Altlast O67: BP-Tanklager Linz 1 alt - Schadensfall SF2A

In südlichen Teil des  „BP-Tanklagers Linz 1 alt" wurde ab Anfang der 60er Jahre Mineralöl (Benzin, Spindelöl) in unterirdischen Tanks gelagert. Aus dem Jahr 1964 ist ein Benzinunfall bekannt. Im Zuge der Entfernung der Tanks und einer Ölmischanlage wurden im Jahr 1999 Mineralölkontaminationen des Untergrundes angetroffen und zum Teil entfernt.

Auf einer Fläche von ca. 3.500 m² ("Schadensfall SF2A") bestehen noch immer Verunreinigungen des Untergrundes und des Grundwassers. Diese Verunreinigungen stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Aufgrund der Beurteilung der vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird vorgeschlagen, den Altstandort in die Prioritätenklasse 3 einzustufen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Lustenau,
1485/2, 1485/8
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 2.600 m²
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel/Heizöl)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.09.2004
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2004
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen,
Räumung,
Pneumatische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2004

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Der Altstandort „BP-Tanklager Linz 1 alt“ befindet sich im „Tankhafen 4“ am linken Ufer der Donau im Stadtgebiet von Linz.  Die Fläche des Tanklagers ist rd. 22.000 m².  Der südliche Bereich des Tanklagers wurde in den frühen 60er Jahren als Umschlagplatz und zur Lagerung verschiedener Mineralölprodukte genutzt.

Dazu dienten zum einen 9 unterirdisch  situierte Tanks mit einem Gesamtfassungsvermögen von rd. 600.000 l und zum anderen eine Mischanlage zur Ölproduktion sowie die dazu notwendigen Nebenanlagen wie z.B. Pumpstationen, Leitungen, Fasslagerplätze. Die Lage der ehemaligen Tankanlage und der ehemaligen Ölmischanlage ist der folgenden Abbildung zu entnehmen.

1…TBF-Tanklager (TL Betriebsführungsgesellschaft Esso&Shell)

2…„BP-Tanklager Linz 1 alt“

3…„BP-Tanklager Linz 1 neu“

4…ehem. OMV-Tanklager

5…ehem. ESSO-Tanklager

6…Altlast O59 „BP-Tanklager Linz 2“

7…DANUOIL

 

Ab Beginn der 60er Jahre bis etwa Mitte der 70er wurden in den ehemaligen unterirdischen Tanks zum Großteil Vergaserkraftstoffe und Heizöle gelagert. In den Folgejahren bis zur Demontierung der unterirdischen Tankanlage im Jahr 1999 dienten sie zur Lagerung von Spindelölen. Das Niveau der ehemaligen Tanksohle lag etwa 4 m unter Geländeoberkante (GOK).

Im Jahr 1999 wurden alle neun unterirdischen Tanks gehoben und entfernt, zuvor wurde die Mischanlage zur Ölproduktion demontiert. Im Zuge der Tankräumung wurde 3.300 t kontaminierter Untergrund entsorgt. Zur Sicherung der Baugrube nach Süden (TBF-Tanklager) wurde auf einer Länge von etwa 70 m und einer Tiefe von ca. 11 m eine Spundwand errichtet, die nach der Wiederverfüllung der ausgehobenen Baugrube zum Großteil wieder entfernt wurde.

Das untersuchte Areal befindet sich auf postglazialen (nacheiszeitlichen) Sedimenten der ehemalig auf Auniveau mäandrierenden Donau. Diese Sedimente können in zwei Haupthorizonte untergliedert werden. Den oberen, von anthropogenen Anschüttungen überlagerten Horizont von Überflutungs- und Gleithangsedimenten in Form von zum Teil schluffigen Feinsanden und den unteren, bestehend aus grundwasserführenden sandigen Kiesen bzw. kiesigen Sanden der post- bis spätglazialen Schotterakkumulation. Die Mächtigkeit der Sedimente schwankt zum Teil stark.

Es kann generell davon ausgegangen werden, dass ein aus sandigen bis stark sandigen Kiesen bestehender Grundwasserleiter vorliegt. Der Grundwasserspiegel (ca. 4,3 bis 4,9 m unter GOK) wird durch einen quer unter dem Tanklager verlaufenden Drainagekanal stabilisiert, was eine Ablenkung der Grundwasserströmungsrichtung in nordnordöstliche Richtung bewirkt. Das Gefälle des Grundwasserspiegels beträgt etwa 4,5 ‰. Der kf-Wert kann mit etwa 7*10-4 m/s abgeschätzt werden. Der Grundwasserstauer (tertiärer Schlier) kann ab einer Tiefe von ca. 14 m unter Gelände angetroffen werden.

Im Zuge der Errichtung des wenige Kilometer donauabstromig gelegenen Donaukraftwerkes „Abwinden-Asten“ Mitte/Ende der 70er Jahre und des damit verbundenen Anstieges des Donaupegels bzw. des ufernahen Grundwasserspiegels wurde u. a. auch der Tankhafen entlang der Uferböschung umspundet. Nach der Errichtung des Kraftwerkes stieg im Bereich des BP-Tanklagers der mittlere Grundwasserspiegel von etwa 6,5 m auf 4,5 m unter GOK.

Im Bereich des „BP-Tanklagers Linz 1 alt" befinden sich neben dem Schadensfall "SF2A“ (Austritt von ca. 17.600 l Superbenzin 1964; Spindelölaustritt) folgende weitere Schadensbereiche:

  • Schadensfall SF2, Dieselaustritt Juni 1997
  • Schadensfall SF3, Heizöl-Leicht-Austritt Juli 1997 (untergeordnet Benzin- und Dieselaustritt)

Seit Jänner 2000 werden im Bereich des Schadensfalles SF2A Sperrbrunnen betrieben. In den Sperrbrunnen wird die Mineralölphase auch durch Skimmer abgeschöpft. Das abgepumpte belastete Grundwasser wird gereinigt und abgeleitet. Auch im Bereich der Schadensfälle SF2 und SF3 sind Sanierungsmaßnahmen in Betrieb.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Das BP-Tanklager "Linz 1 alt“ befindet sich im „Tankhafen 4“, linksufrig zur Donau und umfasst eine Gesamtfläche von rd. 22.000 m². Der südliche Teil des Tanklagers wurde ab den 60er Jahren als Lager- und Umschlagplatz und ab 1985 zur Herstellung verschiedener Mineralölprodukte genutzt. In diesem Teil des Tanklagers befanden sich neun unterirdische Tanks mit einem Gesamtfassungsvermögen von rd. 600.000 l und eine Ölmischanlage.

In den unterirdischen Tanks wurden von Anfang der 60er bis Mitte der 70er Jahre vorwiegend Vergaserkraftstoffe und Heizöle gelagert. Aus dieser Zeit (1964) ist ein Benzinunfall bekannt. Ab Mitte der 70er bis zu ihrer Demontierung 1999 wurden in den unterirdischen Tanks hauptsächlich Spindelöle gelagert.

Bis zum Herbst 1999 wurde sowohl die Ölmischanlage als auch die unterirdische Tankanlage demontiert und entfernt. Dabei wurden  massive Verunreinigungen des Untergrundes durch Mineralölprodukte festgestellt. Im Zuge der Räumung wurde mineralölkontaminierter Untergrund angetroffen und entsorgt. In weiterer Folge wurde begleitend zur Hebung der unterirdischen Tanks auch der massiv kontaminierte Nahbereich (Summe Kohlenwasserstoffe > 100 mg/l im Eluat; Fläche etwa 750 m², ausgehobener Untergrund ca. 3.300 t) ausgehoben und entsorgt.  Den Ergebnissen begleitender Untersuchungen entsprechend zeigte sich, dass insgesamt eine Fläche von ca. 3.500 m² von Kontaminationen betroffen ist. Dabei war auch zu beobachten, dass eine massive Mineralölphase (Mächtigkeit bis zu 1 m) am Grundwasser ausgebildet war. Der großen Mineralölmenge entsprechend hat sich das Mineralöl als flüssige Phase auf der Grundwasseroberfläche lateral deutlich über die Schadenszentren hinaus ausgebreitet.

Die Ergebnisse der Untergrunduntersuchungen zeigen Verunreinigungen, die bis zu 2 m unter den aktuellen Grundwasserspiegel reichen. Diese tiefreichenden Verunreinigungen lassen sich dadurch erklären, dass zum Zeitpunkt des Benzinunfalles (1964) der mittlere Grundwasserspiegel um ca. 2 m tiefer als derzeit lag.

Bei einem Pumpversuch im Brunnen SBR1 im Jahr 1999 konnten über die gesamte Mächtigkeit des Grundwassers Belastungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) nachgewiesen werden. Dabei war auch eine deutliche Abnahme der Belastungen mit zunehmender Tiefe zu beobachten.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen aus dem Zeitraum vor September  1999 zeigen, dass im unmittelbaren Schadensbereich eine flüssige Mineralölphase am Grundwasser ausgebildet war und dementsprechend sehr hohe Belastungen des Grundwasser durch gelöste Mineralölkohlenwasserstoffe (z.B. BTEX max. > 2.300 µg/l) gegeben waren. Die Ergebnisse aus Untersuchungen der Anstromsonden ab dem Jahr 2000 zeigen zwar wiederholt Hinweise auf Vorbelastungen, das Ausmaß dieser Belastungen ist jedoch deutlich geringer. An den Proben aus der Grundwassermessstelle „P3 SF3“ zeigten sich bis zur Inbetriebnahme der Sperrbrunnen zur Sicherung des Schadensfalles SF2A keine Hinweise auf Belastungen durch Minerlölkohlenwasserstoffe. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Ausbreitung gelöster Mineralölkohlenwasserstoffe als Schadstofffahne auf einen Bereich von weniger als 100 m beschränkt war.

Eine Alters- und Produktbestimmung vom Frühjahr 1999 der aufschwimmenden Mineralölphase aus den Grundwassersonden P1 und P2 ergab, dass das Mineralölprodukt zum Großteil aus einem hochsiedenden Mitteldestillat (z.B. Spindelöl) und zu einem geringeren Anteil aus Benzinkohlenwasserstoffen besteht. Die Benzinkohlenwasserstoffe wurden dem Schadensfall aus dem Jahr 1964 zugeordnet. Altersangaben zu den Verunreinigungen durch Spindelöl sind nicht möglich. Seit Beginn 2000 werden hydraulische Maßnahmen zur Sicherung des Schadensfalls SF2A betrieben.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass am BP-Tanklager "Linz 1 alt" im Bereich des Schadensfalls "SF2A“ auf einer Fläche von rd. 3.500 m² erhebliche Kontaminationen des Untergrundes durch Mineralölprodukte und eine Verunreinigung des Grundwassers gegeben sind. Das „BP-Tanklager Linz 1 alt – Schadensfall SFA2A“  stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: hoch

Im südlichen Bereich des Altstandortes sind Verunreinigungen durch Mineralölprodukte (nieder-, mittel- und hochsiedende Kohlenwasserstoffe) nachgewiesen, die zum Teil bis in die wassergesättigte Bodenzone reichen. Es handelt sich zum Teil um relativ gut wasserlösliche Mineralölprodukte (insbesondere Benzin, Diesel und Heizöl). Aufgrund der relativ geringen Größe des Schadensbereiches (3.500 m²) und des Alters der Kontamination ergibt sich insgesamt ein hohes Schadstoffpotenzial.

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

Im verunreinigten Untergrundbereich ist an der Grundwasseroberfläche zum Teil eine Mineralölphase ausgebildet. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist erheblich. Die Schadstofffahne war bis zur Inbetriebnahme der hydraulischen Maßnahmen im Jahr 1999 kürzer als 100 m. Dementsprechend war eine begrenzte Schadstoffausbreitung (Fracht und Fahnenlänge) gegeben.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Das verunreinigte Grundwasser ist quantitativ gut nutzbar. Im Nahbereich des Altstandortes sind keine Nutzungen des Grundwassers vorhanden oder geplant. Aufgrund der großräumigen gewerblichen Nutzung sind für diesen städtischen Bereich in Linz in absehbarer Zeit keine hohen Nutzungsansprüche für den betroffenen Grundwasserkörper zu erwarten.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung der Altlast „BP-Tanklager Linz 1 alt - Schadensfall SF2A“ in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung: Mai 2004