Sanierte Altlast O27: Königswieser-Maschinenbau

Das Betriebsgelände der ehemaligen Firma Königswieser-Maschinenbau befindet sich in der Gemeinde Vorchdorf in der Ortschaft Feldham rund 80 m östlich der Laudach. Das Firmengrundstück hat eine Ausdehnung von ca. 10.000 m².

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Vorchdorf,
Feldham,
228, 229/5, 229/6
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Erzeugung von Maschinen und Werkzeugen
Fläche Altlast (m²): 12.000 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 13.09.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 13.05.1998
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 27.11.1998
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren: Pneumatische Maßnahmen (Bodenluftabsaugung)
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 25.03.1999

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Seit 1973 werden forstwirtschaftliche Maschinen erzeugt. Im Zeitraum von 1988 bis 1992 wurde 1,1,1-Trichlorethan als Kaltreiniger zur Entfettung von Metallen verwendet. Der Einsatzbereich des Lösungsmittels 1,1,1-Trichlorethan beschränkte sich auf ein Betriebsgebäude ( Fläche ca. 1.600 m²). Nördlich dieser Betriebshalle befinden sich ein Sickerschacht, über den Abwässer des Betriebes versickert wurden und ein Lagerplatz für Metallabfälle.

Der Altstandort befindet sich am südlichen Rand der oberösterreichischen Molassezone im Übergangsbereich zur Flyschzone im Bereich der Auterrasse der Laudach auf etwa 388 m ü.A. Unmittelbar östlich des Standortes befindet sich die Terrassenkante zur Niederterrasse, die rund 12 m höher auf etwa 400 m ü.A. liegt. Der Untergrundaufbau wird durch quartäre Sedimente (sandige Kiese) geprägt, die von tertiären Sedimenten (tonig-schluffiger Schlier) unterlagert werden. Unmittelbar im Bereich des Altstandortes zeigt die Oberkante der tertiären Schichten ein starkes Gefälle (ca. 5 %) von Westen nach Osten. Die Mächtigkeit der tertiären Sedimente ist nicht bekannt.

Der erste Grundwasserhorizont befindet sich im Bereich der gut durchlässigen, quartären Sedimente. Ungefähr am östlichen Rand des Altstandortes befindet sich die Grenze eines sehr ergiebigen Porengrundwasservorkommens. Es handelt sich dabei um den Grundwasserbegleitstrom des Alm-Flusses. Die Strömungsrichtung des Grundwassers ist generell nach Norden gerichtet. Der Grundwasserspiegel befindet sich etwa auf einer Höhe von 373 bis 374 m ü.A. Das Gefälle des Grundwasserspiegels beträgt etwa 0,5 %, die Mächtigkeit des Grundwassers bis zu 15 m.

Am Altstandort selbst ist in den quartären Sedimenten nur ein gering ergiebiges Hangwasservorkommen ausgebildet. Das Hangwasser strömt dem Gefälle der gering durchlässigen, tertiären Schichten folgend nach Osten und speist in das ergiebige Grundwasservorkommen des Almtales ein. Der Grundwasserspiegel im Bereich des Altstandortes befindet sich zwischen 376 und 378 m ü.A. Das Gefälle des Grundwasserspiegels beträgt bis zu 5 %, die Mächtigkeit des Grundwassers bis zu 2,5 m.

Am Altstandort befinden sich unmittelbar nebeneinander ein Schachtbrunnen und ein Bohrbrunnen. Der Schachtbrunnen erschließt den ersten Grundwasserhorizont im Bereich der oberflächennah anstehenden quartären Kiese. Der Bohrbrunnen ist ca. 40 m tief und fördert Wasser aus einem zweiten Grundwasserhorizont, der vermutlich an sandige oder klüftige Schichten des Schlier gebunden ist. Das Grundwasser des zweiten Horizontes ist gespannt. Der Wasserspiegel des Bohrbrunnens befindet sich rund 5 m über dem Grundwasserspiegel des Hangwassers.

In der Umgebung des Standortes wird sowohl das Grundwasser des ersten Horizontes als auch des zweiten Horizontes durch Hausbrunnen zur Trinkwasserversorgung genutzt. Das Gemeindegebiet von Vorchdorf befindet sich innerhalb der wasserrechtlichen Rahmenverfügung für das Almtal. Es ist geplant das Grundwasser des Almtales für die regionale Trinkwasserversorgung im Großraum Wels zu nutzen. Etwa 80 m westlich des Betriebsstandortes fließt die Laudach. Rund 2,7 km südlich des Altstandortes befinden sich die Standorte der Altalsten "Putzerei Kirchmair" und "Putzerei Wasserbauer".

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Seit 1973 werden von der Firma "Königswieser-Maschinenbau" forstwirtschaftliche Maschinen hergestellt. Es wurde von 1988 bis 1992 1,1,1-Trichlorethan als Kaltreiniger zur Metallentfettung verwendet. Das Gesamtareal weist eine Fläche von 10.000 m² auf. Der Einsatzbereich von 1,1,1-Trichlorethan beschränkt sich auf ein Betriebsgebäude und dessen nähere Umgebung (Fläche ca. 1.600 m²).

Bei Bodenluftuntersuchungen konnten im Bereich eines Sickerschachtes nördlich der Betriebshalle Belastungen der wasserungesättigten Bodenzone durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LHKW - insbesondere 1,1,1-Trichlorethan und 1,1-Dichlorethan) und aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) festgestellt werden. In Tiefen bis zu 4 m unter Gelände konnten LHKW-Gehalt bis zu 269 mg/m³ nachgewiesen werden. In Tabelle 1 ist eine Gegenüberstellung der maximalen LHKW- und BTEX-Meßwerte in der Bodenluft mit Orientierungswerten enthalten.

Aus dem Vergleich der Analysenergebnisse der Bodenluftuntersuchung mit den zitierten Orientierungswerten geht hervor, daß vor allem die Orientierungswerte für leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) deutlich überschritten wurden und in untergeordnetem Umfang auch Belastungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe gegeben waren. Die Größenordnung des verunreinigten Bereiches kann mit rund 400 m² abgeschätzt werden.

 

Gegenüberstellung von Ergebnissen der Bodenluftuntersuchung mit Orientierungswerten

Parameter Max. Konzentration PW a (1) MSW a (1) PW a (2) MSW a (2)
LHKW [mg/m³] 269 10 10 5 10
BTEX [mg/m³] 17,8 - - 5 10

(1) Arbeitskreis "LHKW - belastete Böden"

(2) ÖNORM S 2088-1

PW a / MSW a... Prüfwert/Maßnahmenschwellenwert (wasserwirtschaftlich bedeutende Gebiete)

 

Zur Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone wurde über den Zeitraum von 10 Monaten eine Bodenluftabsauganlage mit zwei Absaugpegeln betrieben. Die Einstellung der Bodenluftabsaugung erfolgte nachdem der zitierte Maßnahmenschwellenwert für LHKW dauerhaft unterschritten wurde.

Die Untersuchung einer Wasserprobe aus dem Schachtbrunnen im Bereich des Altstandortes im Jahr 1994 ergab Hinweise auf Belastungen des Grundwassers durch 1,1,1-Trichlorethan (2,1 µg/l). In weiterer Folge wurden im Jahr 1997 weitere Grundwasseruntersuchungen durchgeführt. Außerdem wurde an einer Grundwassersonde im Abstrom des Schadensherdes ein Pumpversuch durchgeführt, in dessen Verlauf mehrere Wasserproben genommen wurden. Da an keiner der Wasserproben, die im Zuge dieser Maßnahmen zur Grundwasserbeweissicherung gezogen wurden, erhöhte Gehalte an 1,1,1-Trichlorethan oder 1,1-Dichlorethan nachgewiesen wurden, ergab sich der Nachweis, daß im Bereich des Altstandortes keine Verunreinigung des Grundwassers besteht. An einer Probe die im Verlauf des Pumpversuches gezogen wurde, konnte ein geringfügig erhöhter Gehalt an Tetrachlorethen (0,2 µg/l) beobachtet werden. Diese Belastung kann der Schadstofffahne der Altlasten "Putzerei Wasserbauer" und "Putzerei Kirchmair" zugeordnet werden.

Zusammenfassend ergibt sich aus den vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnissen, daß im Bereich des Altstandortes auf einer relativen kleinen Fläche (400 m²) Verunreinigungen des Untergrundes durch Lösungsmittel bzw. leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gegeben waren. Eine Beeinträchtigung des Grundwassers war nicht gegeben.

 

BESCHREIBUNG DER SANIERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Erhaltung eines Zustandes, der eine dauernde multifunktionale Nutzung des Grundwassers erlaubt. Um die mögliche zukünftige Beeinflussung der Grundwasserqualität durch Ausbreitung von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen im Untergrund hintanzuhalten, wurde eine Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone durch Betrieb einer Bodenluftabsauganlage durchgeführt. Die abgesaugte Bodenluft wurde gereinigt.

Im Februar 1995 wurden in der Nähe des als Kontaminationszentrum anzusehenden Sickerschachtes zwei Bodenluftabsaugsonden errichtet. Die Absaugsonden wurden in einer Tiefe von 1 bis 5 m unter Gelände verfiltert. Die Bodenluftabsaugung wurde im Zeitraum Februar bis November 1995 kontinuierlich betrieben. Die Reinigung der abgesaugten Bodenluft erfolgte durch Adsorption an Aktivkohle. Zur Beweissicherung des Fortschrittes der Maßnahmen wurde die abgesaugte Bodenluft einmal pro Monat beprobt. An den Bodenluftproben wurden die CKW-Gehalte gaschromatographisch bestimmt.

Als Sanierungsziel für die wasserungesättigte Bodenzone wurde ein CKW-Gehalt von 10 mg/m³ Bodenluft angesehen. Am Anfang des Betriebes der Bodenuftabsaugúng wurden maximale CKW-Gehalte (hauptsächlich 1,1-Dichlorethan und 1,1,1-Trichlorethan) bis 180 mg/m³ beobachtet. In Tabelle 2 sind ausgewählte Ergebnisse der Beweissicherung dargestellt. Auf Grund der vorhandenen Meßdaten kann für den Zeitraum des Betriebes der Bodenluftabsauganlage ein Schadstoffaustrag an CKW mit insgesamt ca. 34 kg abgeschätzt werden.

CKW-Gehalte der abgesaugten Bodenluft (Februar bis November 1995)

BL-Absaugsonde 1:

Datum 1,1-Dichlorethan
[mg/m³]
1,1,1-Trichlorethan
[mg/m³]
07.02.1995
09.03.1995
18.04.1995
09.05.1995
08.06.1995
18.07.1995
12.09.1995
16.11.1995
109,3
59,4
21,8
9,4
6,6
4,5
3,4
2,8
70,9
28,7
16,9
6,0
4,5
3,8
2,5
2,0

BL-Absaugsonde 2:

Datum 1,1-Dichlorethan
[mg/m³]
1,1,1-Trichlorethan
[mg/m³]
07.02.1995
09.03.1995
18.04.1995
09.05.1995
08.06.1995
18.07.1995
12.09.1995
16.11.1995
69,1
21,5
17,3
6,5
5,9
3,4
2,6
2,5
36,1
16,7
5,6
2,6
2,1
1,5
0,9
0,7

Bei allen Kontrollbeprobungen ab Juli 1995 lagen die CKW-Gehalte der abgesaugten Bodenluft unter 10 mg/m³. Zur Kontrolle des Sanierungserfolges wurden im April 1996, ein halbes Jahr nach Einstellung der Bodenluftabsaugung, eintägige Absaugversuche an den beiden bestehenden Absaugpegeln sowie an 12 weiteren Punkten Bodenluftprobenahmen in 2 m Tiefe durchgeführt. Im September 1997 wurden Bodenluftprobenahmen an zwei weiteren Meßpunkten in 5 bzw. 7 m Tiefe durchgeführt.. Sowohl bei den Bodenluftprobenahmen als auch im Zuge der Absaugversuche zeigte sich, daß die CKW-Konzentrationen der Bodenluft deutlich unter dem Sanierungsziel von 10 mg/m³ lag.

Auf Grund der vorhandenen Untersuchungsergebnisse und Unterlagen ergibt sich nachvollziehbar, daß die CKW-Kontaminationen der wasserungesättigten Bodenzone weitgehend beseitigt wurden, so daß unter den derzeitigen Bedingungen am Standort keine Gefährdung des Grundwassers gegeben ist.

 

Datum der Texterstellung:     Oktober 1998