Altlast N82: Glanzstoff - Traisenau

Östlich des ehemaligen Betriebsstandortes der Glanzstoff Austria, der sich im Stadtgebiet von Sankt Pölten befindet, wurden von 1930 bis 1990 im Augebiet der Traisen („Traisenau“) auf einer Fläche von 65.000 m² Abfälle mit einem Gesamtvolumen von ca. 85.000 m³ abgelagert.

Der Großteil der Ablagerungen weist geringe Verunreinigungen auf und stellt keine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar. Am östlichen Rand der Altablagerung sind rund 24.000 m³ Anschüttungen mit hohen Schadstoffgehalten vorhanden. Zeitweise wurden in diesem Bereich Grundwasserverunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und Metallen festgestellt. Der östliche Teil der Altablagerung stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird eine Einstufung in Prioritätenklasse 3 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Pölten (Stadt),
St. Pölten,
St. Pölten,
1560/12, 1560/96
Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Sankt Pölten (Stadt),
St. Pölten,
Viehofen,
395/14, 395/28, 395/34, 395/35, 395/36, 414/5
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll,
Bauschutt
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 20.000 m²
Volumen Altlast (m³): 24.000 m³
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Schmierstoffe/Hydrauliköle)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.07.2018
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.07.2018
Priorität: 3

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Östlich des ehemaligen Betriebsstandortes der Glanzstoff Austria, der sich im Stadtgebiet von Sankt Pölten befindet, wurden von 1930 bis 1990 im Augebiet der Traisen („Traisenau“) Abfälle abgelagert.

Am südlichen Rand des Ablagerungsbereiches befand sich die alte Kläranlage der Firma Glanzstoff die von 1930 bis 1990 betrieben wurde. Im westlichen Ablagerungsbereich befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Barackenlager, das in den 70-er und 80-er Jahren abgerissen wurde.

Es können zwei Ablagerungsbereiche unterschieden werden. Im westlichen Bereich sind auf einer Fläche von rund 20.000 m² ca. 20.000 m³ Reste des Barackenlagers abgelagert. Im östlichen und südlichen Bereich wurden auf einer Fläche von ca. 45.000 m² vorwiegend Klär- und Kalkschlamm aus der alten betrieblichen Kläranlage sowie betriebliche Abfälle (z.B. Viskosereste) mit einem Volumen von ca. 65.000 m³ abgelagert.

Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung liegt innerhalb der quartären Alluvionen des Traisentals auf einer Höhe von etwa 263 m ü. A. Im Bereich der Altablagerung besteht der Untergrund aus ca. 8 m mächtigen sandigen und steinigen Kiesen (Traisenschotter), die den ersten Grundwasserleiter darstellen. Darunter folgen bis zu einer Tiefe von rund 40 m Sande mit wechselnden Schluff- und Feinkiesgehalten. In diese Sedimente sind Sandstein-, Konglomerat- und Tonlagen eingeschaltet. Zwischen ca. 40 m und 47 m unter Gelände besteht der Untergrund aus Ton.

Die Altablagerung liegt im Bereich des Grundwasserkörpers „Traisental“. Der Grundwasserkörper „Traisental“ erstreckt sich von Traisen im Süden bis zur Donau im Norden. Er umfasst eine Gesamtfläche von 97 km². Die Längserstreckung beträgt 38 km, die maximale Breite 5 km.

Aus hydrogeologischer Sicht bilden die quartären Schotter den Aquifer für den wasserwirtschaftlich bedeutsamen Porengrundwasserkörper des Traisentals. Der Grundwasserflurabstand beträgt ca. 3 – 5 m. Die Mächtigkeit des Grundwasserkörpers liegt zwischen 5 und 15 m (im Mittel ca. 8,0 m). Der Durchlässigkeitsbeiwert innerhalb der quartären Schotter liegt zumeist bei rund 10-3 m/s. Die unterlagernden Schluffe und Sande weisen zumeist eine um einige 10er-Potenzen geringere Durchlässigkeit auf und fungieren aus hydrogeologischer Sicht als relativer Grundwasserstauer. Die Grundwasserströmungsrichtung verläuft ca. von SSW nach NNE, in etwa parallel zur Traisen. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt ca. 0,30 – 0,40 %.

Der Grundwasserdurchfluss kann über eine angenommene Abstrombreite im Bereich der Altablagerungen von 270 m mit rund 650 m³/d abgeschätzt werden. Bei einem mittleren Jahresniederschlag von 660 mm ergibt sich eine mittlere Verdünnung des Sickerwassers im Grundwasser von rund 1:30.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Bereich der Altablagerung ist eine Grünfläche. Die Einfahrt ist durch Schranken unterbunden. Nördlich der Traisenau befinden sich 2 KFZ-Werkstätten und ein Schotterteich, unmittelbar östlich fließt die Traisen und im Süden grenzen die alte städtische Kläranlage und Einfamilienhäuser an.

Im Grundwasseranstrom befindet sich eine Wasserversorgungsanlage einer Schule, im Bereich der Glanzstoff Austria befinden sich 14 Nutzwasserbrunnen. Im Abstrom der Altablagerung sind keine wasserrechtlich bewilligten Grundwasserentnahmen für Trinkwasser vorhanden. Es befinden sich lediglich Brunnen mit Wärmepumpen und Versickerungen im Abstrom. Das lokale Grundwasservorkommen ist von hoher wasserwirtschaftlicher Bedeutung.

 

UNTERSUCHUNGEN

Untersuchungen in den 1990-er Jahren

Im östlichen Teil der Altablagerung wurden im Jahr 1990 Bohrungen bis zum Grundwasserstauer abgeteuft, Feststoffproben aus der Altablagerung genommen und die Eluatgehalte bestimmt. Dabei wurden erhöhte Konzentrationen der Parameter CSB, Sulfat, Zink und Kohlenwasserstoffe festgestellt. Das Grundwasser wurde bei 3 m unter Gelände angetroffen, die Ablagerung reichte bis in diesen Bereich.

Im Norden der Traisenau wurden im Rahmen der geplanten Errichtung eines Altstoffsammelzentrums 3 Schürfe errichtet. Es wurden dabei keine anthropogenen Anschüttungen vorgefunden.

Im Bereich des ehemaligen Barackenlagers wurden im Jahr 1994 vier Schürfe niedergebracht und der Untergrund visuell beurteilt. Es wurden Ablagerungen mit Ziegel- und Betonbruch sowie Metallteile festgestellt.

Untersuchungen 2012 bis 2014

In den Jahren 2012 bis 2014 wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Entnahme von Feststoffproben aus 95 Schürfen, Untersuchung von 121 ausgewählten Feststoffproben im Gesamtgehalt und Eluat im Jahr 2012
  • Errichtung von 7 Grundwassermessstellen im Jahr 2013
  • Grundwasseruntersuchungen an einer vorhandenen und 7 neu errichteten Grundwassermessstellen an 4 Terminen, Pumpversuche am 3. Termin

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Östlich des ehemaligen Betriebsstandortes der Glanzstoff Austria, der sich im Stadtgebiet von Sankt Pölten befindet, wurden von 1930 bis 1990 im Augebiet der Traisen („Traisenau“) Abfälle abgelagert. Am südlichen Rand des Ablagerungsbereiches befand sich die alte Kläranlage der Firma Glanzstoff, die von 1930 bis 1990 betrieben wurde. Im nördlichen Ablagerungsbereich befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Barackenlager, das in den 70-er und 80-er Jahren abgerissen wurde.

Es können zwei Ablagerungsbereiche unterschieden werden. Im westlichen Bereich sind auf einer Fläche von rund 20.000 m² ca. 20.000 m³ Reste des Barackenlagers abgelagert. Im südlichen und östlichen Bereich wurden auf einer Fläche von ca. 45.000 m² vorwiegend Klär- und Kalkschlamm sowie betriebliche Abfälle (z.B. Viskosereste) mit einem Volumen von ca. 65.000 m³ abgelagert.

Bei den Feststoffuntersuchungen wurden im östlichen Bereich der Altablagerung auf einer Fläche von 14.000 m² hohe Schadstoffgehalte (Mineralölkohlenwasserstoffe, Blei, Zink, Kupfer) festgestellt. Die Anschüttungen in diesem Bereich bestehen vorwiegend aus Produktionsabfällen, Kalkablagerungen und ölschlammartigen Abfällen mit einem Volumen von ca. 24.000 m³.

Der westliche Teil der Altablagerung (Barackenreste) sowie der westliche und südliche Teil der betrieblichen Ablagerungen weisen geringere Verunreinigungen und insgesamt keine große Schadstoffmenge auf.

Die Ablagerungen erfolgten auf das natürliche Gelände. Bei sehr hohen Grundwasserständen steigt das Grundwasser bis in den Bereich der Ablagerungen. Die Grundwasseruntersuchungen zeigen keine signifikanten Veränderungen der Grundwasserqualität im Abstrom der Altablagerung. Die Konzentrationen der Parameter Natrium und Chlorid sind im An- und Abstrom erhöht. Im östlichen Teil der Altablagerung wurden im Grundwasser zeitweise erhöhte Kohlenwasserstoff- und Kupferkonzentrationen festgestellt. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse ist davon auszugehen, dass es sich um eine kleinräumige Grundwasserverunreinigung handelt und es zu keiner weitreichenden Schadstoffausbreitung im Grundwasser kommt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Bereich der Altablagerung Ablagerungen im Ausmaß von insgesamt rund 85.000 m³ vorhanden sind. Der Großteil der Ablagerung weist geringe Verunreinigungen auf und stellt keine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar. Am östlichen Rand der Altablagerung sind rund 24.000 m³ Anschüttungen mit hohen Schadstoffgehalten vorhanden. Die Ablagerungen im östlichen Bereich weisen insgesamt eine große Schadstoffmenge auf. Zeitweise wurden in diesem Bereich Grundwasserverunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und Metallen festgestellt. Der östliche Teil der Altablagerung stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

Auf einer Fläche von rund 14.000 m² wurden von etwa 1930 bis 1990 Klärschlamm der Abwasserreinigungsanlage der Fa. Glanzstoff und Betriebsabfälle mit einem Volumen von rund 24.000 m³ abgelagert. Die Ablagerungen sind mit Mineralöl und Metallen stark verunreinigt. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als groß zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: lokal

Im Grundwasser wurden nur zeitweise Verunreinigungen mit Kohlenwasserstoffen oder Metallen festgestellt. Es ist keine dauerhafte Schadstofffahne im Grundwasser ausgebildet. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist gering. Es ist zukünftig mit keiner wesentlichen Änderung des Schadensbildes zu rechnen. Insgesamt ist die Schadstoffausbreitung als lokal zu klassifizieren.

Bedeutung des Schutzgutes: gut nutzbar

Das Grundwasser im Bereich der Altablagerung ist sehr ergiebig. Es sind zahlreiche Brunnen für gewerbliche Nutzung, Nutzwasser- und Bewässerungszwecke in der Umgebung der Altablagerung vorhanden. Es sind zukünftig keine höherwertigen Grundwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten. Aufgrund der Nutzung und der Ergiebigkeit wird das Schutzgut Grundwasser als gut nutzbar eingestuft.

Vorschlag Prioritätenklasse: 3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung: August 2016