Altlast O39: Glashütte Ingrid

Auf dem Altstandort „Glashütte Ingrid“ wurde von 1874 bis 1979 eine Glashütte betrieben. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde hauptsächlich Bleikristallglas hergestellt und dabei auch ein Gaswerk betrieben. Zwischen 1938 und 1950 waren auch metall- und holzverarbeitende Betriebe am Standort tätig. Im Bereich der ehemaligen Produktionsanlagen wurde eine Verunreinigung des Untergrundes durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Mineralölkohlenwasserstoffe auf einer Fläche von rund 11.000 m² festgestellt.

Im Grundwasser wurde eine Verunreinigung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und untergeordnet Mineralöl nachgewiesen. Die Ausbreitung im Grundwasser ist gering, auch die Schadstofffrachten sind gering. Zukünftig ist keine weitere Ausbreitung zu erwarten. Für den erheblich kontaminierten Bereich des Altstandortes ergibt sich die Prioritätenklasse 3.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Braunau am Inn,
Lengau,
Krenwald,
594/3, 595/1, 613/3, 613/6, 613/13, 615/6, 990/1, 990/2, 990/4, .67/3
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Erzeugung von Glas
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 44.000 m²
Volumen Altlast (m³): 30.000 m³
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 22.05.1998
Datum der Prioritätenfestlegung: 05.09.2003
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Planung
Art der Maßnahme: Beobachtung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Beobachtung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 17.06.1998

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der rund 4,3 ha große Standort wurde im Zeitraum von 1874 bis 1979 industriell genutzt. Innerhalb dieses Zeitraumes waren folgende Produktionszweige in Betrieb:

  • 1874 bis 1924 Glaserzeugung (endgültige Stilllegung 1936)
  • 1938 bis 1945 Metallverarbeitung bzw. Rüstungsindustrie (z.B. Granathülsen)
  • 1945 bis 1950 Glaserzeugung, Metallverarbeitung und Holzverarbeitung
  • 1950 bis 1979 Glaserzeugung

Bei der Glaserzeugung war ein Schwerpunkt die Produktion von Bleikristallgläsern. Im Zuge der Glaserzeugung vor dem Zweiten Weltkrieg wurde auch ein Gaswerk betrieben.

Im Jahr 1986 wurden die verbliebenen Anlagenteile geschliffen und das Gelände eingeebnet. Heute existieren nur mehr einzelne Verwaltungsgebäude am östlichen Rand des Altstandortes.

Insbesondere bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fand ein großer Teil der Entsorgung produktspezifischer Abfälle unmittelbar am Gelände der Glashütte statt. Das im Zuge von Umbauarbeiten und beim Abtrag anfallende Abraummaterial wurde ebenfalls unmittelbar am Standort einplaniert. Dementsprechend sind im Bereich des gesamten Altstandortes Anschüttungen mit Mächtigkeiten bis über 4 m vorhanden.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich am südlichen Rand des Kobernaußer Waldes in einem ebenen Talbereich unmittelbar am Schwemmbach. Unter den bis über 4 m mächtigen anthropogenen Anschüttungen folgen nach einer in Teilbereichen vorhandenen geringmächtigen Schicht feinkörniger (schluffig-lehmige) Sedimente eine quartäre Talfüllung kiesig-sandiger Sedimente. Diese werden von feinkornreichen, meist verfestigten Lockergesteinsmassen (Moränenschutt mit schluffigen Beimengungen) unterlagert. Die Oberkante dieser Schicht wurde am nördlichen Rand des Altstandortes entlang des Schwemmbaches stellenweise in etwa 10 m Tiefe angetroffen, im südlichen Bereich deutlich höher. Der südliche Rand des Geländes befindet sich an einem Hangfuß, der zum Teil als steile Böschung ausgebildet ist. Im südwestlichen Bereich wurde auch bei 36 m unter GOK noch kein eindeutiger Stauer erreicht.

Der Grundwasserspiegel liegt rund 2 bis 4 m unter GOK. Die Mächtigkeit des Grundwassers kann bis zu 30 m betragen. Der Durchlässigkeitsbeiwert der kiesig-sandigen Sedimente beträgt etwa 10-3 m/s. Die Grundwasserfließrichtung ist generell nach Westen gerichtet. Im Falle von erhöhten Niederschlägen bzw. bei Schneeschmelze wird vor allem im südwestlichen Teil des Altstandortes Hangwasser in das Grundwasser einspeist, im Bereich des Schwemmbaches kommt es zu Infiltrationen.

Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt im Bereich des Altstandortes ca. 0,8 bis 1,8 %, der spezifische Grundwasserdurchfluss kann mit rund 5 bis 10 m³/m,d abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Ein Teil des Altstandortes wird als Lagerplatz verwendet, der Rest ist Grünland. Nördlich und westlich des Altstandortes befinden sich großteils Einfamilienhäuser (Siedlungsgebiet), die restliche Umgebung ist land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Im Bereich des Altstandortes sowie im Abstrom sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Nördlich des Altstandortes befindet sich das geplante Wasserschongebiet „Kobernaußer Wald“.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf einem rund 4,3 ha großen Areal war von 1874 bis 1979 eine Glashütte in Betrieb. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde hauptsächlich Bleikristallglas hergestellt und dabei auch ein Gaswerk betrieben. Im Zeitraum von 1938 bis 1950 erfolgten wiederholt Umstellungen in der Produktion auf verschiedene Produktionszweige (Metall- und Holzverarbeitung). Ab dem Jahr 1950 wurde wieder ausschließlich Glas erzeugt. Nach der endgültigen Auflassung der Produktion im Jahr 1979 wurden im Jahr 1986 die größtenteils verfallenen Betriebsgebäude und –anlagen abgebrochen und das Abbruchmaterial am Standort einplaniert. Es wurde eine geringmächtige Rekultivierungsschicht aufgebracht und in einigen Teilen des Geländes erfolgte eine Oberflächenbefestigung.

Oberflächennahe Bodenproben weisen vereinzelt geringfügige Belastungen in der obersten Bodenschicht (Rekultivierungsschicht) auf. Im südlichen Bereich wurden Teeraustritte an der Geländeoberfläche festgestellt.

Teerartige Rückstände finden sich auch in den teilweise über 4,5 m mächtigen Anschüttungen. Diese Anschüttungen zeigen eine sehr heterogene Zusammensetzung und eine Durchmischung unterschiedlichster Abfälle (Bauschutt in unterschiedlichsten Qualitäten, Glas, Metallspäne, schlackeartiges Material und Asche, Kalkgrus, Schamott und Ofenausbruch sowie teer- und schmierfettartiges Material). Die Anschüttungen weisen großteils Belastungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen auf, untergeordnet wurden auch teilweise erhöhte Gehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen, Metallen und Phenolen nachgewiesen.

Vor allem im südlichen Bereich des Altstandortes sind auch Belastungen unterhalb der Anschüttungen im gewachsenen Boden gegeben. Insgesamt befinden auf einer Fläche von rund 11.000 m² erhebliche Verunreinigungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Mineralölkohlenwasserstoffen, auch außerhalb dieses Bereiches sind vereinzelt lokal erheblich verunreinigte Anschüttungen vorhanden.

Grundwasseruntersuchungen vor ca. 15 Jahren zeigten Grundwasserbelastungen mit PAK im zentralen (P 10) und südlichen (P 11) Bereich des Altstandortes, untergeordnet wurden auch Mineralölkohlenwasserstoffe festgestellt. Bei aktuellen Grundwasseruntersuchungen wurden relevante PAK-Belastungen vor allem im südlichen Bereich des Altstandortes nachgewiesen. Das Grundwasser ist in diesem Bereich über die gesamte Grundwassermächtigkeit von rund 27 m mit PAK belastet, eine signifikante Schichtung der Schadstoffverteilung konnte nicht festgestellt werden. Die mit dem Grundwasser strömende Schadstofffracht an PAK kann mit rund 1 g/d abgeschätzt werden, Naphthalin war nur in Spuren feststellbar. An der abstromigen Grenze des Altstandortes wurde keine Grundwasserverunreinigung mehr nachgewiesen, die Schadstoffahne kann mit rund 50 m abgeschätzt werden.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass der Untergrund am Altstandort „Glashütte Ingrid“ auf einer Fläche von rund 11.000 m² erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt ist. Die Untergrundverunreinigungen verursachen eine Grundwasserverunreinigung, die Schadstofffrachten sind erheblich. Es ist davon auszugehen, dass sich kurz- bis mittelfristig weder die Schadstoffkonzentrationen noch die Schadstofffrachten im Grundwasser signifikant verändern werden.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

er Untergrund ist auf einer Fläche von rund 11.000 m² erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt, im südlichen Bereich reichen die Verunreinigungen bis unter die Anschüttungen und in den gesättigten Untergrund. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe weisen aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften eine hohe Stoffgefährlichkeit auf. Der mit PAK erheblich verunreinigte Untergrund im Bereich des Altstandortes kann mit ca. 30.000 m³ abgeschätzt werden, davon rund ein Drittel im gesättigten Bereich. Lokal wurde Teeröl in Phase in den Anschüttungen angetroffen.

Schadstoffausbreitung: lokal

m Bereich der erheblichen Verunreinigungen des Untergrundes ist das Grundwasser mit PAK belastet. Die Schadstofffracht im Grundwasser kann mit rund 1 g/d für PAK-15 abgeschätzt werden. Außerhalb der erheblich verunreinigten Bereiche (= unmittelbarer Grundwasserabstrom) ist die Schadstofffracht gering. Die Länge der Schadstofffahne kann mit rund 50 m abgeschätzt werden. Aufgrund Art und Alter der Kontamination ist mittel- bis langfristig keine signifikante Änderung der Schadstofffrachten und der Ausdehnung der Schadstofffahne zu erwarten.

Schutzgut: nutzbar

Der Altstandort befindet sich in keinem wasserwirtschaftlich besonders geschützten Gebiet. Das Grundwasser ist grundsätzlich quantitativ gut nutzbar. Im Nahbereich des Altstandortes sind keine wasserrechtlich bewilligten Grundwassernutzungen vorhanden. Der Altstandort liegt außerhalb des geplanten Wasserschongebietes „Kobernaußer Wald“, das Grundwasser ist nicht genutzt.

Prioritätenklasse - Vorschlag: 3

Entsprechend der Beurteilung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsab-schätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien ergibt sich für den erheblich verunreinigten Bereich des Altstandortes die Prioritätenklasse 3.

 

Datum der Texterstellung: August 2019