Sanierte Altlast B6: Gemeindedeponie Apetlon

In einer natürlichen Bodensenke wurden von 1970 bis 1988 ca. 27.000 m³ Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt und Aushubmaterial bis in den Grundwasserschwankungsbereich abgelagert. Die Ablagerungen verursachten eine deutliche Beeinflussung der Grundwasserqualität (reduzierende Verhältnisse, erhöhte Mineralisation).

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Neusiedl am See,
Apetlon,
Apetlon,
1239
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altablagerung
Deponietyp: Kommunale Deponie
Art der Ablagerungen: Aushubmaterial/Abraum,
Bauschutt,
Hausmüll,
Industrie-/Gewerbemüll
Fläche Altlast (m²): 12.000 m²
Volumen Altlast (m³): 27.000 m³
Schadstoff(e) Deponiesickerwasser
Datum Eintrag Altlastenatlas: 23.02.1995
Datum der Prioritätenfestlegung: 07.07.1995
Priorität: 3
Datum Ausweisung dekontaminiert: 02.06.2003
Status Maßnahme: abgeschlossen
Art der Maßnahme: Dekontamination
Sanierungsverfahren (Gruppe): Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 02.06.2003

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen wurde das gesamte Ablagerungsmaterial entfernt. Die Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass sich die Grundwasserqualität nach der Räumung bereits deutlich verbessert hat. Die Altlast ist als saniert zu bewerten.

Beschreibung der Altlast

In einer natürlichen Bodensenke ca. 1 km nördlich von Apetlon wurden von 1970 bis 1988 Hausmüll, Bauschutt, Sperrmüll, gewerbliche und landwirtschaftliche Abfälle abgelagert. Auf einer Fläche von ca. 1 ha wurde die ca. 1 m tiefe Bodensenke voll-ständig aufgefüllt. Stellenweise reichten die Ablagerungen bis zu 1,5 m über die natürliche Geländehöhe. Das Ablagerungsvolumen wurde daher mit mehr als 10.000 m³ abgeschätzt.

Technische Einrichtungen zum Schutz des Grundwassers vor Sickerwässer aus dem Ablagerungsbereich waren keine vorhanden. Bei hohen Grundwasserständen lag der Grundwasserspiegel im Bereich der Deponiesohle.

Die Altlast befindet sich im Bereich des großräumigen Grundwasserkörpers des Seewinkels, der sich aus sandigen Kiesen ("Seewinkelschottern") zusammensetzt. Im Bereich der Altlast wurden bei Bohrungen Kiese und Sande, ab einer Tiefe von 9 bis 14 m grundwasserstauende Tone angetroffen. Der Grundwasserspiegel liegt 1 bis 2 m unter der Geländeoberfläche, die Mächtigkeit des Grundwasserkörpers ist daher 7 bis 13 m.

Im Seewinkel weist der Grundwasserspiegel generell ein sehr geringes Gefälle auf. Die Ermittlung der kleinräumigen Grundwasserströmungsverhältnisse ist daher meist schwierig. Großräumig fließt das Grundwasser im Bereich der Altlast nach Süden.

Im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich sind keine Nutzungen des Grundwassers für Trinkwasserzwecke vorhanden. Das Siedlungsgebiet von Apetlon beginnt ca. 1 km südlich der Deponie.

Gefährdungsabschätzung

Die Deponie Apetlon war eine mit mehr als 10.000 m³ Haus-, Gewerbe-, Sperrmüll und Bauschutt verfüllte natürliche Bodensenke. Zusätzlich wurden in mehreren Bereichen Halden mit gewerblichen und landwirtschaftlichen Abfällen bis zu einer Höhe von 1,5 m und Maximaltiefen bis zu 3 m geschüttet. Es bestand keine Abdichtung der Sohle zum Grundwasser. Die Deponiesohle lag im Grundwasserschwankungsbereich.

Entsprechend der natürlichen Grundwasserqualität im Seewinkel wurden einige Wasserinhaltsstoffe bereits im Grundwasserzustrom der Altlast in sehr hohen Konzentrationen nachgewiesen, die insbesonders bei Natrium und Sulfat deutlich über den Trinkwassergrenzwerten lagen.

Im Grundwasserabstrom der Deponie wurde bei den Parametern Ammonium, Kalium und Eisen deutlich erhöhte Konzentrationen festgestellt, die zum Teil erheblich über den damals gültigen Trinkwassergrenzwerten lagen. Diese deutliche Veränderung der Grundwasserqualität war auf Sickerwasseremissionen aus dem Ablagerungsbereich zurückzuführen.

SANIERUNGSMASZNAHMEN

Beschreibung der Sanierungsmaßnahmen

Ziel der Sanierungsmaßnahmen war die Herstellung eines Zustandes, bei dem eine Ausbreitung von Schadstoffen dauerhaft ausgeschlossen bzw. minimiert ist. Zu diesem Zweck wurde die Altablagerung im Zeitraum von Jänner bis November 2002 vollständig geräumt.

Die Sanierung der Altablagerung erfolgte in drei Abschnitten, den Vorarbeiten, der Räumung sowie der Verfüllung bzw. Renaturierung. Im Zuge der Vorarbeiten wurde der Bewuchs entfernt und die dabei anfallenden organischen Materialien und sonstigen oberflächigen Ablagerungen entsorgt. Es wurden sechs rasterförmig auf der Fläche verteilte Probeschürfe durchgeführt und die Abfallzusammensetzung überprüft.

Die Räumung erfolgte nach folgendem Schema:

  • Abtrag der Anschüttung
  • Aussortierung von augenscheinlich erkennbaren größeren Mengen an Haus- oder Sperrmüll
  • Abtransport sowie Zwischenlagerung des ausgesiebten Erdaushubmaterials für Rekultivierungszwecke
  • Entsorgung von Hausmüll, Sperrmüll und Baurestmassen

Die Altablagerung wurde in vier Räumungsabschnitten unterteilt. Nach Erreichen der Deponiesohle im jeweiligen Abschnitt wurde aus ca. 20 Einzelproben eine Mischprobe erstellt und analysiert. Keine der insgesamt vier untersuchten Mischproben zeigte erhöhte Werte.

Die durchschnittliche Aushubtiefe betrug ca. 1,5 m mit Maximaltiefen von ca. 3 m im Zentrum der Altablagerung. Insgesamt wurden ca. 27.000 m³ Ablagerungen ausgehoben, davon waren ca. 6.000 m³ Sperrmüll bzw. Reststoffe, ca. 7.000 m³ Baurestmassen und ca.14.000 m³ Erdaushubmaterial. Insgesamt ca. 13.000 m³ wurden entsorgt (Sperrmüll, Reststoffe, Baurestmassen). Das Erdaushubmaterial wurde für Rekultivierungszwecke verwendet. Im Vergleich zur Gefährdungsabschätzung wurde bei der Räumung ein deutlich höheres Ablagerungsvolumen angetroffen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Mächtigkeit der Ablagerungen deutlich höher war als bei der Gefährdungsabschätzung angenommen wurde.

Nach erfolgter Räumung und Freigabe der Deponiesohle wurde die Grube mit Kies sowie Erdaushubmaterial verfüllt. Entsprechend dem Renaturierungsplan ergab sich eine flache Mulde in Form eines Trockenbiotops.

Im Anschluss an die Rekultivierung wurde aus einer Grundwassermessstelle im Grundwasserabstrom für zwei Wochen mit einer Fördermenge von 5 l/s Grundwasser entnommen und auf die Oberfläche der rekultivierten Altablagerung verregnet.

Grundwasserbeweissicherung

Vor Beginn der Räumung sowie an zwei Terminen während der Räumungsarbeiten wurden die vorhandenen vier Grundwassermessstellen beprobt. Nach Abschluss der Räumungsarbeiten wurden gleichfalls aus allen vier Grundwassermessstellen Proben entnommen und analysiert. In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der am stärksten belasteten Grundwassermessstelle vor sowie nach der Räumung der Altlast dargestellt.

Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen vor bzw. nach der Räumung am Beispiel der am stärksten belasteten Messstelle

Parameter Einheit 29.11.01 vor Räumung 31.10.02 nach Räumung
Geruch   faulig geruchlos
Farbe   gelbbraun gelbbraun
pH   7,45 7,12
Leitfähigkeit µS/cm 2250 1736
Ammonium mg/l 2,58 0,95
Nitrit mg/l 0,05 0,02
Phosphat mg/l 0,29 0,17
Eisen mg/l 1,22 0,61
Kalium mg/l 42 19
Natrium mg/l 244 173

Es wurden sämtliche Ablagerungen entfernt. Die Untersuchungen der Aushubsohle ergeben keine Hinweise, dass nach der Entfernung der Ablagerungen Verunreinigungen im Untergrund verblieben. Die Wiederverfüllung erfolgte mit Material, das keinen negativen Einfluss auf die Grundwasserqualität bewirken kann.

Die Ergebnisse der Grundwasserbeweissicherung zeigen, dass bei den Parametern, die vor der Räumung im Grundwasser besonders auffällig waren, die Konzentrationen deutlich gesunken sind (Ammonium, Eisen, Kalium). Die Grundwasserqualität im Grundwasserabstrombereich hat zwar noch nicht die Qualität des Grundwasseranstrombereiches erreicht, die deutlich fallende Tendenz zeigt jedoch, dass in absehbarer Zeit im Grundwasserabstrombereich keine Veränderung der Grundwasserqualität erkennbar sein wird.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Sanierungsarbeiten und Untersuchungen, dass die Altablagerung entfernt wurde und von dem geräumten Bereich keine erhebliche Gefährung mehr für das Grundwasser ausgeht. Die Altlast ist daher als saniert zu bewerten.

 

Datum der Texterstellung:    April 2003