Gesicherte Altlast O15: ACAMP

Im Bereich der Altlast "Acamp" wurden im Jahr 1993 Verunreinigungen des Untergrundes durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) und in untergeordnetem Umfang durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) beobachtet. Die CKW-Kontamination ist vor allem auf 1,1,1-Trichlorethan, das von 1972 bis 1983 als Lösungsmittel zur Entfettung von metallischen Werkstücken eingesetzt worden war, zurückzuführen.

Weitere Untersuchungen bis ins Jahr 1995 zeigten, dass massive Verunreinigungen gegeben waren und durch den Schadensfall eine fast 4 km lange Schadstofffahne im Grundwasser verursacht wurde. In der Gemeinde Vorchdorf mussten daraufhin eine größere Anzahl von Hausbrunnen, die zur Trinkwassergewinnung dienten, stillgelegt werden. Im Zeitraum von Frühjahr 1995 bis Frühjahr 1996 wurden Anlagen zur Dekontamination der Altlast in Betrieb genommen. In den Schadenszentren wurden sieben Bodenluftabsauganlagen sowie eine Grundwassersanierungsanlage betrieben. Da sich im Sanierungsbetrieb nach relativ kurzer Zeit stark rückläufige Schadstoffaustragsraten und damit nur ein relativ geringer Fortschritt der Sanierung zeigten, wurden wiederholt Untersuchungen und Versuche zur Optimierung der Sanierung durchgeführt. Die Optimierungsversuche ergaben jedoch auf Grund der schwierigen Untergrundverhältnisse am unmittelbaren Standort der Altlast auch keine wesentliche Verbesserung des Sanierungsfortschrittes. Da kein wirksamer und effizienter Betrieb von Maßnahmen zur Dekontamination der Schadenszentren in-situ möglich war, wurden im Herbst 2000 die Grundwassersanierungsanlage und im Sommer 2001, die Bodenluftabsauganlagen stillgelegt. Die Sicherung der Altlast wird seit Mai 1996 über den Betrieb eines Sperrbrunnens im Grundwasserabstrom gewährleistet.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gmunden,
Vorchdorf,
Eggenberg,
418/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Metallwarenerzeugung
Fläche Altlast (m²): 14.000 m²
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 21.02.1994
Datum der Prioritätenfestlegung: 10.05.1994
Priorität: 1
Datum Ausweisung gesichert: 01.07.2002
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.07.2002

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Der Altstandort befindet sich in der Ortschaft Eggenberg in Vorchdorf. Seit 1972 werden am Betriebstandort Gartenmöbel und Campingartikel hergestellt. Im Bereich der Betriebshalle II, die sich unmittelbar östlich der Dürren Laudach befindet, wurde im Zeitraum von 1972 bis 1983 als Vorbehandlung zu einer Pulverbeschichtung eine Dampfentfettungsanlage betrieben.

Die Oberflächenbehandlung von Halbfabrikaten aus Metall wurde mit verschiedenen Lösungsmitteln durchgeführt. Neben der Verwendung von 1,1,1-Tri-chlorethan kann auch die Anwendung von Tetrachlorethen und aromatischen Kohlenwasserstoffen (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole - BTEX) nicht ausgeschlossen werden. Die Entfettungsanlage war ab 1972 am südöstlichen Eck der Betriebshalle II (Entfettung A) aufgestellt und wurde 1978 nach Norden in den mittleren Hallenbereich (Entfettung B) verlegt. Die Verwendung von chlorierten Kohlenwasserstoffen wurde Ende 1983 eingestellt.

Der Betriebsstandort befindet sich im flach nach Norden geneigten Talboden der Dürren Laudach am südlichen Rand der oberösterreichischen Molassezone im Übergangsbereich zur Flyschzone. Der lokale Untergrundaufbau wird durch quartäre Sedimente (Schluffe bis Kiese) der Austufe der Dürren Laudach geprägt, die von tertiären Schichten (Schlier) unterlagert werden.

Die Betriebshalle II befindet sich unmittelbar östlich der Dürren Laudach. Unterhalb einer bis zu 3 m mächtigen lehmig-schluffigen Verwitterungsschicht befinden sich inhomogen gelagerte Sedimentschichten mit stark wechselnder Zusammensetzung der Korngrößen (sandige Schluffe bis schluffige Kiese). In 12 m Tiefe steht umgelagerter Schlier (sandige Schluffe) an. Nordwestlich der Betriebshalle II bzw. westlich der Dürren Laudach geht der umgelagerte Schlier in sandige Kiese über. Diese stehen unterhalb der oberflächlichen Verwitterungsschicht in Mächtigkeiten von 15 bis 20 m an.

Unterhalb des umgelagerten Schliers bzw. der quartären Kiese befindet sich in rund 20 bis 25 m unter Gelände der tertiäre Schlier. Das Oberflächenrelief des Schliers wird durch zwei nach Norden gerichtete Rinnen geprägt.

Am Standort der Betriebshalle II befindet sich der erste Grundwasserhorizont im Bereich inhomogener; sandig-schluffiger Sedimentschichten (Hanggrundwasserleiter). Der Flurabstand des Grundwassers beträgt ca. 6 m, die Mächtigkeit ca. 2 bis 3 m. Die lokale Fließrichtung ist gegen Nordwesten gerichtet. Die Durchlässigkeit der grundwasserführenden Sedimente (Durchlässigkeitsbeiwert kf < 10-6 m/s) und die Ergiebigkeit des ersten Grundwasserhorizontes sind gering.

Nordwestlich der Betriebshalle II bzw. westlich der Dürren Laudach speist das Grundwasser in einen ergiebigen, etwa 12 m mächtigen Grundwasserhorizont im Bereich quartärer sandiger Kiese (Talgrundwasserleiter) ein. Der Flurabstand beträgt ca. 8 bis 10 m. Die generelle Fließrichtung ist gegen Norden gerichtet. Die anstehenden sandigen Kiese sind gut durchlässig (Durchlässigkeitsbeiwert kf ca. 1,4*10-3 m/s). Die Abstandsgeschwindigkeit des Grundwassers kann bis zu 10 m/d betragen.

Im Bereich der Betriebshalle II der Firma Acamp besteht ein bis in etwa 13 m Tiefe ausgebauter Schachtbrunnen. Innerhalb des Schachtbrunnens wurde ein Bohrbrunnen bis in eine Tiefe von etwa 60 m ausgebaut. Der Wasserspiegel des Bohrbrunnens befindet sich durchschnittlich um 20 cm höher als der Wasserspiegel des Schachtbrunnens. Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes ist davon auszugehen, dass durch den Bohrbrunnen ein tiefergelegener Grundwasserhorizont innerhalb des tertiären Schliers erschlossen wird. Die Lage, Ausdehnung und Beschaffenheit tiefergelegener Grundwasserhorizonte sowie allfällige Verbindungen zwischen dem oberflächennahen ersten Grundwasserhorizont und tiefergelegenen Grundwasserhorizonten ist derzeit nicht bekannt.

Der Betriebsstandort liegt in einem aufgelockerten Siedlungsgebiet rund 1.200 m südlich des Ortszentrums von Vorchdorf. Nahe des Ortszentrums von Vorchdorf befinden sich die Altlasten O16 "Putzerei Wasserbauer", O17 "Putzerei Kirchmair" und O18 "Jarosik". Unmittelbar an den Standort angrenzend befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Im Abstrom des Standortes, im Gemeindegebiet von Vorchdorf, wurde das Grundwasser bis Ende der 90er Jahre durch Hausbrunnen zur Trinkwasserversorgung genutzt. Das Gemeindegebiet von Vorchdorf befindet sich außerdem innerhalb des Widmungsgebietes der wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung zum Schutz des regionalen Grundwasservorkommens im Almtal.

In einer Entfernung von etwas mehr als 7 km nördlich der Fa. Acamp wird durch das Oberösterreichische Landeswasserversorgungsunternehmen (LWU) das Wasserwerk Au betrieben. Darüber hinaus war Mitte der 90er Jahre im näheren Abstrom des Altstandortes, in ca. 4 km Entfernung, auch noch die Errichtung einer weiteren Brunnenanlage, des Brunnens Haresau, geplant.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Bei der Produktion von Gartenmöbeln und Campingartikeln wurden im Zeitraum von 1972 bis 1983 Lösungsmittel zur Oberflächenbehandlung von Halbfabrikaten aus Metall eingesetzt. Im Bereich des Altstandortes hat es zwei Standorte von Entfettungsanlagen (Standorte A und B) gegeben.

Im Bereich des ersten Standortes der Entfettungsanlage (Standort A) ergaben die Bodenluftuntersuchungen den Nachweis für Belastungen des Untergrundes bzw. der wasserungesättigten Bodenzone durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW > 10 mg/m³) und auf einer kleineren Fläche auch durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX > 50 mg/m³). Im Bereich des zweiten Standortes der Entfettungsanlage (Standort B) ergaben die Bodenluftuntersuchungen den Nachweis für massive Belastungen des Untergrundes bzw. der wasserungesättigten Bodenzone durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW > 100 mg/m³). Darüber hinaus ergab sich der Nachweis von Kontamination fast für den gesamten Bereich der Betriebshalle II des Werksstandortes und zum Teil auch für umgebende Flächen. Die gesamte Fläche auf der Belastungen der wasserungesättigten Bodenzone nachgewiesen werden konnten, beträgt rund 7.000 m².

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen im Zeitraum von November 1993 bis Juni 1995 zeigten für das Grundwasser in den Kontaminationszentren massivste CKW-Belastungen, die zum Teil mehr als 100.000 µg/l (Maßnahmenschwellenwert 30 µg/l) betragen. In untergeordnetem Umfang konnten auch BTEX-Belastungen beobachtet werden. Als Hauptkomponente der CKW-Verunreinigungen steht 1,1,1-Trichlorethan im Vordergrund, bzw. die Abbauprodukte 1,1-Dichlorethen und 1,1-Dichlorethan. Nördlich der Kontaminationszentren bzw. der Betriebshalle II konnte auch eine Belastung des Grundwassers durch Tetrachlorethen nachgewiesen werden, deren Ursache nicht bekannt ist. Insgesamt ergibt sich, dass unmittelbar am Werksstandort eine massive Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers durch CKW gegeben ist. In Zusammenschau der Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen und der Grundwasseruntersuchungen muss davon ausgegangen werden, dass insbesondere im Bereich des zweiten Aufstellungsortes der früheren Entfettungsanlage CKW als flüssige Phase oder in residualer Sättigung bis in die wassergesättigte Bodenzone gelangt sind.

Beim Übertritt des kontaminierten Grundwassers aus dem gering ergiebigen Hanggrundwasserleiter am Altstandort in den ergiebigen Talgrundwasserkörper war eine deutliche Verdünnung gegeben. Im Bereich des Talgrundwasserkörpers war in weiterer Folge eine rund 4 km lange Schadstofffahne ausgebildet. Die maßgeblichen Belastungen des Grundwassers resultierten aus 1,1,1-Trichlorethan sowie 1,1-Dichlorethen. Im Ortszentrum von Vorchdorf im Abstrom der Altlasten "Putzerei Wasserbauer" und "Putzerei Kirchmair" war ein zusätzlicher CKW-Eintrag ins Grundwasser gegeben. Die Hauptkomponente dieser Kontamination war Tetrachlorethen.

Im Ortsbereich von Vorchdorf war eine größere Zahl von zur Trinkwassergewinnung genutzten Hausbrunnen beeinträchtigt. Überschreitungen von Trinkwassergrenzwerten waren insbesondere bei der Summe leichtflüchtiger chlorierter Kohlenwasserstoff (CKW 30 µg/l) und 1,1-Dichlorethen (0,3 µg/l) aber vereinzelt auch bei Tetrachlorethen (10 µg/l) zu beobachten. Insgesamt war es aber vor allem die von der Altlast "Acamp" ausgehende Schadstofffahne mit den Hauptkomponenten 1,1,1-Trichlorethan und 1,1-Dichloretehen, die zur Schließung von Hausbrunnen führte. Über die unmittelbare Beeinträchtigung von Einzelwasserversorgungsanlagen hinaus war durch die Grundwasserverunreinigung gleichzeitig auch ein Grundwasservorkommen von hoher regionaler Bedeutung gefährdet, das durch eine wasserwirtschaftliche Rahmenverfügung geschützt ist und zur Trinkwassergewinnung vorgesehen ist.

 

BESCHREIBUNG DER SICHERUNGSMAßNAHMEN

Beschreibung der Dekontaminationsmaßnahmen in den Schadenszentren

Ziel der Maßnahmen zur Dekontamination war ursprünglich die Wiederherstellung eines Zustandes, der eine dauernde uneingeschränkte Nutzung des Standortes und des Grundwassers erlaubt bzw. eine weitgehende Wiederherstellung der natürlichen Beschaffenheit des Grundwassers. Zu diesem Zweck sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone im Bereich des Altstandortes durch Betrieb einer Bodenluftabsauganlage sowie Reinigung der abgesaugten Bodenluft
  • Dekontamination der wassergesättigten Bodenzone im Bereich des Altstandortes durch Betrieb mehrerer Sanierungsbrunnen sowie Reinigung des belasteten Grundwassers

Für die Dekontamination wurden ursprünglich folgende Sanierungszielwerte als maßgeblich angesehen:

  • Bodenluft: CKW 10 mg/m³, BTEX 50 mg/m³
  • Grundwasser: CKW 30 µg/l, BTEX 30 µg/l, Benzol 10 µg/l

Im März 1995 wurden zur Dekontamination der wasserungesättigten Bodenzone vier Bodenluftabsauganlagen in Betrieb genommen. Insgesamt wurden 15 Bodenluftabsaugpegel errichtet und abwechselnd abgesaugt. Bei den Absaugpegeln handelte es sich größtenteils um Messstellengruppen, die mehrfach für unterschiedliche Tiefen ausgebaut waren. Die Reinigung der abgesaugten Bodenluft erfolgte jeweils über zwei hintereinandergeschaltete Aktivkohlefilter.

Bei Kontrolluntersuchungen der abgesaugten Bodenluft zeigte sich bereits nach kürzerer Zeit, dass die CKW-Gehalte bei den meisten Absaugpegeln relativ gering (< 10 mg/m³) waren. Aromatische Kohlenwasserstoffe konnten im Sanierungsbetrieb nicht mehr in relevanten Konzentrationen nachgewiesen werden. Da die ausgetragenen Schadstofffrachten stark rückläufig waren, wurden die Bodenluftabsaugung schrittweise reduziert und im Juli 2001 vollkommen eingestellt.

Die Grundwassersanierung in den Kontaminationszentren im Zeitraum von Mai 1996 bis Oktober 2000 erfolgte insgesamt über bis zu 18 Brunnen. Die Förderraten der Brunnen waren einzeln regulierbar. Das entnommene Grundwasser wurde über eine zweistufige Stripanlage, die mit bis zu 5,5 l/s beschickt wurde, gereinigt. Die Abluft der Stripanlage wurde im Kreislauf geführt und über fünf in Serie geschaltete Stripkolonnen gereinigt. Das Wasser wurde nach der Reinigung (Reinigungsanforderung S CKW 5µg/l) in den Vorfluter (Dürre Laudach) abgeleitet.

Im Zuge der Grundwassersanierung zeigte sich, dass die Ergiebigkeit der Sanierungsbrunnen generell gering war. Darüber hinaus war auch eine anhaltende erhöhte Förderung von Feinteilen gegeben.

Im Zeitraum von 1995 bis 2001 wurden auch eine Reihe von Versuchen durchgeführt bzw. Maßnahmen ergriffen, die zum Ziel hatten, die Wirksamkeit der Dekontaminationsmaßnahmen zu verbessern:

  • Bodenluftsimulation und Helium-Tracerversuche - Optimierung der Konfiguration der Bodenluftabsauganlage
  • "kombinierte Bodenluftabsaugung" in den Sanierungsbrunnen - Dekontamination des Kapillarsaumbereiches zwischen wasserungesättigter und wassergesättigter Bodenzone im Absenktrichter der Grundwasserentnahmen
  • Air-sparging - Einblasen von Druckluft in das Grundwasser zur verstärkten Mobilisierung von Schadstoffen

Bis Ende des Jahres 2001 wurden insgesamt ca. 980 kg leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe entfernt. Bei dieser Abschätzung des Gesamtaustrages wurden auch die über die Sicherung durch einen Sperrbrunnen im Grundwasserabstrom zurückgewonnen CKW-Mengen berücksichtigt.

Seit Juli 1999 wird das Air-sparging routinemäßig betrieben. Seit November 2000 wird an insgesamt neun Brunnen zeitlich aufeinanderfolgend je einmal wöchentlich für jeweils sieben Stunden Druckluft in das Grundwasser eingeblasen.

Beschreibung der Sicherung im Grundwasserabstrom

Ziel der Sicherung im Grundwasserabstrom ist es, die Ausbreitung bzw. Verlagerung von Schadstoffen aus dem Bereich der Altlast in die Umgebung dauerhaft zu unterbinden, so dass eine weitere Gefährdung des lokalen Grundwasservorkommens ausgeschlossen werden kann.

Zu diesem Zweck werden im einzelnen folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Verhinderung der weiteren Ausbreitung bzw. Verlagerung von Schadstoffen aus dem Kontaminationszentrum mit dem Grundwasser durch Betrieb eines Sperrbrunnens im Grundwasserabstrom
  • Reinigung und Ableitung des abgepumpten Grundwassers

Im Abstrom der Altlast werden folgende Schadstoffgehalte als maßgeblich für den Sicherungserfolg angesehen:

  • CKW 10 µg/l, BTEX 10 µg/l, Benzol 2 µg/l

Der Sperrbrunnen wurde rund 200 m nördlich des Schadenzentrums im Übergangsbereich zwischen dem gering ergiebigen, sandig-schluffigen Grundwasserleiter (Hanggrundwasserleiter) am Altstandort und dem ergiebigen, sandig-kiesigen Grundwasserleiter (Talgrundwasserleiter) positioniert. Die Inbetriebnahme erfolgte Ende Mai 1996. Die Entnahmerate beträgt max. 5,5 l/s. Die Reinigung des Grundwassers erfolgt über eine einstufige Stripanlage. Die Luft der Stripanlage wird über zwei Aktivkohlefilter gereinigt. Das gereinigte Wasser (Reinigungsanforderung S CKW 5 µg/l) wird in den Vorfluter (Dürre Laudach) abgeleitet.

Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung im Abstrom

Zur Beweissicherung werden im Grundwasserabstrom der Altlast in etwa 300 m Entfernung sowie im weiteren Abstrom mehrere Grundwassersonden und Brunnen in vierteljährlichen Abständen beprobt.

Den Ergebnissen der Grundwasserbeweissicherung entsprechend zeigte sich an den Grundwassersonden im näheren Abstrom innerhalb von weniger als drei Monaten (bis August 1996) ein deutlicher Rückgang der CKW-Gehalte (1,1,1-Trichlorethan und 1,1-Dichlorethen) im Grundwasser. In weiterer Folge wurde der Zielwert für CKW (10 µg/l) generell eingehalten bzw. deutlich unterschritten. Die Ende des Jahres 1998 im Grundwasserabstrom beobachteten erhöhten CKW-Gehalte (31 µg/l) stehen mit einem kurzzeitigen Anlagenstillstand nach Frostschäden in Zusammenhang.

Im weiteren Grundwasserabstrom im Ortszentrum von Vorchdorf liegen die Restbelastungen des Grundwassers mit 1,1,1-Trichlorethan seit dem Jahr 1998 bei weniger als 3 µg/l.

Bewertung der Maßnahmen

Auf Grund der Überwachung der Maßnahmen zur Dekontamination in den Schadenszentren ergaben sich folgende Beobachtungen:

  • Die "kombinierte Bodenluftabsaugung" im Absenktrichter der Grundwasserbrunnen war trotz relativ kurzer Betriebszeiten mit mehr als 2/3 des gesamten CKW-Austrages die effizienteste Maßnahme zur Dekontamination.

  • Die Bodenluftabsaugung zeigte bereits nach einem Jahr Betriebszeit einen deutlichen Rückgang der Austragsraten. Ab dem Jahr 1998, nach drei Jahren Betriebszeit, lag die monatliche Austragsrate generell bei weniger als 1 kg CKW.

  • Die Grundwassersanierung zeigte ein ähnliches Verhalten; dass nach etwa einem Jahr Betriebszeit ein deutlicher Rückgang der Austragsraten gegeben war und ab dem Jahr 1998, nach rund zwei Jahren Betriebszeit, die monatliche Austragsrate ebenfalls bei weniger als 1 kg CKW lag.

  • Die Grundwasserbeweissicherung in den Schadenszentren ergab demgegenüber jedoch keine Hinweise auf einen rückläufigen Trend der CKW-Belastung.

  • Durch die fortgesetzte Förderung von Feinteilen bei der Grundwassersanierung ergaben sich ständige Probleme für die Installationen zur Förderung und Reinigung des Grundwassers. Darüber hinaus war mittel- bis langfristig mit einer Störung des Korngerüstes des Untergrundes zu rechnen, so dass die Standsicherheit der Betriebsgebäude nicht dauerhaft sichergestellt gewesen wäre.

Die durchgeführten Maßnahmen zur Dekontamination der Schadenszentren waren nur eingeschränkt wirksam sowie wenig effizient. Die Erfahrungen des Sanierungsbetriebes zeigten somit, dass eine Dekontamination der Schadenszentren in-situ mit den derzeit zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten auch mittel- bis langfristig nicht realisierbar ist. Darüber hinaus konnte bei Fortbetrieb der Maßnahmen eine Gefährdung der vorhandenen Baulichkeiten nicht ausgeschlossen werden.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung im Abstrom der Altlast bestätigen die Wirksamkeit des Sperrbrunnens. Die früher bestehende Schadstofffahne wurde bei Inbetriebnahme des Sperrbrunnens im Jahr 1996 unterbrochen. Der weitere Austrag und die Ausbreitung von Schadstoffen sind dauerhaft unterbunden. Die Qualität des Grundwassers im Abstrom der Altlast hat sich deutlich verbessert. Es sind weiterhin Restbelastungen durch CKW bzw. 1,1,1-Trichlorethan zu beobachten. Diese Restbelastungen sind jedoch so gering, dass eine uneingeschränkte Nutzung des Grundwassers im Abstrom der Altlast wieder möglich ist.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigen nachvollziehbar, dass durch den Betrieb des Sperrbrunnens im Grundwasserabstrom der Altlast eine Ausbreitung bzw. Verlagerung von Schadstoffen aus dem Bereich der Altlast in die Umgebung wirksam verhindert wird.

 

Datum der Texterstellung:     April 2002