Altlast N12: Kapellerfeld

Bei der Altablagerung "Kapellerfeld" handelt es sich um eine etwa 175.000 m² große wiederverfüllte ehemalige Schottergrube. Im Zeitraum von etwa 1970 bis 1985 wurden rund 1.350.000 m³ Hausmüll, Schlacken aus Müllverbrennungsanlagen, Kleingewerbemüll, Bauschutt und Aushub abgelagert.

Ein Teil der Ablagerungen liegt vermutlich im Grundwasserschwankungsbereich. Durch den Abbau organischer Abfälle ist im Großteil der Altablagerung "Kapellerfeld" eine deutlich erhöhte Deponiegasproduktion nachweisbar. Deponiegasmigrationen im Untergrund können nicht ausgeschlossen werden. Im Abstrom der Altablagerung wurde eine massive Beeinträchtigung der Grundwasserqualität durch Sickerwässer aus der Deponie festgestellt. Neben den für Hausmüllablagerungen typischen Grundwasserverunreinigungen wurden im Abstrom der Altablagerung auch Grundwasserbelastungen durch halogenierte Kohlenwasserstoffe nachgewiesen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Korneuburg,
Gerasdorf bei Wien,
Gerasdorf,
2781/2, 2819/2, 2844/2, 2905/2, 2921/3, 2935/2, 2944/3, 2944/4
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Aushubmaterial/Abraum,
Bauschutt,
gefährliche Abfälle,
Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 190.000 m²
Volumen Altlast (m³): 2.600.000 m³
Schadstoff(e) Deponiegas (Methan)
Organische Lösungsmittel (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 02.09.1991
Datum der Prioritätenfestlegung: 20.04.1992
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Vertikale Dichtelemente,
Abdeckungen,
Pneumatische Maßnahmen
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 12.05.2003

Beschreibung der Altlast

Die ca. 175.000 m² große Altablagerung "Kapellerfeld", die aufgrund der Nutzungsgeschichte in 4 Teilbereiche (B bis E) unterteilt werden kann, befindet sich ca. 500 m nördlich der Ortschaft Gerasdorf bei Wien unmittelbar an der Trasse des Marchfeldkanals.

Kleinflächig bestanden bereits vor dem zweiten Weltkrieg Schottergruben. In der Nachkriegszeit kam es zu einer raschen Intensivierung und Ausdehnung des Schotterabbaues. Im Jahr 1972 war das gesamte Areal der Altablagerung von Auskiesung betroffen. Luftbildauswertungen aus den Jahren 1966, 1972, 1980 und 1986 ergaben, dass in allen Teilbereichen der Altablagerung "Kapellerfeld" der Schotterabbau bis in den Grundwasserschwankungsbereich erfolgte. In den Jahren 1966 und 1972 lagen in allen Teilbereichen die Sohltiefen auf etwa 157 m ü.A. bis 158 m ü.A. Der Großteil der Altablagerung wurde zwischen 1970 und 1985 (in den 60er und 80er Jahren verfüllt, sh. Teilbereiche) verfüllt. Die Luftbildauswertungen zeigen, dass im Jahr 1980 nur der Teilbereich C noch nicht verfüllt war. Die Deponiesohle lag hier auf etwa 154 m ü.A. und im nördlichen Bereich der Teilfläche C war Grundwasser feststellbar. Das Gesamtvolumen der abgelagerten Abfälle beträgt etwa 1.350.000 m³.

Für die Parzellen 2781 und 2819 (Teilbereich B) ist aufgrund der Auswertung von Luftbildern aus den Jahren 1966 und 1977 bekannt, dass anstehendes Grundwasser angetroffen wurde.

Für die Parzellen 2781 und 2819 wurde dem Magistrat der Stadt Wien im Jahr 1973 die wasserrechtliche Bewilligung zu Ablagerung von Müll und Schlacke aus Müllverbrennungsanlagen erteilt. Als Sohlabdichtung war bis 50 cm über Grundwasserspiegel inertes Material, darüber war eine 50 cm mächtige Schicht aus tonigen Mittelsanden vorgesehen. Eine Sickerwassersammlung war nicht vorgesehen. Das Wasserrecht wurde 1978 für erloschen erklärt.

Im Jahr 1968 wurde für die Parzelle 2844 (Teilbereich C) eine Nassbaggerung bis 7 m unter den Grundwasserspiegel genehmigt. Aus den Luftbildauswertungen der Jahre 1966 und 1972 ist bekannt, dass anstehendes Grundwasser angetroffen wurde. Im Jahr 1978 wurde dem Magistrat der Stadt Wien die Errichtung einer Mülldeponie nachträglich bewilligt. Die zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig verfüllte Grube wurde mit einer dem Teilbereich B entsprechenden Sohlabdichtung genehmigt.

Für die Parzelle 2905 (Teilbereich D) wurde im Jahr 1978 dem Magistrat der Stadt Wien die Verfüllung mit Hausmüll, Schlacke aus Müllverbrennungsanlagen, Kleingewerbemüll, Bauschutt und Aushub wasserrechtlich bewilligt. Es war eine 1 m über dem höchsten Grundwasserspiegel gelegene (158 m.ü.A.), mindestens 0,5 m mächtige Sohl- und Böschungsdichtung vorgesehen. Außerdem sollte ein Drainagesystem zur Sammlung der anfallenden Sickerwässer errichtet werden. Die tatsächliche Ausführung der Maßnahmen wurde für den nördlichen Bereich im Jahr 1983 kontrolliert. Zu diesem Zeitpunkt war die südliche Hälfte bereits verfüllt, sodass eine Überprüfung nicht mehr möglich war. Den vorhandenen Unterlagen entsprechend fällt im Sickerwassersammelschacht im südlichen Abschnitt des Teilbereiches D kein Sickerwasser an. Die Verfüllung wurde von der Firma Wibeba und zeitweise von der Firma Rudolf Pribil betrieben. Die Schüttungen wurden im Jahr 1985 abgeschlossen. Im nördlichen Abschnitt des Teilbereiches D besteht teilweise ein passives Entgasungssystem. Für die nördliche Hälfte des Teilbereiches D ist die Errichtung einer Basisabdichtung bekannt. Die aufgebrachte mineralische Basisabdichtung weist einen Durchlässigkeitsbeiwert von 10-8 m/s auf.

Für die Parzellen 2921/2, 2935, 2944/1 und 2944/2 (Teilbereich E) wurde der Firma Spindler im Jahr 1983 nachträglich die wasserrechtliche Bewilligung zur Trockenbaggerung und Wiederverfüllung mit Bauschutt und Aushubmaterial erteilt. Aufgrund der Luftbildinterpretation ergibt sich, dass erste Ablagerungen bereits 1966 bestanden und die Verfüllung im Jahr 1980 weitgehend abgeschlossen war.

Die Oberfläche der Altablagerung "Kapellerfeld" ist mit inertem Material abgedeckt und größtenteils ruderal bewachsen. In den Jahren 1987 bis 1989 konnte wiederholt beobachtet werden, dass in den Teilbereichen B bis C der Altablagerung Senkgrubeninhalte und andere fäkalverunreinigte Abwässer großflächig aufgebracht und versickert wurden.

Die Altablagerung liegt im nördlichen Teil des Wiener Beckens auf der Niederterrasse des Marchfeldes. Das Wiener Becken bildete sich durch die Absenkung einer Ge-birgsscholle aus. Die entstandene Senke wurde zuerst durch maritime (Tertiär), später durch fluviatile (Quartär) Ablagerungen aufgefüllt. Die quartären Schotter der Niederterrasse stellen einen gut durchlässigen Porengrundwasserkörper dar. Aus Pumpversuchen konnten Durchlässigkeitsbeiwerte zwischen 10-3 m/s und 10-4 m/s ermittelt werden. Die Abstandsgeschwindigkeit ist mit etwa 1 m/d abzuschätzen. Die Sohle des ersten Grundwasserhorizontes wird durch die lehmig kompaktierte Tegelschicht, der Oberfläche des Tertiärs, gebildet.

Die Oberfläche der Altablagerung befindet sich größtenteils auf 168 m ü.A. und fällt im Süden, entlang einer Geländestufe auf etwa 162 m ü.A. Der höchste Grundwasserstand ist für den südlichen Bereich mit 157 m ü.A. anzusetzen. Die Deponiesohle in den verschiedenen Teilbereichen der Altablagerung sollte gemäß den Bewilligungen oberhalb des Grundwasserspiegels liegen. Die quartären Lockersedimente wer-den von einer Schichtenfolge mit unterschiedlichen Kies- bzw. Sandanteilen aufgebaut. In etwa 30 m Tiefe (ca. 132 m ü.A.) ist ein Grundwasserstauer ausgebildet. Im westlichen Bereich konnte in etwa 12 m Tiefe (ca. 150 m ü.A.) ein Zwischenstauer festgestellt werden. Die großräumige Grundwasserströmungsrichtung ist gegen Südsüdosten gerichtet.

Die Altablagerung befindet sich innerhalb der wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung für das Marchfeld. Im Abstrom wird das Grundwasser zu Bewässerungszwecken genutzt. Die Ortschaft Gerasdorf befindet sich etwa 500 m südlich, die Siedlung Kapellerfeld etwa 300 m nordwestlich der Altablagerung.

 

Gefährdungsabschätzung

Im Bereich der ca. 175.000 m² großen Altablagerung wurden ca. 1.350.000 m³ Abfälle abgelagert. In den Teilbereichen B, C und D waren zwei Deponien für Hausmüll und Schlacken aus Müllverbrennungsanlagen bewilligt. Im östlichen Teil (Teilbereich E) wurde eine Deponie für Bauschutt und Aushub bewilligt. Aufgrund der vorhandenen Unterlagen ist nur für die nördliche Hälfte der Hausmülldeponie im Teilbereich D die Errichtung einer Sohlabdichtung und eines Entwässerungssystems als gesichert anzusehen. Für den übrigen Bereich ist die Lage und die Ausführung der Deponiesohle nicht genau bekannt. Aufgrund der Luftbildauswertungen ergibt sich die Vermutung, dass sich die Deponiesohle zum Teil im Grundwasserschwankungsbereich befindet.

Im Bereich aller drei bewilligten Deponien (Teilbereiche B bis E) konnten in der Bodenluft Belastungen mit halogenierten Kohlenwasserstoffen, die auf Anteile von lösungsmittelhältigen Abfällen im Ablagerungskörper schließen lassen, beobachtet werden. Auch bei Sickerwasseruntersuchungen im Teilbereich D wurden erhöhte Gehalte an chlorierten Kohlenwasserstoffen festgestellt.

Die Grundwasseruntersuchungen im Bereich der Altablagerung zeigen, dass im Grundwasserabstrom zum Teil eine Erhöhung der Gesamtmineralisation gegeben ist. An Grundwassermessstellen, die diese erhöhte Gesamtmineralisation aufweisen, konnten ab 1984 Belastungen mit halogenierten Kohlenwasserstoffen beobachtet werden. Während es nach 1984 zu einer Abnahme der Belastungen mit halogenierten Kohlenwasserstoffen kam, konnte in den Jahren 1989 und 1990 wieder ein Anstieg der Belastung und teilweise Grenzwertüberschreitungen festgestellt werden. Die Beeinträchtigung der Grundwasserqualität kann keinem Teilbereich der Altablagerung eindeutig zugeordnet werden.

Die Altablagerung befindet sich im Bereich einer wasserwirtschaftlichen Rahmenverfügung. Das Grundwasser im Abstrom wird für Bewässerungszwecke genutzt. Durch die im Rahmen des Marchfeldkanalprojektes geplante Grundwasseranreichrung ist mit einem Anstieg des Grundwasserspiegels bis zu 2 m zu rechnen. Dies wird den Einstau von weiteren Teilbereichen des Altablagerungskörpers bedeuten und zu einer vermehrten Auslaugung von Schadstoffen aus den abgelagerten Abfällen führen.

Die vorhandenen Unterlagen und Untersuchungsergebnisse zeigen, dass es im Grundwasserabstrom der Altablagerung "Kapellerfeld" bereits zu einer Beeinträchtigung des Schutzgutes Grundwasser gekommen ist.

 

Datum der Texterstellung: April 2003