Altlast K31: Faserplattenwerk Leitgeb

Beim Altstandort "Faserplattenwerk Leitgeb" handelt es sich um einen 16,5 ha großen Teilbereich eines Holzverarbeitungsbetriebes, auf dem seit Anfang der 1940er Jahre Faserplatten hergestellt und veredelt sowie Holz gelagert wurde. Durch die Lagerung von Öl und Chemikalien, durch gering mächtige Ablagerungen und durch die zeitweise Lagerung von mit Metallsalzen imprägnierten Rundhölzern kam es auf größeren Flächen des Altstandortes zu oberflächennahen Verunreinigungen des Untergrundes. 

Beim Altstandort "Faserplattenwerk Leitgeb" handelt es sich um einen 16,5 ha großen Teilbereich eines Holzverarbeitungsbetriebes, auf dem seit Anfang der 1940er Jahre Faserplatten hergestellt und veredelt sowie Holz gelagert wurde. Durch die Lagerung von Öl und Chemikalien, durch gering mächtige Ablagerungen und durch die zeitweise Lagerung von mit Metallsalzen imprägnierten Rundhölzern kam es auf größeren Flächen des Altstandortes zu oberflächennahen Verunreinigungen des Untergrundes. 

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Völkermarkt,
Eberndorf,
Kühnsdorf,
674, .413
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Spanplattenerzeugung
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 38.000 m²
Volumen Altlast (m³): 8.000 m³
Schadstoff(e) Metalle (Quecksilber)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.07.2016
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.07.2016
Priorität: 3

BESCHREIBUNG DER STANDORTVERHÄLTNISSE

Betriebliche Anlagen und Tätigkeiten

Der Altstandort "Faserplattenwerk Leitgeb" liegt unmittelbar südlich der Bahnstrecke von Villach nach Bleiburg, nahe der Bahnstation Völkermarkt-Kühnsdorf. Bei dem Altstandort handelt es sich um den 16,5 ha großen, südlichen Teilbereich eines holzverarbeitenden Betriebes. Direkt nördlich, durch Bahngleise getrennt, grenzt an den Altstandort der Bereich der Holzimprägnierung dieses Betriebes, der 2007 als Altlast K 26 "Holzimprägnierung Leitgeb" ausgewiesen wurde.

Der Betrieb wurde 1883 zur Erzeugung von Schnittholz gegründet. 1921 wurde im Bereich des Altstandortes ein Sägewerk errichtet. Im Zeitraum von 1939 bis Anfang 1941 wurde das Faserplattenwerk gebaut. Ab den 1960er Jahren wurde der Betriebsstandort um eine Anlage zur Veredelung von Hartfaserplatten mit Einbrennlacken und um eine Anlage zur Beschichtung von Hartfaserplatten mit Kunstharzfolien erweitert. Ausgewählte einzelne Fertigungsbereiche sind im Lageplan (folgende Abbildung) ersichtlich. Seit Betriebsbeginn wurden immer wieder Bauwerke neu errichtet und Anlagen in Betrieb genommen bzw. umgestellt.

Die Plattenproduktion war immer entlang der nördlichen Altstandortgrenze situiert. Während sie 1977 noch im Westen des nördlichen Randbereichs lag, ist aus späteren Plänen erkennbar, dass sich die Produktionshallen für hoch- und mitteldichte Faserplatten im Zentrum des nördlichen Randbereiches befanden. Im Bereich der Plattenproduktionen, direkt neben dem Kessel und den Bahngleisen, waren das Öl- (Gesamtvolumen ca. 1.500 m³) und Chemikalienlager (Harnstoffharz, Härter auf Basis von Ammoniumsulfaten bzw. Thiosulfaten, ammoniakhältige Waschemulsion und Ammoniumsulfat) sowie südlich davon eine Dieseltankstelle (10.000 l) situiert. Nach einem Brand 1999 wurde die Plattenproduktion nicht mehr aufgebaut. In weiterer Folge wurden zugehörige Anlagen demontiert. Es gibt Hinweise, dass im Bereich der Öltanks der Untergrund ausgetauscht wurde. Im Zuge der Untersuchungen wurde unter asphaltierten Flächen im Bereich des Öllagers eine bis zu 3,7 m mächtige Anschüttung aus Holzverbrennungsrückständen, Asche, Ziegel-, Stahlbeton- und Kunststoffteilen (vermischt mit zum Teil nach Mineralöl riechendem Bodenaushubmaterial) angetroffen. Die Abgrenzung der Anschüttung in Richtung der nördlich anliegenden ÖBB-Strecke Villach - Bleiburg war nicht vollständig möglich.

Die Anlagen zur Veredlung und Beschichtung von Faserplatten waren im Südwesten des Altstandortes situiert und bestanden aus 2 Hallen ("Ricolor- und Lackhalle"). Direkt westlich der Hallen lag das Holzlager mit der Hackerei. Im zentralen, südlichen Bereich des Altstandortes lagen insbesondere Werkstätten, Schuppen, Magazine, die Kantine, die Betriebsfeuerwehr und ein Kühlturm. Das zur Produktion verwendete Kühlwasser wurde aus dem Brunnen III entnommen und danach im Untergrund wieder versickert.

Der östliche Teil des Altstandorts wurde über lange Zeit als Rundholzlagerplatz, sowie zur Rundholzverarbeitung und Rundholzsortierung genutzt. In nicht näher definierten Teilbereichen wurden auch imprägnierte Masten aus der Holzimprägnierung gelagert.

Das gesamte Faserplattenwerk wurde im Jahr 2006 stillgelegt. Seit 2008 befindet sich am Altstandort ein Werk für Recycling von thermoplastischen Kunststoffen.

Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Talboden des Jauntales auf ca. 439 m ü.A. im östlichen und auf etwa 443 m. ü.A. im westlichen Bereich des Altstandortes. Rund 1,5 km nördlich fließt die Drau.

Der Untergrund wird aus kiesigen Sanden bis sandigen Kiesen aufgebaut, in die Schlufflagen eingeschaltet sind. Diese Sedimente stellen den Grundwasserleiter dar. Darüber liegt eine bis zu 20 cm mächtige Humusauflage, die keine dichte Deckschicht über dem Grundwasserleiter darstellt. Unter dem Grundwasserleiter folgen schluffige Feinsande mit Toneinlagerungen, die als Grundwasserstauer angesprochen werden können. Nordöstlich des Altstandortes wurde der Stauer in einer Tiefe von 19,80 m unter GOK angetroffen.

Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 432,5 bis 437,0 m über Adria. Der Flurabstand beträgt aufgrund der Höhenunterschiede am Gelände zwischen rund 3,5 m (GWP 13) bis 9 m (GWP 10). Im Rahmen der Grundwasseruntersuchungen wurden Spiegelschwankungen von etwa 0,7 m festgestellt. Die Grundwassermächtigkeit konnte mit etwa 15 m abgeschätzt werden. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters variiert zwischen etwa 2 x 10-4und 10-2 m/s. Die höchste Durchlässigkeit liegt mit 10-2 m/s im Anstrom des Altstandortes (GW9, GW10 s. Abb. 4). Die Durchlässigkeit im Abstrom beträgt 3,5 bis 5 * 10-3 m/s (GW11 bzw. GW13).

Die Grundwasserströmung ist nach Nordwesten gerichtet. Das Gefälle liegt am Altstandort bei rund 2 ‰ und steigt zur nordwestlichen Altstandortgrenze stark an. Abstromig des Altstandortes liegt ein Grundwassergefälle mit rund 2 % vor. Der spezifische Durchfluss des Grundwasserleiters kann unmittelbar am Standort für eine Abstrombreite von 1 m mit ca. 100 m³/d abgeschätzt werden.

Schutzgüter und Nutzungen

Der Bereich des Altstandortes wird als Werk zum Recycling von thermoplastischen Kunststoffen genutzt. Große Flächen sind mit Asphaltdecken versiegelt oder mit Hallen überbaut. Die ehemaligen Holzlagerbereichen werden weiterhin als Lagerbereichen für z.B. Emballagen genutzt. Teile der südlichen Flächen liegen brach.

Der Altstandort liegt in der Außenzone des Grundwasserschongebietes Jaunfeld, das Quellenschutzgebiet II der Peratschitzenquelle befindet sich ca. 250 m westlich des Altstandortes.

Am Gelände des Altstandortes gibt es 2 in Betrieb befindliche Brunnen (Brunnen III und IV). Brunnen III befindet sich im westlichen Teil des Altstandortes. Für diesen Brunnen wurde eine Entnahme von bis zu 16 l/s beantragt. Brunnen IV dient der Entnahme von Kühlwasser mit einer Entnahmemenge von bis zu 173 l/s. Im Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt.

UNTERSUCHUNGEN

Im Bereich des Altstandortes wurden im Rahmen von ergänzenden Untersuchungen gem. §13 ALSAG von Juli 2004 bis November 2006 folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Trockenkernbohrungen sowie Entnahme und Untersuchung von Feststoffproben und von Schöpfproben aus ausgewählten Bohrungen
  • Errichtung von Grundwassermessstellen sowie Entnahme und Untersuchung von Grundwasserproben aus diesen sowie bestehenden Brunnen und GW-Messstellen
  • 24-stündige Pumpversuche an ausgewählten Grundwassermessstellen

Seit dem Jahr 2009 werden darüber hinaus im Rahmen von Kontrolluntersuchungen an der Altlast K26 "Holzimprägnierung Leitgeb" ausgewählte Grundwassermessstellen untersucht, die auch den Abstrom des Altstandortes "Faserplattenwerk Leitgeb" mit erfassen. 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Auf dem 16,5 ha großen Altstandort "Faserplattenwerk Leitgeb", dem südlichen Teil eines großen holzverarbeitenden Betriebes, wurden seit Anfang der 1940er Jahre Faserplatten hergestellt, Holz gelagert und seit den 1960er Jahren Faserplatten veredelt bzw. beschichtet.

Der Kernbereich der Plattenproduktion lag an der Nordgrenze des Altstandortes auf einem rund 4 ha großen Teilbereich. In diesem Bereich waren neben den Pressen auch zwei Kesselhäuser, ein Öl- und Chemikalienlager sowie eine Trafostation situiert. Im  Lauf der Betriebsgeschichte wurden einzelne Anlagen innerhalb dieses Bereiches umgestellt und angepasst. Nach einem Brand 1999 wurde die Faserplattenproduktion stillgelegt, wenige Jahre später demontiert und überbaut bzw. versiegelt.

Im rund 7 ha großen, südlich der Plattenproduktion situierten Bereich lagen die Plattenveredlung (im Westen) sowie ein Holzlagerplatz mit Hacker (im Osten). Auf weiteren 5,5 ha östlich der Plattenproduktion und der Plattenveredlung lag das Lager für Rundhölzer inklusive diverser Anlagen zur Umladung und Vorverarbeitung der Rundhölzer. Zeitweise sollen auf dem Rundholzlager auch mit Teerölen und Metallsalzen imprägnierte Hölzer aus dem Bereich der nördlich des Altstandortes angrenzenden Holzimprägnierung Leitgeb gelagert worden sein.

Plattenveredlung und Holzlager

Im Bereich der Plattenveredlung und des Holzlagers waren keine Anschüttungen anzutreffen. Es liegen auch keine relevanten Belastungen des Untergrundes mit an- und organischen Schadstoffen vor. Das Grundwasser der Messstellen in diesem als auch direkt abstromig dieses Bereiches zeigte im Vergleich mit der Qualität im Anstrom keine Hinweise auf Veränderungen. Insgesamt hat sich für den Bereich der Plattenveredlung und des Holzlagers kein Hinweis auf Kontaminationen ergeben.

Lager- und Manipulationsbereich Rundhölzer

Im Bereich des Lager- und Manipulationsbereiches für Rundhölzer wurden geringmächtige, 0,5 bis 2 m mächtige (primär) kiesige Anschüttungen angetroffen. Die Feststoffuntersuchungen für diesen 5,5 ha großen Bereich zeigten keine nennenswerten Belastungen des Untergrundes bzw. der Anschüttung mit organischen Schadstoffen und keinen Hinweis auf die Lagerung von teerölimprägnierten Hölzern.

An insgesamt vier Aufschlüssen im Zentrum der Fläche wurden oberflächennah deutlich erhöhte Quecksilbergehalte (bis 1 m Meter Tiefe) angetroffen. Eine Bestimmung des mobilisierbaren Anteils von Schadstoffen an wässrigen Eluaten von Feststoffproben wurde nicht durchgeführt. Eine Verlagerung von Quecksilber in tiefere Schichten war aber an Feststoffproben aus größerer Tiefe (> 1 m) nicht feststellbar.

Im Unterschied dazu zeigte sich eine mehrere Meter tiefreichende, diffuse Belastung des Untergrundes mit Cadmium in der Größenordnung  des Prüfwertes. Ursache dieser diffusen Cadmiumbelastungen könnten Anteile an Holzaschen an der Anschüttung sein. Ähnlich wie in anderen untersuchten Bereichen ist zu erwarten, dass nur ein geringer Anteil dieser Verunreinigung durch Cadmium mobilisierbar ist. Die Ergebnisse der Untersuchung von Grundwasserproben aus Probenahmestellen abstromig des Rundholzlagers waren generell unauffällig und bestätigten damit, dass kein relevanter Eintrag von Cadmium oder Quecksilber erfolgt.

Insgesamt wurden im Bereich des Rundholzlagers auf größeren Flächen Verunreinigungen geringer Intensität durch Cadmium sowie eine kleinflächige, oberflächennahe Belastung des Untergrundes mit Quecksilber festgestellt, die als nicht mobil zu beurteilen sind, so dass kein relevanter Eintrag in das Grundwasser gegeben oder zukünftig zu erwarten ist.

Ehemalige Plattenproduktion

Der Teilbereich der ehemaligen Plattenproduktion kann aufgrund der Ergebnisse der Untersuchungen wir folgt beschrieben werden:

Im westlichen Bereich der Plattenproduktion, im Bereich des Kesselhauses (1977), wurde im Grundwasserschwankungsbereich bei 6 m eine punktuelle PAK-Belastung angetroffen, die auf weniger als 10 Metern in allen Richtungen sehr schnell abnahm. Ebenfalls in diesem Bereich wurden eine Weißfärbung des Untergrunds bzw. weißer Schaum und eine von 5 m bis zumindest 9 m tiefreichende, sehr starke Cadmiumbelastung angetroffen. Darüber liegende Bodenschichten zeigen keine auffälligen Cadmium- dafür aber stark erhöhte Quecksilbergehalte. Die Untersuchungen an einer Schöpfprobe aus diesem Bereich sowie an der Grundwassermessstelle direkt abstromig waren sowohl in Bezug auf Schwermetalle als auch polzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) unauffällig. Für den Parameter Kohlenwasserstoff-Index wurden an Feststoffproben vereinzelt Messwerte im Bereich des Prüfwertes festgestellt.

Im zentralen Teilbereich der Plattenproduktion liegen auf einer Fläche von rund 15.000 m² mineralische Anschüttungen mit Anteilen an Aschen vor, die wahrscheinlich aus dem Brand 1999 resultieren und durch Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe belastet sind.

Insbesondere im Nahbereich des Öl- und Chemikalienlager und des Kesselhauses (1999) wurden auf einer Fläche von rund 2.000 m² oberflächennah Belastungen des Untergrundes mit deutlich erhöhten Quecksilber-, Chrom-, Kupfer- und Cadmiumkonzentrationen angetroffen. Die Untersuchung der Eluate von Feststoffproben bestätigte, dass die Schwermetalle nur in geringem Umfang mobilisierbar sind. Im Grundwasser des direkten Abstroms wurden keine Schwermetalle nachgewiesen.

Wesentlich für diesen Bereich sind Untergrundbelastungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die zum Teil bis in das Grund­wasser reichend. Die erheblich verunreinigte Fläche in diesem Bereich lässt sich auf 1.500 m², das kontaminierte Untergrundvolumen auf rund 3.000 m³ abschätzen. Im direkten Grundwasserabstrom dieser Fläche zeigten sich in den Schöpfproben aus den Bohrlöchern für den Parameter KW-Index mit 5 bis 6 mg/l äußerst stark erhöhte Messwerte. Die wenige Meter bis max. 50 m weiter nördlich, d.h. abstromig dieses Bereiches, situierten Messstellen zeigten nur noch zeitweise KW-Index-Werte über der Bestimmungsgrenze mit 70 µg/l in den Pumpproben und 270 µg/l in den Schöpfproben. In Zusammenhang mit dem sehr hohen Grundwasserdurchfluss und einer sehr hohen Verdünnung von Sickerwasser ist plausibel, dass die Intensität der Verunreinigung auf relativ kurzer Fließstrecke deutlich vermindert wird. Bei einer Abstrombreite der Verunreinigungen von 70 m und unter der Annahme, dass die Einmischung oberflächennah auf 2 Meter beschränkt bleibt, ergibt sich, dass im nahen Grundwasserabstrom zumindest zeitweise eine erhebliche Fracht an Mineralölkohlenwasserstoffen gegeben ist.

Im östlichsten Bereich der ehemaligen Plattenproduktion, auf dem u.a. die Trafostation und die Presstechnik (1999) situiert waren, zeigte sich bei einem Bohrpunkt eine weitere bis in den Grundwasserbereich reichende Mineralölverunreinigung des Untergrundes. Im Grundwasserabstrom dieses Bereiches waren die Messwerte für den Parameter KW-Index durchgehend unauffällig.

Wesentlich für diesen Bereich ist eine rund 600 m² große Fläche mit bis zumindest 8,5 Meter unter Gelände sehr hohen Quecksilbergehalten. Die Ergebnisse der Untersuchung von Eluaten der Feststoffproben zeigten, dass das Quecksilber in diesem Bereich gut mobilisierbar ist. Der erheblich mit Quecksilber verunreinigte Untergrund lässt sich mit einer Größenordnung von ca. 5.000 m³ abschätzen.

Quecksilber kann bei verschiedenen gewerblich-industriellen Tätigkeiten und Produktionsprozessen eingesetzt und in unterschiedlichen Formen (elementar, anorganisch oder organische Verbindungen) zur Anwendung kommen. Auf Grund der Nähe und den ehemaligen Tätigkeiten im Bereich der nördlich situierten Altlast „Holzimprägnierung Leitgeb“ erscheint es am Wahrscheinlichsten, dass der Schadstoffeintrag in anorganischer Form (Quecksilberchlorid, HgCl2) erfolgt ist.

Im Grundwasserabstrom des verunreinigten Bereiches zeigten sich sowohl bei der Erkundung in den Jahre 2004 bis 2006 als auch bei den seit 2009 regelmäßig durchgeführten Kontrolluntersuchungen  sehr stark erhöhte Messwerte für Quecksilber bis zu 10 µg/l.

Die Auswertung der Ergebnisse  eines Pumpversuches im direkten Abstrom des verunreinigten Bereiches im Jahr 2006 zeigte eine Quecksilberfracht von rund 1 g/d.

Bei Abschätzung der Schadstofffracht über eine Abstrombreite der Verunreinigung des Grundwassers von 20 m und unter der Annahme einer oberflächennah mit 2  beschränkten Einmischung (der Belastung des Untergrundes reicht teilweise mehrere Meter unter den Grundwasserspiegel) bestätigt sich, dass die Quecksilberfracht mit ebenfalls rund 1 g/d und damit das Ausmaß der Verunreinigung des Grundwasser als erheblich einzustufen sind. Auf Grund des hohen Grundwasserdurchflusses am Standort kann sich keine weitreichende Fahne ausbilden.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass rund 12,5 ha des Altstandortes auf dem die Holzlager sowie die Veredelung der Faserplatten situiert waren nicht oder nur geringfügig oberflächig mit Schadstoffen belastet sind. Im 4 ha großen Bereich der ehemaligen Faserplattenproduktion liegen auf einer Fläche von rund 15.000 m² geringmächtige Anschüttungen mit Anteilen an Brandaschen vor, die mit Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet sind. Innerhalb dieses Bereiches sind mehrere tiefrechende, erheblich verunreinigte Flächen abgrenzbar. Eine etwa 1.500 m² große Fläche nahe zum ehemaligen Öl- und Chemikalienlager ist mit Mineralölkohlenwasserstoffen belastet. Die Verunreinigungen reichen zum Teil bis unter den Grundwasserspiegel. Das Volumen dieses erheblich verunreinigten Untergrundes kann mit rund 3.000 m³ abgeschätzt werden. Im Abstrom der Fläche sind zumindest zeitweise erheblich Verunreinigungen des Grundwassers zu beobachten. Etwa 150 m östlich sind auf einer Fläche von rund 600 m² massive Belastungen des Untergrundes durch Quecksilber gegeben. Die Verunreinigungen reichen bis unter den Grundwasserspiegel. Das Volumen dieses erheblich verunreinigten Untergrundes wird mit rund 5.000 m³ abgeschätzt. Im Abstrom dieser Fläche ist dauerhaft eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers durch Quecksilber nachgewiesen. Der Bereich der ehemaligen Plattenproduktion des Altstandortes "Faserplattenwerk Leitgeb" stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

PRIORITÄTENKLASSIFIZIERUNG

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: groß

Im Bereich des Altstandortes "Faserplattenwerk Leitgeb" ist der Untergrund mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und Quecksilber verunreinigt. Die Fläche des mit MKW verunreinigten Bereiches kann mit 1.500 m² und das Volumen mit ca. 3.000 m³ angegeben werden. Die Fläche des mit Quecksilber verunreinigten Bereiches kann mit 600 m² und das Volumen mit ca. 5.000 m³ angegeben werden. Das im Untergrund in hohen Konzentrationen vorhandene Quecksilber ist aufgrund seiner sehr schädlichen Eigenschaften maßgeblich für das Schadstoffpotenzial. Unter Berücksichtigung der Art der Schadstoffe und der im Untergrund vorhandenen Schadstoffmenge ergibt sich insgesamt ein großes Schadstoffpotenzial.

Schadstoffausbreitung: lokal

Aufgrund des großen Grundwasserdurchflusses, der sehr hohen Verdünnung von Sickerwässern im Grundwasser und der Ergebnisse der Grund­wasseruntersuchungen kann die Länge der Quecksilberfahne auf wenige Meter abgeschätzt werden und ist als sehr kurz zu beurteilen. Es ist mittelfristig mit keiner Änderung der Ausdehnung der Fahne zu rechnen. Die Schadstofffrachten im Grundwasser sind erheblich. Die Schadstoffausbreitung wird insgesamt als lokal klassifiziert.

Schutzgut: gut nutzbar

Der Altstandort liegt in der Außenzone des Grundwasserschongebietes Jaunfeld. Das Grundwasserdargebot ist als hoch zu beurteilen. Brunnen zur Trinkwasserversorgung existieren im Fahnenbereich keine. Bestehende Nutzungen zu Wasserversorgungszwecken sind daher nicht gefährdet. Das Grundwasservorkommen ist daher insgesamt als gut nutzbar zu beurteilen.

Prioritätenklasse - Vorschlag: 3

Entsprechend der Beurteilung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz §14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätenklasse 3 vor.

Datum der letzten Textüberarbeitung: November 2015