Altlast O25: OKA-Mastlager

Das "OKA-Mastlager" befindet sich nördlich von Gmunden im Ortsteil Traunleiten. Von 1948 bis 1988 wurden im Bereich des Mastlagers Holzmasten für Leitungsträger imprägniert. Von 1948 bis 1952 wurden die Masten im Tauch-, Anstrich- und Ansprühverfahren imprägniert. Ab 1953 wurde eine mobile und ab 1958 eine stationäre Vakuum-Druckanlage eingesetzt.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Gmunden,
Ort-Gmunden,
288/1, 288/3, 288/4, 288/5, 288/6, 350/4, 674/6, .548
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Holzimprägnierwerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination,
erhebliches Risiko Grundwasser
Fläche Altlast (m²): 47.000 m²
Schadstoff(e) Metalle (Chrom, Arsen)
Anorganische Schadstoffe (Bor)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 31.03.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 09.06.1999
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.07.2018

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Als Imprägniermittel wurden gelöste metallhaltige Salze, insbesondere chrom-, bor- arsenat-, fluorid und kupferhaltige Salze verwendet. Nach der Imprägnierung wurden die Masten zur Fixierung auf unbefestigtem Gelände zwischengelagert. Den vorliegenden Betriebsaufzeichnungen entsprechend wurden etwa 1.700 t Metallsalze verbraucht und ca. 490.000 Stk. Masten imprägniert.

Das Betriebsgelände hat eine Ausdehnung von 44.000 m², davon sind rund 80% unbefestigte Lagerflächen. Für das Jahr 1970 ist ein Schadensfall im Bereich der Imprägnieranlage dokumentiert.

Der Werkstandort befindet sich auf einer Terrassenfläche nördlich des Traunsees. Der Untergrund wird im Bereich des Altstandortes durch quartäre Sedimente mit einer Mächtigkeit von 64 bis über 70 m aufgebaut. Unterhalb einer geringmächtigen Deckschicht stehen sandig-schluffige, teilweise stark steinige Kiese an. Ab ca. 25 m unter Gelände sind die quartären Sedimente teilweise konglomeriert. Unterhalb der quartären Sedimente besteht der Untergrund aus Festgestein (Flysch). Die Oberfläche des Flysches ist reliefiert und steigt nordwestlich des Altstandortes stark an.

Die quartären Sedimente bilden den Grundwasserleiter. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt rund 57 m. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters beträgt rund 2 x 10-2 bis 1 x 10-3 m/s. Der Flysch bildet den Grundwasserstauer.

Die generelle Grundwasserströmung ist nach Nordosten gerichtet. Durch den Betrieb eines Fangbrunnens (seit 1971) im Nahbereich der Imprägnieranlage weicht die lokale Grundwasserströmung am Großteil des Mastlagerareals stark von der generellen Strömungsrichtung ab.

In unmittelbarer Umgebung des Werkstandortes befindet sich der Ortsteil Traunleiten. Das lokale Grundwasservorkommen wird durch zwei Brunnen von lebensmittelerzeugenden Betrieben genutzt. Unmittelbar südöstlich des Altstandortes befindet sich der Brunnen Traunleiten. Dieser Brunnen wurde bis 1970 zur Trinkwasserversorgung von Gmunden betrieben. Im Brunnen Traunleiten werden zur Zeit Kühlwässer versickert.

Im nordöstlichen Teil des Altstandortes befindet sich ein Sportplatzgelände (Tennisplätze, Rasenplatz, Eisstockbahn). Der restliche Teil des Altstandortes wird als Lagerplatz genutzt. Eine Errichtung eines Abfallsammelzentrums ist in Teilbereichen des Lagerplatzes geplant.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Zwischen 1948 und 1988 wurden am Altstandort rund 490.000 Holzmasten für Leitungsträger mit ca. 1.700 t Metallsalzen mit verschiedenen Imprägnierverfahren imprägniert. Ein Schadensfall aus dem Jahr 1970 ist dokumentiert. Die Masten wurden nach der Imprägnierung auf unbefestigten Flächen gelagert. Die Gesamtfläche des Altstandortes beträgt ca. 4,4 ha, wobei ca. 80% der Grundfläche Mastlagerflächen darstellen.

Arsen, Bor, Fluor und Kupfer stellen den Holzschutzwirkstoff dar. Bei den Imprägniersalzen liegt das Chrom in hexavalenter Form vor. Durch eine Reaktion des hexavalenten Chroms mit der organischen Holzsubstanz findet eine Reduktion zum trivalenten Chrom statt, wodurch die übrigen Komponenten der Salze im Holz gebunden werden. Unter den in Österreich üblicherweise herrschenden Witterungsbedingungen nimmt die Fixierung der Metallsalze in imprägnierten Hölzern einige Wochen in Anspruch. Arsen und Chrom(VI) stellen aufgrund ihrer toxikologischen und auch kanzerogenen Eigenschaften besonders relevante Schadstoffe dar.

Die Tabelle 1 zeigt, daß sowohl bei den Gesamtgehalts- als auch bei den Eluatuntersuchungen beim Parameter Arsen zahlreiche Proben als belastet bzw. stark belastet einzustufen sind. Die höchsten Arsen-Konzentrationen wurden an oberflächennahen Proben (bis 1 m unter Gelände) festgestellt. Stark belastete Proben waren aber auch in Entnahmetiefen bis 5 m festzustellen. Die maximal festgestellten Arsenbelastungen von 1.678 mg/kg TM bzw. 1,52 mg/l im Eluat stellen eine mehr als 15-fache Überschreitung der jeweiligen Maßnahmenschwellenwerte dar. Massive Belastungen des Bodens durch Arsen liegen vor allem im NW-Teil des Altstandortes vor. Die arsenkontaminierte Fläche beträgt mehr als 2 ha.

Parameter Tiefe (m) G.g.b. G.b. G.st.b. E.g.b. E.b. E.st.b.
  0-1       5 3 2
Chrom(VI) 1-3       7 0 0
  3-5       8 1 0
  0-1 34 10 0 10 0 0
Chrom(ges.) 1-3 34 1 0 7 0 0
  3-5 33 0 0 9 0 0
  0-1 14 8 22 4 0 7
Arsen 1-3 25 4 6 3 1 2
  3-5 30 1 2 8 0 1
  0-1 - - - 9 1 -
Bor 1-3 - - - 7 0 -
  3-5 - - - 9 0 -
  0-1 34 10 0 3 6 1
Fluor 1-3 33 2 0 3 4 0
  3-5 33 0 0 7 2 0
  0-1 43 1 0 10 0 0
Kupfer 1-3 35 0 0 7 0 0
  3-5 33 0 0 9 0 0

 

G.g.b.    Gesamtgehalt gering bzw. nicht belastet (< Prüfwert)                                             E.g.b. Eluat gering bzw. nicht belastet (< Prüfwert)

G.b.       Gesamtgehalt belastet (Prüfwert bis Maßnahmenschwellenwert)                           E.b. Eluat belastet (Prüfwert bis Maßnahmenschwellenwert)

G.st.b.   Gesamtgehalt stark belastet (> Maßnahmenschwellenwert)                                    E.st.b. Eluat stark belastet (> Maßnahmenschwellenwert)

Tabelle : Anzahl von Überschreitungen von Orientierungswerten von Proben (Entnahmetiefe bis 5 m unter Gelände) der Untersuchungen 1996 bis 1998

 

Bei den im Jahr 1993 durchgeführten Eluatuntersuchungen auf Chrom (VI) von Proben aus Schürfen im Bereich der Lagerflächen konnten an 6 Schurfstellen Chrom(VI)-Gehalte über 50 µg/l nachgewiesen werden. Der Maßnahmenschwellenwert für Chrom (VI) im Eluat beträgt 30 µg/l. Der Vergleich der Analysenwerte mit dem Maßnahmenschwellenwert zeigt, daß insgesamt 8 Proben als stark belastet einzustufen sind. Bei einem Schurf unmittelbar südöstlich des Flugdaches konnten bis in 2,5 m Tiefe Chrom(VI)-Gehalte über dem Maßnahmenschwellenwert nachgewiesen werden. Insgesamt sind 10 Eluatproben beim Parameter Chrom(VI) als stark belastet einzustufen.

Die Tabelle 1 zeigt außerdem, daß zahlreiche Proben im Original bei den Parametern Chrom (gesamt) und Fluor belastet sind. Belastete Proben sind bis in 3 m Tiefe festzustellen. Bei den Eluatproben sind beim Parametern Chrom(gesamt) keine Belastungen und beim Parameter Fluor belastete Proben bis 5 m Tiefe festzustellen.

Zusammenfassend zeigen die Gesamtgehalts- und Eluatuntersuchungen der Jahre 1993 bis 1998, daß im Bereich des Mastlagers abgesehen von einem Schadensfall im Jahr 1970 auch im Bereich der Lagerflächen metallhaltige Imprägniermittel in den Untergrund gelangt sind. Die Eluatanalyse einer Probe aus ca. 30 m Tiefe (17 µg/l Chrom(VI), 1 mg/l Bor, 0,5 mg/l Fluor) belegen, daß Schadstoffe auch im Bereich der Mastlagerflächen in tiefere Bereiche der wasserungesättigten Bodenzone vorgedrungen sind.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung bis 1970 zeigen, daß bereits vor dem Schadensfall im Jahr 1970 eine massive Belastung des Grundwassers durch Chrom vorlag (730 µg/l im Brunnen eines grundwasserstromseitlich gelegenen Brunnens). Im März 1970 kam es im Zuge eines Gebrechens an der Imprägnieranlage zu einer weiteren Verunreinigung des Untergrundes durch Chrom(VI)-hältige Imprägniersalze. Der Brunnen Traunleiten konnte nicht mehr zur Wasserversorgung genutzt werden, da in diesem Brunnen Chrom(VI)Konzentrationen über 1 mg/l festgestellt wurden.

Die vorliegenden Grundwasseranalysenergebnisse von 1996 bis 1998 zeigen, daß bei den Meßstellen S1/98, S2/98 und Ma2/93 sowie beim Fangbrunnen die Maßnahmenschwellenwerte bei den Parametern Chrom(VI) und Chrom (gesamt) überschritten werden. Bei den Meßstellen S1/98, S2/98 und Ma2/93 ist zusätzlich eine Überschreitung des Maßnahmenschwellenwertes beim Parameter Bor festzustellen. Außerdem wurde an der Meßstelle Ma1/93 und an einem Termin bei der Meßstelle BI der Prüfwert für Chrom(VI) überschritten.

Die Analysenergebnisse  zeigen, daß die Chrombelastung fast ausschließlich auf hexavalentes Chrom zurückzuführen ist.  Die höchsten Belastungen des Grundwassers durch sechswertiges Chrom bestehen im Nordostteil des Mastlagers. Obwohl mit hydraulischen Maßnahmen bereits mehr als 2 t Chrom aus dem Grundwasser gefördert wurden, ist im NE-Teil des Altstandortes eine Chrom(VI)-Belastung des Grundwassers über 1 mg/l feststellbar.

Da durchgeführte Messungen der Grundwasserspiegellagen am Altstandort und dessen Umgebung Hinweise geben, daß der nordöstliche Teil des Mastlagers nicht vollständig im Entnahmebereich des Fangbrunnens liegt, ist davon auszugehen, daß kontaminiertes Grundwasser aus diesem Bereich abströmt.

Das abgepumpte Wasser des Fangbrunnens wird größtenteils in die Traun eingeleitet bzw. wird ein Teil des Wassers in einem Zementwerk zur direkten Rauchgaskühlung genutzt. Bei einer jährlich in die Traun eingeleiteten Wassermenge von rund 350.000 m³ und einer aktuellen Schadstoffbelastung von rund 90 µg/l Chrom(VI) werden mehr als 30 kg Chrom(VI)/Jahr in die Traun eingebracht.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Untersuchungen folgendes:

  • Im Bereich des Altstandortes gelangten metallhaltige Imprägnierlösungen im Bereich der Imprägnieranlage und den Mastlagerflächen in den Untergrund.
  • Der oberflächennahe Untergrund ist auf einer Fläche von mehr als 2 ha massiv durch Arsen kontaminiert. Lokal sind auch starke Belastungen durch Chrom(VI) festzustellen.
  • Das Grundwasser im Bereich des Altstandortes ist massiv durch Chrom(VI) und teilweise auch durch Bor verunreinigt.
  • Ein Abströmen von kontaminiertem Grundwasser im NE-Teil des Altstandortes ist anzunehmen.
  • Das Grundwasser im Umfeld des Altstandortes wird durch lebensmittelerzeugende Betriebe genutzt. Seit dem Jahr 1970 kann eine Trinkwasserversorgungsanlage (Brunnen Traunleiten) der Stadtgemeinde Gmunden nicht mehr genutzt werden.

 

Datum der Texterstellung:     Februar 1999