Gesicherte Altlast O10: Alte Mülldeponie Taufkirchen

Die Altablagerung befand sich ca. 2,3 km westlich der Gemeinde Taufkirchen an der Trattnach, an der Bezirksstraße von Hehenberg nach Taufkirchen. Im Zeitraum zwischen 1973 und 1984 waren etwa 40.000 m³ Hausmüll, hausmüllähnliche Gewerbeabfälle sowie Sperrmüll und Bauschutt in einer Schliergrube abgelagert worden.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Grieskirchen,
Taufkirchen an der Trattnach,
Mödelbach,
471
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Fläche Altlast (m²): 3.300 m²
Schadstoff(e)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 02.07.1993
Datum der Prioritätenfestlegung: 16.08.1995
Priorität: 3
Datum Ausweisung gesichert: 20.03.2000
Status Maßnahme: in Betrieb
Art der Maßnahme: Sicherung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 02.06.2000

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Das Gelände der nahen Umgebung zeigt die für die Molassezone typische hügelige Morpholgie und ist im unmittelbaren Deponiebereich nach Osten geneigt. Die Oberfläche der Altablagerung befand sich auf etwa 422 bis 418 m ü.A. Die Mächtigkeit der Müllschüttung hat bis zu 16 m betragen, so dass die Sohle sich etwa in einer Höhe von 406 m ü.A. befand.

Geologisch wird der Raum Hehenberg vom Ottnanger Schlier (Tonmergel mit Feinsandlagen) aufgebaut, der seinerseits von den sogenannten Atzbacher Sanden (Quarzsande mit Tonlagen) unterlagert wird. Die genaue Höhenlage der Schichtgrenze zwischen den beiden Schlierschichten ist nicht bekannt.

Der Ottnanger Schlier weist oberflächennah eine bis zu 9 m mächtige Verwitterungsschicht auf. Die tieferen Schichtglieder des Schliers sind von einer Schichtung bzw. Wechsellagerung von Tonmergellagen und Feinsandlinsen bzw. -lagen geprägt. Innerhalb des Schliers sind in geringem Umfang Klüfte ausgebildet. Die Verteilung der Klüfte ist sowohl horizontal als auch vertikal unregelmäßig.

Der geologischen Situation entsprechend sind mehrere Grundwasserstockwerke ausgebildet. Die ersten beiden Horizonte sind innerhalb des Ottnanger Schliers im Bereich von Klüften bzw. teilweise in Schichten mit erhöhten Sandanteilen ausgebildet. Der Schlier weist je nach Höhe des Sandanteiles sehr geringe Durchlässigkeiten von etwa 10-8 bis 10-9 m/s bzw. in wasserführenden Schichten von ca. 10-6 m/s auf. Die Ergiebigkeit der beiden Grundwasserhorizonte ist gering.

Der erste, oberflächennahe Horizont zeigt im Bereich der Altablagerung und im östlichen Umfeld eine freie Grundwasseroberfläche, die sich etwa 10 bis 20 m unter der Geländeoberfläche befindet. Südlich der Altablagerung tritt der erste Horizont als gespanntes Grundwasser in größerer Tiefe (mehr als 40 m) auf. Die Schwankungen des Grundwasserspiegels betragen bis zu 2 m.

Das Grundwasser des zweiten Horizontes tritt durchgehend als gespanntes Grundwasser auf. Östlich der Altablagerung befindet sich der entspannte Grundwasserspiegel des zweiten Horizontes bis zu 8 m unterhalb des Grundwasserspiegels des ersten Horizontes. Südlich der Altablagerung befindet sich der entspannte Grundwasserspiegel des zweiten Horizontes etwa in Höhe des Spiegels des ersten Horizontes. In diesem Bereich sind jedenfalls Verbindungen zwischen den ersten beiden Grundwasserhorizonten gegeben. Die Grundwasserfließverhältnisse beider Grundwasserhorizonte werden von Strömungskomponenten nach Süden und nach Osten geprägt.

Über mögliche Verbindungen zwischen den beiden Grundwasserhorizonten und tieferen Horizonten im Bereich der unterlagernden Atzbacher Sande ist nichts bekannt. Der Betriebsbrunnen der derzeit betriebenen Mülldeponie befindet sich westlich der Altablagerung und ist 100 m tief. Auf Grund der Ausbautiefe ist zu vermuten, dass der Brunnen bis in den Bereich der Atzbacher Sande abgeteuft wurde. Der Ausbau des Brunnens ist nicht bekannt. Etwa 250 m bzw. 500 m östlich der Altablagerung befinden sich die nächsten Hausbrunnen von zwei Bauernhöfen. Weitere Brunnen befinden sich in der östlich gelegenen Ortschaft Mödlbach, sowie auch südlich und westlich in den Ortschaften Hehenberg und Korntnerberg. Einige der Brunnen haben geringe Ausbautiefen und beziehen das Wasser aus dem oberflächennahen Horizont. Der Großteil der Brunnen weist Tiefen zwischen 30 und 70 m auf. Da der Ausbau dieser Brunnen nicht bekannt ist, ist eine eindeutige Zuordnung zu einzelnen Grundwasserhorizonten nicht möglich.

Ab dem Jahr 1984 wurde unmittelbar angrenzend an die Altlast seitens des Abfallverbandes Grieskirchen eine neue Deponie errichtet, die in weiterer Folge abschnittsweise erweitert wurde (sh. Abbildung 1). In der Umgebung des Standortes befinden sich land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Die nächsten Wohngebäude befinden sich ca. 350 m östlich, die Ortschaft Hehenberg etwa 400 m westlich.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Zwischen 1973 und 1984 waren in einer ehemaligen Schliergrube etwa 40.000 m³ Hausmüll, hausmüllähnliche und gewerbliche Abfälle sowie Sperrmüll und Bauschutt abgelagert worden. Die Ablagerungen erfolgten ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz.

Am Standort sind mehrere Grundwasserstockwerke bekannt. Die ersten beiden Horizonte sind an gering durchlässige, sandige oder geklüftete Schlierschichten gebunden und weisen eine sehr geringe Ergiebigkeit auf. Die Ergebnisse der im Zeitraum von Jänner 1994 bis März 1995 im unmittelbaren Umfeld der Altablagerung durchgeführten Grundwasseruntersuchungen zeigten, dass im südlichen Abstrombereich eine Grundwasserverunreinigung der beiden oberen Horizonte gegeben war.

Die Analysenergebnisse der Wasserproben der Nullsonde und des Betriebsbrunnens der Deponie zeigen die örtlichen Hintergrundwerte. Im Vergleich zu den Hintergrundwerten zeigten die Analysenergebnisse von allen Grundwasserproben aus den beiden Sonden südlich der Altlast eine deutlich erhöhte Gesamtmineralisation (Leitfähigkeit bis 2.500 µS/cm, Gesamthärte bis 61,3°dH, Chlorid bis 300 mg/l etc.) und erhöhte AOX- (bis 230 µg/l), Nickel- (bis 71 µg/l) und Bor-Gehalte (bis 1,1 mg/l). Überschreitungen von Richtzahlen oder zulässigen Höchstkonzentrationen gemäß Kapitel B1 des Österreichischen Lebensmittelcodex waren bei Chlorid, Bor, Ammonium und Nickel gegeben.

Im östlichen Abstrombereich konnten keine Hinweise auf Verunreinigungen des Grundwassers durch die Altablagerung beobachtet werden. Die Analysenergebnisse der Grundwasserproben aus Probenahmestellen östlich der Altlast zeigten gegenüber den örtlichen Hintergrundwerten nur bei Ammonium vereinzelt erhöhte Konzentrationen. Diese Beeinträchtigungen konnten nicht der Altablagerung zugeordnet werden.

Die aus dem Jahr 1990 vorliegenden Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen aus der weiteren Umgebung zeigten keine Hinweise auf eine qualitative Beeinflussung durch die Altablagerung. Die festgestellten Beeinträchtigungen (Ammonium etc.) können auch fäkal oder geogen bedingt sein. Aufgrund der hydrogeologischen Situation war eine weiträumigere Ausbreitung der Verunreinigung und eine Beeinträchtigung genutzter Brunnen nicht zu erwarten.

Die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigten, dass durch die Altablagerung ein räumlich eng begrenzter Bereich eines gering ergiebigen und nicht genutzten Grundwasservorkommens verunreinigt wurde.

 

BESCHREIBUNG DER SICHERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sicherung war es die Emissionen der Altablagerung dauerhaft zu unterbinden um einen Zustand herzustellen, bei dem dauerhaft kein weiterer Eintrag von belasteten Sickerwässern in den Untergrund möglich ist und die natürliche Beschaffenheit des Grundwassers im Abstrom weitgehend wiederhergestellt ist.

Angepaßt an den laufenden Betrieb und die Erweiterung der Deponie des Abfallverbandes des Bezirkes Grieskirchen wurde die Altlast am Standort umgelagert. Dabei wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Einrichtung neuer Deponieabschnitte mit Basisabdichtung (Kombinationsdichtung: 2,5 mm Kunststofffolie und 60 cm mineralische Dichtung) und Sickerwassersammlung
  • Abbau der Abfälle und des kontaminierten Untergrundes im Bereich der Altlast
  • Behandlung der abgebauten Abfälle (Trennung und diagenetische Inertisierung)
  • Einbau der Abfälle in die neue eingerichteten Deponieabschnitte

Die Behandlung der abgebauten Abfälle wurde wie folgend durchgeführt:

  • Vorsortierung des Deponieinhaltes
  • Zerkleinerung
  • Entfernung von Stahl und Eisenteile
  • Mechanische Absiebung
  • Thermische Verwertung der Überlauffraktion
  • Immobilisierung und Inertisierung der Feinfraktion (Einsatz von Aschen aus Klärschlammverbrennungsanlagen und Kieswaschrückstände)

Das Sickerwasser der Deponie wird über die öffentliche Kanalisation in eine Abwasserreinigungsanlage abgeleitet. Im Bereich der ehemaligen Altlast wurde nach Räumung der Abfälle und Entfernung des kontaminierten Untergrundes ebenfalls ein neuer Deponieabschnitt eingerichtet. Die Umlagerungen der Altlast erfolgte abschnittsweise vorwiegend im Frühjahr 1995 sowie im Zeitraum Frühjahr bis Sommer 1998.

Zur Kontrolle der Wirksamkeit der durchgeführten Sicherungsmaßnahmen erfolgte eine regelmäßige Beweissicherung der Grundwasserqualität an Probenahmestellen außerhalb der Fläche der Altlast (Sonden KB 8, 5a, 5b, 6a, 6b, 9a, 10, 11, sowie die Hausbrunnen Mayrhofer, Trinkfass, Burgstaller, Zehetner, Humer und Murauer). Das Grundwasser an diesen Probenahmestellen wurde im Abstand von ca. 4 Monate oder einmal pro Jahr von Februar 1995 bis Oktober 1998 beprobt. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 12 Probenahmedurchgänge durchgeführt. Der Parameterumfang der an den Wasserproben bestimmt wurde entspricht generell jenem im Zuge der Untersuchungen in den Jahren 1994/95 (sh. Pkt. 3). Die Lage relevanter Sonden und der verschiedenen Deponieabschnitte können aus dem Übersichtsplan (sh. Abbildung 1) entnommen werden.

Nach Räumung der gesamten Altablagerungen wurden an der Deponiesohle Bodenproben entnommen und Eluatuntersuchungen durchgeführt.

Die Analysenergebnisse ausgewählter Grundwassersonden und Brunnen im Abstrom der Altlast werden in der Tabelle 3 für einige relevanten Parameter zusammengefasst, den Prüfwerten der ÖNORM S 2088-1 sowie den Messwerten der Sonde KB 8 im Anstrom der Altablagerung gegenübergestellt.

Analysenergebnisse von Grundwasserproben an ausgewählten Grundwassermessstellen zwischen Februar 1995 und Oktober 1998

Parameter Einheit Prüfwert ÖNORM 2088-1 Sonde KB 8 95/97 Sonde KB 8 98 Sonde KB 5a 95/97 Sonde KB 5a 98
Leitfähigkeit µS/cm - 816-921 840-927 626-919 630-820
TOC µg/l - 0,7-8,2 5-27,4 1,7-6 1,3-8,3
Chlorid mg/l 60 7,4-10 8,9-22,2 1,2-3,1 1,4-2,7
Ammonium mg/l 0,3 <0,01 <0,01-0,03 <0,01-0,03 <0,01
Nickel µg/l 60 <1-4 4-5 <1-3 2-14
AOX µg/l - 4-40 <10-21 <5-14 15-35
LHKW µg/l 18 <5-5,4 <5 <5 <5
BTEX µg/l 30 <5 <5 <5 <5

 


Parameter

Einheit

Prüfwert ÖNORM 2088-1

Sonde KB 9a 95/97

Sonde KB 9a 98
Leitfähigkeit µS/cm - 1480-1790 1330-1660
TOC µg/l - 6,5-16,9 10-17,7
Chlorid mg/l 60 94,3-167 97,9-149
Ammonium mg/l 0,3 <0,01-2,06 <0,01-0,75
Nickel µg/l 60 20-34 18-26
AOX µg/l - 8-42 35-138
LHKW µg/l 18 <5 <5
BTEX µg/l 30 <5 <5

 

Parameter Einheit Prüfwert ÖNORM 2088-1 Sonde KB 6a 95/97 Sonde KB 6a 98 Br. Zehetner 95/97 Br. Zehetner
98
Leitfähigkeit µS/cm - 533-825 600-833 519-733 646-703
TOC µg/l - 1,9-2,7 1,6-6,6 0,4-1,1 1
Chlorid mg/l 60 4,4-15,8 5,1-14,2 6,2-8,7 5,2-8,7
Ammonium mg/l 0,3 <0,01-0,07 <0,01 0,37-0,63 0,16-0,56
Nickel µg/l 60 <1-5 5-6 <1 <1-3
AOX µg/l - <5-20 19-29 3-35 <10-10
LHKW µg/l 18 <5 <5 <5 <5
BTEX µg/l 30 <5 <5 <5 <5

 

Parameter Einheit Prüfwert ÖNORM 2088-1 Sonde KB 6a 95/97 Sonde KB 6a 98
Leitfähigkeit µS/cm - 719-1570 882-1025
TOC µg/l - 1,4-2,6 1,4-2,2
Chlorid mg/l 60 10,2-40,8 6,6-11,2
Ammonium mg/l 0,3 3,76-10,7 1,2-3,8
Nickel µg/l 60 6-15 5-10
AOX µg/l - <5-12 <5-16
LHKW µg/l 18 <5 <5
BTEX µg/l 30 <5 <5

Insbesondere an den Wasserproben aus der Grundwassersonde KB 9a war bei jenen Parametern, die eine Verunreinigung durch die Altlast angezeigt hatten, ein deutlicher Rückgang der Belastungen zu beobachten. Dabei waren bei den Parametern Ammonium und Chlorid weiterhin Überschreitungen von Prüfwerten gegeben. Im Vergleich mit Hintergrundwerten waren im Beobachtungszeitraum 1995 bis 1998 auch die Meßwerte für die elektrische Leitfähigkeit, TOC, Nickel und AOX noch deutlich erhöht. Bis auf die erhöhten Gehalte an Chlorid, die auch auf die Salzstreuung der naheliegenden Hehenberger Bezirksstraße zurückzuführen sein kann, handelt es sich um Restbelastungen aus dem Bereich der geräumten Altlast. Zusammenfassend läßt sich für den Beobachtungszeitraum 1995 bis 1998 ein anhaltender abnehmender Trend beobachten.

Zur Kontrolle hinsichtlich der vollständigen Beseitigung des ehemaligen Deponiekörpers und des hochbelasteten Untergrundes im Bereich der Altlast wurden im Sommer 1998 in der fertiggestellten Baugrube insgesamt 13 Bodenproben im Böschungs- bzw. Sohlbereich entnommen und für Eluatuntersuchungen herangezogen. Die Analysenergebnisse der Eluatuntersuchungen zeigten, dass bei den relevanten Parametern keine erhöhten Meßwerte gegeben waren. Dementsprechend ist nachgewiesen, dass auch eine vollständige Beseitigung des hochbelasteten Untergrundes erfolgt ist. Nach Abschluß der Räumung wurden die geräumten Flächen mit einem Abdichtungs- und Sickerwassersammelsystem als neue Deponieabschnitte (Abschnitt A2) ausgebaut.

Die vorliegenden Unterlagen und die Ergebnisse der durchgeführten Beweissicherungsmaßnahmen dokumentieren nachvollziehbar, dass durch die Räumung der Altlast die Voraussetzungen für eine Wiederherstellung der Qualität des Grundwassers geschaffen wurde. Im Zeitraum nach 1995 war ein anhaltender Trend und insgesamt ein deutlicher Rückgang der Belastungen des Grundwassers zu beobachten.

 

Datum der Texterstellung:     Jänner 2000