Sanierte Altlast O42: Mülldeponie Reitling

Eine ehemalige Lehmgrube wurde in den 60er- und 70er Jahren mit rund 3.500 m³ Hausmüll, Bauschutt und Sperrmüll sowie Abfällen eines Textilien erzeugenden Betriebes verfüllt. Die Schüttung der Deponie erfolgte ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz. Dementsprechend versickert das belastete Sickerwasser der Deponie in den Untergrund.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen an mehreren Brunnen in der Umgebung der Deponie zeigen eindeutig, dass die Altablagerung die Qualität des Grundwassers nachteilig beeinträchtigt. Bis zur Feststellung der Verunreinigung im Jahr 1990 wurde das Grundwasser von landwirtschaftlichen Betrieben zur Eigenwasserversorgung genutzt. Auf Grund der festgestellten Grundwasserverunreinigung kann das Grundwasser nicht mehr zu Trinkwasserzwecken genutzt werden. Der nachgewiesenen Grundwasserverunreinigung entsprechend stellt die Altablagerung eine erhebliche Gefährdung der Umwelt dar.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Freistadt,
Wartberg ob der Aist,
Untergaisbach,
432, 476, 477
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Bauschutt,
Industrie-/Gewerbemüll
Fläche Altlast (m²): 1.200 m²
Volumen Altlast (m³): 3.500 m³
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 23.11.1998
Datum der Prioritätenfestlegung: 19.02.1999
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 19.06.2001
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.09.2001

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Die Altablagerung befindet sich im Mühlviertel auf einer Geländekuppe ca. 2 km westlich des Ortsgebietes von Wartberg ob der Aist unmittelbar an der Schießenberger Gemeindestraße. Es handelt sich um eine ehemalige Lehmgrube, die dem derzeitigen Kenntnisstand entsprechend etwa von 1967 bis 1977 von der Gemeinde Wartberg und umliegenden Landwirten mit Hausmüll, Bauschutt und Sperrmüll sowie Abfällen eines textilienerzeugenden Betriebes aufgefüllt wurde.

Die betroffene Grundfläche ist ca. 1.000 m² groß. Das geschüttete Volumen wird auf etwa 3.500 m³ geschätzt. Die Schüttung der Deponie erfolgte ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz. Die Deponieoberfläche ist heute rekultiviert und wird landwirtschaftlich genutzt.

Der Untergrund im Bereich der Altablagerung wird generell durch Engerwitzdorfer Granit aufgebaut. In den obersten Bereichen des Festgesteins ist der Gesteinsverband durch Verwitterungserscheinungen aufgelockert. Das Festgestein wird außerdem von feinkörnigen bzw. lehmigen Deckschichten überlagert, die stark wechselnde Mächtigkeiten (bis zu 15 m) aufweisen.

Der geologischen Situation entsprechend kann der Untergrund im Bereich der Altablagerung als Grundwassergeringleiter und als Kluftgrundwasserleiter charakterisiert werden. Da die Altablagerung auf einer Hügelkuppe liegt kann von einem relativ kleinen hydrologischen Einzugsgebiet in der Größenordnung von rund 3.000 m² ausgegangen werden. Der Deponiekörper selbst ist in Abhängigkeit von den jahreszeitlich wechselnden Witterungsverhältnissen 1 bis 2 m mit Wasser eingestaut. Der Abfluß des Grundwassers läßt sich im wesentlichen durch die morphologische Situation beschreiben und erfolgt in die abfallenden Hangbereich nach Norden und nach Süden entlang bevorzugter Wegigkeiten im Untergrund.

Das Umfeld der Altablagerung wird landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzt. Die nächsten Gebäude sind einige landwirtschaftliche Betriebe, die sich im Umkreis von 200 bis 500 m befinden. Im Bereich dieser landwirtschaftlichen Betriebe ist das lokale Grundwasservorkommen auch jeweils durch Brunnen erschlossen. Das Grundwasser in der Umgebung bzw. im Abstrom der Deponie ist durch mehrere Hausbrunnen, die zu Brauchwasserzwecken genutzt werden, erschlossen. Eine Nutzung des Grundwassers zu Trinkwasserzwecken ist aktuell nicht gegeben.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Eine ehemalige Lehmgrube wurde in den 60er- und 70er Jahren mit rund 3.500 m³ Hausmüll, Bauschutt und Sperrmüll sowie Abfällen eines Textilien erzeugenden Betriebes verfüllt. Die Schüttung der Deponie erfolgte ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz. Die Deponieoberfläche ist heute rekultiviert und wird landwirtschaftlich genutzt.

Durch die Schürfe im Jahr 1996 und die Bohrung im Jahr 1998 wurden die Kenntnisse der historischen Erhebung zu den abgelagerten Abfällen bestätigt. Die Analysenergebnisse der Eluate zeigten, dass die Sickerwässer der Deponie einen deutlich herabgesetzten pH-Wert und stark erhöhte Sulfatwerte zeigten. Die erhöhten Messwerte für Kohlenwasserstoffe und den CSB ließen außerdem auf Belastungen durch Mineralölprodukte bzw. durch organische Komponenten des abgelagerten Mülls schließen.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen an mehreren Brunnen in der Umgebung der Deponie zeigten zum Teil massive Belastungen. Die Ergebnisse des Brunnen Miesenberger, der außerhalb des Einflussbereiches der Altablagerung liegt, waren als Hintergrundwerte heranzuziehen. Im Vergleich der Analysenergebnisse des Brunnens Miesenberger mit den Analysenergebnissen der Brunnen Kuttner, Wolfinger und Kiesenhofer waren deutliche Unterschiede in der Gesamtmineralisierung des Wassers und vor allem sehr stark erhöhte Sulfatwerte zu erkennen. Auf Grund der Art der Belastung und des positiven Ergebnisses des Färbeversuches im Jahr 1992, durch den der hydrogeologische Zusammenhang zwischen der Altablagerung und den Brunnen festgestellt wurde, war nachgewiesen, dass die ehemalige Deponie Ursache einer lokalen Grundwasserverunreinigung ist. Auf Grund der Verunreinigung und der massiv erhöhten Sulfatgehalte war bereits im Jahr 1990 die Eigenwasserversorgung von zwei landwirtschaftlichen Betrieben eingestellt worden.

Zusammenfassend ergab sich, dass die Altablagerung ein relativ geringes Volumen hatte, jedoch auch Abfälle mit erhöhtem Schadstoffpotential (Hausmüll, Sperrmüll, gewerbliche Abfälle) abgelagert wurden und eine Verunreinigung des Grundwassers gegeben war. Das betroffene Grundwasservorkommen ist wenig ergiebig und ausschließlich von lokaler Bedeutung. Bis zur Feststellung der Verunreinigung im Jahr 1990 wurde das Grundwasser von landwirtschaftlichen Betrieben zur Eigenwasserversorgung genutzt. Auf Grund der festgestellten Grundwasserverunreinigung konnte das Grundwasser nicht mehr zu Trinkwasserzwecken genutzt werden.

 

SANIERUNGSMAßNAHMEN

Die Altablagerung wurde durch Räumung saniert. Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Herstellung eines Zustandes, bei dem durch Entfernung des Gefahrenpotentials dauerhaft keine weitere Ausbreitung von Schadstoffen stattfinden kann, so dass der Standort und das Grundwasser uneingeschränkt genutzt werden können.

Die Räumung der Altablagerung erfolgte im Zeitraum zwischen 26. Mai 1999 und 15. Juni 1999. Zu Beginn der Bauphase wurde die Humusdeckschicht auf der Altablagerung abgetragen und im Nahbereich zwischengelagert. Das in der Altablagerung eingestaute Sickerwasser sowie die im Zeitraum der Räumung anfallenden Sickerwässer wurden über 2 Schächte abgepumpt, mittels Tankwagen abtransportiert und in einer kommunalen Abwasserreinigungsanlage behandelt. Dabei wurden insgesamt rund 240 m³ Sickerwasser verbracht.

Der Aushub erfolgte schichtweise bis zur Deponiesohle in ca. 3,5 bis 4 m Tiefe. Nach Räumung des Deponiekörpers und offensichtlich kontaminierter Untergrundbereiche erfolgte eine Beprobung der anstehenden Sohle der Baugrube. Bis zu diesem Zeitpunkt waren rund 3.670 t Abfälle entfernt worden. Den Ergebnissen der Untersuchungen der Deponiesohle entsprechend wurden die Aushubarbeiten in einzelnen Bereichen wiederholt weitergeführt. Insgesamt wurden rund 6.550 m³ bzw. 7.630 t Abfälle und belastete Böden ausgehoben. Die Baugrube wurde nach Abschluss der Räumung mit inertem Bodenaushub wiederverfüllt. Die Oberfläche wurde rekultiviert, so dass die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Nach Abschluss der Räumung wurden von der optisch als unbelastet eingestuften Deponiesohle Mischproben entnommen. Dabei wurde der ausgehobene Bereich in 4 Abschnitte unterteilt, aus welchen jeweils mehrere Stichproben gezogen wurden, die zu jeweils einer Mischprobe vereint wurden. An den Proben wurden die Parameter Kohlenwasserstoffe und PAK als Gesamtgehalte bestimmt. Darüber hinaus wurden die Parameter pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, CSB, TOC, Nitrit, Sulfat, Chlorid und Ammonium an Eluaten der Proben untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten für die Eluate bei drei bzw. zwei Mischproben für die Parameter Ammonium (max. 4,7 mg/l) und CSB (max. 24 mg/l) erhöhte Gehalte, die auch die entsprechenden Prüfwerte (Ammonium: 0,5 mg/l; CSB 20 mg/l) überschreiten. Bei diesen Belastungen kann es sich sowohl um Restbelastungen als auch um geogene Belastungen handeln. Die Sulfatgehalte der Eluate der untersuchten Bodenproben waren generell unauffällig (max. 154 mg/l). Da auch die Ergebnisse für die übrigen untersuchten Parameter unauffällig waren, die Ammonium- und CSB-Restbelastungen nur bei einem Teil der untersuchten Proben zu beobachten waren, und es sich bei Ammonium um eine sehr gut abbaubare Verbindung handelt, kann eine Gefährdung bzw. weitere Beeinträchtigung des Grundwassers durch diese Restbelastungen ausgeschlossen werden.

Im Jänner 2000 sowie im März 2001 wurden zur Beweissicherung an bestehenden Brunnen und Grundwassersonden Proben gezogen. Es wurden jeweils die Sonde 1, Brunnen Wolfinger, Brunnen Kuttner und der Brunnen Kiesenhofer (siehe Lageplan) sowie im März 2001 auch ein verbliebener Sickerwasserschacht im Bereich der sanierten Altlast beprobt.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen im Vergleich mit den Ergebnissen aus dem Zeitraum vor der Räumung, dass:

  • im unmittelbaren Bereich der ehemaligen Altablagerung keine belasteten Sickerwässer mehr anfallen,
  • an den Probenahmestellen südlich der geräumten Altablagerung (Brunnen Wolfinger und Sonde 1) bereits ein deutlicher Rückgang der Belastungen (Insbesondere beim Parameter Sulfat) zu beobachten ist, jedoch
  • an den Probenahmestellen nördlich der ehemaligen Altablagerung noch kein eindeutiger Trend zur Verbesserung der Grundwasserqualität nachweisbar ist.

Insgesamt ergibt sich anhand der vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse nachvollziehbar, dass die Ursache der Grundwasserverunreinigung, die "Mülldeponie Reitling" vollständig beseitigt wurde und im Grundwasser noch deutliche Belastungen zu beobachten sind. Auf Grund der lokalen hydrogeologischen Bedingungen muss davon ausgegangen werden, dass sich ein Abklingen der Grundwasserbelastungen bzw. eine weitgehend natürliche Grundwasserbeschaffenheit erst mittel- bis langfristig wieder einstellen wird. Es ist jedoch ein rückläufiger Trend der Grundwasserbelastungen zu beobachten, der die Wirksamkeit der Maßnahmen bestätigt, so dass die Altablagerung als saniert zu bewerten ist.

 

Datum der letzten Textüberarbeitung:    Mai 2001