Altlast K26: Holzimprägnierung Leitgeb

Beim Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ handelt es sich um einen Teil eines Holzverarbeitungsbetriebs, der seit Anfang der 40er Jahre am Standort Faserplatten herstellt und imprägniert. Insbesondere durch die Verwendung von Teeröl zur Holzimprägnierung kam es zu einer massiven Verunreinigung des Untergrundes auf einer Fläche von ca. 3.000 m². Es findet ein erheblicher Schadstoffeintrag in das Grundwasser statt.

Es wurde eine Ausbreitung von Naphthalin im Grundwasser bis in eine Entfernung von über 250 m festgestellt. Der Altstandort stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Es wird die Einstufung in die Prioritätenklasse 2 vorgeschlagen.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Völkermarkt,
Eberndorf,
Kühnsdorf,
624/1, 627, 628/2, 629/1, 629/4, 629/5, 630, 631, .327
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Holzimprägnierwerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 61.000 m²
Volumen Altlast (m³): 30.000 m³
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 15.09.2007
Datum der Prioritätenfestlegung: 15.09.2007
Priorität: 2
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Vertikale Dichtelemente
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 15.09.2007

Der Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ liegt unmittelbar nördlich der Bahnstrecke Villach – Bleiburg, nahe der Bahnstation Völkermarkt-Kühnsdorf. Bei dem Altstandort handelt es sich um den Teil eines holzverarbeitenden Betriebsstandorts, an dem Faserplatten imprägniert wurden.

Das gesamte Betriebsareal umfasst eine Fläche von insgesamt 18 ha, wobei der Altstandort rund 5 ha davon einnimmt. Der Holzverarbeitungsbetrieb wurde 1883 zur Erzeugung von Schnittholz gegründet, seit Betriebsbeginn wurden immer wieder Bauwerke neu errichtet und Anlagen in Betrieb genommen bzw. umgestellt.

1959 wurde am Altstandort eine Holzimprägnieranlage nach dem Kesseldruckverfahren errichtet. Die Anlage ermöglichte sowohl die Imprägnierung mit Teeröl, als auch mit Salzlösungen (Chromsalzen). Eine nähere Spezifizierung der eingesetzten Chemikalien konnte nicht erhoben werden.

Die Anlage bestand im Wesentlichen aus einem Imprägnierkessel, einem Teerölvorratsbehälter, einem Ölwärmekessel, einem Messkessel, einem Salzlösegefäß, Kompressoren und Messgefäßen. Sämtliche maschinelle Einrichtungen waren im Imprägniergebäude untergebracht. Der Teerölvorratsbehälter wurde über eine Zapfstelle beim Gleiskörper im freien Gefälle vom Eisenbahnkesselwaggon aus gefüllt. 1993 wurde die Imprägnieranlage aufgelassen. Alle Anlagenteile und Gebäude, welche die Imprägnieranlage umfasste, wurden in den Folgejahren abgetragen.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandort befindet sich im Talboden des Jauntales auf etwa 438,5 m ü.A.

Der Untergrund wird aus sandigen Kiesen aufgebaut, in die Schlufflagen eingeschaltet sind. Diese Sedimente stellen den Grundwasserleiter dar. Darüber liegt eine bis zu 20 cm dicke Humusauflage, die allerdings keine dichte Deckschicht über dem Grundwasserleiter darstellt. Unter diesem Grundwasserleiter folgen schluffige Feinsande mit Toneinlagerungen, die als Grundwasserstauer angesprochen werden können. Eine Bohrung (TKB 90) wurde bis in den Grundwasserstauer abgeteuft, der Stauer wurde in einer Tiefe von 19,80 m unter GOK angetroffen, laut Vorerhebungen fällt er nach Nordosten weiter ab.

Der Grundwasserspiegel liegt auf etwa 435,5 bis 437,0 m ü.A. Der Flurabstand beträgt rund 3 m. Zwischen den Grundwasseruntersuchungen wurden Grundwasser-spiegelschwankungen von etwa 0,5 m festgestellt. Der Grundwasserleiter ist etwa 17 m mächtig. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters variiert zwischen etwa 10-3 und 10-4, wobei die geringeren Durchlässigkeiten im feinkörnigeren Untergrund im Norden des Altstandortes anzutreffen sind. Die Grundwasserströmung ist generell nach Westen gerichtet. Das Gefälle beträgt rund 2 ‰ im Bereich des Altstandortes und 7 ‰ im Bereich westlich des Altstandortes.

Der spezifische Durchfluss des Grundwasserkörpers kann für eine Abstrombreite von 1 m somit mit ca. 2,5 m³/d abgeschätzt werden. Ausgehend von der Breite des betroffenen Grundwasserstroms von ca. 150 m ergibt sich ein Grundwasserdurchfluss für die gesamte Aquifermächtigkeit in der Größenordnung von ca. 400 m³/d (4,5 l/s).

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Der Altstandort liegt brach und ist mit Gras und Buschwerk bewachsen. Mit Ausnahme eines ungenutzten Stellwerks-/Bahnwärterhauses der ÖBB befinden sich keine Gebäude und Anlagen mehr auf dem Gelände.

Der Altstandort liegt in der Außenzone des Grundwasserschongebietes Jaunfeld. Etwa 100 m nördlich des Altstandortes, allerdings nicht im Einflussbereich des Grundwasserstroms durch den Altstandort, liegt die Peratschitzenquelle. Im Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt.

Gefährdungsabschätzung

Der Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ befindet sich nahe der Bahnstation Völkermarkt – Kühnsdorf. Von 1959 bis 1993 wurden am Standort Faserplatten mit Teeröl und Salzlösungen imprägniert. Das Areal, das zur Holzimprägnierung genutzt wurde weist eine Fläche von ca. 5 ha auf.

Die Untersuchungen von Feststoffproben aus dem Untergrund zeigen einen Kontaminationsschwerpunkt in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Imprägnieranlage. Der Kernbereich dieses Kontaminationsschwerpunktes hat eine Fläche von 150 m² mit einer mittleren Kontaminationsmächtigkeit von 12 m, bis zu 10 m ins Grundwasser reichend. Der weitere Bereich mit ca. 3.000 m² hat eine mittlere Kontaminationsmächtigkeit von ca. 7 m. Die stärksten Belastungen wurden bei der Analyse der Feststoffproben im Zentrum der Kontamination mit Werten für den KW-Index von 24.297 mg/kg und für PAK mit 4.335 mg/kg (insbesondere Phenanthren mit max. 1.791 mg/kg, Fluoren mit max. 691 mg/kg, Fluoranthen mit max. 661 mg/kg und Acenaphthen mit max. 425 mg/kg) angetroffen. Auch im Eluat zeigen sich für diese Parameter massive Prüfwertüberschreitungen. Ebenso wurde der Prüfwert der ÖNORM S 2088-1 für Naphthalin speziell im Grundwasserbereich sowohl im Feststoff als auch im Eluat erheblich überschritten.

Im Zuge der Grundwasseruntersuchungen konnte festgestellt werden, dass vom Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ ein massiver Eintrag von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ins Grundwasser stattgefunden hat. Im unmittelbaren Abstrom (GWP 6) wurden in den Pumpproben PAK-Konzentrationen von durchschnittlich bis zu 83 µg/l und maximal bis zu 127 µg/l gemessen (insbesondere Acenaphthen mit max. 83 µg/l, Fluoren mit max. 22 µg/l). Ein Vergleich mit dem Prüfwert der ÖNORM S 2088-1 für PAK15 von 0,5 µg/l zeigt die massive Grundwasserverunreinigung.

Ausgehend von den Verunreinigungen im Bereich der Teerölimprägnierung hat sich insbesondere Naphthalin im Grundwasser ausgebreitet. In sämtlichen Abstrommessstellen, bis zu 600 m vom Kontaminationsherd entfernt, konnte Naphthalin nachgewiesen werden, zeitweise kam es dabei auch zu massiven Prüfwertüberschreitungen. In der direkt im nahen Abstrom gelegenen Messstelle wurden in den Schöpfproben Naphthalingehalte bis zu 9.400 μg/l festgestellt, die Pumpproben zeigten Werte von durchschnittlich bis zu 1.420 μg/l und maximal bis zu 2.730 μg/l. Daraus lässt sich ableiten, dass es in diesem Bereich noch immer zu einem massiven Eintrag von Naphthalin in das Grundwasser kommt.

Die mit dem Grundwasser im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes (Schadstofffahnenbreite ca. 60 m) durchschnittlich transportierte Fracht an Naphthalin kann mit rund 260 g/d abgeschätzt werden und ist als sehr groß zu bewerten, ebenso zu bewerten sind die ausgetragenen Frachten an PAK15. Die Frachten an KW-Index und Summe BTEX sind als groß zu bewerten.

Zusätzlich wurden im Zuge der Grundwasseruntersuchungen nahe der Teerölimprägnierung auch Kontaminationen durch weitere Teerölinhaltsstoffe, heterozyklische Kohlenwasserstoffe (v.a. Benzofuran), festgestellt.

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass eine starke Verunreinigung des Untergrundes durch Teeröl, insbesondere durch die PAK15, Naphthalin und Mineralölkohlenwasserstoffe, vorhanden ist. Im Grundwasser ist die Ausbreitung von Naphthalin vom Kontaminationszentrum bis in eine Entfernung von rund 600 m nachgewiesen. Es ist davon auszugehen, dass aktuell ein erheblicher Schadstoffeintrag in das Grundwasser stattfindet. Der Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ stellt daher eine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar.

Prioritätenklassifizierung

Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser. Die maßgeblichen Kriterien für die Prioritätenklassifizierung können wie folgt zusammengefasst werden:

Schadstoffpotenzial: sehr hoch

Am Altstandort „Holzimprägnierung Leitgeb“ ist der Untergrund auf einer Fläche von ca. 3.000 m² durch Teeröl (PAK15und Naphthalin) und damit im Zusammenhang auch durch aromatische Kohlenwasserstoffe, Mineralölkohlenwasserstoffe und heterozyklische Kohlenwasserstoffe verunreinigt. Das Volumen des verunreinigten Untergrundbereiches kann mit 15.000 m³ grob abgeschätzt werden. Der verunreinigte Bereich weist vergleichsweise eine mittlere Größe auf. PAKs, insbesondere die angetroffenen Schadstoffe Acenaphthen und Fluoren, weisen aufgrund der stofflichen Eigenschaften ein sehr hohes Gefährdungspotential für das Grundwasser auf. Unter Berücksichtigung der Art der Schadstoffe und der im Untergrund vorhandenen Schadstoffmenge ergibt sich insgesamt ein sehr hohes Schadstoffpotential.

Schadstoffausbreitung: weitreichend

Die Länge der Schadstofffahne im Grundwasser mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, ins-besondere mit Naphthalin, kann auf länger als 250 m abgeschätzt werden. Es ist also von einer ausgedehnten Schadstofffahne aus-zugehen. Die Schadstofffracht im Grund-wasser ist als sehr groß zu bewerten. Es ist auch weiterhin mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Die Schadstoffausbreitung ist insgesamt als weitreichend zu bewerten.

Schutzgut: gut nutzbar

Der betroffene Grundwasserkörper ist quantitativ gut nutzbar. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Aufgrund der gewerblichen Nutzung sowie hochrangiger Verkehrsflächen im Umfeld (Bahntrasse) sind auch zukünftig keine Grundwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten.

Prioritätenklasse

Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse, der Gefährdungsabschätzung und den im Altlastensanierungsgesetz § 14 festgelegten Kriterien schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung des Altstandortes „Holzimprägnierung Leitgeb“ in die Prioritätenklasse 2 vor.

Datum der Texterstellung: Juni 2007