Gesicherte Altlast O28: Gaswerk Bad Ischl

Auf einer ca. 5.000 m² großen Fläche am Ortsrand von Bad Ischl wurde von etwa 1900 bis 1960 ein Gaswerk betrieben. Entsprechend den gaswerkstypischen Schadstoffen kam es zu erheblichen Untergrundverunreinigungen mit polyzyklischen Kohlenwasserstoffen, Cyanid, aromatischen Kohlenwasserstoffen und Phenolen. Auch im Grundwasser wurden erhebliche Verunreinigungen nachgewiesen.

Im Zeitraum von Juni bis Oktober 2002 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten, die den Abbruch von Gebäuden, den Aushub des kontaminierten Untergrundes und die Wiederverfüllung mit entsprechendem Material umfassten. Im Uferbereich der Ischl sind noch Restkontaminationen vorhanden, die nur mehr eine lokale begrenzte Verunreinigung des Grundwassers verursachen. Der Altstandort „Gaswerk Bad Ischl“ ist daher als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Bad Ischl,
Ahorn,
360
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gaswerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 4.000 m²
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Cyanide)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 25.01.1996
Datum der Prioritätenfestlegung: 06.01.1998
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 15.03.2007
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.03.2007

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Der Altstandort befindet sich an der westlichen Ortsausfahrt von Bad Ischl ca. 1 km nordwestlich des Stadtzentrums unmittelbar rechtsufrig des Ischlflusses und umfasst eine Fläche von rund 5.000 m². Auf dem Standort wurde von etwa 1900 bis 1960 ein Gaswerk zur Erzeugung von Stadtgas aus Steinkohle betrieben.

Die ersten Betriebsanlagen wurden vermutlich bereits 1870 errichtet. Am Standort waren die typischen Anlagen wie Apparate- und Reinigungshaus, Ofenhaus, Kohlebunker sowie 2 Gasbehälter vorhanden. In der folgenden Tabelle sind Produktionsdaten des Gaswerkes Bad Ischl und eine Übersicht über Produkt- und Stoffmengen bei der Gaserzeugung überblicksmäßig dargestellt.

Übersicht zu Produkt- und Stoffmengen bei der Gaserzeugung:

  Jahr versorgte Personen jährliche Gasproduktion Koks Teer
GaswerkBad Ischl 1928
1952
10.000
12.000
122.280 m³
404.276 m³
317 t
1.108 t
18,2 t
46,0 t

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der natürliche Untergrundaufbau wird durch geringmächtige sandige Kiese geprägt, die von Gosausedimenten (Gosaumergel und Gosausandsteine) unterlagert werden. Im Großteil des Altstandortes stehen oberflächennah außerdem anthropogene Anschüttungen (Kies, Ziegelreste, Teerbrocken) an, die vereinzelt bis zu 3 m unter Gelände reichen. Die grundwasserstauenden Gosausedimente befinden sich in Tiefen zwischen 4 und 5 m. Unmittelbar südlich des Altstandortes befindet sich eine postglaziale Schotterterrasse, die etwa 50 m über dem Talniveau liegt.

Der Grundwasserspiegel befindet sich etwa 2 bis 3,5 m unter Gelände. Die Strömungsverhältnisse des Grundwassers zeigen eine starke Abhängigkeit von der Wasserführung der Ischl und den Hangzuflüssen aus der unmittelbar südlich gelegenen Hochterrasse. Bei niedriger bis mittlerer Wasserführung der Ischl herrscht generell eine Grundwasserströmungsrichtung parallel zur Ischl bzw. Richtung Südosten vor. Bei höheren Wasserständen der Ischl kommt es verstärkt zur Infiltration in das begleitende Grundwasser. Der Durchlässigkeitsbeiwert des Grundwasserleiters kann mit rund 5x10-4 m/s angegeben werden. Das Gefälle des Grundwasserspiegels beträgt etwa 0,5 bis 1 %. Der spezifische Grundwasserdurchfluss im Bereich des Altstandortes kann mit einer Größenordnung von ca. 0,5 m³/d,m abgeschätzt werden. Auf Grund der Verengung des Talquerschnittes flußabwärts des Gaswerkes ist davon auszugehen, dass das Grundwasser zur Gänze bzw. größtenteils in die Ischl exfiltriert.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Aufgrund der örtlichen Situation im Bereich einer Talverengung bestehen in der nahen Umgebung des Standortes lediglich unmittelbar östlich des Altstandortes zwei Wohnhäuser und auf der anderen Seite der Ischl mehrere Wohnhäuser. Das Grundwasser im Bereich der Talniederung der Ischl wird nicht genutzt. Der Standort wird derzeit zum Teil als Lagerplatz genutzt, zukünftig ist die Errichtung des Wirtschaftshofes der Stadgemeinde Bad Ischl geplant.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Standort des ehemaligen Gaswerkes von Bad Ischl wurden im Herbst 1992 bei Kanalgrabungsarbeiten teerartige Kontaminationen des Untergrundes festgestellt. Das Gaswerk von Bad Ischl war vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1960 in Betrieb. Bei der Erzeugung von Stadtgas (Steinkohlevergasung) fielen als Nebenprodukte vor allem Teer, Gasreinigermasse und Ammoniakwasser an. Typische Schadstoffe dieser Nebenprodukte sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole und leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe für Gaswerksteer sowie Cyanide, Schwefel und Sulfide für die Gasreinigermasse.

Bei weiteren Schürfen zur Identifikation verunreinigter Bereiche wurden in mehreren Bereichen des ehemaligen Gaswerksgeländes Kontaminationen festgestellt. Die Bestimmung der Schadstoffgehalte zeigte, dass es sich bei den Verunreini­gungen des Untergrundes hauptsächlich um Belastungen durch teerartige Substanzen handelt. An fast allen (10 von 11) untersuchten Proben wurden erhöhte PAK-Gehalte festgestellt sowie an 4 von 6 untersuchten Feststoffproben auch stark erhöhte Cyanid-Gehalte. Die erhöhten Cyanidgehalte deuten darauf hin, dass auch Gasreinigermasse abgelagert wurde. Bei den Eluatanalysen der Proben konnten an einzelnen Proben vor allem für aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) und Cyanide stark erhöhte, wasserlösliche Gehalte festgestellt werden.

Im Jahr 1996 wurde der Untergrund des gesamten Altstandortes durch insgesamt 21 Untergrundaufschlüsse flächendeckend untersucht. Am Großteil des ehemaligen Gaswerksgeländes wurden anthropogene Anschüttungen angetroffen. Es wurden 28 Feststoffproben entnommen und auf gaswerksspezifische Schadstoffe untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen bestätigten, dass sowohl die angeschütteten Materialien als auch der natürliche Untergrund zum Teil massiv durch gaswerksspezifische Schadstoffe belastet waren.

Die massivsten Belastungen waren im Bereich und in der Umgebung des ehemaligen Apparatehauses zu beobachten. Ein mögliches Kontaminationszentrum stellen ehemalige Teerscheidgruben dar, die wahrscheinlich im Bereich jener Bohrung situiert waren, bei der das Teeröl in Phase am Grundwasserstauer angetroffen wurde.

Im Bereich rund um die ehemaligen Gasbehälter zeigten die Bodenproben vor allem Belastungen durch Cyanide. Die Cyanide lagen fast ausschließlich komplex gebunden vor. Ursache dieser Belastungen könnten einerseits die anthropogenen Anschüttungen selber oder Auswaschung von Cyanid aus abgelagerter Gasreiniermasse auf unbefestigten Flächen gewesen sein.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigten, dass im Abstrombereich des Altstandortes entlang des Ischlflusses und in südwestlicher Richtung eine massive Beeinträchtigung des lokalen Grundwassers gegeben war. Als Schadstoffe wurden vor allem Cyanide und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe in stark erhöhten Konzentrationen nachgewiesen. Darüber hinaus war im Abstrom des Altstandortes anhand der deutlich reduzierten Sauerstoffgehalte eine deutliche Veränderung des hydrochemischen Milieus zu beobachten.

Den hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort und der geringen Mächtigkeit des Grundwassers entsprechend ist im Bereich des Altstandortes ein relativ geringer Grundwasserdurchfluss gegeben, der in der Größenordnung mit ca. 1 l/s abgeschätzt werden kann. Die im Abstrom des Altstandorts festgestellten Belastungen des Grundwassers ergaben in Zusammenhang mit dem geringen Grundwasserdurchfluss nur eine begrenzte Schadstofffracht im Grundwasserabstrom. Die Größenordnung dieser Frachten konnte für Cyanide mit etwa 200 g/d und für PAK mit weniger als 1 g/d abgeschätzt werden. Die Tatsache, dass an einer Wasserprobe aus dem Uferbereich der Ischl im April 1997 ein erhöhter Cyanidgehalt messbar war, konnte als Bestätigung für die Exfiltration von belastetem Grundwasser aus dem Bereich des Gaswerksgeländes interpretiert werden.

Zusammenfassend war abschließend festzuhalten, dass es durch den seit Ende des 19. Jahrhunderts über mehrere Jahrzehnte andauernden Betrieb eines Gaswerkes auf dem Großteil der Betriebsfläche zu massiven Verunreinigungen des Untergrundes gekommen ist. Bei den Kontaminationen handelt es sich vor allem um Belastungen durch Gaswerksteer bzw. polyzyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen sowie Cyanide. Die Verunreinigungen insbesondere durch Gaswerksteer reichten zum Teil bis zum Grundwasserstauer und zeigten sowohl bei Cyaniden als auch bei polyzyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen stark erhöhte wasserlösliche Anteile. Dementsprechend waren im Abstrom des Altstandortes massive Belastungen  des Grundwassers mit diesen Schadstoffen nachweisbar. Auf Grund der relativ geringen Größe des Altstandortes sowie der hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort ergab sich jedoch, dass die Schadstofffracht die mit dem Grundwasser abströmte als relativ begrenzt einzustufen war.

Der Altstandort stellte eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar und war als Altlast im Sinne des ALSAG zu bewerten.

 

SICHERUNGSMAßNAHMEN

Im Zeitraum von Juni bis Oktober 2002 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Abbruch von Gebäuden sowie Rodungsarbeiten

  • Aushub und Entsorgung des kontaminierten Untergrundes

  • Wiederbefüllung der ausgehobenen Teile des Areals zur Geländeregulierung

Abbruch von Gebäuden

Im Juni 2002 wurden auf dem Areal alle vier bestehenden Gebäude (Ofenhaus, Reiniger- und Apparatehaus, Wohnhaus, Kohlebunker) abgebrochen sowie zusätzlich die Fundamente entfernt. Entsprechend den Ergebnissen von Vorerkundungen wurde kontaminiertes und nicht kontaminiertes Material getrennt entsorgt. Insgesamt fiel rund 1.800 t Abbruchmaterial an, davon rund 980 t in Baurestmassenqualität, 720 Mg in Reststoffqualität und 110 t Sonstiges (Eternit, Holzabfälle, Metallabfälle, Sperrmüll).

Gleichzeitig mit dem Abbruch der Gebäude wurden auch Rodungsarbeiten im Bereich des Wohnhauses sowie anschließend im Bereich entlang des Ufers der Ischl durchgeführt.

Aushub und Entsorgung von kontaminiertem Untergrund

Der Aushub des kontaminierten Untergrunds im Bereich des ehemaligen Gaswerks erfolgte generell bis zum Erreichen des unbelasteten gewachsenen Untergrundes. Kontminationen in der gesättigten Bodenzone wurden mittels Umspundung und Wasserhaltung ausgehoben. Grundsätzlich wurde ausgehobenes Material, das organoleptisch eindeutig zuordenbar war, sofort verladen und abtransportiert. Nicht eindeutig zuordenbares Material wurde zwischengelagert und erst nach entsprechender analytischer Untersuchung entsorgt. Im Zuge der Aushubmaßnahmen wurde die noch fast vollständig gefüllte Teerscheidegrube und stark kontaminiertes Material im Nahbereich entsorgt.

Das im Zuge der Wasserhaltungsmaßnahmen abgepumpte Grundwasser innerhalb der Spundwandkästen war entsprechend den Untergrundkontaminationen mit gaswerkstypischen Schadstoffen (PAK, Cyanide, BTEX, KW) stark verunreinigt und wurde in Puffertanks zwischengelagert und anschließend entsorgt.

Während der Aushubmaßnahmen wurde ein Mischwasserkanal entlag der Ischl temporär entfernt und ein Ersatzkanal für die Dauer der Baumaßnahmen errichtet. Weiters wurde die Ufermauer auf einer Länge von rund 70 m entfernt und vor Beginn der Wiederverfüllung neu errichtet.

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurden insgesamt rund 18.000 t Abfälle (Abbruchmaterial, Untergrundaushub, Anschüttungen) entsorgt. Weiters wurden rund 120 t Material (Sperrmüll, Holzabfälle, Metall, Eternitplatten) einer Verwertung zugeführt. Zusätzlich wurden rund 708 t kontaminiertes Grundwasser und 27 t Teeröl einer gesonderten Entsorgung zugeführt.

Wiederverfüllung ausgehobener Bereiche

Die Sohle fertig ausgehobener Bereiche wurde in Abschnitten von je 200 m² mittels Mischproben aus je 5 bis 10 Stichproben beprobt und auf die Parameter gemäß behördlich festgelegter Sanierungszielwerte analysiert.

Erst nach analytischem Nachweis der Unterschreitung dieser Sanierungszielwerte wurde der entsprechende Abschnitt mit sauberem geeignetem Material wiederverfüllt. Im nordwestlichen Bereich wurde an der Aushubsohle ein Cyanidgehalt im Eluat in der Größe des Sanierungszielwerts festgestellt.

Restbelastungen

Durch die jahrzehntelange Auswaschung und Schadstoffverfrachtung aus kontaminierten Bereichen kam es zur Bildung einer Schadstofffahne im Untergrund, die stellenweise unter das Flussbett der Ischl reicht. Ein Aushub dieses kontaminierten Bereiches wäre sowohl technisch als auch finanziell äußerst aufwändig und unverhältnismäßig im Vergleich zum zusätzlich erzielbaren Sanierungserfolg gewesen. Diese Restbelastungen sind daher im Untergrund verblieben, im Hinblick auf das ursprüngliche Schadensausmaß sind sie als äußerst gering zu bezeichnen.

Zusammenfassende Beurteilung der Sicherungsmaßnahmen

Durch den Aushub des kontaminierten Untergrundes im Bereich des ehemaligen Gaswerks Bad Ischl ist eine weitestgehende Reduktion des Schadstoffpotenzials erfolgt. Im Zuge der Aushubmaßnahmen wurde der Großteil des kontaminierten Untergrundes entfernt, lediglich im Uferbereich der Ischl ist eine Restbelastung verblieben.

Die Restbelastungen des Untergrundes verursachen noch lokal begrenzt eine Beeinträchtigung des Grundwassers. Insbesondere bei hohen Wasserständen der Ischl kommt es zu einer Infiltration des Oberflächenwassers in das Grundwasser und dabei zu einer verstärkten Durchströmung und Auswaschung der Restbelastungen. Die Auswirkungen auf die Ischl sind aufgrund der geringen Schadstofffrachten als unerheblich zu bewerten. Eine deutliche weitere Abnahme der Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser ist aufgrund der Restbelastungen erst mittel- bis längerfristig zu erwarten. Auf Grund der geringen Schadstofffrachten und der hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort sind keine erheblichen Auswirkungen auf das Grundwasser im Abstrom der Altlast vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten.

Zusammenfassend ergibt sich, dass am Standort des ehemaligen Gaswerks Bad Ischl noch Restbelastungen vorhanden sind, die eine lokale Beeinträchtigung des Grundwassers verursachen. Im Abstrom des Standorts ist keine erhebliche Auswirkung auf das Schutzgut Grundwasser mehr vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten. Der Altstandort „Gaswerk Bad Ischl“ ist daher als gesichert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2006