Gesicherte Altlast O46: Deponie Piesslinger

Bei der Altablagerung handelt es sich um eine Betriebsdeponie, auf der im Zeitraum von 1977 bis 1984 neben Bauschutt und Aushub etwa 4.000 m³ Neutralisationsschlämme (aus der Entfettung, Beize und Eloxieren von Aluminium) abgelagert wurden. Die Deponie war ohne deponietechnische Maßnahmen (Basisabdichtung, Sickerwassersammelsystem, Oberflächenabdeckung) errichtet worden, so dass belastetes Sickerwasser ungehindert im Untergrund versickern konnte.

Die Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen in den Jahren 1998 und 1999 zeigten, dass auch mehr als 15 Jahre nach Schließung der Deponie eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers gegeben war. Belastungen zeigten sich insbesondere bei den Parametern Bor und Sulfat. Die Verunreinigungen waren lokal auf den Grundwasserbegleitstrom entlang der Krummen Steyrling beschränkt.

Im Zeitraum von August 2014 bis Oktober 2015 wurde im Bereich der Altablagerung eine Oberflächenabdichtung errichtet. Als Begleitmaßnahmen wurde für die erforderliche Ableitung von Niederschlagswässern ein Entwässerungssystem hergestellt sowie die Böschung der Altablagerung entlang der Krummen Steyrling auf einer Länge von 100 m durch Blocksteinwerk geotechnisch gegen Hochwässer gesichert. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen seit Oktober 2015 zeigten einen Rückgang der Verunreinigungen des Grundwassers und bestätigten die Wirksamkeit der Oberflächenabdichtung. Die Altlast wird als gesichert bewertet.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Kirchdorf an der Krems,
Molln,
Außerbreitenau,
1003, 1004/5
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll
Fläche Altlast (m²): 1.600 m²
Volumen Altlast (m³): 4.000 m³
Schadstoff(e) Anorganische Schadstoffe (Bor, Sulfat)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 23.10.2000
Datum der Prioritätenfestlegung: 28.08.2001
Priorität: 3
Datum Ausweisung gesichert: 01.07.2018
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Abdeckungen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.09.2001

BETRIEBLICHE ANLAGEN UND TÄTIGKEITEN

Beschreibung der Altablagerung

Die „Deponie Piesslinger“ befindet sich ca. 1,3 km nordöstlich des Ortszentrums der Gemeinde Molln unmittelbar nördlich an der Krummen Steyrling am Fuss des Gaisberges. Zwischen 1977 und 1984 wurde eine natürliche Geländesenke auf einer Fläche von rund 6.000 m² vorwiegend mit Bauschutt und Aushub verfüllt. In einem Teilbereich der Altablagerung von rund 2.000 m² wurden etwa 4.000 m³ Neutralisationsschlämme (aus der Entfettung, Beize und Eloxieren von Aluminium) abgelagert. Die Mächtigkeit der Altablagerung beträgt bis zu ca. 3 m. Die Ablagerung der Abfälle erfolgte ohne technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers.

Die Sohle der Altablagerung liegt in Teilbereichen (rund 10 % der Fläche) im Grundwasserschwankungsbereich. Nach Abschluss der Verfüllung wurden die abgelagerten Abfälle mit einer gering mächtigen Abdeck- und- Rekultivierungsschicht überdeckt.

Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung befindet sich am nördlichen Rand des Mollner Beckens. Im Mollner Becken wird der Untergrund überwiegend aus bis zu ca. 50 m mächtigen quartären sandig-steinigen Kiesen mit Feinkornzwischenlagen aufgebaut. Unterhalb der quartären Sedimente besteht der Untergrund aus Fels. Die quartären Sande und Kiese des Mollner Beckens bilden einen zusammenhängenden Talgrundwasserleiter, wobei die Feinkornzwischenschichten lokale Zwischenstauer darstellen. Der Fels wird teilweise von gering mächtigen tertiären, schluffig-tonigen Sedimenten bedeckt und stellt einen relativen Grundwasserstauer. Die generelle Grundwasserströmung des Talgrundwasserleiters ist nach Westen gerichtet.

Unmittelbar im Bereich der Altablagerung kommuniziert das Grundwasser mit der Krummen Steyrling als Vorfluter. Die lokale Strömungsrichtung des Grundwassers ist generell nach Südsüdwesten gerichtet und kann in Abhängigkeit der hydrologischen Situation sowie auch jahreszeitlich deutlich variieren. Hohe Wasserspiegellagen der Krummen Steyrling bei Hochwasserereignissen sowie erhöhter Zufluss von Hangwässern aus den Hangbereichen des nördlich gelegenen Gaisberges im Frühjahr können zeitlich begrenzt das Grundwasser maßgeblich beeinflussen, so dass Strömungsrichtungen nach Westen und nach Süden auftreten können.

Der Flurabstand des Grundwassers beträgt rund. 4 bis 7 m. Der Grundwasserstauer befindet sich in etwa 30 m Tiefe. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit einer Größenordnung von ca. 10-2 m/s angegeben werden, das Gefälle des Grundwasserspiegels mit einer Größenordnung von mehr als 1 %. Es ist davon auszugehen, dass die Abstandsgeschwindigkeit des Grundwassers jedenfalls mehr als 1 m/d beträgt und ein großer Grundwasserdurchfluss gegeben ist. Eine nähere Abschätzung der Abstandsgeschwindigkeit und des spezifischen Grundwasserdurchflusses sind nicht möglich.

Schutzgüter und Nutzungen

In der unmittelbaren Umgebung der Altablagerung befinden sich bewaldete Flächen an die in den zum Gaisberg ansteigenden Hangbereichen Wiesen anschließen. Etwa 50 m östlich befindet sich ein zu Wohnzwecken genutztes Gebäude.

Im unmittelbaren Grundwasserabstrom bestehen keine Nutzungen des Grundwassers. Im Bereich des etwa 250 m westlich gelegenen Betriebsgeländes wird das Grundwasser durch mehrere Brunnen als Trink- und Nutzwasser genutzt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Zeitraum von etwa 1977 bis 1984 wurden unmittelbar an der Krummen Steyrling neben Bauschutt und Aushub auch Neutralisationsschlämme (aus der Entfettung, Beize und Eloxieren von Aluminium) abgelagert. Die Ablagerung der Abfälle erfolgte ohne Basisabdichtung. Die Überdeckung der Abfälle war generell maximal 10 cm mächtig.

Im Zuge von Rammkernbohrungen im Bereich der Altablagerung im Jahr 1998 wurde für einen etwa 2.000 m² großer Teilbereich (Altlast), die Ablagerung von Neutralisationsschlämmen im Ausmaß von rund 4.000 m³ nachgewiesen. Die Ergebnisse der Probenahme und Untersuchung von 5 Abfallproben ergaben die Bestätigung, dass es sich den abgelagerten Neutralisationsschlämmen um Aluminiumhydroxide handelt, die zum Teil bei verschiedenen Metallen (Blei, Cobalt, Kupfer, Nickel, Zink) erhöhte Gehalte zeigten. Auf Grund der Untersuchung der Eluate der Proben war davon auszugehen, dass Belastungen des Sickerwassers vor allem bei den Parametern Bor und Sulfat sowie vereinzelt auch bei halogenierten organischen Verbindungen zu erwarten waren. Insbesondere in Bezug auf Bor konnte mit Gehalten zwischen 15,4 und 40,7 mg/l eine sehr stark erhöhte Mobilisierung festgestellt werden. Da an der Basis der Ablagerung keine technischen Maßnahmen zum Grundwasserschutz bestanden hatten, war für jenen Teilbereiches der Altablagerung, in dem vor allem Neutralisationsschlämme abgelagert worden waren, von einem erheblichen Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser auszugehen.

Im Zeitraum zwischen Juli 1998 und Juni 1999 waren aus 4 Grundwassersonden sowie einem bestehenden Brunnen an drei Terminen Pump- und an einem Beprobungstermin Schöpfproben entnommen. An den Grundwasserproben wurden ausgewählte Schadstoffe bestimmt.

Der Vergleich der lokalen Referenzwerte aus dem Anstrom der Altablagerung mit den Analysenergebnissen der Probenahmestellen P3 (im Bereich der Ablagerung) und P4 (im Grundwasserabstrom) zeigte sich, dass insbesondere bei den Parametern Bor, Sulfat und Natrium eine signifikante Veränderung der Grundwasserqualität gegeben war.

Ein Vergleich der o. a. Parameter mit Richtwerten zeigt, dass bei der Grundwassermessstelle P3 beim Parameter Bor der Maßnahmen-Schwellenwert deutlich überschritten (max. 11-fache Überschreitung) wurde. Außerdem wurde bei der Messstelle P3 an zwei Probenahmeterminen der Prüfwert für Natrium und an einem Termin der Prüfwert für Sulfat überschritten. Bei der Grundwassermessstelle P4 waren Überschreitungen von Prüfwerten gegeben.

Zusammenfassend hatte sich auf Grund der Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen ergeben, dass im Bereich der Altablagerung "Deponie Piesslinger" industrielle Abfälle (Neutralisationsschlämme aus der Eloxierung von Aluminium) im Ausmaß von ca. 4.000 m² abgelagert sind und eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers gegeben war.

 

MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG

Ziel der Maßnahmen

Ziel der Maßnahmen ist es, die Verunreinigung des Grundwassers dauerhaft und langfristig auf ein tolerierbares Ausmaß zu vermindern. durch eine unkontrollierte Mobilisierung von Stoffen mit besonders schädlichen Eigenschaften dauerhaft zu minimieren.

Für die Einhaltung des Ziels sind folgende Kriterien maßgeblich:

         - Bor:         0,6 mg/l

         - Sulfat:     150 mg/l

Die Einhaltung des Maßnahmenziels ist gewährleistet, wenn die angegeben Richtwerte nach Durchführung der Sicherung über 2 Jahre jeweils jährlich an 3 von 4 Probenahmeterminen unterschritten werden.

Beurteilung der Sicherungsmaßnahmen und der Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen

Die Ergebnisse von Kontrolluntersuchungen im Zeitraum Juli 2015 bis April 2016 zeigen im Vergleich mit Ergebnissen der Grundwasserbeweissicherung im Zeitraum 1998 bis 1999 sowie begleitend zur Herstellung der Oberflächenabdichtung im Sommer 2015, dass der Eintrag von Schadstoffen und die Verunreinigung des Grundwassers im Abstrom der Altlast „Deponie Piesslinger“ dauerhaft vermindert wurde, so dass die Altlast als gesichert zu bewerten ist.

 

Datum der Texterstellung:    November 2016