Sanierte Altlast O41: Ehemaliges Tanklager Seifriedsberger

Auf einer ca. 2.000 m² großen Fläche im Nordteil der Stadt Ried im Innkreis wurde von etwa 1960 bis 1994 ein Tanklager für Verbrennungskraftstoffe und Mineralöl betrieben. Im Zuge der Auflassung des Tanklagers sowie bei weiteren Baugrunduntersuchungen wurden massive Verunreinigungen des Untergrundes durch Kohlenwasserstoffe angetroffen, welche auch über die Grundstücksgrenzen hinaus nachweisbar waren.

Besondere Beeinträchtigungen konnten dabei vor allem an der südlich angrenzenden Liegenschaft des Bezirksbauhof Ried im Innkreis festgestellt werden.

Im Zeitraum von Juli 1999 bis Februar 2003 erfolgten Sanierungsarbeiten, die den Aushub des kontaminierten Untergrundes sowie eine hydraulische Nachsorge an der südwestlichen Grundstücksgrenze umfassten. Im unmittelbar südlich angrenzenden  Einfahrtsbereich des Bauhofareals sind noch lokal Restkontaminationen vorhanden, die jedoch keine erhebliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursachen. Der Altstandort „Ehemaliges Tanklager Seifriedsberger“ ist daher als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Ried im Innkreis,
Ried im Innkreis,
Ried im Innkreis,
646/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager
Fläche Altlast (m²): 2.300 m²
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe
Datum Eintrag Altlastenatlas: 24.08.1998
Datum der Prioritätenfestlegung: 19.02.1999
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 15.03.2007
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.03.2007

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Der Altstandort „ehemaliges Tanklager Seifriedsberger“ befindet sich im Nordteil der Stadt Ried im Innkreis unmittelbar östlich der Schärdinger Straße (Hausruck Bundes­straße B 143). Am Altstandort wurde ab ca. 1960 bis 1994 auf einer Fläche von ca. 2.000 m² ein Tanklager für Verbrennungskraftstoffe und Mineralöl betrieben.

Südlich schließt an das ehemalige Tanklager der Bauhof Ried/Innkreis der OÖ Landesbaudirektion (Bezirksbauhof) an. Unmittelbar nördlich sowie östlich des Altstandortes befinden sich Ausstellungsgebäude und Verkaufsflächen verschiedener Kfz-Händler.

Am Tanklager wurden folgende Kohlen­wasserstoffe gelagert bzw. umgeschlagen: Heizöl leicht, Diesel, Petroleum, Super- und Normalbenzin, Ofenöl und Schmieröle. Im Bereich des Tanklagers befanden sich u. a. folgende Anlagenteile (A – F):

  • 3 unterirdische Lagerbehälter à 100.000 l mit Sohlbetonplatte (A)
  • 2 unterirdische Tanks in Betonwannen mit 31.000 und 15.000 l (B)

  • 1 oberirdischer Tank mit 50.000 l (C)

  • Galgenfüllstation zur Befüllung von Tankfahrzeugen (D)

  • Leichtstoff- bzw. Benzinabscheider (E)

  • Faß- bzw. Gebindelagerplätze (F)

Das Tanklager wurde im Jahr 1994 aufgelassen. Die o. a. Tanks wurden entfernt und ca. 15 t mineralölverunreinigtes Erdreich entsorgt.

Unmittelbar südlich des ehemaligen Tanklagers Seifriedsberger befinden sich am Gelände des Bezirkbauhofes zwei unterirdisch verlegte Kraftstofftanks sowie zwei Zapf­säulen. Aus dem Jahr 1990 ist ein Schadensfall bekannt. Bei diesem Schadensfall war Diesel aus der Saugleitung von den Tanks zu den Zapfsäulen ausgeflossen. Es wurden ca. 8,4 t dieselverunreinigter Sand entsorgt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der natürliche Untergrund im Bereich des Standortes wird aus sandigen Kiesen mit wechselndem Schluffgehalt aufgebaut. Teilweise sind in die sandigen Kiese Lehme bzw. kiesige Lehme eingeschaltet. Unterhalb dieser Sedimente besteht der Unter­grund aus Schlier (Schluffe und Tone). Die Oberfläche des Schliers ist reliefiert und befindet sich ca. 5 bis 6 m unter Gelände.

Die Sande bzw. sandigen Kiese mit Lehmeinschaltungen bilden den ersten Grund­wasserleiter. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt im Bereich des Altstandortes rund 4 bis 5 m. Nördlich bzw. östlich des Altstandortes liegt die Geländeoberfläche im Vergleich zum Altstandort niedriger, sodass hier der Flurabstand des Grundwassers entsprechend kleiner ist. Das Grundwasser strömt vorwiegend in kiesigen Sedimentkörpern mit geringerem Schluffanteil, die jedoch nicht als zusammenhängende Schicht ausgebildet sind. Im Nahbereich des Altstandortes ist eine Grundwasserfließrichtung nach WNW bzw. NW zu beobachten. Die Sohle des inhomogenen und geringmächtigen Grundwasserleiters entspricht der Oberfläche des Schliers (Grundwasserstauer). Da ein ausgeprägtes Schlierrelief existiert und da im Grundwasserleiter Bereiche mit bevorzugter Durchlässigkeit vorhanden sind, sind lokale Abweichungen der o. a. Richtung möglich.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort wurde als Abstell- und Lagerfläche sowie als Reifenlager genutzt. Im Anschluss an die Sanierung wurde am Standort eine Tiefgarage errichtet. Grundwassernutzungen des ersten Grundwasserleiters sind im Umfeld des Altstandortes nicht bekannt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort "ehemaliges Tanklager Seifriedsberger" wurde ab ca. 1960 bis 1994 auf einer Fläche von rund 2.000 m² ein Tanklager betrieben. Im Zuge der Auflassung des Tanklagers im Jahr 1994 wurden ca. 15 t mineralölkontaminiertes Erdreich ent­sorgt.

Im Zuge von Baugrunduntersuchungen am Altstandort wurde im Dezember 1997 bei Schurfgrabungen eine Kohlenwasserstoffkontamination im Untergrund angetroffen. Daher wurden im Bereich des Altstandortes weitere Untersuchungen durchgeführt. An insgesamt 89 Feststoffproben wurden die Gesamtgehalte des Parameters Summe Kohlenwasserstoffe und an 16 Proben die Gesamtgehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen bestimmt. Außerdem wurden 13 Eluate untersucht.

Zur Beurteilung der Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen wurden die Orientierungswerte der ÖNORM S 2088-1 herangezogen. Die Gegenüberstellung der Tabelle 1 zeigt, dass zahlreiche Proben beim Parameter Summe Kohlenwasserstoffe (Gesamtgehalte und Eluat) als stark belastet einzustufen waren. Außerdem waren einige Proben stark mit aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet.

Tabelle: Orientierungswerte und Anzahl von Proben, welche als gering belastet, belastet bzw. stark belastet einzustufen waren

Gesamtgehalt:

Parameter Einheit ÖNORM S 2088-1 PW ÖNORM S 2088-1 MSW Proben n. b. Proben b. Proben st. b.
Summe Kohlenwasser - stoffe mg/kg TM 500 1.000 52 8 29
Summe BTX mg/kg TM 10 30 11 3 2

 

Eluat:

Parameter Einheit ÖNORM S 2088-1 PW ÖNORM S 2088-1 MSW Proben n. b. Proben b. Proben st. b.
Summe Kohlenwasser - stoffe mg/l 0,5 0,5 3 - 10
Summe BTX µg/l 50 100 4 0 2

 

PW, MSW Prüf- und Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1

n. b.                 nicht bzw. gering belastet ( < Prüfwert)

b.                      belastet ( > Prüf- und < Maßnahmenschwellenwert)

st. b.                 stark belastet ( > Maßnahmenschwellenwert)

Anhand der durchgeführten Untergrundaufschlüsse und Analysen von Feststoffproben konnten am ehemaligen Tanklager Seifriedsberger mehrere KW-Eintragsstellen (Stellen mit stark belastete Proben in der wasserungesättigten Bodenzone bis ca. 3,5 m Tiefe) nachgewiesen werden. Die höchsten KW-Belastungen oberhalb des Grundwasser-schwankungsbereiches wurden bei der ehemaligen Befüllstation für Tankfahrzeuge (4.800 mg/kg TM in 2,7 m Tiefe) und unmittelbar nördlich des oberirdischen Tanks (3.900 mg/kg TM von 0,5 bis 2 m unter Gelände) festgestellt. Außerdem zeigten die Untersuchungsergebnisse, dass am Altstandort „ehemaliges Tanklager Seifriedsberger“ stark belastete Proben oberhalb des Grundwasserspiegels auch unmittelbar nördlich des Fasslagerplatzes und am SE-Eck des Altstandortes festzustellen waren.

In der oberen Abbildung sind die maximal festgestellten KW-Konzentrationen im Gesamtgehalt von Feststoffproben pro Rammkernbohrung graphisch dargestellt. Anhand dieser Abbildung ist ersichtlich, dass stark belastete Proben sowohl im Bereich des ehemaligen Tanklagers als auch am unmittelbar südlich angrenzenden Areal des Bezirksbauhofes festzustellen waren. Die stark mit KW belasteten Proben am Bezirksbauhof stammen aus dem Grundwasserschwankungsbereich.

Im Zusammenhang mit dem heterogen aufgebauten, geringmächtigen Grundwasserleiter, dem Reliefs des Grundwasserstauers und der vorgefundenen Schadstoffverteilung im Grundwasserschwankungsbereich war davon auszugehen, dass sich die Kohlenwasserstoffe von den nachgewiesenen Eintragsstellen am ehemaligen Tanklager im Untergrund über den Altstandort hinaus ausgebreitet haben. Bei den durchgeführten Untergrundaufschlüssen wurden nicht nur am ehemaligen Tanklager sondern auch unmittelbar nordöstlich des Tanklagers sowie am Areal des Bezirksbauhofes festgestellt, dass Kohlenwasserstoffe in Phase am Grundwasser aufschwimmen bzw. als KW-Phase im Kapillarraum vorhanden sind. Für den Bereich des Bezirksbauhofes war nicht auszuschließen, dass auch durch die dortige Lagerung von Mineralölen Kontaminationen des Untergrundes verursacht wurden.

Die Analysenergebnisse von Schöpfproben von der Wasseroberfläche zeigten weiters, dass in der KW-Phase auch hohe Gehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen (ca. 21 g/l, 10 Einzelsubstanzen) enthalten waren. Chromatographische Untersuchungen gaben Hinweise, dass bei der vorliegenden KW-Kontamination mehrere Mineralölprodukte wie Benzin, Diesel und Petroleum vorlagen.

Grundwasseruntersuchungen aus 4 Grundwassersonden zeigten sowohl nördlich als auch südlich des Tanklagers Überschreitungen des Maßnahmenschwellenwertes gem. ÖNORM 2088-1 beim Parameter Summe KW. Weiters wurden Überschreitungen des Maßnahmenschwellenwertes für Benzol am südlich angrenzenden Bezirksbauhof festgestellt. 

Zusammenfassend zeigten die Untersuchungen folgendes:

  • Am Altstandort „ehemaliges Tanklager Seifriedsberger“ lag eine KW-Kontamination der wasserungesättigten Bodenzone an mehreren Stellen vor.
  • Die Untergrundverunreinigung verursachte eine Beeinträchtigung der Grundwasserqualität eines geringmächtigen Grundwasserkörpers am Altstandort und dessen unmittelbarer Umgebung (teilweise aufschwimmende Mineralölphase)

Der Altstandort stellte dadurch eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar und war als Altlast im Sinne des ALSAG zu bewerten.

 

SANIERUNGSMAßNAHMEN

Im Zuge einer Sanierungsplanung (Einreichprojekt 1999) wurde das betroffene Gelände hinsichtlich der Kontaminationszonen und der daraus folgenden Sanierungsziele wie folgt in 3 Teilbereiche unterteilt:

Bereich I: Parkplätze und Einfahrt am Gelände des Bezirksbauhofes

Kontamination durch Kohlenwasserstoffe in Phase im Grundwasser­schwan­kungs­bereich in 4-5 m unter Gelände. Nach Überprüfung des ordnungsgemäßen Zustandes der vor Ort befindlichen unterirdischen Tanks wurde für diesen Bereich eine Sicherung bzw. die weitgehende Sanierung durch hydraulische Maßnahmen vorgesehen.

Bereich II: Das Kontaminationszentrum des ehemaligen Tanklagers

Teilweise stark kontaminierte wasserungesättigte Bodenzone und stark kontaminiertes Grundwasser bzw. dessen Schwankungsbereich mit Kohlenwasserstoffen in der aufschwimmenden Phase. Sanierung durch weitgehenden Aushub und Entsorgung des kontaminierten Untergrundes.

Bereich III: Peripherie um den Bereich II

Restbelastungen und Ausläufer des Kontaminationszentrums. Die örtliche Abgrenzung zwischen den Bereichen II und III erfolgte aufgrund des örtlichen Befundes im Zuge der Aushubarbeiten. Die Kohlenwasserstoffbelastungen finden sich hier vorwiegend im Grundwasserschwankungsbereich. Das Grundwasser ist nur gering belastet und kontaminationsfreie Deckschichten sind gut von belasteten Kiesen im GW-Schwan­kungs­bereich abgrenzbar.

Durchgeführte Maßnahmen

Zur Sanierung bzw. zur Nachsorge des Standortes wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Aushub und Entsorgung von kontaminiertem Untergrund
    (Bereich II und Bereich III an der nördlichen Grundstücksgrenze)

  • Hydraulische Nachsorge mittels Drainage
    (Bereich I und Bereich III an der südwestlichen Grundstücksgrenze)

  • Pneumatische Sanierung (Bereich I)

Die dafür notwendigen Baumaßnahmen erfolgten im Zeitraum von Juli bis September 1999.

Zusammenfassende Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen

Durch den Aushub des kontaminierten Untergrundes im Bereich des ehemalige Tanklagers Seifriedsberger ist eine weitestgehende Reduktion des Schadstoffpotenzials erfolgt. Im Zuge der Aushubmaßnahmen wurde das Schadenszentrum und somit der Großteil des kontaminierten Untergrundes entfernt, lediglich in den Randbereichen, insbesonders im Bereich des südlich angrenzenden Bauhofareals, ist eine Restbelastung verblieben, welche zumindest im grundwassergesättigtem Bereich mittels hydraulischer Sanierungsmaßnahmen reduziert werden konnte.

Im ungesättigten Bereich konnte mittels Bodenluftabsaugung eine weitere Reduktion der aromatischen Schadstoffe bewirkt werden. Die gesamte Restschadstoffmenge, welche in diesem Bereich im Untergrund verblieben ist, wird, bezogen auf aliphatische Kohlenwasserstoffe, auf insgesamt ca. 1200 kg geschätzt. Versuche zur hydraulischen KW-Mobilisierung zeigten jedoch, dass die hier vorliegenden Kohlenwasserstoffe auf hydraulischem Wege nicht bzw. nur noch unwesentlich mobilisierbar sind.

Erhebliche Auswirkungen auf das Schutzgut Grundwasser im Abstrom der Altlast sind daher auch zukünftig nicht zu erwarten.

Der Altstandort „Ehemaliges Tanklager Seifriedsberger“ ist daher als saniert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung: Oktober 2006