Altlast N87: Teerölverunreinigung Brunn*

In Brunn am Gebirge befinden sich im Bereich des Goldtruhenbaches mehrere Altstandorte. Es handelt sich dabei um drei teerverarbeitende Betriebe, die vor rund 100 Jahren existierten, sowie eine ehemalige Lackfabrik, eine ehemalige Glasfabrik und eine Verzinkerei, die zum Teil noch in Betrieb ist. Im untersuchten Bereich in der Umgebung des Goldtruhenbaches wurden großflächig Verunreinigungen des Untergrundes durch Teeröl festgestellt.

Die Verunreinigungen reichen auf einer Länge von ca. 750 m und einer Fläche von ca. 100.000 m² vom Norden im Bereich der Verzinkerei über den Bereich der Lackfabrik und der Dachpappenfabrik Goldtruhenweg hinaus bis weit in den Süden. Hauptschadstoffe sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), gemeinsam mit den PAK sind auch Belastungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen, Mineralölkohlenwasserstoffen und heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen vorhanden. Die Teerölverunreinigungen wurden durchwegs in größeren Tiefen im gesättigten Untergrundbereich angetroffen. Bei den bisher durchgeführten Untersuchungen wurden erhebliche Verunreinigungen des Untergrundes auf einer Länge von ca. 600 m und einer Fläche von rund 50.000 m² festgestellt. Aufgrund der sehr heterogenen Untergrundverhältnisse und der dadurch bedingten lokal sehr unterschiedlichen Ausbreitungswege kann der Untergrund auch außerhalb dieses Bereiches erheblich verunreinigt sein. Im Grundwasser wurden PAK auf einer Länge von rund 1 km festgestellt. Die Ausbreitung der PAK im Grundwasser reicht ca. 400 m über den Bereich mit erheblichen Untergrundverunreinigungen in den Grundwasserabstrombereich hinaus. Die PAK-Konzentrationen sind zum Teil sehr hoch (bis über 1.000 µg/l). Trotz der sehr hohen PAK-Konzentrationen sind die Schadstofffrachten aufgrund der sehr geringen Ergiebigkeit des Grundwassers generell gering. Die erheblich kontaminierten Bereiche stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

* Die Verdachtsfläche "Teerölverunreinigung Brunn" wurde vorab in das Altlastenverzeichnis aufgenommen. Eine rechtsverbindliche Ausweisung in der Altlastenatlasverordnung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Mödling,
Brunn am Gebirge,
Brunn am Gebirge,
346/9, 347/3, 355/1, 355/2, 355/3, 355/10, 364, 365/1, 365/2, 373, 375/1, 376/7, 376/8, 377/3, 1409/1, 1409/15, 1409/17, 1410/12, 1410/13, 1410/24, 1410/25, 1410/26, 1410/34, 1410/42, 1410/45, 1410/49, 1410/50, 1410/51, 1410/56, 1410/58, 1410/61, 1411/1, 1412/17, 1412/67, 1412/68, 1485/4, 1487/1, 1487/54, 1487/63, 1487/64, 1487/69, 1487/73, 1487/74, 1487/76, 1487/77, 1488, 1490/3, 1490/6, 1490/7, 1490/8, 1490/9, 1490/10, 1490/15, 1490/17, 1490/18, 1491/2, 1493/4, 1494/2, 1497/1, .369, .432, .504/2, .921, .922, .935, .936, .937, .938, .940, .1154, .1162, .1289, .1302, .1579, .1640, .1641
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Verarbeitung von Teer und Teerprodukten und bituminösen Produkten
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 47.000 m²
Volumen Altlast (m³): 50.000 m³
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

In Brunn am Gebirge befinden sich im Bereich des Goldtruhenbaches folgende Altstandorte:

  • Linoleumfabrik Brunn am Gebirge (1)
  • Brunner Glasfabrik (2)
  • Dachpappenfabrik Krinninger (3)
  • Brunner Verzinkereien (4)
  • Dachpappenfabrik Goldtruhenweg (5)
  • Lackfabrik Jirschik (6)

 

Linoleumfabrik Brunn am Gebirge

Auf einer etwa 60.000 m² großen Fläche wurden in den Jahren 1878 bis 1929 eine Teerfabrik und anschließend bis 1968 eine Linoleumfabrik betrieben. Auf dem Standort existierten Anlagen zur Lagerung und Verarbeitung von Teer (z.B: Teergrube, Destillation) sowie diverse Anlagen zur Behandlung der Erzeugnisse (z.B: Leichtölreinigung, Naphthalinsublimierkammer, Benzolwäscherei).

Brunner Glasfabrik

Am Altstandort „Brunner Glasfabrik“ erfolgte seit 1927 die industrielle Erzeugung von Glas. Im nördlichen Teil des Altstandortes wurden die Produktionstätigkeiten 1999 eingestellt und danach die Betriebsanlagen abgebrochen. Die Fläche des Altstandortes beträgt insgesamt rund 95.000 m².

Dachpappenfabrik Krinninger

Auf einer etwa 15.000 m² großen Fläche wurde von 1888 bis Ende der 1930-iger Jahre eine Dachpappenfabrik betrieben und auch andere Produkte auf Teerbasis erzeugt.

Brunner Verzinkereien West und Ost

Am Altstandort „Brunner Verzinkerei West“ wurde ca. von 1916 bis 1980 eine Verzinkerei betrieben. Ab 1940 wurde die Verzinkerei Richtung Osten sukzessive erweitert („Brunner Verzinkerei Ost“). Die Fläche der beiden Verzinkereien beträgt rund 87.000 m², davon entfallen rund 13.000 m² auf den Bereich West. Neben den Verzinkereianlagen (Rohrverzinkerei, Kramverzinkerei, Trägerverzinkerei) befanden sich im Bereich der Verzinkereien auch eine Werkstätte, eine Schmiede, eine Elektroschweißerei, eine saure oder alkalische Entfettungsanlage, eine Trafostation, eine Beizerei, ein Farblager und Lackiererei und eine Tankanlage.

Dachpappenfabrik Goldtruhenweg

Im Bereich des Altstandortes „Dachpappenfabrik Goldtruhenweg“ wurde auf einer Fläche von rund 9.000 m² im Zeitraum von 1896 bis 1930 eine Dachpappenfabrik mit Teerproduktion betrieben. 1913 erfolgte die Errichtung eines Schornsteines einer Teer-Destillationsanlage und eines Sudhauses. Die Teer-Destillationsanlage wurde 1935 wieder abgerissen. 1920 wurde ein Dampfkesselhaus errichtet, in den weiteren Jahren entstanden ein Schuppen, eine Binderei und eine Tischlerei. Daneben befanden sich am Altstandort noch Kanzleien, Heizräume, Depots und Lager.

Nach Betriebsstilllegung der Dachpappenfabrik wurden am Standort Betonfertigteile hergestellt sowie ein Handel mit Baumaterialien betrieben, später eine Maschinenfabrik. Im Jahr 1979 wurden alle Gebäude und Anlagen abgetragen und Anfang der 80er Jahre eine Wohnhausanlage mit 3 Häusern errichtet.

Im Jahr 1986 wurden bei Bauarbeiten in einer Tiefe von etwa 1,6 m Verunreinigungen festgestellt („stark riechendes, veröltes Erdreich“).

Lackfabrik Jirschik

Im Bereich des Altstandortes „Lackfabrik Jirschik“ wurden auf einer Fläche von rund 23.000 m² im Zeitraum von 1925 bis 1991 Farben und Lacke produziert. Neben Produktion, Zwischenlagerung und Manipulation mit Lacken und Farben erfolgte auf dieser Fläche auch der Handel mit Pharmazeutika, Chemikalien, Mineralöl und Mineralölprodukten.

Alle Gebäude und Anlagen wurden 1996 abgebrochen und im Zeitraum von 1998 bis 2005 eine Wohnhausanlage errichtet.

Untergrundverhältnisse

Die Altstandorte befinden sich am Westrand des Wiener Beckens, das in diesem Bereich aus sandig bis tonigen tertiären Sedimenten aufgebaut ist. Diese Sedimente reichen westlich der Altstandorte (westlich der Bahnlinie) in Form von sandig-kiesigen Schichten und im östlichen Teil der Glasfabrik in Form von Tonen und Tonmergeln mit Sandlagen bis an die Geländeoberfläche. Im Bereich der Altstandorte ist in den tertiären Sedimenten eine Rinnenstruktur ausgebildet, die etwa in Nord-Süd-Richtung im Bereich des Goldtruhenbaches verläuft und mit quartären sandig-kiesigen Sedimenten aufgefüllt ist, sodass sich folgender Untergrundaufbau ergibt:

  • großteils (bei ca. 75 % der Aufschlüsse angetroffen) Anschüttungen, bestehend aus Bodenaushub mit Bauschuttanteilen, vereinzelt Schlacken und Aschen (bis 3,8 m mächtig, im Mittel rund 1 m)
  • Im Bereich der Altstandorte (Brunner Verzinkereien, Lackfabrik Jirschik und Dachpappenfabrik Goldtruhenweg) fast flächenhaft Anschüttungen, vermehrt mit Schlacken, Aschen und Kohlenresten (bis 4,6 m mächtig, im Mittel rund 2 m)
  • quartäre schluffige Kiese und Sande (ca. 1,5 bis 5 m mächtig)
  • ab ca. 3 m unter Gelände tertiäre Schluffe und Tone, teilweise mit kiesig sandigen Zwischenschichten oder Konglomerat

Die quartären Sedimente bilden den ersten Grundwasserleiter und sind generell sehr heterogen. Die Durchlässigkeit (kf-Wert) des ersten Grundwasserleiters beträgt ca. 10-5 bis 10-3 m/s, teilweise sind dichtere Zwischenschichten vorhanden. Der Flurabstand des Grundwassers liegt bei rund 2 bis 4 m unter Gelände, zum Teil liegt das Grundwasser leicht gespannt vor. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt ca. 0,6 bis 1,5 %, die hydraulische Fracht ist gering.

In der Rinnenstruktur bilden tertiäre Schluffe und Tone den ersten Grundwasserstauer. Kleinräumig ist der Stauer stark reliefiert bzw. aufgrund des generell sehr heterogenen Untergrundaufbaues mit eingeschalteten Sandlagen nicht als durchgehender, einheitlicher Horizont vorhanden. Stauende Sedimente wurden zwischen 0,9 bis 6 m unter GOK angetroffen, im Mittel bei ca. 3 m. Innerhalb der feinkörnigen Schichten befinden sich zum Teil wasserführende durchlässigere Zwischenschichten, das Grund- oder Schichtwasser war generell gespannt.

Die lokale Grundwasserströmung ist grundsätzlich etwa nach Ostsüdost bis Südsüdost gerichtet. Im Bereich der ehemaligen Linoleumfabrik wird die Fließrichtung des Grundwassers aufgrund von hydraulischen Sicherungsmaßnahmen in nördliche Richtung umgelenkt.

Bei vereinzelt tiefer abgeteuften Bohrungen wurden ab ca. 10 bis 14 m unter GOK feinsandige Schichten angetroffen, die vermutlich einen zweiten gering ergiebigen, gespannten Grundwasserleiter bilden.

Schutzgüter und Nutzungen

Im Untersuchungsbereich überwiegt die Wohnnutzung in Form von Einfamilienhäusern und zum Teil Mehrparteienhäuser, zu einem geringen Teil bestehen auch gewerbliche Nutzungen.

Im Untersuchungsbereich befinden sich mehrere Hausbrunnen, die den ersten Grundwasserleiter erschließen. Im nördlichen Bereich bestehen auch Wasserrechte zur Einleitung von gereinigten Betriebsabwässern in den Goldtruhenbach. Trinkwassernutzungen sind im Untersuchungsbereich und im direkten Abstrom keine bekannt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

In Brunn am Gebirge befinden sich im Bereich des Goldtruhenbachs mehrere Altstandorte. Es handelt sich dabei um drei teerverarbeitende Betriebe, die vor rund 100 Jahren existierten, eine ehemalige Lackfabrik und eine ehemalige Glasfabrik sowie eine Verzinkerei, die zum Teil noch in Betrieb ist.

Im untersuchten Bereich in der Umgebung des Goldtruhenbaches wurden großflächig Verunreinigungen des Untergrundes durch Teeröl festgestellt. Die Verunreinigungen reichen auf einer Länge von ca. 750 m und einer Fläche von ca. 100.000 m² vom Norden im Bereich der Verzinkerei über den Bereich der Lackfabrik und der Dachpappenfabrik Goldtruhenweg hinaus bis weit in den Süden.

Hauptschadstoffe sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), gemeinsam mit den PAK sind auch Belastungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen, Mineralölkohlenwasserstoffen und heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen vorhanden. Die Teerölverunreinigungen wurden durchwegs in größeren Tiefen im gesättigten Untergrundbereich angetroffen.

Die Verunreinigungen im Norden des Untersuchungsgebietes sind vermutlich durch jahrzehntelanges Abströmen von stark verunreinigtem Grundwasser aus dem Bereich einer Teerfabrik, die sich im Bereich des Altstandortes „Linoleumfabrik Brunn am Gebirge“ befand, entstanden. Aktuell strömt aus diesem Bereich aufgrund der Sicherungsmaßnahmen für die Altlast N 28 „Linoleumfabrik Brunn am Gebirge“ kein verunreinigtes Grundwasser in das Untersuchungsgebiet.

Im Bereich der Altstandorte „Lackfabrik Jirschik“ und  „Dachpappenfabrik Goldtruhenweg“ ist es vermutlich zu zusätzlichen Schadstoffeinträgen in den Untergrund gekommen. Eine Ausbreitung von Schadstoffen kann auch über den Goldtruhenbach erfolgt sein, in den möglicherweise während des Betriebs der teerverarbeitenden Betriebe verunreinigte Abwässer eingeleitet wurden.

Im Untersuchungsgebiet wurde stellenweise auch Teeröl in Phase angetroffen. Die Untergrundverunreinigungen sind lokal sehr unterschiedlich. Teilweise wurden wenige Meter neben stark verunreinigten Bereichen keine Verunreinigungen angetroffen.

Diese sehr heterogene Schadstoffverteilung im Untergrund ist auf die Eigenschaften des Untergrundes zurückzuführen. Die Untergrundschichten sind zwar generell gering durchlässig, es wechseln sich allerdings kleinräumig bindige Schichten (Schluffe, Tone) mit sandigen Schichten ab. Teilweise wurden auch kleinräumig gut durchlässige Zwischenschichten („kiesige Adern“) angetroffen. Die Ausbreitung der Verunreinigungen fand vor allem durch das Grundwasser statt, das in den sandigen oder kiesigen Schichten fließt. In nebenstehender Abbildung sind diese kleinräumigen Zwischenschichten dargestellt, die im Zuge der Aushubmaßnahmen im Bereich der Altlast N 68 „Dachpappenfabrik Krinninger“ angetroffen wurden.

Bei den bisher durchgeführten Untersuchungen wurden erhebliche Verunreinigungen des Untergrundes auf einer Länge von ca. 600 m und einer Fläche von rund 50.000 m² festgestellt. Aufgrund der sehr heterogenen Untergrundverhältnisse und der dadurch bedingten lokal sehr unterschiedlichen Ausbreitungswege kann der Untergrund auch außerhalb dieses Bereiches erhebliche verunreinigt sein.

Im Bereich der beiden Altstandorte „Lackfabrik Jirschik“ und „Dachpappenfabrik Goldtruhenweg“ wurden oberhalb der grundwasserführenden Schichten keine erhebliche Verunreinigung des Untergrundes angetroffen. Oberflächennahe Verunreinigungen (vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sind auf Anschüttungen (Schlacke, Brandschutt) zurückzuführen.

Im Bereich der beiden Standorte der Verzinkerei („Brunner Verzinkerei West“ und „Brunner Verzinkerei Ost“) sowie der „Brunner Glasfabrik“ wurden keine Verunreinigungen festgestellt, die einen erheblichen Beitrag zu der großräumigen Teerölverunreinigung im Bereich des Goldtruhenbaches leisten. Die im Bereich des Altstandortes „Dachpappenfabrik Krinninger“ vorhandenen Teerölverunreinigungen wurden im Jahr 2015 entfernt. Bereits vor der Durchführung der Sanierungsmaßnahmen konnte keine weitreichende Ausbreitung von Schadstoffen aus diesem Bereich festgestellt werden.

Das Grundwasser weist im gesamten Bereich der Verunreinigungen generell eine hohe Mineralisierung (v.a. Natrium, Kalium und Magnesium) sowie hohe Ammoniumgehalte auf. Im Grundwasser wurden PAK auf einer Länge von rund 1 km festgestellt. Die Ausbreitung der PAK im Grundwasser reicht ca. 400 m über den Bereich mit erheblichen Untergrundverunreinigungen in den Grundwasserabstrombereich hinaus. Die PAK-Konzentrationen sind zum Teil sehr hoch (bis über 1.000 µg/l). Trotz der sehr hohen PAK-Konzentrationen sind die Schadstofffrachten aufgrund der sehr geringen Ergiebigkeit des Grundwassers generell gering.

Die Zusammensetzung der im Grundwasser gelösten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe ist sehr variabel, ein signifikantes Verteilungsmuster ist kaum erkennbar. Tendenziell nimmt der Anteil an Naphthalin mit der Entfernung etwas zu, bei Acenaphthen ist keine prozentuelle Zunahme im Abstrom gegeben. Dies kann als Indiz gewertet werden, dass geringer mobile PAK an den eher feinkörnigen Sedimenten generell gut adsorbiert werden und der biologische Abbau nicht sehr ausgeprägt ist. Die Sauerstoffverteilung und die Stickstoffparameter weisen ebenfalls auf keinen ausgeprägten biologischen Abbau im Grundwasser hin.

Im zweiten Grundwasserhorizont wurden geringe Konzentrationen an PAK festgestellt. Es ist daher davon auszugehen, dass der zweite Grundwasserhorizont lokal verunreinigt ist.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungen, dass der Untergrund im Umfeld des Goldtruhenbaches auf einer Länge von rund 600 m erheblich mit teeröltypischen Schadstoffen (v.a. polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen) verunreinigt ist. Die Verunreinigungen des Untergrundes sind entsprechend den heterogenen Untergrundverhältnissen und der Ausbreitung über kleinräumige durchlässigere Zwischenschichten sehr unterschiedlich ausgeprägt und variieren lokal stark. Im Bereich der erheblich verunreinigten Untergrundbereiche ist auch das Grundwasser sehr stark mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Die erheblich kontaminierten Bereiche stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: sehr groß

Im Bereich des Goldtruhenbaches ist der Untergrund auf einer Länge von rund 600 m erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt. Teeröl in Phase wurde lokal auf einer Länge von rund 550 m festgestellt. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe weisen aufgrund ihrer stofflichen Eigenschaften eine hohe Stoffgefährlichkeit auf. Insgesamt ist der Untergrund auf einer Fläche von ca. 50.000 m² erheblich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Das Volumen des erheblich verunreinigten Bereiches kann grob auf ca. 50.000 m³ abgeschätzt werden. Insgesamt ergibt sich ein sehr großes Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: begrenzt

Im Bereich der erheblich verunreinigten Untergrundbereiche ist das Grundwasser stark mit PAK und anderen teeröltypischen Schadstoffen verunreinigt. Im Abstrom der verunreinigten Untergrundbereiche ist das Grundwasser ebenfalls mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Hauptanteil im Grundwasserabstrom sind Naphthalin (ca. 40%) und Acenaphthen (rund 20%). Die im Grundwasser transportiere Schadstofffracht an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ist aufgrund der sehr geringen Ergiebigkeit der grundwasserführenden Schichten generell gering. Die Länge der Schadstofffahne kann mit etwa 300 bis 400 m abgeschätzt werden. Aufgrund des Alters und der Art der Schadstoffe sowie der hydrogeologischen Randbedingungen ist eine weitere Ausbreitung nicht zu erwarten. Ein signifikanter Rückgang der Schadstofffahne ist erst langfristig zu erwarten. Der geringen Schadstofffracht und der langen Schadstofffahne entsprechend ist die Schadstoffausbreitung insgesamt als begrenzt zu beurteilen.

Bedeutung des Schutzgutes: gut nutzbar

Das Grundwasser der grundwasserführenden Schichten im Bereich des Goldtruhenbaches wird trotz der geringen Ergiebigkeit durch Hausbrunnen erschlossen. Trinkwassernutzungen sind nicht vorhanden und auch zukünftig nicht zu erwarten.

Prioritätenklasse – Vorschlag: (2)

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien ergibt sich für den erheblich kontaminierten Bereich die Prioritätenklasse 2.

 

Datum der Texterstellung:    Februar 2019