Gesicherte Altlast O3: Bezirksmülldeponie Kröpfel

An der als Rottedeponie betriebenen Altablagerung wurden Hausmüll, Sperrmüll und hausmüllähnlicher Gewerbeabfälle ohne ausreichende technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz abgelagert. Erst die zuletzt verfüllten Deponieabschnitte verfügen über eine ausreichende Sohlabdichtung. Im Zeitraum von 1991 bis 1994 wurde die Altablagerung mittels Dichtwand umschlossen.

Derzeit erfolgt eine laufende Beweissicherung des Grundwassers sowie der Sickerwässer. Durch den permanent abgesenkten Grundwasserspiegel im Inneren der Umschließung wird ein Abströmen von belastetem Grundwasser in das umgebende Grundwasser verhindert. Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen keine Belastung des Grundwassers außerhalb der Dichtwand mehr gegeben ist. Die Altlast ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Vöcklabruck,
Attnang-Puchheim,
Attnang-Puchheim,
2418/2
Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Vöcklabruck,
Redlham,
Redlham,
3202/2, 3240/2
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Fläche Altlast (m²): 110.000 m²
Volumen Altlast (m³): 1.600.000 m³
Schadstoff(e) Deponiesickerwasser
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.03.1990
Datum der Prioritätenfestlegung: 13.05.1990
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 15.03.2007
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Vertikale Dichtelemente
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.03.2007

BESCHREIBUNG DER ALTABLAGERUNG

Die Altablagerung befindet sich rund 2,5 km östlich vom Bahnhof Attnang-Puchheim in der Talniederung der Ager. Sie wird im Südosten durch die Ager, im Südwesten durch die Kläranlage des Abwasserverbandes Ager-West, im Nordosten durch ein Kiesabbaugebiet und im Nordwesten durch die zur höher liegenden Geländeterrasse ansteigende Steilböschung begrenzt.

Auf der Bezirksmülldeponie wurde von 1973 bis Ende 2005 Hausmüll, Sperrmüll und hausmüllähnlicher Gewerbemüll in Form einer Haldenschüttung abgelagert. Die Deponie wurde als Rottedeponie betrieben, wobei die deponietechnische Ausstattung der einzelnen Schüttbereiche, speziell in Hinblick auf den Grundwasserschutz, sehr unterschiedlich war und erst die jüngsten Abschnitte als dem Stand der Technik entsprechend zu betrachten sind. Im Jahr 1993 wurde eine zusätzliche Aufhöhung der Schüttungen bewilligt. Die gesamte Deponie umfasst etwa 11 ha und liegt in der Austufe der Ager. Insgesamt wurden rund 1,6 Mio m³ Müll abgelagert.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Den Untergrund bilden sandige Kiese (Durchlässigkeitsbeiwert etwa 2x10-3 m/s) die von Schliersedimenten unterlagert werden. Die Oberkante des Schliers im Deponiebereich befindet sich rund 20 bis 22 m unter Gelände.

Der Grundwasserflurabstand im Deponiebereich liegt zwischen 3 und 5 m, wobei sich die Deponiesohle teilweise nur 2 m über dem Grundwasserspiegel befindet. Insgesamt beträgt die Grundwassermächtigkeit etwa 17 m.

An die Austufe schließt nördlich der Ablagerung eine aus Schottern der Würmeiszeit aufgebaute Niederterrasse an. Der Grundwasserflurabstand beträgt in diesem Bereich etwa 20 m.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Das Grundwasser der Austufe wird nicht genutzt. Unmittelbar östlich und nordöstlich der Altlast befinden sich Schottergruben. Die nähere Umgebung der Altlast wird großteils landwirtschaftlich genutzt, unmittelbar westlich angrenzend liegt die Kläranlage des Reinhalteverband AGER-West. Auf einem Teilbereich der Altlast (Schüttabschnitt 1) befindet sich ein Zwischenlager für Kompost, der restliche Teil der Deponiefläche ist eine Brache.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Die Deponie befindet sich im Nahbereich der Ager und liegt über dem rund 17 m mächtigen Grundwasserbegleitstrom der Ager. Die Analysenergebnisse der Grundwassermessstellen im Grundwasserabstrom der Deponie zeigten, dass eine Beeinträchtigung des Grundwassers durch die Deponie gegeben war. Es wurden sowohl reduzierende Verhältnisse als auch Belastungen durch Schwermetalle (z.B. Quecksilber) festgestellt. Die Altablagerung stellte daher eine erhebliche Gefahr für das Schutzgut Grundwasser dar.

 

BESCHREIBUNG DER SICHERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sicherungsmaßnahmen war, Gefahren in Zusammenhang mit dem fortgesetzten Transfer von Deponiesickerwasser in das Grundwasser dauerhaft zu beseitigen und damit die multifunktionale Nutzung des Schutzgutes Grundwasser dauerhaft zu erhalten. Im Zeitraum von 1991 bis 1994 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Vollständige Umschließung der Altablagerung
  • Errichtung zusätzlicher Grundwassersonden sowie Entnahmebrunnen

  • Sickerwasserförderbrunnen inkl. Sickerwasserdruckleitung

Die Umschließung der Altablagerung erfolgte als Einphasenschlitzwand mit einer Wandstärke von 60 cm im Zeitraum von Juni 1991 bis Juni 1992. Die gesamte Schlitzwandlänge beträgt rund 1.400 m, die Tiefe liegt zwischen rund 20 bis 26 m unter GOK. Die Einbindetiefe in den Schlier lag zwischen 1 bis 2 m und wurde aufgrund neuer Erkenntnisse im Zuge des Baufortschritts über ausgeprägte Reliefierung und Verwitterungsstärken auf rund 4 m erhöht. Beprobungen der fertig gestellten Dichtwand bestätigten eine ausreichende Dichtheit mittels nachgewiesener Durchlässigkeitsbeiwerte im Bereich zwischen 10-12 bis 10-10 m/s (Labormessungen bei hydraulischem Gradienten von 30).

Aufgrund hoher notwendiger Pumpmengen (6 bis 10 l/s) zur Absenkung des Innenwasserspiegels wurden zahlreiche geotechnische und geohydraulische Untersuchungen durchgeführt. Als Ergebnis dieser Untersuchungen wurden im Frühjahr 1994 zusätzliche Dichtungsmaßnahmen im nordwestlichen Eckbereich durchgeführt. Es zeigte sich, dass im oberen Bereich des Stauers teilweise Störzonen mit bedeutend höheren Durchlässigkeiten (bis zu 10-4 m/s) vorliegen und es daher zu einer Unterströmung der Dichtwand kam. Nach Abschluss der Nachdichtungsmaßnahmen (lokal parallel geführte Schlitzwand mit wesentlich größerer Einbindetiefe) lag die erforderliche Pumpmenge zur Erreichung der Wasserspiegeldifferenz von 0,5 m bei nur mehr rund 2 bis 4 l/s. Zur Minimierung der eindringenden Niederschlagswässer wurden alle Schüttabschnitte nach Abschluss mit einer Oberflächendichtung versehen.

Im Jahr 1990 wurde begonnen, Deponiegas aktiv abzusaugen. Entsprechend dem Schüttbetrieb wurde die Deponiegassammlung sukzessive erweitert. Bis 1997 wurde das gesammelte Deponiegas abgefackelt, seit 1997 wird das gesammelte Gas in einem Blockheizkraftwerk verstromt.

Bewertung des Sicherungserfolges

Mittels permanent um mindestens 0,5 m abgesenktem Wasserspiegel innerhalb der Umschließung wird ein Abströmen von Sickerwasser in das umgebende Grundwasser verhindert. Mittels zusätzlicher Dichtungsmaßnahmen im Nordwesteck der Umschließung wurde die Pumpmenge zur Wasserspiegelabsenkung auf das projektgemäß angestrebte Maß reduziert, sodass von einer ausreichenden Dichtheit der Dichtwand ausgegangen werden kann.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen keine Belastung des Grundwassers außerhalb der Dichtwand mehr gegeben ist. Innerhalb der Umschließung ist das Grundwasser durch Deponiesickerwässer noch deutlich beeinflusst. Die gesammelten Sickerwässer zeigen mit Ausnahme der beiden ältesten Schüttabschnitte hohe hausmülltypische Belastungen sowie derzeit noch keine rückläufige Tendenz. Steigende Natriumgehalte bis über den Prüfwert nach ÖNORM S 2088‑1 von 30 mg/l wurden in den letzten Jahren im Grundwasseranstrom festgestellt, eine Beeinträchtigung durch austretende Sickerwässer ist aufgrund der hydraulischen Verhältnisse nicht anzunehmen.

Durch die ausgeführten Sicherungsmaßnahmen ist ein Transfer von Deponiesickerwasser in den Grundwasserkörper nicht mehr möglich, sodass zukünftig keine Beeinträchtigung der Grundwasserqualität im Umfeld der Deponie zu erwarten ist. Nach Abschluss des Schüttbetriebes und bereits großteils ausgeführter Oberflächenabdichtung ist zukünftig ein weiterer verminderter Eintrag von Sickerwasser zu erwarten.

Zusammenfassend ergibt sich, dass das standortspezifische Sicherungsziel, Gefahren in Zusammenhang mit einem fortgesetzten Transfer von Deponiesickerwasser in das Grundwasser dauerhaft zu beseitigen bzw. auf ein tolerierbares Ausmaß zu reduzieren, erreicht wurde und die Altlast als gesichert zu bewerten ist.

 

Datum der Texterstellung: Dezember 2006