Altlast N60: Lackfabrik Eisenstädter - Teilbereich Ost

Im Bereich des Altstandortes wurde von 1900 bis 1971 eine Lackfabrik betrieben. Danach wurde der Standort für verschiedene gewerbliche Zwecke genutzt. Der Untergrund und das Grundwasser im Bereich des Altstandortes sind erheblich mit Mineralölprodukten verunreinigt, wobei sich ein jüngerer Heizölschaden mit älteren Verunreinigungen überlagert. Am Altstandort schwimmt auf einer Fläche von ca. 2.000 m² Mineralöl am Grundwasser auf.

Derzeit werden Maßnahmen zur Sanierung des Grundwassers durchgeführt. Der Altstandort stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Entsprechend der Bewertung der Untersuchungsergebnisse wird vorgeschlagen, den Altstandort in die Prioritätenklasse 3 einzustufen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Mödling,
Vösendorf,
Vösendorf,
839, .230/2, .230/3
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Farben- und Lackindustrie
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 12.000 m²
Volumen Altlast (m³): 9.000 m³
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Diesel/Heizöl)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 01.11.2006
Datum der Prioritätenfestlegung: 01.11.2006
Priorität: 3
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.11.2006

BESCHREIBUNG DES ALTSTANDORTES

Der Altstandort „Lackfabrik Eisenstädter - Teilbereich Ost“ liegt in der Gemeinde Vösendorf, südlich der Ortsstraße, nördlich des Petersbaches und westlich der Deutschstraße. Der Altstandort umfasst eine Fläche von etwa 11.500 m² und stellt den mittleren und östlichen Abschnitt der ehemaligen Lackfabrik Eisenstädter (insgesamt ca. 15.800 m²) dar.

Die „Lackfabrik Eisenstädter“ war zwischen 1900 bis 1971 in Betrieb. Der östlichste Teil des Altstandortes wurde nicht als Lackfabrik genutzt. Hier befand sich in den letzten 30 Jahren eine Maschinenfabrik, davor waren die Vereinigten Wäschereien Wien und eine Werkstätte für Baumaschinen am Altstandort.

Aus dem Jahr 1941 ist der Bestand folgender Anlagen im Bereich der Lackfabrik Eisenstädter bekannt:

  • Farbwerk: Trockenfarben wurden mit Öl oder Lacken verarbeitet und abgefüllt.
  • Öllackabteilung: Sie bestand aus einer Lackschmelzerei und zwei Sudhäusern mit diversen Feuerstellen. Hier wurden Harze und Öle verkocht und zur Herstellung von Schwarzlacken, Asphalt, Pech und Bitumen eingeschmolzen. Die gewonnenen Lacke wurden der Filterstation zugeführt, wo sie durch Zentrifugieren gereinigt wurden.
  • Kannenkocherei: Es existierten Becken, in denen gebrauchte Kannen in alkalischen Wassern ausgekocht und anschließend mechanisch gereinigt wurden.
  • Gebäude mit Werkswohnungen, Portierloge, Sanitärräume
  • Lager

Es ist bekannt, dass im Jahr 1943 insgesamt sechs Behälter (je 5.000 l) zur unterirdischen Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten genehmigt wurden. Weiters wurde im Jahr 1954 eine Treibstofftankanlage für Mineralöle und Treibstoffe bestehend aus acht unterirdischen Behältern mit insgesamt 200.000 l Fassungsvermögen genehmigt. Die genaue Lage der Behälter bzw. der Treibstofftankanlage konnte nicht erhoben werden. Die oberirdische Lagerung von Lösungsmitteln und Lacken im östlichen Abschnitt des Altstandortes wurde 1975 aufgelassen. In den 70iger Jahren wurden die Altanlagen abgebrochen und Lager-, Verkaufs- und Bürogebäude errichtet. Im Zuge der Abbrüche wurden auch unterirdische Behälter entfernt. 1976 wurde die Bewilligung zur Errichtung eines unterirdischen Heizöltanks (50.000 l) im westlichen Teil des Altstandortes erteilt. Während des Betriebes der Lackfabrik Eisenstädter wurden Abwässer in den Petersbach eingeleitet.

Sanierungsmaßnahmen

Im Jahr 1977 wurde im östlichen Abschnitt des Altstandortes bei Erdarbeiten eine Verunreinigung des Untergrundes festgestellt. Die Verunreinigung wurde als Lösungsmittelkontamination angesprochen. Als Sanierungsmaßnahme wurde unter anderem die Errichtung eines Schachtbrunnens mit einem Dränagestrang und ein laufendes Abschöpfen der flüssigen Verunreinigungen bzw. der Ölphase vorgeschrieben.

1996 wurden im nordwestlichen Teil des Altstandortes Kontaminationen durch Heizöl extra leicht (rote Ölphase) festgestellt. Die Kontaminationen befinden sich im Bereich eines unterirdischen Heizöltanks mit einem Fassungsvermögen von 50 m³. Im Juli 1997 wurden 2 Sanierungsbrunnen (SB1, SB2) errichtet und in Betrieb genommen. In den Brunnen wurden Skimmerpumpen installiert, mit welchen die aufschwimmende Ölphase abgesaugt und über einen mobilen Ölabscheider getrennt wurde. Aufgrund des niedrigen GW-Spiegels erfolgte der Pumpbetrieb in beiden Brunnen intermittierend. Im Herbst 1997 wurde ein dritter Sanierungsbrunnen (SB 3) errichtet. Zwischen Juli 1997 und Februar 1998 wurden insgesamt 4.830 kg Öl abgesaugt.

Im Februar 1998 wurde an mehreren Brunnen bzw. Grundwassermessstellen die Ölphase beprobt und eine Alter- und Produktbestimmung durchgeführt. Dabei wurden zwei Generationen an Schadensfällen identifiziert. Bei einem Teil der Proben handelt es sich um eine bereits sehr stark abgebaute Mitteldestillat-Fraktion wobei das Alter mit etwa 20 Jahren abgeschätzt wurde. Andere Ölphasenproben wurden als junger Schaden beschrieben, wo noch keine Anzeichen eines biologischen Abbaues erkennbar sind.  

Im Frühjahr 1998 wurde im nordöstlichen Teil des Altstandortes eine Drainageanlage mit einem Pumpen- und Ölabscheiderschacht in Betrieb genommen. Mit Hilfe dieser Anlage wurde laufend aufschwimmendes Öl aus dem Grundwasser entfernt. Zwischen März und August 1998 wurden insgesamt 47.830 kg Öl-Wasser-Gemisch entsorgt. Im August 1998 wurde die Drainage stillgelegt, da nur mehr eine braune und nicht mehr die rote Ölphase gefördert wurde. Die Sanierungsanlagen wurden längere Zeit nicht betrieben bzw. gewartet.  

Anfang August 2001 wurden die Sanierungsmaßnahmen fortgesetzt. Es wurde bei denjenigen Sonden bzw. Brunnen, wo eine Ölphase angetroffen wurde, das Öl-Wassergemisch abgesaugt. Es wurden allerdings nur die Sonden im Nahbereich des unterirdischen Heizöltanks berücksichtigt (S0-S4, S6-S11, SB1-SB3). Bis Anfang März 2003 wurden ca. 130 l Öl abgepumpt. Zwischen September 2001 und März 2003 wurden 1.800 kg Wasser-Ölgemisch entsorgt.

Um festzustellen, ob es sich bei der im Bereich des Heizöltanks aufgetretenen roten Ölphase um dasselbe Produkt wie bei der braunen Ölphase im Abstrombereich des Altstandortes handelt, wurden Öluntersuchungen durchgeführt. Im Juni und Juli 2003 wurden aus den Peilrohren bzw. Grundwassermessstellen S22p, Brunnen, Peilrohr Drainagegraben und S 8 Schöpfproben sowie im August eine Mischprobe bzw. Schöpfprobe aus den Grundwassermessstellen S1 bis S3 und aus S 17 entnommen und hinsichtlich der Zusammensetzung und des Alters des Öls untersucht. Die Untersuchungen ergaben, dass es sich bei allen Proben um Heizöl extra leicht ähnlichen Alters handelt. Zur Bestätigung der Ergebnisse wurden im November 2003 aus den Probenahmestellen S2neu, Brunnen, Mineralölabscheider und S22p Ölproben entnommen und untersucht. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass es sich sehr wahrscheinlich bei allen Proben um Heizöl extra leicht handelt, der Schadenszeitraum wird mit Anfang 1989 bis Anfang der Neuziger Jahre angegeben.  

Im Jänner 2004 wurde die Dränageanlage wieder in Betrieb genommen. Zur Verbesserung der Wirkung der Drängeanlage wurden im August 2004 zusätzlich zwei Sanierungsbrunnen (SB 5, SB 6) am südlichen Ende des Drainagegrabens und weiter südlich davon errichtet. Die Sanierungsbrunnen SB4, SB5 und SB6 wurden im September 2004 in Betrieb genommen.

Aus neu errichteten Grundwassermessstellen im südöstlichen Teil des Altstandortes (S25-S29) wurden im Mai 2004 Ölproben entnommen und hinsichtlich der Zusammensetzung und des Alters des Öls untersucht. Es handelt sich um dasselbe Produkt, das auch bisher angetroffen wurde.

Da im August 2004 trotz Sanierungsmaßnahmen ein Ölphasenanstieg festgestellt wurde, wurden aus den Grundwassermessstellen S8, S10, S27 Ölproben entnommen und untersucht. Diese Proben wiesen dieselben Charakteristika wie alle bisher untersuchten Ölproben auf. 

Im Zeitraum von November 2004 bis Juni 2005 wurden insgesamt 2.095 kg Öl- Wassergemisch abgesaugt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt am westlichen Rand des Wiener Beckens auf etwa 202 m ü.A. Im gesamten Bereich des Altstandortes liegen bis zu einer Mächtigkeit von ca. 2,5 m Anschüttungen in Form von Aushub und bauschuttähnlichen Ablagerungen vor, im südwestlichen Bereich des Altstandortes betragen die Ablagerungsmächtigkeiten bis etwa 5,5 m. Unter den Anschüttungen folgen lokal Sande, Schluffe oder Tone bis zu einer Tiefe zwischen 2 m und 5 m. Diese Sedimente werden von sandigen Kiesen und lokal von Feinsanden unterlagert, die den Grundwasserleiter darstellen. Die grundwasserführenden Sedimente wurden bis zu einer Tiefe von etwa 6 m nachgewiesen. Darunter folgen Schluffe, die als Grundwasserstauer angesprochen werden können. Das Oberflächenrelief ist im Bereich des Altstandortes relativ unregelmäßig. Die Staueroberkante kann kleinräumig bis zu 2 m schwanken.

Der Wasserspiegel des Petersbaches liegt auf etwa 200 m ü.A. Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 199 m ü.A. bis 200 m ü.A. Der Flurabstand beträgt im Bereich des Altstandortes etwa zwischen 2 m und 3 m. Im Großteil der Bohrungen wurde leicht gespanntes Grundwasser angetroffen. Während der Grundwasserbeweissicherung wurden Grundwasserspiegelschwankungen zwischen etwa 0,1 m (S0) und etwa 0,5 m (GW2) gemessen. Die Mächtigkeit des Grundwasserleiters beträgt ca. zwischen 1,5 m und 3,5 m. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann im Anstrom zum Altstandort mit etwa 10-5 m/s und im Abstrom des Altstandortes mit etwa 10-3 m/s angegeben werden. Die Grundwasserströmung ist generell nach Osten gerichtet. Durch den Betrieb von Sanierungsbrunnen kann es zur Beeinflussung der Grundwasserströmung kommen. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt im weiteren Anstrom und im Abstrom etwa 2 bis 3 ‰ und im zentralen Bereich des Altstandortes etwa 1 %. Der Grundwasserdurchfluss pro Meter Aquiferbreite kann mit etwa 0,3 m³/d abgeschätzt werden und ist als gering zu bewerten.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Auf dem Altstandort steht ein zweigeschossiges Gebäude mit einer angeschlossenen Halle, die seit einigen Jahren leer stehen. Weiters existiert ein kleiner Pavillon, der Großteil der restlichen Fläche wird als PKW Abstellplatz genutzt. Im östlichsten Teil des Altstandortes befinden sich ein eingeschossiges Gebäude und eine Lagerhalle.  

Unmittelbar südlich des Altstandortes fließt der Petersbach. Es gibt die Vermutung, dass der Petersbach den Altstandort in den 60er Jahren im Zuge von Hochwässern zumindest teilweise überflutet hat. Das Umfeld des Altstandortes wird gewerblich bzw. industriell genutzt. Im Westen befindet sich auch ein Wohngebiet. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Nordöstlich des Altstandortes existieren Hausbrunnen, die allerdings nicht zur Trinkwasserversorgung verwendet werden.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Beim Altstandort handelt es sich um einen Teilbereich einer ehemaligen Lackfabrik mit einer Fläche von etwa 11.500 m². Die Lackfabrik war zwischen 1900 und 1971 in Betrieb. Am Altstandort befanden sich unter anderem ein Farbwerk, eine Öllackabteilung, eine Kannenkocherei sowie Schuppen und Wohngebäude. Aus dem Jahr 1977 ist eine Untergrundverunreinigung bekannt. Weiters ist es etwa zwischen Anfang 1989 und Anfang 1990 zu einem Austritt von Heizöl extra leicht aus einem Heizöltank im Bereich des Altstandortes gekommen. Derzeit werden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt.

Im Rahmen von orientierenden Bodenluftuntersuchungen wurde an einem Großteil der Probenahmestellen Mineralölgeruch festgestellt. Bei den Untersuchungen der Bodenluftproben wurden für aliphatische Kohlenwasserstoffe allerdings keine erhöhten Konzentrationen gemessen. Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe wurden nur in Spuren nachgewiesen. Für aromatische Kohlenwasserstoffe wurden an einer Stelle im südwestlichsten Teil des Altstandortes erhöhte Konzentrationen (7,9 mg/m³) festgestellt. Auffällig waren die zum Teil erhöhten Methan- und Kohlendioxidkonzentrationen, die auf Abbauprozesse im Untergrund hinweisen.

Bei den Untergrundaufschlüssen wurden am Altstandort Anschüttungen in Form von Aushubmaterial und Ziegelresten festgestellt. Im südwestlichen Teil wurden auch Farben-, Schlacken- und Lackreste angetroffen. In einer Feststoffprobe aus diesen Anschüttungen wurden dementsprechend erhöhte Metallgehalte gemessen. In vielen Untergrundaufschlüssen wurde im Bereich des Grundwassers bzw. im Grundwasserschwankungsbereich optisch und geruchlich Mineralöl festgestellt, was durch die zum Teil stark erhöhten Konzentrationen für Summe Kohlenwasserstoffe mit maximal etwa 3.800 mg/kg bestätigt wird. Am Altstandort kann die Fläche des durch Kohlenwasserstoffe verunreinigten Untergrundes (> 1.000 mg/kg) im Bereich des Grundwassers bzw. des Grundwasserschwankungsbereiches mit etwa 2.500 m² abgeschätzt werden. Aufgrund der Belastung des Untergrundes und den Analysenergebnissen ist davon auszugehen, dass der stark belastete Bereich des Grundwassers bzw. des Grundwasserschwankungsbereiches auch noch nach Norden über die Grenze des Altstandortes hinausgeht. An einzelnen Probenahmestellen vor allem im östlichen Bereich des Altstandortes wurden bereits in den obersten beiden Metern deutliche Kohlenwasserstoffbelastungen gemessen. Für Summe Kohlenwasserstoffe ergaben sich auch erhöhte wasserlösliche Gehalte.

Im Zuge der Grundwasserbeweissicherung wurde in einem Teil der Grundwassermessstellen Öl in Phase angetroffen. Der Bereich mit Öl in Phase kann für den Messtermin im Dezember 2005 mit etwa 1.500 bis 2.000 m² abgeschätzt werden. Die Phasenmächtigkeit beträgt zwischen 1 mm und 10 mm. Die Messstellen, bei denen in den letzten 4 Jahren am häufigsten Öl in Phase festgestellt wurde und die Messstellen, bei denen die Ölschicht am mächtigsten war, befinden sich im Abstrom eines ehemaligen Heizöltanks. Für den Kohlenwasserstoffindex bzw. für Summe Kohlenwasserstoffe wurde auch eine geringe Vorbelastung des Grundwassers festgestellt.

Bei Produkt- und Altersuntersuchungen in den Jahren 1997 und 1998 wurden 2 verschieden alte Grundwasserbelastungen nachgewiesen. In etlichen Proben wurde eine bereits sehr stark abgebaute Mitteldestillatfraktion (z.B. Heizöl) festgestellt, wobei das Alter der Kontamination mit etwa 20 Jahren abgeschätzt wurde und es wurde ein sehr junger Schaden identifiziert. Bei Altersbestimmungen der angetroffenen Ölphase in den Jahren 2003 und 2004 wurde ein Schadenszeitraum von Anfang 1989 bis Anfang 1990 ermittelt.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse ist davon auszugehen, dass ausgehend von dem Öltank im westlichen Bereich des Altstandortes der Untergrund und das Grundwasser mit Heizöl verunreinigt wurden. Dieser jüngere Schadensfall überlagert sich mit älteren Verunreinigungen des Untergrundes und des Grundwassers, deren Ursprung nicht bekannt ist.

Derzeit werden am Altstandort Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Neben Sanierungsbrunnen ist im Abstrom des Altstandortes eine Dränageanlage in Betrieb, die den nördlichen Teil des Altstandortes erfasst. In der im Abstrom der Dränageanlage situierten Grundwassermessstelle GW 2 wurden in den Schöpfproben zwischen 0,25 und 3,2 mg/l Summe Kohlenwasserstoffe bzw. Kohlenwasserstoffindex und in der Grundwassermessstelle GW 3 im südlichen Abstrombereich des Altstandortes, der nicht durch die Dränageanlage erfasst wird, wurden in den Schöpfproben zwischen 9,1 und 181 mg/l Summe Kohlenwasserstoffe bzw. Kohlenwasserstoffindex gemessen. Trotz des geringen Grundwasserdurchflusses im kontaminierten Bereich von etwa 30-40 m³/d ergibt sich aufgrund der teilweise hohen Schadstoffkonzentrationen eine erhebliche Schadstofffracht an Kohlenwasserstoffen im Grundwasser. Die Schadstofffracht wird von den derzeit betriebenen Sanierungsanlagen vermutlich nur zum Teil erfasst. Anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass auch noch weiter im Abstrom des Altstandortes deutliche Belastungen des Grundwassers durch Kohlenwasserstoffe vorhanden sind. 

Neben den hohen Schadstoffkonzentrationen für den Parameter Kohlenwasserstoffindex wurden auch teilweise hohe Konzentrationen für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und aromatische Kohlewasserstoffe festgestellt. Zeitweise wurden an einzelnen Grundwassermessstellen auch auffällige Konzentrationen für Arsen und Chrom nachgewiesen. Die am zweiten Probenahmetermin gemessenen erhöhten CKW-Konzentrationen konnten an den restlichen Probenahmeterminen nicht bestätigt werden.

In den Oberflächenwasserproben wurden vor allem im Anstrom immer wieder auffällige Konzentrationen für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gemessen. Die Sedimentproben aus dem Petersbach ergaben keine auffälligen Belastungen.

Zusammenfassend ergeben die Untersuchungsergebnisse eine erhebliche Verunreinigung des Untergrundes, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Der Altstandort stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: erheblich

Im Bereich des Altstandortes ist eine Verunreinigung durch Heizöl extra leicht (vermutlich Anfang 1989 bis Anfang 1990) nachgewiesen. Zusätzlich ergaben sich Hinweise auf ältere Mineralölverunreinigungen. Der stark verunreinigte Untergrund am Altstandort kann mit etwa 2.500 m² abgeschätzt werden. Die Fläche der Ölphase am Grundwasser ist ca. 1.500 bis 2.000 m². Insgesamt ist das Schadstoffpotenzial als erheblich zu bewerten.

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

Die Schadstofffracht im Grundwasser ist erheblich. Durch die derzeit betriebenen Sanierungsmaß-nahmen wird zumindest ein Teil der Schadstofffracht im Grundwasser erfasst. Die aktuelle Länge der Schadstofffahne im Grundwasser kann mit ca. 100 m abgeschätzt werden. Eine wesentliche Veränderung der Schadstoffausbreitung ist aufgrund der Art der Schadstoffe und der aktuellen Sanierungsmaßnahmen nicht zu erwarten. Die Schadstoffausbreitung ist als begrenzt zu bewerten.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Der betroffene Grundwasserkörper weist eine geringe Ergiebigkeit und eine geringe wasserwirtschaftliche Bedeutung auf. Im Abstrom des Altstandortes sind keine Trinkwassernutzungen vorhanden.

Prioritätenklasse

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlasten­sa­nierungs­gesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umwelt­bundes­amt die Einstufung der Altlast „Lackfabrik Eisenstädter – Teilbereich Ost“ in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung: Mai 2006