Altlast N54: Beizschlammdeponie Ternitz

Die „Beizschlammdeponie Ternitz“ befindet sich auf dem Werksgelände der Schoeller-Bleckmann GmbH in Ternitz. Im Zeitraum von 1960 bis 1988 wurden ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz CKW-belastete Beizschlämme, Schlacken, Bauschutt und Aushub deponiert. Die abgelagerten Abfälle zeigen sehr hohe CKW- und Metallbelastungen.

Der Untergrund besteht aus sandigen Kiesen und ist gut durchlässig. Die Deponiesohle liegt lokal im Grundwasser bzw. Grundwasserschwankungsbereich. Durch die Altablagerung wird eine CKW-Verunreinigung des Grundwassers verursacht. Die „Beizschlammdeponie Ternitz“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Neunkirchen,
Ternitz,
Dunkelstein,
734/1
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: gefährliche Abfälle
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 11.000 m²
Volumen Altlast (m³): 64.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.09.2004
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2004
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2004

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Die „Beizschlammdeponie Ternitz“ befindet sich auf dem Werksgelände der Schoeller-Bleckmann GmbH in Ternitz, zwischen der Rohrwerkhalle 7 und dem öffentlichen Radweg Neunkirchen-Gloggnitz.

Im Bereich der „Beizschlammdeponie Ternitz“ wurden von 1960 bis Dezember 1988 auf einer Fläche von etwa 12.000 m² rund 64.000 m³ CKW-belastete Beizschlämme sowie Schlacken, Aushub und Bauschutt ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz deponiert. Das Volumen der Beizschlämme kann mit etwa 25.000 m³ bis 30.000 m³ abgeschätzt werden, wobei die Beizschlämme zumeist im oberen Bereich der ehemaligen Deponie bis zu einer Tiefe von maximal 5 m abgelagert wurden. Die Beizschlämme sind teilweise mit Aushub, Schlacken und Bauschutt vermischt. Die Mächtigkeit der gesamten Ablagerungen kann bis zu 9 m betragen. Die Deponiesohle liegt lokal im Grundwasser bzw. im Grundwasserschwankungsbereich.

Die Beizschlämme fallen bei der Neutralisations- und Chromatentgiftungsanlage im Zuge der Stahl- bzw. Rohrproduktion an. In der Neutralisationsanlage wurden die in der Säurebeizerei angefallenen Altsäuren mit Kalkmilch neutralisiert. Die dabei ausfallenden Metallhydroxide, im wesentlichen Eisen, Chrom, Nickel, bilden den Beizschlamm. In der Chromatentgiftungsanlage wurden die chromathältigen Spülwässer aus der Glasbeizerei mit Eisensulfat reduziert. Der entstandene Schlamm, der Eisen und Chrom in Form von Hydroxiden enthielt, wurde in die Durchlaufneutralisation eingeleitet. Die Beizschlämme bestehen generell aus Metallhydroxiden und Calciumfluorid bzw. -sulfat. Bei den Metallen überwiegen Eisen, Chrom und Nickel. Daneben treten untergeordnet Aluminium, Blei, Cadmium, Kupfer, Mangan, Silizium und Zink auf.

Die Beizschlämme wurden in insgesamt 4 Erdbecken abgelagert. Bis 1979 wurde der Beizschlamm unbehandelt abgelagert. Ab 1979 wurde der Beizschlamm in einer Kammerfilterpresse entwässert und der entstandene Filterkuchen deponiert. In den 80er Jahren fielen in der Kammerfilterpresse durchschnittlich ca. 1.000 t Filterkuchen pro Jahr an.

Die „Beizschlammdeponie Ternitz“ liegt im Schwarzatal großteils auf etwa 391 m ü.A., im nordöstlichen Bereich auf etwa 387 m ü.A. und im südöstlichen Bereich auf etwa 385 m ü.A. Der Untergrund wird aus sandigen Kiesen aufgebaut, in die lokal Fein- bzw. Mittelsandlagen sowie zum Teil auch Schlufflagen eingeschaltet sein können. Diese Sedimente sind bis zu 30 m mächtig und stellen den Grundwasserleiter dar. Darunter folgen Schluffe und Tone. Neben diesen feinkörnigen Sedimenten können auch Konglomeratschichten auftreten.

Der Grundwasserspiegel liegt im Bereich der „Beizschlammdeponie Ternitz“ auf etwa 383,5 m ü. A. und 384,5 m ü. A. Die Grundwasserströmung ist generell nach Ostnordosten gerichtet. Durch Grundwasserentnahmen im Abstrom der Altablagerung wird die Grundwasserströmung lokal beeinflusst. Zwischen Mai 1989 und Juni 2004 wurden in einer Grundwassermessstelle im seitlichen Abstrom der Altablagerung Grundwasserspiegelschwankungen von maximal 1,5 m gemessen. Das Grundwasserspiegelgefälle beträgt etwa 1%. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann im unmittelbaren Bereich der „Beizschlammdeponie Ternitz“ mit etwa 10-3 m/s abgeschätzt werden. Im weiteren Abstrom beträgt die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters etwa 10-2 m/s.

Die ehemalige Deponie ist heute eine unbefestigte Ruderalfläche. Im Südwesten weist die „Beizschlammdeponie Ternitz“ eine steile Böschung auf, während im Nordosten die Böschung flach ausläuft. Südöstlich der Altablagerung befindet sich der Radweg Neunkirchen-Gloggnitz. Unmittelbar nördlich der Altablagerung liegt die Rohrwerkhalle 7 der Schoeller- Bleckmann GmbH. Im Rohrwerk wurden Entfettungsanlagen betrieben. Eine Entfettungsanlage, die etwa 130 m westlich der Beizschlammdeponie Ternitz liegt, wurde im Zeitraum von 1981 bis 1984 betrieben. In diesem Bereich war zwischen 1964 und 1981 auch eine Tauchentfettungsanlage in Betrieb. Für das Jahr 1981 ist dokumentiert, dass ca. 200 l Tetrachlorethen in den Untergrund gelangten. Weiters gibt es Hinweise, dass ein als Zwischenlager verwendeter Tetrachlorethenbehälter mit einem Fassungsvermögen von 30 m³ ausgelaufen ist. Dieser Behälter befand sich etwa 180 m westlich der Beizschlammdeponie Ternitz. Eine weitere Entfettungsanlage etwa 80 m nördlich der Beizschlammdeponie Ternitz wurde ab den 60er Jahren betrieben. Die Entfettung wurde 1998 auf ein chlorfreies Reinigungsmittel umgestellt. 

Die Schwarza fließt etwa 120 m nördlich der Altablagerung. Nordöstlich der Altablagerung befinden sich 2 Nutzwasserbrunnen und östlich der Altablagerung ein Nutzwasserbrunnen. An Werktagen werden aus den beiden Nutzwasserbrunnen nordöstlich der Altablagerung jeweils ca. 100 m³/h und aus dem Nutzwasserbrunnen östlich der Altablagerung ca. 50 m³/h entnommen. An Wochenenden und Feiertagen wird die halbe Wassermenge abgepumpt.  

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Die Altablagerung „Beizschlammdeponie Ternitz“ befindet sich auf dem Werksgelände der Schoeller-Bleckmann GmbH in Ternitz. Zwischen 1960 und 1988 wurden etwa 64.000 m³ CKW-kontaminierte Beizschlämme, Schlacken, Bauschutt und Aushub abgelagert. Das Volumen der Beizschlämme kann mit etwa 25.000 m³ bis 30.000 m³ abgeschätzt werden.

Die „Beizschlammdeponie Ternitz“ liegt im Schwarzatal. Der Grundwasserleiter ist im Bereich der Altablagerung gut durchlässig und bis zu 30 m mächtig. Da die Ablagerungen ohne technische Maßnahmen zum Grundwasserschutz erfolgten, kann ein ungehinderter Schadstoffeintrag ins Grundwasser stattfinden. Eine Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser ist aufgrund des gut durchlässigen Untergrundes möglich.

Die aus der „Beizschlammdeponie Ternitz“ entnommenen Bodenluftproben sind zum Teil stark durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe belastet. Mit Konzentrationen bis etwa 2.500 mg/m³ CKW wird der Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 von 10 mg/m³ um ein Vielfaches überschritten. Der maßgebliche Parameter ist Tetrachlorethen. Weiters wurden an einem Teil der Bodenluftproben auch die Abbauprodukte Trichlorethen und cis-1,2-Dichlorethen in erhöhten Konzentrationen gemessen. Unmittelbar außerhalb der „Beizschlammdeponie Ternitz“ wurden lokal noch bis zu 70 mg/m³ Tetrachlorethen nachgewiesen.  

In Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Bodenluftuntersuchungen ergaben die Untersuchungen der Beizschlammproben, dass diese durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe hochbelastet sind, wobei es sich hauptsächlich um Tetrachlorethen handelt. Für die leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffe sowie für Sulfat und Fluorid wurden zusätzlich erhöhte wasserlösliche Gehalte festgestellt. Die Proben aus dem gewachsenen Boden unter den Ablagerungen zeigten teilweise erhöhte CKW-Gehalte, was bestätigt, dass Schadstoffemissionen aus der Deponie in den Untergrund stattfinden. Neben den massiven CKW-Verunreinigungen wurden auch Belastungen durch die Metalle Chrom und Nickel festgestellt. Diese Metallbelastungen wurden nicht nur in den Beizschlämmen sondern auch in den restlichen im Bereich der „Beizschlammdeponie Ternitz“ deponierten Ablagerungen nachgewiesen. Für diese Metalle sowie für Chrom VI konnten zum Teil auch erhöhte wasserlösliche Gehalte gemessen werden. An einem Teil der Ablagerungsproben ergaben sich auch Hinweise auf eine Verunreinigung durch Mineralölprodukte. Die Untersuchungen der Ablagerungsproben bestätigen, dass im Bereich der „Beizschlammdeponie Ternitz“ Abfälle mit einem stark erhöhten Schadstoffpotential abgelagert wurden, die eine erhebliche Gefahr für das Grundwasser darstellen.

Die Ergebnisse der bis ins Frühjahr 2004 durchgeführten Maßnahmen zur Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass das Grundwasser im unmittelbaren Abstrom der Altablagerung durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe bzw. Tetrachlorethen verunreinigt ist. In einem für den Abstrom der Beizschlammdeponie Ternitz repräsentativen Brunnen (T63/B8) wurde eine Belastung des Grundwassers durch Terachlorethen in der Größenordnung von 100 µg/l festgestellt. Auch in den Schöpfproben, die im Zeitraum 2001 bis 2004 aus diesem Brunnen entnommen wurden, wurden stark erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen (max. 160 µg/l) gemessen. Der Vergleich der Messwerte mit dem Orientierungswerten für Grundwasser (CKW 30 µg/l bzw. Tetrachlorethen 10 µg/l) weist auf die starke Verunreinigung des Grundwassers hin.

Darüber hinaus wurden in Grundwasserproben aus dem Bereich der ehemaligen Deponie und im unmittelbaren Abstrom erhöhte Chrom und Chrom VI-Konzentrationen gemessen. Da bereits im Anstrom zur „Beizschlammdeponie Ternitz“ auffällige Chromkonzentrationen gemessen wurden, ist jedoch von einer entsprechenden Vorbelastung des Grundwassers auszugehen.

Auch im weiteren Abstrom der „Beizschlammdeponie Ternitz“ ist eine Verunreinigung des Grundwassers durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe bzw. Tetrachlorethen nachweisbar. Auf Grund der lokalen hydrogeologischen Verhältnisse und verschiedener Grundwasserentnahmen ist jedoch davon auszugehen, dass keine stationären Grundwasserströmungsverhältnisse vorherrschen und kleinräumig wechselnd stark beeinflusst werden. Da im Bereich des Rohrwerkes im Zuge der Produktion an mehreren Stellen leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe eingesetzt wurden und auch nachweislich Tetrachlorethen in den Untergrund gelangte, kann nicht eindeutig beurteilt werden, in welchem Ausmaß die erhöhten Tetrachlorethengehalte im weiteren Abstrombereich durch die „Beizschlammdeponie Ternitz“ verursacht werden.

Zusammenfassend ergibt sich, dass die „Beizschlammdeponie Ternitz“ ein erhebliches Schadstoffpotenzial darstellt und eine Grundwasserverunreinigung verursachen. Die Altablagerung „Beizschlammdeponie Ternitz“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden.

Schadstoffpotenzial: sehr hoch

Die ehemalige „Beizschlammdeponie Ternitz“ der Schoeller Bleckmann GmbH weist ein Volumen von insgesamt ca. 64.000 m³ auf. Das Volumen der Beizschlämme, die großteils durch CKW stark belastetet sind, kann mit etwa 25.000 m³ bis 30.000 m³ angegeben werden. Die in der Deponie vorhandene Gesamtmenge an CKW kann mit einer Größenordnung von mehr als 10 t abgeschätzt werden. Der maßgebliche Schadstoff ist Tetrachlorethen, der aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotenzial aufweist. Weiters sind die Beizschlämme und die in der „Beizschlammdeponie Ternitz“ abgelagerten Schlacken durch Metalle und dabei vor allem Chrom und Nickel hochbelastet. Für Chrom und Chrom VI wurden teilweise auch erhöhte wasserlösliche Gehalte nachgewiesen. Das Schadstoffpotenzial ist insgesamt als sehr hoch zu bewerten.

Schadstoffausbreitung: ausgedehnt

Auf Grund der hohen Tetrachlorethenbelastungen und der Ergiebigkeit des Grundwassers ergibt sich, dass die Schadstofffracht im Abstrom des Altstandortes groß (>25 g/d) ist. Ein relevanter mikrobieller Abbau der Belastungen im Grundwasser findet nicht statt. Auch mittel- bis langfristig ist mit keiner Veränderung bzw. Verminderung der Schadstofffracht zu rechnen. Die lokalen Grundwasserströmungsverhältnisse werden maßgeblich von Grundwasserentnahmen beeinflusst. Gleichzeitig sind auch Vorbelastungen des Grundwassers durch andere Ursachen gegeben. Die in etwa 150 m Entfernung beobachteten Belastungen des Grundwassers durch CKW bzw. Tetrachlorethen werden zum Teil von der „Beizschlammdeponie Ternitz“ verursacht. Die maximal  mögliche Länge der von der Altablagerung ausgehenden Schadstofffahne bei unbeeinflussten Grundwasserströmungsverhältnissen kann mit bis zu 500 m abgeschätzt werden. Der großen Schadstofffracht und der ausgedehnten Schadstofffahne entsprechend ist die Schadstoffausbreitung insgesamt als ausgedehnt zu bewerten.

Schutzgut: gut nutzbar

Der betroffene Grundwasserkörper ist quantitativ gut nutzbar. Im Abstrom der Altablagerung sind keine Trinkwassernutzungen bekannt. Das Grundwasser im unmittelbaren Bereich der Beizschlammdeponie Ternitz wird als industrielles Nutzwasser genutzt.

Prioritätenklasse:

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung der Altablagerung „Beizschlammdeponie Ternitz“ in die Prioritätenklasse 2 vor.

 

Datum der Texterstellung: Juni 2004