Gesicherte Altlast N10: NUA Müllkompostierungsanlage Traiskirchen

Die Altablagerung liegt etwa 1,5 km südlich von Traiskirchen an der Bundesstraße B17. Auf einer Fläche von etwa 10 ha wurden im Zeitraum vor 1966 bis 1977 rund 450.000 m³ Haus-, Gewerbe- und Industriemüll sowie Bauschutt abgelagert. Durch die Abfallablagerungen wurde die Qualität des Grundwassers beeinträchtigt.

In den Jahren 2008 bis 2009 wurde die Altablagerung mit einer Dichtwand umschlossen. Innerhalb der Umschließung wird der Grundwasserspiegel abgesenkt. Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen zeigen, dass durch die Sicherungsmaßnahmen ein Schadstoffeintrag in das Grundwasser außerhalb der Umschließung verhindert wird. Aufgrund der Errichtung und des Betriebs der Sicherungsanlagen stellt die Altablagerung keine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar und ist die Altlast als gesichert zu bewerten.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Baden,
Traiskirchen,
Wienersdorf,
1224/1, 1224/7
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 95.000 m²
Volumen Altlast (m³): 450.000 m³
Schadstoff(e) Deponiesickerwasser
Datum Eintrag Altlastenatlas: 02.05.1991
Datum der Prioritätenfestlegung: 10.05.1994
Priorität: 2
Datum Ausweisung gesichert: 01.07.2018
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Vertikale Dichtelemente
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.07.2018

BESCHRIEBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Altablagerung

Die Altlast "NUA Müllkompostierungsanlage Traiskirchen" liegt etwa 1,5 km südlich vom Ortsrand von Traiskirchen an der Bundesstraße B17. Im Bereich der Altlast wurde seit 1925 Schotter abgebaut.

Die Schottergruben wurden auf einer Fläche von etwa 10 ha seit dem Zeitraum vor 1966 bis 1977 mit 450.000 m³ Abfällen verfüllt. Zur Ablagerung gelangten Haus-, Gewerbe- und Industriemüll sowie Bauschutt. Die Untersuchungen ergaben eine Ablagerungstiefe von bis zu 7 m unter GOK, die Deponiesohle befindet sich größtenteils ständig unterhalb des Grundwasserspiegels, bei hohen Grundwasserständen sind die abgelagerten Abfälle bis zu 5 m mit Grundwasser eingestaut.

Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers waren keine vorhanden. Die Oberfläche der Deponie wurde teilweise mit Humus abgedeckt.

Untergrundverhältnisse

Die Altablagerung liegt im Wiener Becken in einem quartären Terrassenschotterkörper etwa einen Kilometer östlich der Schwechat. Der Schotterkörper weist in diesem Bereich eine durchschnittliche Mächtigkeit von 10 m auf und wird von einem grundwasserstauenden Tonkomplex unterlagert. Die Geländeoberkante liegt etwa auf 208 m ü.A., der Grundwasserspiegel bei 204 m ü.A (MGW). Daraus ergibt sich eine Mächtigkeit des obersten Grundwasserhorizontes in einer Größenordnung von 4 bis 6 m. Die Grundwasserströmungsrichtung ist nach Nordnordosten gerichtet.

Die lokale hydraulische Durchlässigkeit der grundwasserführenden Kiese wurde mit etwa 1x10-3 m/s abgeschätzt und das hydraulische Gefälle mit rund 5 ‰ ermittelt. Daraus ergibt sich ein spezifischer Grundwasserdurchfluss (Abstrombreite = 1 m) von ca. 2 m³/d. Der Durchfluss über die gesamte Abstrombreite der Altablagerung (etwa 300 m) kann mit rund 650 m³/d abgeschätzt werden. Für den unbefestigten Teil der Ablagerung wird eine Sickerwasserrate von 290 mm/a angenommen, die Grundwasserneubildung beträgt etwa 45 m³/d. Für den befestigten Teil der Altablagerung wird eine Sickerwasserrate von insgesamt 370 mm/a und damit eine Grundwasserneubildung von etwa 10 m³/d angenommen. Insgesamt ist also mit einer Sickerwassermenge von etwa 55m³/d zu rechnen. Im Vergleich von Grundwasserneubildung und hydraulischer Fracht ergibt sich ein Verdünnungsfaktor von etwa 1/11.

Schutzgüter und Nutzungen

Derzeit betreibt die NUA-Abfallwirtschaft GmbH Traiskirchen auf Teilen der Altablagerung eine Abfallübernahme- bzw. Umladestation. Im nördlichen Teil befindet sich ein Betrieb für Natur- und Kunststeinverarbeitung.

Im Umfeld der Altablagerung befinden sich gewerblich genutzte Flächen, landwirtschaftliche Nutzflächen und einige Naßbaggerungen. Das Siedlungsgebiet von Oeynhausen beginnt 400 m südlich der Altlast. Im Abstrom wird das Grundwasser zu Nutzwasserzwecken verwendet.

Im Anstrom der Altablagerung in einer Entfernung von etwa 200 m befindet sich eine weitere Altlast (N 66 „Wienersdorfer Dachpappenfabrik“). Im Bereich dieser Altlast wurden Untergrundbelastungen vorwiegend mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) festgestellt.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

In den Jahren 1991 und 1992 wurden im Bereich der Altablagerung Untersuchungen durchgeführt.

Die Ergebnisse der Eluatanalysen von 31 Ablagerungsproben zeigten, dass mehr als die Hälfte der Proben aufgrund der Parameter CSB, Ammonium, Phenole und Summe Kohlenwasserstoffe ein Sickerwasser erwarten lassen, welches das Grundwasser hinsichtlich seiner Nutzbarkeit als Trinkwasser nachteilig beeinflussen könnte.

Die Ergebnisse der Bodenluftuntersuchungen bestätigten, dass in Teilbereichen der Altlast organisch abbaubare Abfälle abgelagert wurden. In 8 von 29 Messpunkten wurden Methankonzentrationen über 1 Vol.-% nachgewiesen. In 3 Messpunkten im unverbauten Gelände wurden deutlich erhöhte Methan- und Kohlendioxidgehalte (CH4 >40 Vol.-%, CO2 >15 Vol.-%) gemessen, die einen Hinweis auf einen hohen Anteil organischer Abfälle geben. Erhöhte Konzentrationen leichtflüchtiger halogenierter Kohlenwasserstoffe wurden in einem Punkt festgestellt.

Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen im Bereich der Altablagerungen zeigten, dass im unmittelbaren Deponiebereich eine deutliche Belastung des Grundwassers durch eine deutlich erhöhte Gesamtmineralisation (el. Leitfähigkeit, Gesamthärte, Ammonium, Natrium, Kalium und Chlorid) gegeben ist.

Im weiteren Grundwasserabstrom zeigte sich eine starke Abnahme der Belastung. Bei einzelnen Proben waren bei den Parametern Ammonium, Chlorid und Summe Kohlenwasserstoffe gegenüber dem Grundwasseranstrom erhöhte Messwerte zu beobachten, wobei Belastungen mit Kohlenwasserstoffen bereits im Grundwasseranstrom der Altlast vorhanden waren. Die Analysenergebnisse der übrigen Parameter waren unauffällig.

Die Altablagerung stellte aufgrund des großen Volumens, der Art der abgelagerten Abfälle und der festgestellten Auswirkungen auf das Grundwasser eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

SICHERUNGSMAßNAHMEN

Ziel der Sicherungsmaßnahmen ist es, die Schadstoffemissionen aus der Altlast auf ein Maß zu reduzieren, sodass keine erhebliche Gefahr für das Grundwasser mehr ausgeht.

Von 2007 bis 2009 wurden folgende Sicherungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Umschließung der Altablagerung mit einer Dichtwand

Herstellung einer Einphasenschlitzwand (mit 12.650 m² Dichtwandfläche)

  • Herstellung eines Systems zur Absenkung des Grundwasserspiegels innerhalb der Umschließung

Errichtung von 3 Wasserhaltebrunnen (1 – 3), Steuer- und Kontrollpegel für die Wasserhaltung innerhalb der Dichtwandumschließung

  • Herstellung eines Grundwasserausgleichsystems

Verlegung einer Dränageleitung (ca. 350 m Rohrleitung, 16 Kontrollschächte) entlang der Südseite der Umschließung im Grundwasseranstrom zur Dichtwand

  • Herstellung eines Systems zur Sammlung und Ableitung des Oberflächenwassers

Errichtung eines Regenwasserpumpwerks innerhalb und einer Versickerungsmulde außerhalb der Umschließung zur Ausleitung von Niederschlagswässern

  • Aufbringung einer Oberflächenabdeckung

Abdeckung der ungenutzten Flächen innerhalb der Umschließung (ca. 3 ha) mit einer Wasserhaushaltsschicht

 

Um die dauerhafte Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahmen zu kontrollieren, werden seit Fertigstellung der Sicherungsanlagen laufend folgende Kontrolluntersuchungen durchgeführt:

  • kontinuierlichen Überwachung der Wasserstände innerhalb der Umschließung und außerhalb der Umschließung

  • kontinuierlichen Aufzeichnung der geförderten und eingeleiteten Pumpwassermengen

  • halbjährliche qualitative Grundwasserbeweissicherung

Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen

Von November 2007 bis Juni 2008 wurde eine Dichtwand zur Umschließung der Altablagerung errichtet. Diese Dichtwand wurde als Einphasenschlitzwand mit einer Stärke von 60 cm hergestellt. Insgesamt beträgt die Schlitzwandfläche 12.650 m², die Schlitzwandtiefe liegt bei durchschnittlich 10,0 m und maximal 12,0 m, mit einer Einbindetiefe von mindestens 1 m in den Stauer.

Innerhalb der Umschließung wurden im Juni 2008 zusätzlich zum bereits bestehenden „Brunnen Bamberger“ drei Wasserhaltebrunnen errichtet, ausgestattet mit Tauchpumpen und Tauchsonden zur kontinuierlichen Messung des Wasserstandes sowie zur induktiven Durchflussmessung.

Mittels der in den Absenkbrunnen installierten Förderpumpen wird Grundwasser im Ausmaß von max. 3,3 l/s entnommen und damit der Wasserspiegel innerhalb der Umschließung unterhalb des Außenwasserspiegels abgesenkt. Die Ableitung der aus den Absenkbrunnen abgepumpten Grundwässer erfolgt über den Hauskanal der NUA in den öffentlichen Mischwasserkanal der Stadtgemeinde Traiskirchen.

Zur Verhinderung eines durch die Umschließung verursachten Aufstaus im Grundwasseranstrombereich wurde für den Fall hoher Grundwasserstände ein Ausgleichssystem hergestellt: Das Grundwasser wird im Anstrombereich, entlang der Südseite der Umschließung, durch eine etwa auf HGW-Niveau verlegte Dränageleitung DN 250 erfasst, entlang der Ostseite um die Umschließung geleitet und im Abstrombereich entlang einer Versickerungsstrecke wiederversickert.

Nach Fertigstellung der elektrischen, mess- und steuertechnischen Einrichtungen wurde die Wasserhaltung im Oktober 2009 in Betrieb genommen.

Zusätzlich wurden 6 Pegelpaare (jeweils innerhalb IP 1 – 6 und außerhalb AP 1 – 6 der Umschließung) mit Tauchsonden zur kontinuierlichen Messung des Wasserstandes installiert. Außerdem wurden insgesamt 4 Grundwassermessstellen (K1, K2 im Anstrom und K3, K5 im Abstrom) errichtet. Eine Beweissicherungssonde aus der Planungsphase (S7) wird als Grundwassermessstelle im Abstrom weiter genutzt (K4).

Die bestehende Oberflächenentwässerung im Bereich der Altablagerung wurde in Hinblick auf eine Minimierung der versickernden Niederschlagsmengen adaptiert. Der auf den befestigten Flächen im Südteil der Umschließung anfallende Oberflächenabfluss wird in einer asphaltierten Mulde gefasst und mit einem Regenwasserpumpwerk in eine Versickerungsmulde außerhalb der Umschließung gepumpt.

Auf den unbefestigten Flächen im Zentralbereich der Umschließung wurde auf einer Fläche von insgesamt etwa 3 ha eine Wasserhaushaltsschicht hergestellt.

Beurteilung der Sicherungsmaßnahmen

Durch die Umschließung der Altablagerung mit einer Dichtwand und einer permanenten Absenkung des Wasserspiegels innerhalb der Umschließung soll eine Ausbreitung von Schadstoffen aus der Altablagerung in den Abstrombereich des Grundwassers unterbunden werden.

Für den Betriebszeitraum von 2010 bis 2015 lag der Grundwasserspiegel innerhalb der Umschlißung generell mindestens 0,5 m unter dem Wasserspiegel außerhalb der Umschließung. Es ist daher davon auszugehen, dass es zu keinem Austritt von Grundwasser aus dem umschlossenen Bereich gekommen ist.

Das innerhalb der Umschließung gepumpte Wasser zeigt noch Hinweise auf belastete Sickerwässer im Deponiekörper. Die Leitfähigkeit sowie die Konzentrationen für Ammonium und Nickel sind in den Pumpwässern zum Teil noch deutlich erhöht.

Im Vergleich der Grundwasserproben aus den Anstrom- und Abstrommessstellen ist kein Schadstoffaustrag in das Grundwasser zu erkennen.

Die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen zeigen, dass durch die Sicherungsmaßnahmen ein Schadstoffeintrag in das Grundwasser außerhalb der Umschließung verhindert wird. Bei ordnungsgemäßem Betrieb ist auch weiterhin mit keinem nennenswerten Eintrag von Sickerwasser aus dem Ablagerungsbereich in das Grundwasser außerhalb der Umschließung zu rechnen. Aufgrund der Errichtung und des Betriebs der Sicherungsanlagen stellt die Altablagerung keine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

Datum der Texterstellung:     Oktober 2017