Altlast K16: Raiffeisenstraße 114 - Klagenfurt

Der Altstandort "Raiffeisenstraße 114 - Klagenfurt" befindet sich im südlichen Stadtgebiet von Klagenfurt. Südöstlich des Altstandortes schließt nach der Raiffeisen Straße das Heizwerk Süd der Stadtwerke sowie ein Molkereibetrieb an. Am Altstandort wurden in einer ca. 2.200 m² großen Produktionshalle von ca. 1964 bis 1982 Filigrandeckenträger produziert.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Klagenfurt (Stadt),
Klagenfurt am Wörthersee,
St. Ruprecht bei Klagenfurt,
240/3
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Mineralöl-, Treibstofflager
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 2.800 m²
Schadstoff(e) Mineralölkohlenwasserstoffe (Schmierstoffe/Hydrauliköle, Diesel/Heizöl)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 20.08.1996
Datum der Prioritätenfestlegung: 09.06.1999
Priorität: 3
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 09.07.1999

In dieser Produktionshalle befanden sich mehrere hydraulisch betriebene Anlagen. Am Nordrand der Halle verläuft ein Kabelschacht . Im Jahr 1982 wurde die Halle zur Drahtverarbeitung umgebaut.

Im südwestlichen Bereich des Grundstückes 240/3 befand sich eine unbefestigte Manipulations- und Lagerfläche. Hier wurden gemäß dem derzeitigen Kenntnisstand Diesel, Petroleum, Schmieröle und Altöle in Fässern gelagert. Im Bereich der Manipulations- und Lagerfläche wurde eine Untergrundkontamination mit Kohlenwasserstoffen bis 3,6 m Tiefe ausgehoben und das kontaminierte Erdreich (ca. 250 t) entsorgt.

  • teilweise künstliche Anschüttung bis zu 3,3 m mächtig;
  • bis ca. 6 bis 9 m unter Gelände: Kiese, stark sandig;
  • bis ca. 14 m unter Gelände: Sande, teilweise feinkiesig, gering schluffig;
  • bis 20 m unter Gelände: schluffige Feinsande.

Die grobkörnigen Sedimente (Sande und Kiese) bis ca. 14 m unter Gelände bilden den ersten Grundwasserleiter. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt ca. 3,5 bis 4 Meter. Die generelle Grundwasserströmung verläuft nach Nordosten mit einem Gefälle von ca. 0,2 %. Die Durchlässigkeit des ersten Grundwasserleiters beträgt rund 3 * 10-4m/s. Die schluffigen Feinsande bilden einen relativen Grundwasserstauer.

Der Altstandort wird gewerblich genutzt. Die Umgebung der Altlast wird ebenfalls gewerblich und teilweise landwirtschaftlich genutzt. Ca. 320 m im Grundwasserabstrom der Altlast existiert ein Trink- bzw. Nutzwasserbrunnen.

Gefährdungsabschätzung

In einer ca. 2.200 m² großen Produktionshalle wurden bis 1982 Filigrandeckenträger produziert, wobei hydraulikgesteuerte Maschinen verwendet wurden.

Zwischen 1994 und 1998 wurden insgesamt 31 Bohrungen sowie ein Schurf durchgeführt und Feststoffproben auf den Parameter Summe KW im Original analysiert. Zur Beurteilung der Analysenergebnisse werden die Orientierungswerte der ÖNORM S 2088-1 herangezogen. In der Tabelle 1 werden die Orientierungswerte und die Anzahl von Proben mit Überschreitungen von Orientierungswerten angegeben.

Anzahl der Proben mit Überschreitungen der Orientierungswerte

 Parameter PW(mg/kg TM) MSW(mg/kg TM) nicht bzw. gering belastet (< PW) belastet(PW – MSW) stark belastet (> MSW)
Summe KW 500 1000 29 2 39
Summe BTX 10 30 45 2 3

Anhand der Tabelle ist ersichtlich, dass zahlreiche Proben beim Parameter Summe KW als stark belastet einzustufen sind. Der maximal gemessene Summe KW-Gehalt (26.258 mg/kg) stellt eine mehr als 26-fache Überschreitung des Maßnahmenschwellenwertes der ÖNORM S 2088-1 dar.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch, dass Belastungen der wasserungesättigten Bodenzone (bis ca. 3 m unter Gelände) über 1.000 mg KW/kg TM im Süd- und im Nordbereich der Produktionshalle vorliegen. An diesen Stellen fand demnach ein KW-Eintrag in den Untergrund statt.

Die Tabelle 1 zeigt auch, dass insgesamt 5 Proben mit aromatischen Kohlenwasserstoffen als belastet bzw. stark belastet einzustufen sind. Diese 5 Proben sind insgesamt 3 Bohrstellen zuzuordnen. Die Verteilung dieser Bohrstellen (2 Stellen im Bereich des Freilagers und 1 Stelle innerhalb der Produktionshalle) zeigt, daß hier punktuelle Kontaminationen des Untergrundes mit aromatischen Kohlenwasserstoffen vorliegen. Im Bereich der wasserungesättigten Bodenzone konnten jedoch bei den durchgeführten Untersuchungen keine stark belasteten Proben festgestellt werden.

Qualitative Untersuchungen ergaben, dass es sich bei der KW-Kontamination um ein höhersiedendes Kohlenwasserstoffprodukt (Siedebereich vergleichbar mit Hydrauliköl) handelt. Organoleptische Befundungen von Proben aus dem südlichen Bereich der Halle geben jedoch auch Hinweise, dass hier eine lokale Kontamination des Untergrundes mit Diesel bzw. Heizöl extra leicht vorliegt.

Auch auf dem nördlich der Halle gelegenen Freigelände waren Messwerte über 1.000 mg KW/kg TM festzustellen. Die Proben vom Bereich des Freigeländes stammen aus dem Grundwasserschwankungsbereich. Demnach ist die KW-Kontamination bis zur Grundwasseroberfläche vorgedrungen und hat sich am Grundwasser in nördliche bis nordöstliche Richtung ausgebreitet. Die Fläche der gesamten KW-Kontamination (über 1.000 mg/kg TM) beträgt rund 2.000 m².

Im Jahr 1998 wurden an drei Terminen insgesamt 46 Grundwasserproben aus 9 Messstellen analysiert . Zur Beurteilung der Grundwasseranalysenergebnisse erfolgt ein Vergleich der Analysenergebnisse mit den Orientierungswerten der ÖNORM S 2088-1. Der Vergleich der Analysenergebnisse mit den Orientierungswerten zeigt, dass bei allen Proben (Pump- und Schöpfproben) der Messstelle P2 der Maßnahmenschwellenwert für Summe KW überschritten wird. Bei den Schöpfproben wird beim Parameter Summe KW bei zahlreichen Messstellen (außer S1) an zumindest einem Beprobungstermin der Maßnahmenschwellenwert (0,1 mg/l) überschritten. Bei den Pumpproben ist eine Überschreitung des Prüfwertes (0,06 mg/l) für den Parameter Summe KW bei den Messstellen HUP2 und HUP4 an jeweils einem Beprobungstermin festzustellen. Außerdem wurden beim Parameter Benzol bei der Grundwassermessstelle HUP1 bei allen Beprobungsterminen (Pump- und Schöpfproben) der Maßnahmenschwellenwert (5 µg/l) überschritten.

Die höchsten Summe KW-Werte wurden an Wasserroben aus der Grundwassermessstelle P2 (Pumpprobe: max. 15,5 mg/l; Schöpfprobe: max. 321 g/l) gemessen. Diese extrem hohen Werte stehen im Zusammenhang mit einer am Grundwasser aufschwimmenden Ölschicht im Bereich dieser Messstelle. Der maximal gemessene KW-Wert der Pumpprobe aus der Messstelle P2 stellt eine mehr als 150-fache Überschreitung des Maßnahmenschwellenwertes dar.

Die Ergebnisse der Grundwasseranalysen bestätigen, dass sich ausgehend von den beiden Schadenszentren im Bereich der Produktionshalle Kohlenwasserstoffe über das Grundwasser in nördliche bis nordöstliche Richtung ausgebreitet haben. Erhöhte Konzentrationen des Parameters Summe KW im Grundwasserabstrom der Produktionshalle sind zeitweise bis ca. 40 m Entfernung (HUP 2) nachweisbar. Eine weiterreichende Ausbreitung von KW im Grundwasser ist aufgrund der Ölart (überwiegend höhersiedende KW) und der Größe der Schadenszentren im Bereich der Produktionshalle nicht zu erwarten.

Im unmittelbaren Grundwassersabstrom existieren keine Grundwassernutzungen. Ca. 320 m NE der Altlast wird das Grundwasser u. a. zu Trinkwasserzwecken genutzt.

Die erhöhten Summe KW-Werte bei den Messstellen S1, S2 und P1 stehen aufgrund der grundwasserstromseitlichen Lage dieser Messstellen nicht im Zusammenhang mit der Untergrundverunreinigung im Bereich der Produktionshalle. Die Sonde P1 befindet sich im Abstrom einer ehemaligen Manipulations- bzw. Lagerfläche für Mineralöle. Im Bereich dieser Manipulations- und Lagerfläche wurden ca. 250 t mineralölkontaminierter Untergrund ausgehoben und entsorgt. Ein Zusammenhang der erhöhten Summe KW-Werte von Proben aus dieser Sonde mit einer Restbelastung dieser KW-Kontamination ist nicht auszuschließen.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Untersuchungen folgendes:

  • Im Bereich einer Produktionshalle wurden KW-Einträge in den Untergrund nachgewiesen.
  • Am Altstandort ist der Untergrund auf einer Fläche von rund 2.000 m² mit KW kontaminiert.
  • Im unmittelbaren Grundwasserabstrom der KW-Eintragsstellen schwimmt teilweise eine Ölphase am Grundwasser auf. Eine Veränderung der Grundwasserqualität ist bis ca. 40 m im Abstrom der KW-Eintragsstellen feststellbar.
  • Eine großräumige Verunreinigung des Grundwassers ist nicht anzunehmen.

Datum der Texterstellung:   Februar 1999