Sanierte Altlast O33: Rohrbacher Lederfabrik

Im Bereich des ca. 2,4 ha großen Altstandortes „Rohrbacher Lederfabrik“ wurden 1995 Verunreinigungen des Untergrundes, insbesondere durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW), festgestellt. In weiterer Folge wurden als Vorbereitung für eine Nachnutzung des Altstandortes im Zeitraum von 1996 bis 1999 mehrere Kontaminationsherde ausgehoben.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung von 1998 bis 2003 zeigen, dass im Bereich des Altstandortes kein signifikanter Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser mehr gegeben ist und die lokale Grundwasserverunreinigung vor allem durch das „Trilager Lederfabrik“ am nördlichen Rand des Altstandortes und in geringerem Ausmaß auch durch die „Putzerei Gruber“ verursacht werden. Der Altstandort „Lederfabrik Rohrbach“ ist als saniert zu bewerten. Ein Teil des Altstandortes, das „Trilager Lederfabrik“ (Fläche ca. 500 m²), wird als Altstandort mit Sanierungsbedarf abgetrennt.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Rohrbach,
Rohrbach-Berg,
Rohrbach,
47/2, 3424, 3426, 3427, 3428, .53/1, .53/2
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gerberei
Fläche Altlast (m²): 6.600 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 05.11.1996
Datum Ausweisung dekontaminiert: 01.03.2006
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 28.02.1997

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Der Altstandort "Rohrbacher Lederfabrik Josef Pöschl’s Söhne" befindet sich im Stadtgebiet von Rohrbach unmittelbar nördlich des Ortszentrums. Die Gesamtfläche des Altstandortes beträgt rd. 2,4 Hektar.

Gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand wurde ab ca. 1852 bis 1982 eine Gerberei betrieben. Bis 1993 wurde eine Kunststoff- und Keramikverarbeitung, sowie die Abteilung Ledertechnik weitergeführt. Gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand erfolgte die Gerbung überwiegend unter Verwendung pflanzlicher Gerbextrakte (vegetabile Gerbung). Es existieren Hinweise, daß Chrom in geringem Ausmaß Verwendung fand. Tri- und Tetrachlorethen fanden als Lösungs-, Reinigungs- und Entfettungsmittel Verwendung.

Im südöstlichen Bereich des Altstandortes (ca. 11.000 m²) befand sich die ehemalige Gerberei mit Wasserwerkstätten zur Entfleischung und Enthaarung von Häuten, Gebäude für die Lederverarbeitung (mit Gerbgruben), ein Rohhautlager, ein Gebäude für Extraktion, eine Schlosserei, ein Heizhaus, eine Elektrowerkstätte, und eine Halle für Keramikverarbeitung. Im nordwestlichen Bereich des Betriebsgeländes befand sich gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand die Kunststoffverarbeitung, die Rindenlagerung sowie ein oberirdischer Öltank.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandortes befindet sich auf einem nach Norden ansteigenden Hang entlang einer Richtung Südwesten ausgerichteten Geländemulde. Das umgebende Gelände ist der Lage im oberösterreichischen Mühlviertel entsprechend hügelig. Das ehemalige Betriebsgelände liegt auf einer Höhe zwischen ca. 601 und 607 m ü. A. Der Untergrund im Bereich des Altstandortes besteht aus klüftigem Grobgneis, welcher von einer bis zu mehreren Metern mächtigen Verwitterungsschichte (Sande, teilweise schluffig bzw. kiesig, teilweise hoher Glimmeranteil) überlagert wird.

Der Grobgneis stellt einen Kluftgrundwasserleiter dar. Das Grundwasser im Bereich des Altstandortes ist zum Teil gespannt. Die Fließverhältnisse des Grundwassers sind kleinräumig differenziert, zeigen lokale Änderungen der Strömungsrichtung, die generell der ursprünglichen Geländemorphologie folgen und werden durch die Ausrichtung der Klüfte im Gneis beeinflusst. Sowohl aus den nördlichen Hangbereichen als auch aus den Bereich einer östlich gelegenen Geländestufe ist ein Zufluss von Grundwasser in den Bereich des Altstandortes gegeben. Der am Altstandort ausgebildeten Geländemulde folgend schwenkt die Grundwasserfließrichtung in weiterer Folge generell in Richtung Südwesten. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt rund 2 bis 4 m.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Im Bereich der „Rohrbacher Lederfabrik“ wurde im Zeitraum von August 2001 bis Dezember 2002 eine Wohnhausanlage mit Geschäftslokalen sowie einer Tiefgarage neu errichtet. Westlich, südlich und östlich an den Altstandort angrenzend befinden sich Wohngebiete. Unmittelbar nördlich der ehemaligen Gerberei befinden sich ein Teich und eine öffentliche Parkanlage.

Im Gebiet westlich bis südlich des Altstandortes befinden sich einzelne Brunnen. Drei dieser Brunnen werden seit dem Jahr 1995 auf Grund einer Verunreinigung des Grundwassers mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW – insbesondere Tri- und Tetrachlorethen) als Sperrbrunnen genutzt, können jedoch auf Grund ihres Ausbaus und der relativ geringen Ergiebigkeit des Grundwasservorkommens nicht kontinuierlich bepumpt werden.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Der Altstandort „Rohrbacher Lederfabrik“ befindet sich im Stadtgebiet von Rohrbach. Im Zeitraum von ca. 1852 bis 1982 wurde eine Gerberei betrieben. Teile des Betriebes bestanden in weiterer Folge noch bis 1993. Tri- und Tetrachlorethen fanden als Lösungs-, Reinigungs- und Entfettungsmittel Verwendung.

Im Zuge von Bodenluftuntersuchungen im Jahr 1995 wurden im Hofbereich im südöstlichen Teil des Altstandortes an drei Stellen Belastungen der ungesättigten Bodenzone mit CKW festgestellt. In den drei Schadenbereichen zwischen der ehemaligen Schlosserei und dem Gebäude der früheren Keramikverarbeitung wurden für die Bodenluft CKW-Belastungen zwischen 36 und 156 mg/m³ und damit deutliche Überschreitungen des Maßnahmenschwellenwertes nach ÖNORM S 2088-1 (10 mg/m³) gemessen.

Im Zuge von Abbrucharbeiten im Zeitraum 1996 bis 1997 wurden im nordöstlichen Teil des Altstandortes weitere Kontaminationsherde festgestellt:

  • Im Bereich des Heizhauses war eine Mineralölkontamination des Untergrundes gegeben. An Proben des anstehenden Untergrundes wurden für den Parameter Summe Kohlenwasserstoffe (KW-IR) Gesamtgehalte bis zu 2.800 mg/kg TM bzw. Eluatgehalte bis zu 2,5 mg/kg TM nachgewiesen.
  • In dem südöstlich an das Heizhaus anschließenden Betriebsgebäude haben sich Gerbgruben befunden. Eluate von Proben des anstehenden Untergrundes zeigten hohe CSB-Belastungen (max. 149 mg O2/l) und bestätigten, dass es im Bereich der Gerbgruben zur Versickerung belasteter Flüssigkeiten gekommen ist.
  • Westlich des Heizhauses wurde oberflächennah stark lösungsmittelhaltiges schwarzes Material angetroffen. An einer Probe des Materials wurden massive CKW-Belastungen (Trichlorethen 120 mg/kg TM, Dichlormethan 44 mg/kg TM, Tetrachlorethen 22 mg/kg TM) nachgewiesen.
  • Nördlich des Heizhauses im Bereich der Elektrowerkstatt wurde nach Abtrag des Bodens ebenfalls oberflächennah stark lösungsmittelhaltiges, torfig-schwarzes Material angetroffen. An Proben dieses Materials wurden hohe CKW-Belastungen (Trichlorethen 23,6 mg/kg TM, Dichlormethan 2,2 mg/kg TM, Tetrachlorethen 3,2 mg/kg TM) festgestellt. Auch an Proben des mineralischen Bodens unterhalb dieser Torfschicht konnten noch deutliche Belastungen mit Trichlorethen (1,4 mg/kg TM) nachgewiesen werden. Dieser Kontaminationsbereich, der Altstandort „Trilager Lederfabrik“, ist Hauptursache der im Ortszentrum von Rohrbach bestehenden Verunreinigungen des Grundwassers.

Aushub und Materialien aus dem Abbruch von Betriebsgebäuden wurden vereinzelt auch in Bezug auf Chrom untersucht. Dabei ergaben sich jedoch keine relevanten Hinweise auf Belastungen.

Am Altstandort „Rohrbacher Lederfabrik" waren in mehreren Bereichen in der Umgebung der Schlosserei sowie der Elektrowerkstätte Verunreinigungen des Untergrundes durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) gegeben. Darüber hinaus bestand im Bereich des Heizhauses eine Mineralölkontamination des Untergrundes sowie sonstige organische Belastungen durch Sickerwässer unterhalb der südwestlich gelegenen ehemaligen Gerbgruben. Diese Kontaminationen stellten eine Gefährdung für das Grundwasser dar bzw. muss davon ausgegangen werden, dass es auch in eingeschränktem Umfang zu einem Eintrag von Schadstoffen ins Grundwasser kam.

 

BESCHREIBUNG DER SANIERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war es, die Voraussetzungen für die Nachnutzung des Altstandortes zu schaffen und den Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone im Bereich des Altstandortes durch Aushub kontaminierter Untergrundbereiche

Für die Umsetzung des Maßnahmen wurden keine Sanierungszielwerte definiert.

Im Zuge der Errichtung der Wohnhausanlage wurde in Zusammenhang mit der Errichtung einer Tiefgarage im südöstlichen Teil des Altstandortes neben dem gezielten Aushub kontaminierter Bereiche auch flächenhaft ein Bodenaushub durchgeführt.

Zusammenfassende Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen

Zusammenfassend ergibt sich, dass am Standort „Lederfabrik Rohrbach“ an mehreren Stellen kleinflächig Verunreinigungen des Untergrundes mit CKW bzw. Mineralöl gegeben waren. Die Kontaminationszentren wurden durch Aushub weitgehend beseitigt. Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen im Zeitraum 2001 bis 2003 bestätigen, dass die aktuellen CKW-Belastungen des Grundwassers insbesondere auf das „Trilager Lederfabrik“ und in geringem Ausmaß auch auf die „Putzerei Gruber“ zurückzuführen sind. Die Altlast „Lederfabrik Rohrbach“ ist als saniert zu bewerten.

 

Datum der Aktualisierung: März 2005