Sanierte Altlast O60: Putzerei Exklusiv Schwab

Am Altstandort „Putzerei Exclusiv Schwab“ waren eine Kontaminationen des Untergrundes durch CKW (insbes. Tetrachlorethen) gegeben. Die Kontaminationen reichten zum Teil bis nahe an den Grundwasserschwankungsbereich. Im Grundwasser war eine mehr als 500 m lange Schadstofffahne ausgebildet, die bis in das engere Schutzgebiet einer öffentlichen Trinkwasserversorgungsanlage reichte.

Im Frühjahr 2007 erfolgte im Zuge der Baumaßnahmen zur Errichtung eines Gebäudes ein Aushub kontaminierter Bereiche bis 7 m Tiefe. In weiterer Folge wurden Restverunreinigungen der ungesättigten Zone am Standort durch Bodenluftabsaugung minimiert.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass im Grundwasserabstrom des Standortes seit Sommer 2009 nur mehr geringfügige CKW-Verunreinigungen des Grundwassers gegeben sind. Diese Ergebnisse bestätigen, dass durch die getroffenen Maßnahmen der Zustand des Grundwassers dauerhaft verbessert und die Qualität des Grundwassers wiederhergestellt wurde. Die Altlast O60 „Putzerei Exclusiv Schwab“ ist als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Urfahr,
552
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Fläche Altlast (m²): 110 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 29.08.2003
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2004
Priorität: 1
Datum Ausweisung dekontaminiert: 01.11.2012
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen,
Räumung,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2004

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Es handelte sich um den Standort einer ehemaligen Wäscherei. Im Zeitraum von 1972 bis 1989 wurden auch Maschinen zur chemischen Reinigung von Textilien betrieben. Als Reinigungsmittel wurde Tetrachlorethen (Perchlorethylen, kurz: PCE) eingesetzt. Das Geschäftslokal war etwa 100 m² groß und nicht unterkellert.

Untergrundverhältnisse

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird von gut durchlässigen, quartären Schottern der Donau geprägt. Das Gelände ist eben und befindet sich etwa auf 262 bis 263 m ü.A. Unterhalb einer etwa 1 bis 2 m mächtigen künstlichen Anschüttung steht eine 3 bis 4 m mächtige Schicht feinkörniger Sedimente (Ausande bzw. Aulehme) an. Unter dieser Deckschicht sind bis in etwa 18 bis 20 m Tiefe sehr gut durchlässige sandige Kiese anzutreffen. Es ist mit  Durchlässigkeits-beiwerten zwischen 10-2 und 10-3 m/s zu rechnen. An der Basis der Kiese befinden sich gering durchlässige tertiäre Sedimente (Schlier).

Der Grundwasserspiegel befindet sich bei mittleren Grundwasserständen etwa 10 bis 11 m unter Gelände bei etwa 251 m ü.A. Die Strömungsrichtung des Grundwassers ist lokal im Bereich des Altstandortes nach Nordnordosten gerichtet. Das Gefälle des Grundwasserspiegels kann mit rund 1,2 ‰ angegeben werden. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt ca. 10 m.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Standort befindet sich im städtischen Gebiet in Linz Urfahr etwa 700 m nördlich der Donau und in unmittelbarer Nähe der Kreuzung Leonfeldnerstraße/Freistädterstraße. Aktuell wird der Standort durch ein Büro- und Wohngebäude (Business Corner Urfahr) genutzt.

In einer Entfernung von etwa 750 m nordnordöstlich des Standortes befindet sich die Grenze des weiteren Schutzgebietes des Wasserwerkes Heilham. Die Brunnen des Wasserwerkes befinden sich etwa in einer Entfernung von 1,2 km. Es handelt sich um eine Trinkwasserversorgungsanlage für die Stadt Linz. Es besteht ein wasserrechtlicher Konsens zur Entnahme von 120 l/s. Für das Einzugsgebiet des Wasserwerkes sind seit dem Jahr 2004 neun CKW-kontaminierte Standorte als Altlasten (siehe nebenstehende Abbildung) ausgewiesen.

Im Jahr 1983 war festgestellt worden, dass das aus den Brunnen geförderte Grundwasser durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW – insbesondere Tetrachlorethen) kontaminiert ist. Das Wasserwerk wurde daraufhin weitgehend stillgelegt bzw. in den folgenden Jahren nur zur Abdeckung des Spitzenbedarfes genutzt. In weiterer Folge wurde zeitgleich mit Beginn der Sanierung an den Standorten O11 „Putzerei Gassl“ und O19 „Spenglerei Aumayr“ im Oktober 1997 auch die kontinuierliche Entnahme von Grundwasser im Wasserwerk Heilham wieder aufgenommen. Seit Oktober 2007 wird das entnommene Grundwasser (durchschnittlich 50 bis 60 l/s) wieder zu Trinkwasserzwecken genutzt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort „Putzerei Exclusiv Schwab“ wurde mehr als 15 Jahre Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Durch Manipulationsverluste und unzureichende Schutzvorkehrungen beim Betrieb der Reinigungsmaschinen konnte Tetrachlorethen in den Untergrund gelangen.

Die Ergebnisse von Bodenluftuntersuchungen im Oktober 2002 zeigten eine erhebliche Verunreinigung der wasserungesättigten Bodenzone durch Tetrachlorethen. Als Hauptschadensherd wurde der frühere Standort der Reinigungsanlage identifiziert. Eine Bodenluftprobe aus 5 m Tiefe zeigte einen Tetrachlorethengehalt von 15.200 mg/m³ (Maßnahmenschwellenwert ÖNORM S 2088-1: 10 mg/m³). Im Bereich des Schadensherdes konnten auch für Trichlorethen, cis-1,2-Dichlorethen und Vinylchlorid gering erhöhte Gehalte nachgewiesen werden. Der Nachweis dieser Einzelsubstanzen, war ein Hinweis, dass in der wasserungesättigten Bodenzone im Bereich des Schadensherdes in stark eingeschränktem Umfang auch Abbauprozesse gegeben waren. Ein zusätzlicher Schadensherd wurde im Bereich des Abwasserschachtes nachgewiesen.

In weiterer Folge hatten auch Probenahmen an stationären Bodenluftmessstellen und die Ergebnisse eines Bodenluftabsaugversuches bestätigt, dass massive Verunreinigungen des Untergrundes (PCE bis max. 2.480 mg/m³) gegeben waren. Der Vergleich der Messergebnisse für Bodenluftproben aus dem Bereich der gut durchlässigen, sandigen Kiese zeigte einen mit der Tiefe abnehmenden Trend der CKW-Belastung.

An der Bodenluftmessstelle rund 10 m westlich des Schadensherdes  wurde im Frühjahr 2003 an der tieferen Messstrecke der Bodenluftmessstelle ein 24-stündiger Bodenluftabsaugversuch durchgeführt. Da der Schadensherd am Beginn des Absaugversuchs noch nicht erfasst wurde, stellte sich die maximale CKW-Belastung der abgesaugten Bodenluft (CKW 4.110 mg/m³) erst nach ca. 4 Stunden ein. Die im Zuge des Bodenluftabsaugversuches über die abgesaugte Bodenluft erfasste CKW-Fracht von rund 4 kg/d ist als sehr groß einzustufen.

Insgesamt zeigten die Untersuchungsergebnisse für die wasserungesättigte Bodenzone, dass im Bereich des Altstandortes zwei Schadensherde gegeben waren und jeweils insbesondere die feinkörnige Deckschicht massiv durch Tetrachlorethen verunreinigt war. Die Ausdehnung des kontaminierten Bereiches wurde mit einer Größenordnung von mehr als 700 m² abgeschätzt.

Bereits im Jahr 2001 waren im Grundwasserabstrom des Altstandortes Immissionspumpversuche durchgeführt worden. Die Auswertung der Ergebnisse der Immissionspumpversuche hatte gezeigt,  dass eine Schadstofffahne mit einer Schadstofffracht in der Größenordnung von 10 g/d ausgebildet war.

Untersuchungen zur Grundwasserbeweissicherung im Jahr 2003 zeigten in weiterer Folge, dass zwar im weiteren Anstrom deutliche Verunreinigungen durch Tetrachlorethen (max. 12 µg/l), im unmittelbaren Anstrom des Altstandortes jedoch nur mehr relativ geringe Verunreinigungen (max. 2,6 µg/l) gegeben waren. Gleichzeitig bestätigte sich für  den Grundwasserabstrom des Altstandortes mit Tetrachlorethengehalten von 32 bis 120 µg/l (Maßnahmen-

schwellenwert 10 µg/l), dass zum Teil sehr hohe Verunreinigungen des Grundwassers zu beobachten waren.

Damit war nachgewiesen, dass am Standort der „Putzerei Exclusiv Schwab“ ein erheblicher Eintrag von CKW bzw. insbesondere Tetrachlorethen ins Grundwasser erfolgte und eine mehr als 500 m lange Schadstofffahne verursacht wurde, die bis in das engere Schutzgebiet des Wasserwerkes Heilham reichte.

Der durch den Altstandort „Putzerei Exlusiv Schwab“ verursachte Grundwasserschaden war eine der drei wesentlichen Ursachen für die CKW-Verunreinigungen im Bereich des Brunnenfeldes Heilham.

 

MASSNAHMEN ZUR SANIERUNG

Ziel der Maßnahmen

Ziel der Maßnahmen war es, den Eintrag von Schadstoffen aus der ungesättigten Bodenzone in das Grundwasser so weit zu reduzieren, dass die Ausbreitung der Schadstofffahne im Grundwasser minimiert wird, um damit dauerhaft einen Zustand herzustellen, bei dem eine uneingeschränkte Nutzung des Grundwassers möglich ist.

Für die Maßnahmen war dabei in Zusammenhang mit den hydrogeologischen, hydrologischen und wasserwirtschaftlichen Gegebenheiten am Standort folgender Zielwert für das Grundwasser maßgeblich: Summe CKW 10 µg/l

Für den Nachweis der Wirksamkeit und des Erfolges der Maßnahmen war es notwendig, dass der Sanierungszielwert über den Zeitraum eines halbes Jahres, d.h. bei drei aufeinander folgenden Probenahmen zur Grundwasserbeweissicherung unterschritten wird.

Beschreibung der Maßnahmen

Die Maßnahmen zur Sicherung des Altstandortes umfassten:

  • Dekontamination durch Aushub sowie Entsorgung und Behandlung kontaminierter Aushubmaterialien
  • Dekontamination der ungesättigten Bodenzone in überbauten Bereichen durch Bodenluftabsaugung und Reinigung der Abluft
  • Hydraulische Maßnahmen im Abstrom - Betrieb eines Sperrbrunnens im Abstrom, Reinigung des abgepumpten Grundwassers und Wiederversickerung des gereinigten Wassers
  • Grundwasserbeweissicherung - Probenahmen an bis zu 13 Probenahmestellen

Der Zielwert für die Einstellung der Bodenluftabsaugung wurde für Summe CKW mit 10 mg/m³ festgelegt. Der Grenzwert für die Wiederversickerung des gereinigten Wassers war für Summe CKW 1 µg/l.

Beurteilung der Maßnahmen

Durch die Aushubmaßnahmen im Frühjahr 2007 wurden die Verunreinigungen des Untergrundes im Bereich der festgestellten Schadensherde so weit vermindert, dass ein Rückgang der CKW-Belastungen des Grundwassers auf weniger als 20 µg/l zu beobachten war. Bei Vollbetrieb der hydraulischen Maßnahme bestätigte sich, dass die CKW-Fracht im Abstrom des Altstandortes nur mehr in der Größenordnung von 0,8 bis 1,1 g/d war, d.h. um etwa 90 % geringer als vor Beginn der Dekontamination. In weiterer Folge zeigte sich nach Durchführung der Bodenluftabsaugung zur Beseitigung von Restverunreinigungen der ungesättigten Zone, dass die CKW-Verunreinigungen des Grundwassers generell auf weniger als 2 µg/l sowie die CKW-Fracht im Abstrom auf rund 0,4  g/d vermindert werden konnten. Insgesamt wurden die Verunreinigungen des Grundwassers damit um mehr als 95 % verringert. Die zeitliche Entwicklung der Verminderung der Intensität und des Ausmaßes der Verunreinigungen im Grundwasser steht in plausiblen Zusammenhängen zur zeitlichen Abfolge und zum Wirkungsgrad der Maßnahmen zur Dekontamination. Der Zielwert im Grundwasser wird seit dem Jahr 2009 dauerhaft unterschritten. Nach Einstellung der hydraulischen Maßnahmen war kein Wiederanstieg der CKW-Verunreinigungen des Grundwassers zu beobachten.

Zusammenfassend ergibt sich,  dass im Abstrom des Altstandortes auch zukünftig keine mehr als geringfügigen Verunreinigungen des Grundwassers zu erwarten sind und die Altlast O 60 „Putzerei Exclusiv Schwab“ daher als „saniert“ zu bewerten ist.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2012