Sanierte Altlast N9: Mülldeponie Helene Berger

In einer ehemaligen Kiesgrube wurden in den 70-er und 80-er Jahren ca. 620.000 m³ Haus- und Gewerbemüll abgelagert. Aufgrund der Ausbreitung von Deponiegas und der Beeinträchtigung des Grundwassers durch Sickerwasser aus den Ablagerungen bestand eine erhebliche Gefahr für die Umwelt. Von 1996 bis 2000 wurden die Ablagerungen und der kontaminierte Untergrund entfernt.

Insgesamt wurden ca. 740.000 m³ Abfall entsorgt. Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass nach Abschluss der Räumungsarbeiten ein deutlicher Rückgang der Grundwasserbelastungen und nur mehr lokal geringe Restbelastungen feststellbar sind. Die Altlast ist aufgrund der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und den Ergebnissen der Grundwasseruntersuchungen als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Wiener Neustadt (Land),
Weikersdorf am Steinfelde,
Weikersdorf,
969/1, 969/2
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll,
gefährliche Abfälle
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 47.000 m²
Volumen Altlast (m³): 620.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas (Kohlendioxid, Methan)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 02.05.1991
Datum der Prioritätenfestlegung: 24.01.1995
Priorität: 1
Datum Ausweisung dekontaminiert: 23.01.2003
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 23.01.2003

Beschreibung der Altlast

Die Altlast war eine ehemalige Kiesgrube, die sich unmittelbar an der Bundesstraße B 26 zwischen Wiener Neustadt und Weikersdorf befand. Von 1972 bis 1987 wurden Hausmüll, Sperrmüll und Gewerbe- und Industriemüll, wie z.B. Spuckstoffe, Papierschlämme, Textilabfälle, Aluminiumschlacke, Lackabfälle, Druckfarben, Lösungsmittel, Altöle und Beizereischlämme abgelagert. Mit einer Länge von ca. 700 m und einer Breite von ca. 50 bis 100 m umfasste die Deponie eine Fläche von etwa 50.000 m² und ein Volumen von etwa 620.000 m³.

Die Ablagerungssohle befand sich in ca. 11 bis 19 m Tiefe und lag bei hohen Grundwasserständen (HGW) fast überall einige Meter unter dem Grundwasserspiegel. Die Ablagerungen waren an der Oberfläche nur teilweise abgedeckt. Eine Abdichtung der Grubenböschung und -sohle war nicht vorhanden, es gab auch keine Einrichtungen zur Erfassung von Sickerwasser.

Die Altlast lag innerhalb der Bruchberandung der "Mitterndorfer Senke". Der Grundwasserleiter ist ein sehr mächtiger, gut durchlässiger Schotterkörper mit gering durchlässigen, lokal begrenzten Zwischenschichten. Die Sohle des Grundwasserkörpers bilden die sogenannten "Neufelder-Schichten", welche in einer Tiefe im Westen der Deponie bei ca. 80 und im Osten bei etwa 100 m unter GOK anstehen.

Die großräumige Grundwasserströmungsrichtung ist Nordost, wobei diese auch größeren Schwankungen unterworfen ist. Bei hohen Grundwasserspiegellagen schwenkt die Strömungsrichtung durch vermehrten Zustrom über die Bruchberandung auf Ostnordost. Die Lage des Grundwasserspiegels schwankt häufig innerhalb eines Jahres mehrere Meter. Der Flurabstand liegt zwischen 15 bis 25 m. Die höchsten Grundwasserstände liegen bei etwa 11 m unter GOK.

Die Lage der Deponie befand sich im wasserwirtschaftlich besonders bedeutenden Grundwasserschongebiet der "Mitterndorfer Senke" und im Anstrombereich des Wasserwerkes der Stadt Wiener Neustadt.

Im Westen befindet sich das Industriegebiet von Weikersdorf. Im Norden schließt ein großes Waldgebiet an die Deponie an. Im Süden befindet sich ein Einfamilienhaus.

 

Gefährdungsabschätzung

In einer ehemaligen Kiesgrube wurden in den 70-er und 80-er Jahren ca. 620.000 m³ Haus- und Gewerbemüll abgelagert. Die Ablagerungen erfolgten bis in den Grundwasserschwankungsbereich. Technische Einrichtungen zum Schutz des Grundwassers waren weitgehend nicht vorhanden. Sickerwässer konnten daher ungehindert in das Grundwasser gelangen.

Deponiegasuntersuchungen ergaben eine massive Deponiegasproduktion insbesondere im westlichen Teil der Deponie mit Methankonzentrationen zwischen 50 und 70 Vol.% sowie Hinweise auf Ablagerungen mit erhöhtem Schadstoffpotential (chlorierte, aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe).

Das Deponiegas breitete sich von den Ablagerungen in die Umgebung der Deponie aus. In Schächten und Brunnen wurden hohe Methankonzentrationen festgestellt. Die Möglichkeit zur Bildung zündfähiger Gasgemische stellte ein erhebliche Gefahr für Menschen bei der Benützung der betroffenen Objekte dar.

Die Eluate von Abfallproben wiesen teilweise einen sehr hohen chemischen Sauerstoffverbrauch (CSB), sehr hohe Ammoniumkonzentrationen und Leitfähigkeiten auf. Durch Sickerwasser aus der Deponie kam es zu einer Beeinträchtigung der Grundwasserqualität. Das Grundwasser im Abstrombereich der Deponie wies stark reduzierende Verhältnisse und eine deutlich erhöhte Mineralisierung auf. Diese Veränderung der Grundwasserqualität war vor allem bei den Untersuchungsparametern Kaliumpermanganatverbrauch (bis 250 mg/l), Ammonium (bis über 200 mg/l) und Chlorid (bis über 400 mg/l) besonders deutlich.

Eine Beeinflussung der Grundwasserqualität durch organische Schadstoffe konnte nicht eindeutig festgestellt werden. Insbesonders bei chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) war das Grundwasser bereits erheblich vorbelastet (über 30 µg/l).

Zusammenfassend stellten die Ablagerungen sowohl aufgrund der Ausbreitung von Deponiegas in die Umgebung als auch aufgrund der festgestellten Grundwasserbeeinträchtigung eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Die Altlablagerung wurde daher im Altlastenatlas als Altlast ausgewiesen.

 

Beschreibung der Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierungsmaßnahmen wurden als Ersatzvornahme im Rahmen eines Verwaltungsvollstreckungsverfahrens von der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt durchgeführt.

Sanierungsziel

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Wiederherstellung eines Zustandes, der dauerhaft eine multifunktionale Nutzung des Grundwassers im Abstrom erlaubt. Zu diesem Zweck wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Räumung des Deponiekörpers sowie kontaminierter Schichten des Untergrundes
  • hydraulische Maßnahmen zur Entfernung von kontaminiertem Grundwasser sowie zur Absenkung des Grundwasserspiegels
  • Wiederverfüllung des ausgehobenen Bereiches bis über den höchsten Grundwasserspiegel

Räumung der Deponie

Die Deponie wurde in sieben Räumungsabschnitte geteilt (RA01-RA07) und abschnittsweise geräumt. Im Zeitraum von Oktober 1996 bis Dezember 2000 wurden ca. 620.000 m³ (882.000 t) Ablagerungen und ca. 120.000 m³ (270.000 t) kontaminierter Untergrund entfernt und entsorgt. Insgesamt wurde somit eine Volumen von ca. 740.000 m³ (1.150.000 t) geräumt.

Räumung Ablagerungen

Im Zeitraum von Ende Oktober 1996 bis Anfang September 1998 wurden die Ablagerungen bis zum gewachsenen Boden geräumt. Begleitend zu den Räumungsarbeiten wurde eine Entgasungsanlage und eine In-Situ-Belüftung zur Vorbehandlung der Ablagerungen betrieben.

Im Zuge der Räumung wurden über 5.000 Fässer bzw. Fassreste geborgen. Der Großteil wurde als gefährlicher Abfall zur Verbrennung verbracht.

Nr. Fraktion in Tonnen
1 Schwerfraktion 414.472
2 Leichtfraktion 158.941
3 Sägemehl, Schleifstaub 190.172
4 Aluschlacke 66.097
5 mineral. Abfälle 51.592
6 gefährlicher Abfall 441
7 Sonstige 223
  S Abfall 881.938

Räumung kontaminierter Untergrund

Nach der Entfernung der Ablagerungen wurden unterhalb der Deponiesohle im Grundwasser und in einer gering durchlässigen Schicht ("Zwischenstauer") Verunreinigungen festgestellt. Der Bereich oberhalb des "Zwischenstauers" wird nur bei hohen Grundwasserwasserständen durchströmt. Bei niedrigen Wasserständen verbleibt oberhalb des "Zwischenstauers" stagnierendes Schichtwasser. Dieses Schichtwasser wurde von Juni bis August 1999 in den beiden am stärksten verunreinigten Räumungsabschnitten RA06 und RA07 abgepumpt und in die Kläranlage entsorgt (insgesamt ca. 15.000 m³, durchschnittlicher Ammoniumgehalt 24 mg/l).

Von Anfang April 2000 bis Dezember 2000 wurde der kontaminierte Zwischenstauer entfernt, wobei auch der darüberliegende, weitgehend nicht verunreinigte Kies ebenfalls ausgehoben werden musste. Insgesamt wurden ca. 120.000 m³ kontaminierter Untergrund entsorgt. Der nicht verunreinigte Kiese wurde wiederverfüllt. Bei der Entsorgung des kontaminierten Untergrundes fielen folgende Fraktionen an mineralischen Abfällen an:

Nr. Fraktion in Tonnen
1 mineralische Abfälle Eluatklasse IIa 67.201
2 mineralische Abfälle Eluatklasse Ilb 26.531
3 mineralische Abfälle Eluatklasse IIIa/b 176.101
  S kontaminierter Untergrund 269.833

Im Zuge der Räumung des kontaminierten Untergrundes war eine begleitende Grundwasserhaltung vorgesehen. Unmittelbar an der Aushubstelle wurde Grundwasser abgepumpt und in ein zweigeteiltes, mit Folie abgedichtetes Pufferbecken eingeleitet. Von dort wurden ca. 62.000 m³ Wasser im Zeitraum April bis September 2000 in das Kanalnetz von Wiener Neustadt gefördert und entsorgt.

Nach der Räumung wurde die Grube mit nicht verunreinigtem Material (Eluatklasse Ic bzw. I nach ÖNORM S 2072) auf ein Niveau über HGW wiederverfüllt.

Grundwasseruntersuchungen

Die Grundwasseruntersuchungsergebnisse zeigen, dass bereits nach der Entfernung der Ablagerungen ein deutlicher Rückgang der Grundwasserbeeinträchtigung feststellbar war. Das zeigt sich z.B. deutlich beim Verlauf der Ammoniumkonzentrationen und der elektrischen Leitfähigkeit im Grundwasser. Nach der Entfernung der kontaminierten Untergrundschichten konnte eine zusätzliche Verbesserung der Grundwasserqualität festgestellt werden. Am letzten Grundwasseruntersuchungstermin im September 2001 konnte nur mehr eine leichte Veränderung der Grundwasserqualität im Bereich der ehemaligen Deponie festgestellt werden.

Ein wesentlicher Eintrag von organischen Schadstoffen aus dem Ablagerungsbereich in das Grundwasser konnte bereits vor der Räumung nicht festgestellt werden. Im Grundwasser ist im Anstrom und im Abstrom aktuell eine CKW-Konzentration von ca. 20 µg/l messbar. 1994 lagen die CKW-Konzentrationen im Grundwasser zwischen 30 und 40 µg/l. Diese Verunreinigung des Grundwassers mit CKW kann nicht auf die Ablagerungen im Bereich der Altlast zurückgeführt werden, sondern sind Vorbelastungen des Grundwassers, deren Ausgangspunkt südöstlich der ehemaligen Deponie anzunehmen ist.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Unterlagen und Untersuchungsergebnisse nachvollziehbar, dass die Ablagerungen und der kontaminierte Untergrund entfernt wurden und vom geräumten Bereich keine erhebliche Gefahr für die Umwelt ausgeht. Die Altlast N 9 "Mülldeponie Helene Berger" wird daher als saniert bewertet.

 

Datum der Texterstellung:     Jänner 2003