Altlast W18: Gaswerk Simmering

Der Altstandort "Gaswerk Simmering" befindet sich im südöstlichen Teil von Wien, im 11. Wiener Gemeindebezirk. Unmittelbar nördlich des Altstandortes liegen die Erdbergstraße bzw. die Guglgasse, östlich verläuft die Ostbahn. Das Gaswerksareal umfaßt eine Fläche von ca. 32,5 ha.

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Wien 11.,Simmering,
Wien,
Simmering,
.1193/16, .1193/17, .1193/18, .1193/19, .1193/20, .1193/21, .1193/22, .1193/23, .1193/24, .1193/27, .1193/29, .1193/30, .1193/34, .1193/35, .1193/37, .1193/38, .1193/39, .1193/40, .1193/41, .1193/42, .1193/43, .1193/44
Lage der Altlast : Altlast im GIS anzeigen
Art der Fläche: Altstandort
Branche: Gaswerk
Ergebnis Beurteilung: erhebliche Kontamination
Fläche Altlast (m²): 330.000 m²
Schadstoff(e) Teeröl (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Cyanide, Benzol, Phenole)
Datum Eintrag Altlastenatlas: 07.02.1996
Datum der Prioritätenfestlegung: 02.02.2000
Priorität: 1
Status Maßnahme: in Durchführung
Art der Maßnahme: Sicherung
Sanierungsverfahren (Gruppe): Hydraulische Maßnahmen,
Räumung
Datum Aktualisierung Altlastenatlas: 01.03.2000

BESCHREIBUNG DER ALTLAST

Ab 1899 wurde im "Gaswerk Simmering" aus Kohle Stadtgas erzeugt. Nach mehreren Umstellungsprozessen (Kohlegaserzeugung bis zum Jahr 1966 und Spaltgaserzeugung bis 1975) wurde das Gaswerk im Jahr 1975 geschlossen. Der Altstandort war einer der größten Wiener Gasproduktionsbetriebe. Von 1900 bis 1960 wurden ca. 8,6 Milliarden m³ Stadtgas erzeugt. Auf dem Standort waren die für ein Gaswerk typischen Anlagen vorhanden, wie z.B Kohlengasreinigung, Teerabscheider, Teerzisternen, Ammoniakwaschanlage, Ammoniakzisterne, Naphtalinwaschanlage, Leichtölwäscher, Leichtölbehälter, Öltanks.

Bei der Stadtgaserzeugung fallen als umweltgefährdende Nebenprodukte oder Rückstände u.a. Teer, Gasreinigermasse und Ammoniakwasser an. Es wird vermutet, daß im Zeitraum von 1900 bis 1960 ca. 500.000 t Reinigungsmassen anfielen, über deren Verbleib bzw. Weiterverarbeitung keine genauen Daten vorhanden sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Gaswerkes beschädigt. Unter anderem brannten die Eindeckungen der gemauerten Gasbehälter aus, wurde die Leichtölanlage zerstört und stürzte die Teerzisterne teilweise ein. Der verbleibende kontaminierte Schutt wurde großteils auf dem Areal deponiert bzw. für Anschüttungen verwendet.

Der Altstandort "Gaswerk Simmering" befindet sich im Bereich des Wiener Beckens, am westlichen Abfall der Schwechater Mulde. Der Untergrund gliedert sich im Bereich des ehemaligen Gaswerkes generell folgendermaßen:

  • anthropogene Anschüttungen an der Geländeoberfläche (1-3 m mächtig)
  • Ausedimente (1-3 m)
  • quartäre Donauschotter (3-8 m)
  • tertiäre Feinsande (0-5 m)
  • tertiäre Tonmergel und Schluffe (ab 10 – 17 m unter GOK)

Die quartären Donauschotter bilden den Hauptgrundwasserleiter, wobei ca. 3 bis 6 m wasserführend sind. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit größer 1* 10-4 m/s abgeschätzt werden. Der Grundwasserspiegel liegt ca. 5 – 7 m unter GOK und schwankt im Jahresgang ca. 1,5 m.

Die Grundwasserströmung ist im Bereich des Altstandortes generell nach Osten bis Südosten gerichtet. Ca. 200 m nordöstlich des Altstandortes fließt der Donaukanal. Aufgrund der Nähe zum Donaukanal und den guten Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Grundwasser und Donaukanal sind die Grundwasserströmungsverhältnisse überwiegend instationär. Zusätzlich werden die Grundwasserströmungsverhältnisse von Grundwasserentnahmen in der Nähe des Altstandortes und von Bau- und Wasserhaltungsmaßnahmen im Zuge des U-Bahnbaues beeinflußt. So wurden im Juli und Oktober 1997 im westlichen Bereich des Altstandortes eine Grundwasserströmung nach Westen und im zentralen und östlichen Bereich des Altstandortes eine Grundwasserströmung nach Ostsüdosten bis Südosten festgestellt.

Der Altstandort befindet sich in einem vorwiegend industriell und gewerblich genutzten Gebiet. Östlich und südöstlich des ehemaligen Gaswerkes sind auch landwirtschaftlich genutzte Bereiche vorhanden. Im Bereich des ehemaligen Gaswerkes und dessen Umgebung gibt es zahlreiche Grundwassernutzungen. Das Grundwasser wird zum Teil als Nutzwasser und für Bewässerungszwecke verwendet.

 

GEFÄHRDUNGSABSCHÄTZUNG

Der Standort des ehemaligen "Gaswerk Simmering" umfaßt eine Fläche von rund 32,5 ha und liegt im 11. Wiener Gemeindebezirk. Das Gaswerk wurde von 1900 bis 1975 betrieben und war einer der größten Gasproduktionsbetriebe Österreichs. Im Zeitraum von 1900 bis 1960 wurden ca. 8,6 Milliarden m³ Stadtgas erzeugt.

Bei der Stadtgaserzeugung fallen als Nebenprodukte vor allem Teer, Gasreinigermasse und Ammoniakwasser an. Typische Schadstoffe dieser Nebenprodukte sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole, aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX) für Gaswerksteer sowie Cyanide, Schwefel und Sulfide für die Gasreinigermasse.

Zur Ermittlung kontaminierter Bereiche wurden am ehemaligen Standort des "Gaswerkes Simmering" insgesamt 187 Rammkernbohrungen hergestellt. Im gesamten Bereich des Altstandortes wurden anthropogene Anschüttungen bis zu einer Mächtigkeit von 7,2 m angetroffen.

Im östlichen Bereich des Altstandortes ist eine massive Verunreinigung des Untergrundes durch Teerölkomponenten zu beobachten. Vor allem im Bereich der Teerzisterne versickerten große Mengen Teeröl in den Untergrund. Die Verunreinigungen reichen stellenweise bis zu gering durchlässigen Untergrundschichten im Grundwasserkörper in Tiefen von mehr als 10 m, wo sich das Teeröl entsprechend dem Oberflächenrelief dieser Schichten auch lateral ausgebreitet hat.

Die massiven Verunreinigungen im östlichen Teil des Altstandortes waren bereits während der Bohrarbeiten erkennbar. Die Untersuchung von Untergrundproben bestätigte das enorme Ausmaß der Untergrundverunreinigung. Die stärksten Belastungen durch PAK wurden im Bereich der ehemaligen Teer- und Ammoniakzisterne, des Teerturmes, der Teerscheide- und Ammoniakwäschergebäude und der Leichtölwäscheranlage festgestellt. Die in diesem Bereich ermittelten Gesamtgehalte für PAK (max. 6.455 mg/kg) liegen deutlich über den Richtwerten (z.B. LAWA: 100 mg/kg).

Im Bereich der ehemaligen Teer- und Ammoniakzisterne, des Teerturmes, der Leichtölwäscheranlage und dem Kohlengasreinigerhaus konnten zusätzlich massive Belastungen durch den Parameter Summe Kohlenwasserstoffe festgestellt werden. An zahlreichen Probenahmestellen wurden auch deutliche Cyanidbelastungen des Untergrundes festgestellt. Es wurden Gesamtgehalte bis 1,2 g/kg TM ermittelt, die deutlich über dem Maßnahmenschwellenwert von 250 mg/kg TM liegen. Die Verunreinigungen des Untergrundes mit Cyaniden sind flächenhaft über den gesamten Standort verteilt. Es ist daher anzunehmen, daß Produktionsrückstände (z.B. Gasreinigermassen) am Standort abgelagert wurden und im Verlauf der Nutzungsgeschichte über den Standort verteilt wurden (z.B. durch Abbruch- und Umbauarbeiten). Punktuell wurden Verunreinigungen des Untergrundes mit Phenolen, Ammonium und Sulfat festgestellt.

Ausgehend von den massiven Untergrundverunreinigungen auf dem Gaswerksareal ist eine sehr starke Grundwasserverunreinigung vorhanden. Im Grundwasser sind mehrere Schadstoffe in sehr hohen Konzentrationen vorhanden (z.B. PAK, Cyanide, Ammonium, aromatische KW, Phenole). Besonders hervorzuheben ist die extreme PAK-Belastung des Grundwassers im Bereich und im Abstrom der Teerzisterne sowie die flächenhaften, sehr hohen Cyanidkonzentrationen im Grundwasser. Bei den meisten Parametern werden die Maßnahmenschwellenwerte für Grundwasser deutlich überschritten.

Zusammenfassend ergeben sich folgende Aspekte für eine Gefährdungsabschätzung:

  • Der Standort ist einer der größten, ehemaligen Gaswerksstandorte Österreichs (325.000 m²).
  • Der Untergrund am Standort ist in großen Bereichen verunreinigt.
  • Im östlichen Bereich ist der Untergrund massiv mit Teeröl verunreinigt.
  • Deutliche Cyanidverunreinigungen des Untergrundes wurden flächenhaft am gesamten Altstandort festgestellt.
  • Punktuell sind Belastungen des Untergrundes mit Mineralöl, Phenolen, Ammonium und Sulfat vorhanden.
  • Das Grundwasser im Bereich des Standortes ist massiv verunreinigt (mehrere Schadstoffe, insbesonders PAK und Cyanid).
  • Das Grundwasser wird im Bereich der Altlast als Nutzwasser verwendet, in größerer Entfernung auch für Bewässerungszwecke.

 

Datum der Texterstellung:    November 1999