Sanierte Altlast O18: Jarosik

Die Werkstätte "Jarosik" wurde südlich des Ortszentrums von Vorchdorf betrieben. Die Reparaturwerkstätte für Kraftfahrzeuge und landwirtschaftliche Maschinen bestand etwa von 1953 bis 1982. Im Bereich der Autowäsche wurden CKW-hältige Kaltreiniger verwendet.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Vorchdorf,
Vorchdorf,
170/9
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: KFZ-Werkstatt
Fläche Altlast (m²): 1.900 m²
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 22.03.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 24.01.1995
Priorität: 2
Datum Ausweisung dekontaminiert: 23.03.1999
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Pneumatische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 09.07.1999

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Der Altstandort befindet sich im flach nach Norden geneigten Talboden der Dürren Laudach am südlichen Rand der oberösterreichischen Molassezone. Der Untergrundaufbau wird durch quartäre Sedimente geprägt, die von tertiären Schichten (Schlier) unterlagert werden.

Der ehemalige Standort des Werkstättenbetriebes liegt im Übergangsbereich der Austufe der Dürren Laudach zur östlich anschließenden Niederterrasse zwischen den Flüssen Laudach und Alm. Unterhalb einer Deckschicht mit erhöhtem Feinkornanteil stehen Schotter (kiesige Sande bis sandige Kiese) an. Der tertiäre Schlier befindet sich etwa in 23 m Tiefe und zeigt ein von Westen nach Osten gerichtetes Gefälle.

Der erste Grundwasserhorizont befindet sich im Bereich der quartären Sedimente. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt ca. 11 bis 12 m, die Grundwassermächtigkeit ca. 12 m. Sowohl die großräumige als auch die lokale Fließrichtung ist gegen Norden gerichtet.

Der Altstandort liegt in einem aufgelockerten Siedlungsgebiet. Etwa 800 m südlich, im Grundwasseranstrom des Altstandortes, befindet sich die Altlast "Acamp", in deren Bereich eine Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) besteht.

Im Abstrom des Standortes, im Gemeindegebiet von Vorchdorf, wird das Grundwasser durch Hausbrunnen zur Trinkwasserversorgung genutzt. Das Gemeindegebiet von Vorchdorf befindet sich außerdem innerhalb des Widmungsgebietes der wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung zum Schutz des regionalen Grundwasservorkommens im Almtal. In einer Entfernung von etwa 3 km vom ehemaligen Standort der Reparaturwerkstätte, ist die Errichtung eines Brunnens durch das Oberösterreichische Landeswasserversorgungsunternehmen geplant. Dieser Brunnen soll ca. 100.000 Einwohner im Raum Wels mit Trinkwasser versorgen. Im weiteren Abstrom wird außerdem seit einigen Jahren das Wasserwerk Bad Wimsbach-Au betrieben.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Am Standort der ehemaligen Reparaturwerkstätte Jarosik wurden bei der Autowäsche CKW-hältige Kaltreiniger eingesetzt und auch mit Mineralölen umgegangen. Aufgrund der Anwendung von Kaltreinigern gelangten leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in den Untergrund. Außerdem war im Bereich des Altöltanks eine lokale Verunreinigung durch Mineralöl feststellbar.

Zur Untersuchung der Untergrundverunreinigung waren an 20 Probenahmepunkten Bodenluftproben aus unterschiedlichen Tiefen entnommen worden. Die Maßnahmenschwellenwert a der ÖNORM S 2088-1 für CKW (10 mg/m³) wurde an 8 Meßpunkten. Im Bereich eines Altöltankes der ehemaligen Reparaturwerkstätte konnten die höchsten CKW-Konzentrationen in der Bodenluft (max. 590 mg/m³) in etwa 4 m Tiefe beobachtet werden. Die Hauptkomponente der Verunreinigung war 1,1,1-Trichlorethan. Es war eine Fläche von rund 150 m² von der Untergrundverunreinigung betroffen.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigten, daß durch die Kontaminationen der wasserungesättigten Bodenzone keine meßbare Belastung des Grundwassers verursacht wurde. Die CKW-Kontamination stellte jedoch ein Gefahrenpotential für ein intensiv genutztes Grundwasservorkommen dar.

 

BESCHREIBUNG DER SANIERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Erhaltung eines Zustandes, durch den eine multifunktionale Nutzung des Grundwassers dauerhaft sichergestellt ist. Um eine mögliche zukünftige Beeinflussung der Grundwasserqualität durch Ausbreitung von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen im Untergrund hintanzuhalten, wurde eine Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone durch Betrieb einer Bodenluftabsauganlage durchgeführt. Die abgesaugte Bodenluft wurde gereinigt.

Im Jahr 1995 und im April 1997 wurden in Bereich des Kontaminationszentrums insgesamt vier Bodenluftabsaugsonden errichtet. An allen vier Bodenluftabsaugsonden wurden tiefengestaffelt bis in den Grundwasserschwankungsbereich (etwa 11 m Tiefe) mehrere Filterstrecken ausgebaut. Zusätzlich wurden sieben Unterdruckmeßstellen errichtet. Die Bodenluftabsauganlage wurde im Oktober 1997 in Betrieb genommen. Auf Grund des relativ hohen Feinkornanteiles der anstehenden Kiese konnten nur relativ geringe Förderraten (< 80 m³/h) erzielt werden. Nach einer Betriebsunterbrechung von Dezember 1997 bis März 1998 wurde die Anlage zuerst kontinuierlich und ab Ende Juli 1997 mit Halbtages-Intervallen betrieben. Die Reinigung der abgesaugten Bodenluft erfolgte durch Adsorption an Aktivkohle. In Hinblick auf die Beweissicherung des Fortschrittes der Maßnahmen wurde die abgesaugte Bodenluft einmal pro Monat beprobt. An den Bodenluftproben wurden neben den CKW-Gehalten auch die Gehalte an leichtflüchtigen aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen gaschromatographisch bestimmt.

Als Sanierungszielwert für die wasserungesättigte Bodenzone wurde ein CKW-Gehalt von 10 mg/m³ Bodenluft angesehen. Am Anfang des Betriebes der Bodenluftabsaugung wurden maximale CKW-Gehalte (hauptsächlich 1,1,1-Trichlorethan) bis 23 mg/m³ beobachtet. Leichtflüchtige aliphatische bzw. aromatische Kohlenwasserstoffe konnten an keine der analysierten Proben nachgewiesen werden. Bei allen Kontrollbeprobungen ab März 1998 lagen die CKW-Gehalte der abgesaugten Bodenluft deutlich unter 10 mg/m³. Die Bodenluftabsaugung wurde Mitte November 1998 eingestellt. Auf Grund der vorhandenen Meßdaten kann für den Zeitraum des Betriebes der Bodenluftabsauganlage ein Schadstoffaustrag von insgesamt ca. 1 kg CKW abgeschätzt werden.

Zur Kontrolle des Sanierungserfolges wurde im Dezember 1998, ein halbes Jahr nach Einstellung der Bodenluftabsaugung, an den vier Absaugpegeln eine Bodenluftprobenahme durchgeführt. Es erfolgte eine Parallelprobenahme bei der die CKW-Gehalte der Bodenluftproben von zwei Labors bestimmt wurden. Die Analysenergebnisse der Parallelproben zeigten übereinstimmend, daß die CKW-Konzentrationen der Bodenluft (max. 7,4 mg/m³) unter dem Sanierungszielwert von 10 mg/m³ lagen.

Auf Grund der vorhandenen Untersuchungsergebnisse und Unterlagen ergibt sich nachvollziehbar, daß der mobilisierbare Anteil der CKW-Kontaminationen der wasserungesättigten Bodenzone sowie punktueller Mineralölkontaminationen weitgehend beseitigt wurden, so daß unter den derzeitigen Bedingungen am Standort keine Gefährdung des Grundwassers gegeben ist.

 

Datum der Texterstellung:     Februar 1999

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