Gesicherte Altlast O26: Redtenbacher Präzisionsteile

Am Altstandort „Redtenbacher Präzisionsteile“ waren im Bereich eines Betriebsgebäudes sowie des Chemikalienlagers Kontaminationen des Untergrundes durch CKW (insbes. Tetrachlorethen) gegeben. Die Kontaminationen reichten zum Teil bis nahe an den Grundwasserschwankungsbereich. Im Abstrom des Betriebsgebäudes war im Grundwasser eine Schadstofffahne mit einer Länge von mehr als 700 m ausgebildet.

Im Jahr 1996 erfolgten im Zuge der Erweiterung der Produktion ein Zubau zum Betriebsgebäude und damit eine Versiegelung unbefestigter Flächen. Unmittelbar im Zeitraum der baulichen Maßnahmen war ein deutlicher Rückgang der Schadstofffahne zu beobachten. In weiterer Folge wurden im Zeitraum 1999 bis 2003 Anlagen zur Bodenluftabsaugung betrieben. Durch diese Maßnahmen wurde bei den beiden Schadensbereichen am Standort die ungesättigte Zone weitgehend dekontaminiert. Intensität und Ausmaß der weiterhin bestehenden Verunreinigungen der ungesättigten Zone sind so weit vermindert, dass unter Voraussetzung der bestehenden Bebauung und Oberflächenbefestigung kein erheblicher Eintrag von CKW in das Grundwasser mehr stattfindet. Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen bestätigen, dass durch die getroffenen Maßnahmen die Beschaffenheit des Grundwassers dauerhaft verbessert wurde. Die Altlast O 26 „Redtenbacher Präzisionsteile“ ist als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Scharnstein,
Viechtwang,
.457, .481
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Metallwarenerzeugung
Fläche Altlast (m²): 1.600 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 31.07.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 23.08.1996
Priorität: 1
Datum Ausweisung gesichert: 01.07.2017
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 26.09.1996

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort befindet sich am nordöstlichen Rand des Ortsgebietes von Scharnstein unmittelbar östlich des Alm-Flusses. Im Zuge der Produktion von Brillenhalbteilen wurden ab dem Jahr 1971 Entfettungsanlagen zur Oberflächenbehandlung von Metallteilen betrieben. Der Anlagenstandort der Entfettungsanlage wurde innerhalb des Betriebsgebäudes mehrmals kleinräumig gewechselt.

Für den Zeitraum zwischen 1971 und 1996 sind drei unterschiedliche Anlagenstandorte bekannt. Im Jahr 1993 erfolgte die letzte Umstellung der Entfettungsanlage. Als Lösungsmittel wurde Tetrachlorethen (Perchlorethylen, kurz PCE) eingesetzt. Im Jahr 1996 erfolgte im Zuge der Erweiterung der Produktion ein Zubau zum Betriebsgebäude und damit eine Versiegelung unbefestigter Flächen.

Die Lagerung des Lösungsmittels erfolgt im Bereich eines Chemikalienlagers östlich des Werkskanals. Neben Tetrachlorethen wurde auch ein dichlormethanhaltiges Lösungsmittel gelagert, das zur Entfernung von Lackresten verwendet wurde.

Untergrundverhältnisse

Der Untergrund im Bereich des Altstandortes wird von gut durchlässigen, quartären Schottern  geprägt. Das Gelände in der Talniederung ist eben und befindet sich etwa auf 481 bis 483 m ü.A. An der Geländeoberfläche stehen bis zu 2 m mächtige künstliche Anschüttungen (Bauschutt) an, die zum Teil von einer 0,5 bis 1 m mächtigen Lehmschicht (schluffige Feinsande) unterlagert werden. Ab einer Tiefe von 1,5 bis 2,5 m stehen bis in Tiefen von mehr als 10 m sehr gut durchlässige sandige Kiese an. Es sind Durchlässigkeitsbeiwerte in der Größenordnung von 10-2 bis 10-3 m/s gegeben. Die Tiefenlage der unterlagernden Festgesteine (Flyschsandstein) ist nicht bekannt.

Der Grundwasserspiegel befindet sich bei mittleren Grundwasserständen rund 4 bis 5 m unter Gelände bei etwa 478 m ü.A. Die lokale Strömungsrichtung des Grundwassers im Bereich des Altstandortes ist generell nach Nordnordwesten bis Nordnordosten gerichtet. Das Gefälle des Grundwasserspiegels kann mit rund 2 bis 6 ‰ angegeben werden. Auf Grund der Lage des Altstandortes unmittelbar am Alm-Fluss kann es in Abhängigkeit zur allgemeinen hydrologischen Situation kleinräumig zu deutlichen Schwankungen des Grundwasserspiegels, Spiegelgefälles sowie der Fließrichtung kommen. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt wahrscheinlich mehr als 10 m. Der spezifische Grundwasserdurchfluss für den obersten Teil des Grundwasserleiters (bis 5 m) kann mit 6,5 m³/d (0,08 l/s) abgeschätzt werden.

Das Grundwasser kommuniziert mit dem Alm-Fluss, so dass es im Bereich des Altstandortes teilweise zur Exfiltration von Grundwasser in den Vorfluter kommen kann bzw. grundwasserstromabwärts eine Infiltration aus dem Vorfluter in das Grundwasser zu erwarten ist. Die Kommunikation zwischen dem Oberflächengewässer und dem Grundwasser wird vor allem auch von der Wasserführung des Alm-Flusses bestimmt, so dass insbesondere bei großer Wasserführung Infiltrationsvorgänge in das Grundwasser vorherrschen.

Schutzgüter und Nutzungen

Im unmittelbaren Umfeld des Altstandortes befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen. Das Grundwasser wird im Grundwasseran- und -abstrom des Altstandortes durch Brunnen zur Einzelwasserversorgung genutzt.

Im Jahr 1995 wurden Verunreinigungen des Grundwassers festgestellt. In weiterer Folge mussten zwei Brunnen gesperrt und eine Ersatzwasserversorgung eingerichtet werden. Der Altstandort befindet sich innerhalb des Geltungsbereiches der wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung zum Schutz des Grundwassers des Almtales.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Altstandort wurden mehr als 20 Jahre lang leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) als Lösungsmittel zur Entfettung und Reinigung von Werkstücken eingesetzt. Durch Manipulationsverluste und unzureichende Schutzvorkehrungen beim Betrieb von Entfettungsanlagen sowie im Bereich des Chemikalienlagers konnten Tetrachlorethen und Dichlormethan in den Untergrund gelangen.

Bei der Produktion von Brillenhalbteilen wurde das Lösungsmittel Tetrachlorethen zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken eingesetzt. Die Entfettung metallischer Werkstücke mit Tetrachlorethen erfolgte ab 1971. Das Betriebsgebäude befindet sich zwischen dem Alm-Fluss und einem Werkskanal. Im Bereich von zwei ehemaligen Aufstellungsorten von Entfettungsanlagen (Entfettungsanlage 1, Entfettungsanlage 2) wurden bei Bodenluftuntersuchungen im Jahr 1994 Verunreinigungen des Untergrundes mit Tetrachlorethen (PCE) nachgewiesen. Dabei wurden an Bodenluftproben im Bereich der beiden Kontaminationsherde Tetrachlorethengehalte bis zu 108 bzw. 170 mg/m³ festgestellt. Insgesamt wurden an Bodenluftproben bei 12 Probenahmepunkten deutlich erhöhte CKW- bzw. Tetrachlorethengehalte (ÖNORM S 2088-1: Maßnahmen-Schwellenwert Summe CKW 10 mg/m³) beobachtet. Ausgehend von den beiden Eintragsstellen waren in der ungesättigten Bodenzone auf einer Fläche in der Größenordnung von 700 m² Kontaminationen gegeben.

Das Chemikalienlager befindet sich getrennt vom Betriebsgebäude östlich des Werkskanales. In diesem Bereich wurden durch Bodenluftuntersuchungen zwei weitere Eintragsstellen von Lösungsmitteln bzw. leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) festgestellt. Hauptkomponenten der Verunreinigung des Untergrundes waren Tetrachlorethen (PCE) und Dichlormethan (DCM). An Bodenluftproben in Nahbereich der beiden Eintragsstellen wurden CKW-Gehalte bis zu 277 bzw. 60 mg/m³ festgestellt. Insgesamt waren an Bodenluftproben bei 6 Probenahmepunkten deutlich erhöhte CKW- Gehalte (ÖNORM S 2088-1: Maßnahmen-Schwellenwert Summe CKW 10 mg/m³) gegeben. Ausgehend von den beiden Eintragsstellen waren in der ungesättigten Bodenzone auf einer Fläche in der Größenordnung von 100 m² Kontaminationen gegeben.

Im Sommer und Herbst 1995 wurden an insgesamt 32 Brunnen und Grundwassermessstellen wiederholt Wasserproben gezogen. Die Analyse der Grundwasserproben aus dem Grundwasseranstrom des Altstandortes ergab CKW-Gehalte bis zu 3,7 µg/l. Im nahen Grundwasserabstrom der Entfettungsanlagen bzw. des Chemikalienlagers konnten CKW-Belastungen des Grundwassers von bis zu 441 µg/l bzw. 616 µg/l beobachtet werden. An den Proben aus dem Abstrom der Entfettungsanlage war Tetrachlorethen die Hauptkomponente (max. 440 µg/l) der Verunreinigung. Die Grundwasserproben im Abstrom des Chemikalienlagers zeigten vor allem stark erhöhte Konzentrationen an Dichlormethan (max. 610 µg/l).

Sowohl im unmittelbaren Grundwasserabstrom der Kontamination im Bereich des Betriebsgebäudes bzw. der Entfettungsanlagen als auch im Abstrom des Chemikalienlagers waren im Grundwasser sehr hohe CKW-Gehalte des Grundwassers gegeben. Die Schadstofffahne wurde bis in den weiteren Grundwasserabstrom ca. 700 m nordöstlich des Altstandortes nachgewiesen. An den Wasserproben von insgesamt vier Hausbrunnen, die als Einzelwasserversorgungen zu Trink- und Nutzwasserzwecken genutzt wurden, waren erhöhte Gehalte an Tetrachlorethen (2 bis 69 µg/l) feststellbar. Bei zwei der betroffenen Hausbrunnen musste die Trinkwassernutzung eingestellt werden.

Zusammenfassend ergab sich auf Grund der Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen, dass am Altstandort in zwei Anlagenbereichen Kontaminationen des Untergrundes bzw. der ungesättigten Bodenzone durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) gegeben waren. Durch Versickerung von Niederschlagswässer auf unbefestigten Flächen und den Diffusionen im Übergangsbereich der ungesättigten Bodenzone zum Grundwasser war ein großer Eintrag von Schadstoffen gegeben, der eine weitreichende Verunreinigung des Grundwassers und eine Beeinträchtigung von genutzten Brunnen verursacht hatte.

 

MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG

Ziel der Maßnahmen

Ziel der Maßnahmen war es, den Eintrag von Schadstoffen aus der ungesättigten Bodenzone in das Grundwasser so weit zu reduzieren, dass die Ausbreitung der Schadstofffahne im Grundwasser minimiert wird, um damit dauerhaft einen Zustand herzustellen, bei dem eine uneingeschränkte Nutzung des Grundwassers im Abstrom des Altstandortes möglich ist.

Für die Maßnahmen war dabei in Zusammenhang mit den hydrogeologischen, hydrologischen und wasserwirtschaftlichen Gegebenheiten am Standort für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe der Zielwert von 6 µg/l für das Grundwasser maßgeblich.

Der Zielwert für die Einstellung der Bodenluftabsaugung wurde für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) mit 10 mg/m³ festgelegt.

Beschreibung der Maßnahmen

Im Zeitraum von August 1999 bis März 2016 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Dekontamination der ungesättigten Bodenzone durch Bodenluftabsaugung und Reinigung der Abluft
  • Kontrolluntersuchungen (Grundwasseruntersuchungen und 24-stündige Bodenluftabsaugversuche)

Beurteilung der Sicherungsmaßnahmen und der Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen

Durch die Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone mittels Bodenluftabsaugung wurden die Verunreinigungen des Untergrundes in den Schadensbereichen „Chemikalienlager“ und „Entfettungsanlagen“ vermindert. Nach Einstellung der Bodenluftabsaugung wurden in den stationären Bodenluftmessstellen großteils wieder CKW-Konzentrationen über dem Zielwert von 10 mg/m³ gemessen. Die Ergebnisse von 24-stündigen Bodenluftabsaugversuchen zeigten jedoch eine rasche und deutliche Abnahme der CKW-Konzentrationen und bestätigten, dass nur mehr relativ geringe Restkontaminationen in der wasserungesättigten Bodenzone vorhanden sind.

Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen im Grundwasserabstrom seit September 2011 zeigen, dass nur vereinzelt deutlich erhöhte CKW-Gehalte über dem Sanierungszielwert von 6 µg/l aufgetreten sind. Insgesamt kann festgestellt werden, dass durch Versiegelung von Flächen im Zuge der Vergrößerung des Betriebsgebäudes und die durchgeführte Bodenluftabsaugung dauerhaft eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität gewährleistet ist. Die Schadstofffrachten können für den Abstrom des Betriebsgebäudes mit maximal 1,8 g/d und für den Abstrom des Chemikalienlagers mit maximal 1,1 g/d abgeschätzt werden und sind als gering zu bewerten.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch den Betrieb der Bodenluftabsauganlagen die Intensität und das Ausmaß der Verunreinigung der wasserungesättigten Bodenzone bei beiden Schadenszentren soweit vermindert wurde, dass kein erheblicher Eintrag von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen in das Grundwasser stattfindet. Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen bestätigen, dass durch die getroffenen Maßnahmen die Beschaffenheit des Grundwassers dauerhaft verbessert wurde. Die verbliebenen Restkontaminationen stellen unter Voraussetzung der aktuellen Bebauung und Oberflächenbefestigung keine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Die Altlast O 26 „Redtenbacher Präzisionsteile“ ist daher als gesichert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2016