relevanter mikrobieller Abbau der Belastungen findet nicht statt. Allerdings ist auch langfristig mit keiner Veränderung bzw. Verminderung der Schad­stoff­emis­sionen im Grund­wasser zu rechnen. Der geringen Schadstofffracht und der begrenzten Länge der Schadstofffahne entsprechend ist die Schadstoffausbreitung insgesamt nur lokal gegeben.

Bedeutung des Schutzgutes: gut nutzbar

Der Altstandort befindet sich im Grundwasser­schongebiet und im weiteren Einzugsbereich des Wasserwerkes Heilham. Eine relevante Beein­flussung der Qualität des Grundwassers im Bereich des Wasserwerkes kann nicht eintreten. Dementsprechend ist die Bedeutung des Grund­wassers mit gut nutzbar zu bewerten.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung der Altlast „Textilreinigung Britta“ in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung: August 2004