Altlast O21: Wozabal Textilservice

Der Standort des Betriebes befindet sich in Linz-Urfahr im Stadtteil Steg. Ab dem Jahr 1927 wurde eine Färberei bzw. in weiterer Folge eine Wäscherei und chemische Reinigung für Großkunden aus dem Gesundheitswesen, Industrie und Gewerbe sowie für Privatkunden betrieben.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz (Stadt),
Linz,
Katzbach,
313/2, .33/1, .33/6, .33/7
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: chemische Reinigung
Fläche Altlast (m²): 3.800 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 22.11.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 04.05.2001
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen,
Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.06.2001

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Der Stand der Beschäftigten wurde im Jahre 1994 mit 220 Personen angegeben. Die Betriebsfläche ist rund 5.000 m² groß. Im Jahr 1985 wurden 3 Reinigungsmaschinen, seit dem Jahr 1994 wird die Anlage mit einer Reinigungsmaschine betrieben. Als Reinigungsmittel wird Tetrachlorethen eingesetzt.

Der Altstandort befindet sich im Urfahrer Becken. Im Bereich des Urfahrer Beckens wird das kristalline Grundgebirge des Mühlviertels von tertiären und quartären Sedimenten überlagert. Die Geländeoberfläche unmittelbar am Standort ist eben und befindet sich auf etwa 259 m ü.A. Unterhalb einer bis zu 2 m mächtigen lehmig-sandigen Deckschicht befinden sich sandig-kiesige Sedimente. Der wasserstauende Schlier befindet sich etwa 22 m unter Gelände (ca. 237 m ü.A.). Der Flurabstand des Grundwasserspiegels beträgt ca. 10 m (ca. 249,5 m ü.A.). Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt etwa 1‰.

Grundsätzlich wird das Grundwasservorkommen durch Uferfiltrat der Donau, die Versickerung von Wasser der Mühlviertler Bäche und die autochthone Grundwasserneubildung gespeist. Die Einspeisung von Donauwasser erfolgt unmittelbar im Bereich von Urfahr. Stromab von Urfahr ist die Kommunikation der Donau mit dem Grundwasservorkommen durch Untergrunddichtungen entlang der Donau unterbrochen. Die natürliche Grundwasserströmungsrichtung in Urfahr ist bei einem Gefälle von ca. 1 ‰ gegen Nordost gerichtet und verschwenkt in weiterer Folge in Steg, parallel zum Linzer Donaubogen, gegen Südosten. Aufgrund intensiver Grundwassernutzungen sowie sonstiger anthropogener Einflüsse wie Wasserentnahmen, Untergrunddichtungen, Drainagen etc. wird jedoch der Grundwasserhaushalt und somit die Grundwasserströmungsverhältnisse im gesamten Bereich des Urfahrer Beckens, so auch im Bereich des Altstandortes, lokal stark verändert.

Etwa 2 km südsüdöstlich des Altstandortes, im großräumigen Grundwasserabstrom, befindet sich das Wasserwerk Plesching. Für die Trinkwasserversorgungsanlage besteht ein wasserrechtlicher Konsens zur Entnahme von 300 l/s. Rund 800 m westnordwestlich des Standortes befindet sich die Brunnenreihe des Wasserwerkes Heilham der Stadtbetriebe Linz. Für die 6 Brunnen der Trinkwasserversorgungsanlage besteht ein wasserrechtlicher Konsens zur Entnahme von 120 l/s. Da bei Betrieb des Wasserwerkes verunreinigtes Grundwasser aus dem Bereich mehrerer Altstandorte eingezogen worden war, wurde das Wasserwerk im Jahr 1983 stillgelegt bzw. wurde in Folge nur noch zur Abdeckung des Spitzenbedarfes Wasser in das Leitungsnetz von Linz zugespeist. Im November 1997 wurden zur Sanierung des Grundwassers im Bereich des nördlichen Linzer Feldes zwei Brunnen mit einer Förderleistung von 50 l/s wieder in Betrieb genommen.

Am Altstandort wird seit 1968 ein Nutzwasserbrunnen betrieben. Seit der Feststellung einer massiven Grundwasserverunreinigung am Standort im Frühjahr 1992 wird die bewilligte Entnahmemenge von 11 l/s kontinuierlich entnommen. Während der Betriebszeiten der Wäscherei wird das entnommene Wasser als Nutzwasser eingesetzt bzw. außerhalb der Betriebszeiten in die Kanalisation eingeleitet. Durch die permanente Grundwasserentnahme des Betriebsbrunnens wird eine Ausbreitung von Verunreinigungen des Grundwassers hintangehalten und eine Beeinträchtigung der Wasserwerke verhindert.

Im Umfeld des Altstandortes befinden sich ein Siedlungsgebiet bzw. landwirtschaftlich genutzte Flächen. Etwa 700 bzw. 500 m nordwestlich sind die Altlasten "Putzerei Gassl" und "Spenglerei Aumayr" situiert. Nachdem im Bereich des Wasserwerkes Heilham im Jahr 1983 die Grundwasserkontamination festgestellt wurde, war ein Sperrbrunnen errichtet worden, der eine weitere Ausbreitung der Schadstoffe in Richtung des Wasserwerkes Plesching unterbinden sollte. Von 1990 bis Herbst 1994 wurde dieser Brunnen mit Entnahmemengen von ca. 3 bis 7 l/s betrieben. Im Herbst 1994 wurde die Entnahme auf rund 22 l/s gesteigert. Ab diesem Zeitpunkt war eine vollständige Sperrwirkung gegeben. Im November 1997 wurde für die Altlasten "Putzerei Gassl" und "Spenglerei Aumayr" eine neu errichtete Sanierungsanlage (Bodenluftabsaugung und Grundwassersanierung) in Betrieb genommen. Der ehemalige Sperrbrunnen wurde in die Sanierungsanlage integriert.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Im Bereich einer seit 1927 bestehenden Großwäscherei wurde bei der chemischen Reinigung Tetrachlorethen als Reinigungsmittel eingesetzt. Aufgrund unzureichender Schutzvorkehrungen beim Betrieb von Reinigungsmaschinen und durch Manipulationsverluste konnte Tetrachlorethen (PCE) in den Untergrund gelangen.

Seit 1991 wird zur Sanierung der wasserungesättigten Bodenzone eine Bodenluftabsauganlage eingesetzt. Nach damaligen Kenntnisstand war die wasserungesättigte Bodenzone auf einer Fläche von etwa 2.500 m² verunreinigt. Die Absauganlage wurde von 1991 bis 1994 zunächst mit 4 und ab 1994 mit 10 Pegeln betrieben. Zu Beginn der Sanierungstätigkeit wurde an 3 Pegeln Spitzenwerte bis über 4.500 mg/m³ Tetrachlorethen festgestellt. Im Zuge von Umbauarbeiten im Jahr 1994 wurden im zentralen Betriebsbereich sowie im südwestlichen Teil der Anlage kontaminierte Bodenschichten angetroffen und soweit für die Umbauarbeiten notwendig entsorgt.

Im Jahre 1995 wurde die Bodenluftabsauganlage auf 15 Absaugpegel erweitert. Der Einflußbereich der 9 am stärksten belasteten Bodenluftpegel umfaßt eine Fläche von ca. 300 m² und befindet sich im Zentrum des Altstandortes ca. 30 m nordwestlich des Betriebsbrunnens. Im Laufe der ersten 1½ Betriebsjahre konnte eine weitere Reduktion der flüchtigen Schadstoffe, insbesonders der Spitztenbelastungen verzeichnet werden. Seitdem zeigt die Konzentrationskurve eine deutliche Verflachung, sodass im letzten Halbjahr des Beobachtungszeitraumes (Jänner bis Juni 2000) die Werte der gemessenen PCE Konzentrationen um ein Mittel von ca. 20 mg/m³ schwanken, wobei Höchstwerte bis zu 134 mg/m³ gemessen wurden. Eine Bilanzierung der durch Bodenluftabsaugung zurückgewonnenen Masse an Tetrachlorethen über den Zeitraum der Sanierungsmaßnahmen ist auf Grund fehlender Angaben zum Betrieb der Anlage nicht möglich.

Seit der Feststellung der Verunreinigung wird der Betriebsbrunnen durch die kontinuierliche Entnahme der wasserrechtlich bewilligten Entnahmemenge als Sperrbrunnen zur Grundwassersicherung betrieben. Die seither durchgeführten Grundwasseruntersuchungen ergaben ebenfalls sehr stark erhöhte Konzentrationen (max. 766 µg/l) an leichtflüchtigen halogenierte Kohlenwasserstoffen (LHKW), wobei neben Tetrachlorethen auch Trichlorethen festgestellt wurde. Die Analysenergebnisse zeigen zwar in den ersten Betriebsjahren eine deutliche Reduktion der Schadstoffkonzentrationen, seit 1998 ist jedoch keine weitere Abnahme feststellbar. Im Mittel schwanken die Gehalte für Tetrachlorethen seither um ca. 100 µg/l. Verglichen mit den Orientierungswerten der ÖNORM 2088-1 bedeutet dies weiterhin eine deutliche Überschreitung des Grundwasserschwellenwertes von 6 µg/l. Anhand der vorliegenden Daten kann abgeschätzt werden, dass im Jahr 1999 täglich rund 100 g Tetrachlorethen aus dem Grundwasser entfernt wurden bzw. insgesamt rund 35 kg.

Wasserproben aus den vier nordöstlich des Betriebsbrunnens gelegenen Grundwassersonden, insbesondere der Sonden I und II, zeigten zwischen November 1994 und Jänner 1995 ebenfalls hohe Konzentrationen an Tetrachlorethen mit Höchstwerten bis zu 300 µg/l. Danach nahmen die Konzentrationen stark ab. Seit Mai 1996 liegt die Schadstoffbelastung zwischen 6 und 17 µg/l. Diese Ergebnisse entsprechen in der Größenordnung der Hintergrundbelastung des Grundwassers in weiten Bereichen des Urfahrer Beckens. Die im Zeitraum vor 1996 beobachten stark erhöhten Messwerte an Tetrachlorethen wurden vermutlich durch die Altlasten O11"Putzerei Gassl" und O19 "Spenglerei Aumayr" verursacht.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Untersuchungen, dass im Bereich des Altstandortes "Wozabal Textilservice" eine Kontamination des Untergrundes mit LHKW bzw. Tetrachlorethen vorhanden ist, die eine massive Verunreinigung des Grundwassers verursacht. Trotz der bereits langjährig in Betrieb befindlichen Maßnahmen zur Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone und des Grundwassers ist noch ein erhebliches Schadstoffpotenzial im Untergrund vorhanden. Das Grundwasser östlich des Altstandortes wird durch die Wasserwerk Plesching genutzt. Das Grundwasser nordwestlich des Altstandortes wurde bis 1983 durch das Wasserwerk Heilham genutzt, das wieder in Betrieb genommen werden soll. Die Altlast stellt damit ein unmittelbares Gefahrenpotenzial für zwei kommunale Wasserversorgungsanlagen der Stadt Linz dar.

 

Datum der letzten Textüberarbeitung: Juni 2001