Sanierte Altlast N5: Gemeindedeponie Aderklaa

Eine ehemalige Geländemulde von ca. 1 ha wurde in den 70er und 80er Jahren zuerst mit Hausmüll, dann mit Bauschutt aufgefüllt. Zusätzlich wurden gewerbliche Ablagerungen festgestellt, die zum Teil sehr hohe Schadstoffgehalte aufwiesen. Es war davon auszugehen, dass umweltgefährdende Substanzen in das Grundwasser gelangten.

Anfang 2003 wurde die Altablagerung geräumt. Haus-, Sperrmüll, Fässer und das kontaminierte Aushubmaterial wurden entsorgt. Die Grube wurde mit gewachsenem Boden wiederverfüllt und mit dem wenig bzw. nicht verunreinigten Aushubmaterial aufgehöht. Es ist davon auszugehen, dass aktuell und in Zukunft keine Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser stattfinden kann. Die Altablagerung stellt keine erhebliche Gefährdung für die Umwelt mehr dar und ist als saniert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Gänserndorf,
Aderklaa,
Aderklaa,
199/1, 200
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Betriebsdeponie
Art der Ablagerungen: Industrie-/Gewerbemüll,
Hausmüll,
Aushubmaterial/Abraum
Fläche Altlast (m²): 15.000 m²
Volumen Altlast (m³): 45.000 m³
Schadstoff(e) Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 21.09.1990
Datum der Prioritätenfestlegung: 20.04.1992
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 15.09.2007
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2007

Beschreibung der Altablagerung

Die Altablagerung „Gemeindedeponie Aderklaa“ liegt am westlichen Rand der Ortschaft Aderklaa innerhalb des Marchfeldes. Die Altablagerung wurde ca. von Beginn der 70er Jahre bis 1986 zuerst als Hausmüll-, später als Bauschuttdeponie betrieben.

Die Schüttung erfolgte in eine etwa 5 m tiefe Geländemulde. Das Flächenausmaß beträgt ca. 1 ha. Die Deponiesohle liegt im Schwankungsbereich des Grundwassers. Im Jahr 1987 wurde die Fläche planiert und mit bewuchsfähigem Material abgedeckt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Das Gelände im Bereich der Altablagerung liegt auf etwa 157 m ü.A. Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 153,5 m ü. A. Der oberste Grundwasserhorizont wird aus sandigen Kiesen mit geringmächtigen feinklastischen Zwischenschichten gebildet. Der Grundwasserleiter weist im Bereich der Altablagerung eine sehr gute Durchlässigkeit (kf-Wert ca. 10-2 m/s) und eine Mächtigkeit von mehr als 25 m auf. Die Grundwasserfließrichtung ist generell nach Südsüdost gerichtet.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Das Grundwasser im Bereich des Marchfeldes wird intensiv für Bewässerungszwecke genutzt. Trinkwassernutzungen im Abstrom der Altablagerung sind keine vorhanden.

Die angrenzenden Grundstücke werden landwirtschaftlich genutzt. Im Norden der Altablagerung befindet sich die Zufahrtsstraße nach Aderklaa.

Gefährdungsabschätzung

Beim Vergleich der Analysenergebnisse der im Abstrom liegenden Sonde mit der als Nullsonde herangezogenen Trinkwasserversorgungsanlage Aderklaa ist keine wesentliche Beeinträchtigung des Grundwassers feststellbar. 

Die Bodenluftuntersuchung ergab Maximalwerte für Methan und Kohlendioxid von 3,1 Vol% bzw. 5,5 Vol%. An einer Stelle wurde Trichlorethen in einer Konzentration von 14,1 mg/m³ nachgewiesen. 

Im Zuge von neun Probeschürfungen zur Verifizierung der Ergebnisse der geoelektrischen und geomagnetischen Untersuchungen wurden an drei Stellen der Altlast teilweise mit Lackresten und Öl gefüllte, zum Teil stark korrodierte Fässer gefunden. Das Ausmaß der noch vergrabenen Gebinde lässt sich nicht exakt angeben. Bei den restlichen sechs Schürfen wurde ausschließlich inertes Material gefunden.

Es wurden 14 Materialproben von dem bei den Schürfarbeiten freigelegten Deponiegut sowie acht Proben der Fassinhalte entnommen. Die Ergebnisse der Eluatuntersuchungen der Bodenproben in der Umgebung der Fässer wiesen die in der folgenden Tabelle dargestellten Höchstwerte auf.

Vergleich der Höchstwerte der Eluate der Bodenproben aus der Umgebung der vorgefundenen Fässer mit dem Grenzwert der Deponieklasse II (Landesamt für Wasser und Abfall, Nordrhein-Westfalen)

Parameter Analysenwert Grenzwert
Deponieklasse II
Ammonium-N
Bor
Summe-KW
6,77 mg/l
2,79 mg/l
4,22 mg/l
4,2 mg/l
1,0 mg/l
1,0 mg/l

 

Die Grenzwerte der Deponieklasse II wurden vom Landesamt für Wasser und Abfall, Nordrhein Westfalen mit dem Entwurf der Richtlinien über die Untersuchung und Beurteilung von Abfällen ausgewiesen und wurden zum Zeitpunkt der Gefährdungsabschätzung des Umweltbundesamtes zur Beurteilung der Ergebnisse herangezogen. Die Ergebnisse der Eluatanalysen weisen nach, dass Teile der abgelagerten Stoffe der Deponieklasse III (hausmüllähnliche Abfälle) zuzuordnen sind.

Die Bodenproben wurden weiters nach der APHA-Methode (Standard methods for the examination of water and wastewater 1985, 503E) auf ihre Gehalte an Ölen und Fetten untersucht. In einer Probe wurden 207 g/kg TS nachgewiesen. Für den Parameter Summe Kohlenwasserstoffe wurde ein Maximalwert von 183 g/kg TS festgestellt. Daraus ist ersichtlich, dass der Boden stark mit kohlenwasserstoffhältigen Verbindungen belastet ist. Nach dem zum Zeitpunkt der Gefährdungsabschätzung des Umweltbundesamtes zur Beurteilung der Ergebnisse herangezogenen niederländischen Leitfaden für Bodensanierung wird der Richtwert für Sanierungsmaßnahmen mit 5 g Mineralöl/kg TS angegeben. Die Analyseergebnisse lassen auf keine erhöhten Schwermetallgehalte in den Erdproben schließen.

Die Fassinhalte wurden mit speziellen Analysemethoden (IR-Untersuchung, GC-IRD-MSD-Screening, RF-Analyse) untersucht. Bei der Analyse des Fassinhaltes eines Schurfes (zähflüssig, klebrig, Geruch nach Lösemittel) wurde verunreinigtes Alkydharz auf Phthalsäurebasis identifiziert. Alkydharze werden oft als Bindemittel für Lacke und Anstrichstoffe und als Spachtelmasse oder Schleifmittel verwendet. Vier Analysen ergaben folgende Hauptkomponenten der weiteren Fassinhalte: Essigsäureisobutylester, Xylole und Styrol.

Die Untersuchungen zeigten, dass eine erhebliche Gefährdung des Grundwassers gegeben war. Es musste angenommen werden, dass Substanzen in Folge des teilweise hohen Korrosionsgrades der Fässer in das Grundwasser gelangten, in der abströmig situierten Sonde jedoch nicht nachgewiesen werden konnten.

Sanierungsmaßnahmen

Im Bereich der Atlablagerung „Gemeindedeponie Aderklaa“ wurden im Zeitraum von Jänner bis Mai 2003 folgende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Aushub der Deponie
  • Entsorgung bzw. Zwischenlagerung des Aushubmaterials

  • Beweissicherung der Aushubsohle

  • Verfüllung, Aufhöhung mit Aushubmaterial, Rekultivierung

  • Grundwasserbeweissicherung

Bewertung der Sanierungsmaßnahmen

Es wurde das gesamte Ablagerungsmaterial ausgehoben und erheblich verunreinigte Teile davon entsorgt. Obwohl die Dokumentation der Untersuchung der Räumungssohle nicht eindeutig nachvollziehbar ist, ist davon auszugehen, dass keine erheblich verunreinigten Untergrundbereiche am Standort verblieben sind. Der ausgehobene Bereich wurde mit unbelastetem Fremdmaterial verfüllt und das wenig belastete Aushubmaterial haldenförmig auf die Verfüllung mit Fremdmaterial umgelagert.

Die nach der Räumung der Altablagerung „Gemeindedeponie Aderklaa“ entnommenen Grundwasserproben zeigen erhöhte Konzentrationen bei den Parametern Chlorid, Nitrat und Sulfat, wie sie im landwirtschaftlich genutzten Marchfeld nicht ungewöhnlich sind. Die erhöhten Magnesiumkonzentrationen sind geogenen Ursprungs.

Bei dem für die Altablagerung „Gemeindedeponie Aderklaa“ maßgeblichen Parameter Summe KW lagen die Konzentrationen großteils unter der Nachweisgrenze. Lediglich einmalig wurde bei Sonde S 3 der Prüfwert der ÖNORM S 2088-1 leicht überschritten. Auch beim Parameter Ammonium waren nur geringe Konzentrationen nachweisbar. Somit ergeben sich keine Hinweise auf eine Beeinflussung des Grundwassers durch altlastenrelevante Schadstoffe.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der durchgeführten Aushub- und Entsorgungsmaßnahmen die Schadstoffquelle entfernt wurde. Das umgelagerte Aushubmaterial weist nur geringe Belastungen auf und stellt keine Gefahr für das Grundwasser dar. Mit Hilfe der Abdeckungsmaßnahmen wurde die Sickerwasserbildung im sanierten Bereich minimiert. Im Grundwasser ist keine Beeinträchtigung durch Sickerwasseremissionen erkennbar. Es ist davon auszugehen, dass auch hinkünftig keine Ausbreitung von Schadstoffen stattfinden wird. Von der Altablagerung „Gemeindedeponie Aderklaa“ geht keine erhebliche Gefahr mehr für das Schutzgut Grundwasser aus. Die Altablagerung ist daher als saniert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung: März 2007