Altlast O61: Putzerei Szöts

Am Standort der "Putzerei Szöts" besteht eine Verunreinigung des Untergrundes durch Tetrachlorethen. Der kontaminierte Bereich kann mit mehr als 300 m² abgeschätzt werden. Im Grundwasserabstrom ist eine Belastung des Grundwassers mit Tetrachlorethen feststellbar. Der Altstandort ist damit auch einer der Verursacher der CKW-Verunreinigungen des Grundwassers im Bereich des Wasserwerkes Heilham.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Urfahr,
397/15
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Fläche Altlast (m²): 460 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.09.2003
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2004
Priorität: 2
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2004

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Die "Putzerei Szöts" befindet sich im Innenstadtgebiet von Linz-Urfahr an der Reindlstraße. Die chemische Reinigung wird seit dem Jahr 1961 betrieben und Tetrachlorethen (Perchlorethylen) als Reinigungsmittel eingesetzt. Die Reinigungsmaschine ist aktuell im Geschäftslokal an der Reindlstraße aufgestellt. Das Grundfläche ist etwa 120 m² groß, wobei lediglich das Geschäftslokal unterkellert ist.

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird von gut durchlässigen quartären Schottern der Donau geprägt. Der Altstandort befindet sich im Bereich einer leicht nach Norden ansteigenden Ebene. Die Geländeoberfläche befindet sich etwa auf 26 m ü.A. Die Geländeoberfläche wurde durch eine bis zu 1 m mächtige künstliche Anschüttung hergestellt und wird von einer Schicht feinkörniger Sedimente (Ausande bzw. Aulehme) unterlagert. Ab Tiefen von 2,5 m bis etwa 20 m stehen sehr gut durchlässige sandige Kiese an. Es ist mit Durchlässigkeitsbeiwerten zwischen 10-2 und 10-3 m/s zu rechnen. An der Basis der Kiese befinden sich gering durchlässige tertiäre Sedimente (Schlier).

Die Strömungsrichtung des Grundwassers ist lokal im Bereich des Altstandortes nach Nordnordosten gerichtet. Das Gefälle des Grundwasserspiegels kann mit rund 0,9 ‰ angegeben werden. Der Grundwasserspiegel befindet sich bei mittleren Grundwasserständen etwa 10 bis 11 m unter Gelände bei etwa 251,5 m ü.A. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt rund 9 bis 10 m.

Der Altstandort liegt im Einzugsbereich des Wasserwerkes Heilham, dessen Brunnenanlagen sich etwa 1,2 km nordnordöstlich des Standortes befinden. Für die Trinkwasserversorgungsanlage besteht ein wasserrechtlicher Konsens zur Entnahme von 120 l/s. Im Jahr 1983 war festgestellt worden, dass das aus den Brunnen geförderte Grundwasser durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW - insbesondere Tetrachlorethen) kontaminiert ist.

Das Wasserwerk wurde daraufhin weitgehend stillgelegt bzw. in den folgenden Jahren nur zur Abdeckung des Spitzenbedarfes genutzt. Seit Beginn der Sanierung der Altlasten O11 "Putzerei Gassl" und O19 "Spenglerei Aumayr" im Oktober 1997 wird im Wasserwerk Heilham zur Sanierung des Grundwassers wieder kontinuierlich Grundwasser entnommen.

Es ist geplant, das Wasserwerk kurz- bis mittelfristig wieder zur Trinkwasserversorgung zu nutzen. Dabei soll das Wasser aus zwei Brunnen ins Wasserversorgungsnetz eingespeist werden. Gleichzeitig soll im westlichen Bereich ein weiterer Brunnen als Sperrbrunnen betrieben werden. Durch diesen Sperrbrunnen soll das aus dem Bereich Urfahr zuströmende CKW-belastete Grundwasser erfasst und gesichert abgeleitet werden. Der Altstandort befindet sich in einem innenstädtischen Wohngebiet. Die Donau ist etwa 350 m entfernt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort "Putzerei Szöts" wird seit mehr als 40 Jahren Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Durch Manipulationsverluste und unzureichende Schutzvorkehrungen konnte Tetrachlorethen in den Untergrund gelangen.

Die Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen im Oktober 2002 zeigen eine Verun-reinigung der wasserungesättigten Bodenzone durch Tetrachlorethen. Als Schadensherd konnte die Reinigungsanlage identifiziert werden. Eine Bodenluftprobe aus 5 m Tiefe zeigte einen Tetrachlorethengehalt von 408 mg/m³. Der Maßnahmenschwellenwert beträgt 10 mg/m³. Auf Grund der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse ist davon auszugehen, dass insbesondere die feinkörnige Deckschicht massiv verunreinigt ist. Die Ausdehnung des kontaminierten Bereiches ist mit mindestens 300 m² abzuschätzen.

Die bisher vorliegenden Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen lassen darauf schließen, dass es durch den Altstandort zu einem Eintrag von CKW bzw. insbesondere Tetrachlorethen ins Grundwasser kommt. Im Bereich des Schutzgebietes des Wasserwerkes Heilham ist für Tetrachlorethen ein Prüfwert von 6 µg/l sowie ein Maßnahmenschwellenwert von 10 µg/l maßgeblich. Im Grundwasserabstrom der "Putzerei Szöts" sind bei Tetrachlorethen maximale Belastungen bis zu 10 µg/l zu beobachten. Darüber hinaus kann auf Grund der Ergebnisse der Immissionspumpversuche im Jahr 2001 abgeschätzt werden, dass die Schadstofffracht im Abstrom bei Tetrachlorethen in der Größenordnung von bis zu 2 g/d liegt.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen eindeutig, dass eine Verunreinigung des Untergrundes mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen vorhanden ist und Eintrag von Tetrachlorethen ins Grundwasser erfolgt. Der Altstandort "Putzerei Szöts" stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden.

Schadstoffpotenzial: hoch

Auf einer Fläche von mehr als 500 m² sind Verunreinigungen des Untergrundes durch CKW (Tetrachlorethen) gegeben. CKW‘s ist auf Grund der stofflichen Eigenschaften grundsätzlich ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für das Grundwasser zuzuordnen. Auf Grund der Größe, der Intensität und der festgestellten Verteilung der Verunreinigungen ist mit einem begrenzten Schadstoffeintrag zu rechnen. Dementsprechend ist das Schadstoffpotenzial insgesamt als hoch zu bewerten.

Schadstoffausbreitung: begrenzt

Die Länge der vom Altstandort ausgehenden Schadstofffahne kann mit 100 bis 150 m abgeschätzt werden. Auf Grund der festgestellten CKW-Belastungen und der Ergiebigkeit des Grundwassers ist die Schadstofffracht im Abstrom des Altstandortes relativ gering. Ein relevanter mikrobieller Abbau der Belastungen findet nicht statt. Allerdings ist auch langfristig mit keiner Veränderung bzw. Verminderung der Schadstoffemissionen im Grundwasser zu rechnen. Der  relativ geringen Schadstofffracht und der begrenzten Länge der Schadstofffahne entsprechend ist die Schadstoffausbreitung insgesamt als begrenzt zu bewerten.

Schutzgut: gut nutzbar

Der Altstandort befindet sich im Grundwasserschongebiet und im weiteren Einzugsbereich des Wasserwerkes Heilham. Eine relevante Beeinflussung der Qualität des Grundwassers im Bereich des Wasserwerkes kann nicht eintreten. Dementsprechend ist die Bedeutung des Grundwassers mit gut nutzbar zu bewerten.

Prioritätenklasse - Vorschlag: 2

Entsprechend der Bewertung der vor­hand­enen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Putzerei Szöts" in die Prioritätenklasse 2 vor.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2004