Altlast N46: Tanklager Mare

Am Altstandort „Tanklager Mare“ in Korneuburg werden seit den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts Mineralöl und Mineralölprodukte gelagert und umgeschlagen. Die Fläche des Areals beträgt rund 20.000 m², auf einer Fläche von ca. 9.000 m² innerhalb des Altstandortes ist der Untergrund erheblich mit Mineralölprodukten verunreinigt.

In Teilbereichen schwimmen Ölschlieren auf dem Grundwasser auf. Ausgehend von den Untergrundverunreinigungen ist das Grundwasser im Bereich des Altstandortes mit Mineralölkohlenwasserstoffen und untergeordnet mit aromatischen Kohlenwasserstoffen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen beeinträchtigt. Bisher wurde keine weitreichende Ausbreitung der Grundwasserverunreinigung festgestellt und ist auch zukünftig nicht zu erwarten. Die Verunreinigungen des Untergrundes im Bereich des Tanklagers verursachen eine erhebliche Gefährdung des Grundwassers. Es wird vorgeschlagen, den Altstandort „Tanklager Mare“ in die Prioritätenklasse 3 einzustufen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Korneuburg,
Korneuburg,
Korneuburg,
1340, .1329, .1330, .1331, .1332, .1333
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 26.000 m²
Volumen Altlast (m³): 18.000 m³
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (aliphatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 27.08.2001
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.03.2010
Priorität: 3
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Beobachtung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 12.05.2003

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Das Tanklager Mare befindet sich westlich des Stadtgebietes von Korneuburg  zwischen der Autobahn A22, unmittelbar nordwestlich der Autobahnabfahrt Korneuburg Ost und der Donau.

Auf dem Altstandort werden seit den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts Mineralöl und Mineralölprodukte gelagert. Der Altstandort war der Umschlagplatz von Mineralöl für eine nahegelegene Raffinerie (Altlast N 16 „Tuttendorfer Breite“). Durch jahrelangen Betrieb des Mineralöllagers und damit verbundenen Manipulationsverlusten sowie durch Beschädigungen aus Bombardierungen während des 2. Weltkrieges kam es Mineralölverunreinigungen des Untergrundes.

Im Jahr 1996 wurde im Bereich des nördlichsten Tanks der Austritt von rund 5.000 Liter Benzin festgestellt. Im Zuge von Sofortmaßnahmen wurde kontaminierter Untergrund ausgehoben. Anschließend wurde für die Dauer von rund 14 Monaten Grundwasser aus 2 Sperrbrunnen im Abstrom des Schadens entnommen und gereinigt. Die Pumpmaßnahmen wurden beendet, nachdem die Belastungen des abgepumpten Wassers durch Kohlenwasserstoffe (gewählter Parameter Summe Kohlenwasserstoffe) einen Sanierungszielwert von 5 mg/l unterschritten.

Im Jahr 2008 wurden Teile des Tanklagers erneuert und die jährliche Umschlagmenge gesteigert. Die Fläche des Altstandortes beträgt ca. 20.000 m².

Untergrundverhältnisse

 In weiten Teilen des Tanklagers existieren künstliche Ablagerungen (schluffige- kiesige Lagen, Bauschutt, Ziegel, Kies-Erde Gemisch). Der Untergrund wird am Altstandort wie folgt aufgebaut:

  • künstliche Ablagerungen (bis zu ca. 5 m mächtig),
  • Wechsellagerungen aus Aulehm und Ausand (von einigen Zentimeter bis zu 0,5 m mächtig, stellenweise wurden Aulehmschichten bis zu 4 m erbohrt),
  • quartäre Kiese (Donauschotter) bis zur Endtiefe der Kernbohrungen (max. 8 m unter GOK).

Die Basis der quartären Kiese wurde im Zuge der Untergrunderkundungen nicht angetroffen. Auf Basis von Bohrungen in der Umgebung (Altlast N33 „Werft Korneuburg) kann der Stauer (tertiäre Tone und Schluffe) bei rund 11 bis 16 m unter GOK angenommen werden. Die quartären Sedimente bilden den ersten Grundwasserleiter. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt ca. 3 bis 4,5 m, die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters ca. 10-2 bis 10-4 m/s. Entsprechend den Einflüssen des Donauwasserstandes kann das Grundwasserspiegelgefälle mit rund 0,2 bis 0,4 % abgeschätzt werden, der hydraulische Durchfluss im Bereich des Altstandortes schwankt daher zwischen etwa 300 bis 500 m³/d.

Die lokale Grundwasserströmungsrichtung wird von der Wasserführung der Donau beeinflusst und ist daher sehr unterschiedlich. Während bei niederen Donauwasserständen das Grundwasser zur Donau nach Südwesten fließt, dreht sich die Grundwasserströmungsrichtung bei anhaltendem Hochwasser bis nach Osten.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort wird zur Zeit gewerblich als Tanklager genutzt. In der unmittelbaren Umgebung des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. In den nahegelegenen Siedlungs- und Gewerbegebieten in Richtung Osten und Norden (rund 500 bis 700 m entfernt) bestehen Hausbrunnen und Nutzwasserentnahmen. Etwa 1,5 km nordöstlich des Altstandortes befinden sich vier Trinkwasserbrunnen der NÖSIWAG. Die Altlast N16 „Tuttendorfer Breite“ liegt in ca. 600 m Entfernung in Richtung Nordosten.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf dem Altstandort „Tanklager Mare“ werden seit den 30-er Jahren des 20.Jahrhunderts Mineralöl und Mineralölprodukte gelagert und umgeschlagen. Der Altstandort war der Umschlagplatz von Mineralöl für eine nahegelegene Raffinerie (Altlast N 16 „Tuttendorfer Breite“). Durch jahrelangen Betrieb des Mineralöllagers und damit verbundenen Manipulationsverlusten sowie durch Beschädigungen aus Bombardierungen während des 2. Weltkrieges kam es zu Mineralölverunreinigungen des Untergrundes. Im Jahr 1996 kam es zu einem Autritt von rund 5.000 Liter Benzin, der Schaden wurde in den folgenden beiden Jahren durch Teilaushub und Pumpmaßnahmen saniert, es sind jedoch vermutlich Restbelastungen verblieben.

Feststoffuntersuchungen in den Jahren 1999 und 2002 ergaben, dass flächenhaft Kontaminationen mit Mineralöl vorliegen. Die Verunreinigungen befinden sich entsprechend den Schadstoffeigenschaften vor allem im Grundwasserschwankungsbereich. Lokal wurden untergeordnet auch erhöhte Gehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen, vor allem Benzol, nachgewiesen.

Eine eindeutige Eintragsstelle (Schadensherd) konnte nicht lokalisiert werden. Vielmehr dürften die Belastungen im Grundwasserschwankungsbereich durch jahrzehntelange unterschiedlichste Manipulationsverluste sowie durch Kriegseinwirkungen (Bombentreffer während des 2. Weltkriegs) entstanden sein. Produkt- und Altersbestimmungen an insgesamt 6 Aufschlussstellen haben vorwiegend bereits stark abgebaute Mitteldestillate (Diesel, Heizöl) sowie zum Teil noch Anteile an höhersiedenden Fraktionen ergeben, gemäß Abbaumuster und Schwefelgehalt wurden die Verunreinigungen auf ein Alter von 30 bis 40 Jahren oder älter eingestuft.

Das Grundwasser weist im gesamten Bereich des Altstandortes eine Belastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen auf, in den Randbereichen ist die Belastung gering. Bei den älteren Grundwasseruntersuchungen wurden zum Teil auch deutlich erhöhte Gehalte an aromatischen Kohlenwasserstoffen festgestellt, bei den neueren Untersuchungen wurden nur noch sehr geringe BTEX-Gehalte nachgewiesen. Die Analysenergebnisse wurden auch durch Parallelanalytik abgesichert und bestätigt. Im Bereich des Altstandortes ist das Grundwasser untergeordnet auch mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet. Naphthalin als relativ gut wasserlösliche und auch abbaubare Einzelsubstanz lag dabei zumeist unter der Nachweisgrenze.

Bei den letzten Grundwasseruntersuchungen im Jahr 2008 wurden grundsätzlich etwas geringere KW-Gehalte festgestellt, eine direkte Vergleichbarkeit mit den älteren Ergebnissen ist aufgrund einer geänderten Analysenmethodik (aktuell KW-Index, früher KW-IR) jedoch nicht gegeben. Die qualitative Auswertung der neueren Grundwasseruntersuchung zeigt, dass vergleichbar den Feststoffergebnissen auch im Grundwasser in gelöster Form vor allem bereits deutlich abgebaute Mitteldestillate vorliegen. In den Pumpproben wurden zum Teil auch Anteile an niedriger siedenden Fraktionen festgestellt. MTBE wurde lokal in Spuren nachgewiesen, ein einzelner stark erhöhter Messwert wurde bei einer Wiederholungsmessung nicht bestätigt und ist als nicht plausibel zu werten.

Die durchwegs stark reduzierten Sauerstoffgehalte sowie die negativen Redoxbedingungen weisen darauf hin, dass ein natürlicher biologischer Abbau der Kohlenwasserstoffbelastungen stattfindet. Aufgrund der Art der vorliegenden Schadstoffe sowie der in Abhängigkeit des Donauwasserspiegels wechselnden Strömungsrichtungen des Grundwassers ist davon auszugehen, dass sich keine lange Schadstofffahne ausgebildet hat bzw. auch zukünftig nicht mehr ausbilden kann.

Bei einem rund 50 m abstromig liegenden Brunnen (BR Kläranlage) wurden teilweise erhöhte Kohlenwasserstoffgehalte nachgewiesen, die Auswertung der Chromatogramme weist jedoch darauf hin, dass es sich dabei möglicherweise um andere Mineralölkohlenwasserstoffe als im Bereich des Altstandorts „Tanklager Mare“ handelt. In nebenstehender Abbildung sind die Kohlenwasserstoffbelastungen des Grundwassers (als KW-Index) im Jahr 2008 dargestellt.

Eine Abschätzung der mit dem Grundwasser abströmenden Schadstofffrachten ergibt für eine mittlere Durchlässigkeit von 1x10-3 m/s und einer angenommenen Grundwasserbelastung bis 3 m unter Grundwasserspiegel die in der nächsten Tabelle dargestellten Frachten. Als Abstrommessstellen wurden KB 1, KB 1a, BR 1, BR 2 und KB 11 (TB 12) herangezogen, das Grundwasserspiegelgefälle lag bei den drei herangezogenen Messterminen zwischen 0,25 bis 0,35 %. Beim Messtermin im Mai 2008 war die Grundwasserströmung von der Donau weg gerichtet, bei den beiden anderen Terminen zur Donau hin (Niedrigwasser der Donau).

Die abströmenden Schadstofffrachten sind sowohl für Mineralölkohlenwasserstoffe als auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zumindest zeitweise als erheblich zu bewerten. Ältere Untersuchungen zeigen, dass im nahen Abstrom früher vermutlich auch erhebliche Benzolfrachten gegeben waren. Aktuell sind die Benzolgehalte und –frachten relativ gering.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Bereich des Altstandortes flächenhaft Verunreinigungen des Untergrundes mit Mineralölkohlenwasserstoffen vorhanden sind. Der Untergrund ist vor allem im Grundwasserschwankungsbereich belastet, überwiegend mit bereits gealterten Mitteldestillaten und zum Teil auch höher siedenden Produkten. Auf dem Grundwasser schwimmen teilweise Ölschlieren auf, lokal kann zumindest zeitweise eine geringmächtige Produktphase auftreten. Die Untergrundverunreinigungen verursachen eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers mit Mineralölkohlenwasserstoffen sowie untergeordnet mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Benzol. Der Altstandort „Tanklager Mare“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotential:  groß

Im Bereich des Altstandortes werden seit den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts Mineralölprodukte gelagert und umgeschlagen. Der Untergrund ist vor allem im Grundwasserschwankungsbereich mit Kohlenwasserstoffen im mittleren Siedebereich (Heizöl, Diesel) und im nördlichen Teil des Standorts untergeordnet mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX) verunreinigt. Am Grundwasser schwimmen teilweise Ölschlieren und lokal zumindest zeitweise eine geringmächtige Produktphase auf. Benzol weist aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften einer sehr hohe Stoffgefährlichkeit auf, die Mineralölprodukte im mittleren Siedebereich sind als gefährlich einzustufen. Insgesamt kann der mit Mineralöl erheblich verunreinigte Untergrund im Bereich des Altstandortes mit rund 18.000 m³ abgeschätzt werden, mit aromatischen Kohlenwasserstoffen sind rund 2.000 m³ erheblich verunreinigt. Die im Untergrund vorhandene Schadstoffmenge kann mit rund 90 to Mineralölkohlenwasserstoffen sowie rund 180 kg BTEX (davon etwa 10 kg Benzol) abgeschätzt werden und ist vergleichsweise gering. Insgesamt ergibt sich für die maßgeblichen Parameter Kohlenwasserstoffe und Benzol ein großes Schadstoffpotenzial.

Ausbreitung der Schadstoffe: begrenzt

Die Länge der Schadstofffahne im Grundwasser kann auf rund 50 m abgeschätzt werden. Die mit dem Grundwasser transportierte Fracht an gelösten Schadstoffen ist in Abhängigkeit des Donauwasserspiegels je nach vorherrschenden hydrologischen Verhältnissen und Strömungsverhältnissen teilweise erheblich. Aufgrund Art und Alter der Kontamination ist keine weitere Ausdehnung, sondern mittel- bis langfristig eine Reduktion der Schadstofffahne zu erwarten.

Bedeutung des Schutzgutes: nutzbar

Das verunreinigte Grundwasser ist quantitativ gut nutzbar. Im Nahbereich des Altstandortes sind keine Nutzungen des Grundwassers vorhanden oder geplant. Aufgrund der gewerblichen Nutzung sowie hochrangiger Verkehrsflächen im Umfeld (Autobahn) sind auch zukünftig keine höherwertigen Grundwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten.

Vorschlag Prioritätenklasse:  3

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der voranstehenden Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vor.

 

Datum der Texterstellung:    November 2009